Von den Beratungsstellen wird nur ein geringer Prozentsatz erreicht ca

(13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 40 Herausragendste Form der nicht-stofflichen Suchtformen ist dabei sicherlich das Glücksspiel.

Hier gilt Ähnliches wie bei der Medikamentensucht: Beratungen und Behandlungen finden sowohl in den Suchtfachstellen, wie in einigen spezialisierten Kliniken statt. Vom klassischen Glücksspiel betroffen sind jetzt noch eher ältere Erwachsene, wobei Computer- und Internetspielsucht bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den letzten Jahren stark angestiegen sind.

Von den Beratungsstellen wird nur ein geringer Prozentsatz erreicht (ca. 3 %), während in einem wachsenden Glücksspielmarkt der Gesamtumsatz in Deutschland in 2007 27,99 Mrd. Euro erreicht hat. Schätzungen von Prävalenzstudien gehen von 0,29 ­ 0,64 % von Spielern mit problematischem Spielverhalten gemessen an der Gesamtbevölkerung aus.

(Quelle: DHS Jahrbuch Sucht 2009)

Eine Verteilung der verschiedenen Altersgruppen ist aber kaum möglich. Für Ältere können hier durch eine engere Zusammenarbeit zwischen den Suchtfachstellen und den Seniorenbüros die bestehenden Beratungsmöglichkeiten auch für diese Personengruppe besser bekannt gemacht werden. Allerdings zeigt auch die Erfahrung, dass Spielsucht bzw. süchtiges Spielverhalten eines Familienmitgliedes aufgrund einer hohen Schambehaftung ­ gerade bei einem älteren Menschen - sehr häufig so lange verdeckt bleibt, wie die Familie noch für die Deckung der Spielschulden aufkommen kann.

Zusammenfassung:

Neben dem Alkoholkonsum und ­missbrauch spielt vor allem der Medikamentenmissbrauch bei älteren Menschen eine Rolle bei der Entwicklung von süchtigen Verhaltensweisen.

Während beim Medikamentenmissbrauch nur Schätzzahlen aufgrund des Umsatzes an psychotrop wirkenden Medikamenten genannt werden können, bieten die Krankenhausstatistiken ein paar harte Zahlen aufgrund der Erfassung alkoholbedingter Begleiterkrankungen bzw. akuter Erkrankungen durch Alkoholkonsum. Für beide Suchtgefährdungen sind in aller Regel die behandelnden Hausärzte erste Ansprechpartner (entsprechend auch die Ärztevertretungen, Kammern und Krankenkassen), um gemeinsam mit Beratungsstellen die Zusammenarbeit auch bei der Behandlung älterer Menschen zu verbessern.

F. Unterstützende Wohnformen

Welche Wohnformen werden von Senior/innen im Saarland bevorzugt und welchen Stellenwert haben dabei sog. unterstützende bzw. alternative Wohnformen?

Zu Frage 1: Eine Umfrage im Februar 2009 bei „Leitstellen Älter werden"/Seniorenbüros in den Landkreisen bzw. im Regionalverband Saarbrücken ergibt folgendes Bild:

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 41 a) Landkreis Merzig-Wadern

Nach langjährigen Erfahrungen ist aufgrund des hohen Anteils an Eigenheimbesitzern im ländlichen Raum an Saar, Mosel und Hochwald die Bereitschaft älterer Menschen nur sehr gering, die gewohnte Lebens- und Wohnumgebung zugunsten alternativer Wohnformen aufzugeben.

Es wird in fast jedem Hilfe- oder Pflegefall zunächst versucht, durch Mitwirkung von pflegenden Angehörigen so lange wie irgend möglich in der bisherigen Wohnung oder dem Eigenheim zu bleiben. Bereits ein möglicher Umzug in das Haus von Kindern oder anderen Familienmitgliedern wird möglichst lange hinausgezögert. Sollte ein Verbleib „zu Hause" tatsächlich nicht mehr möglich sein, erfolgt schließlich als letzter Schritt die Aufnahme in ein Alten-/Pflegeheim.

Im eher städtischen Bereich (Kreisstadt Merzig, Stadt Wadern) des Landkreises sind eher vereinzelt Anfragen nach Betreutem Wohnen oder Hausgemeinschaften für Senioren aufgrund noch fehlender geeigneter Angebote zu verzeichnen.

Die Bemühungen der Beratungsstellen der Landkreise/des Regionalverbandes und auch die künftigen finanziellen Fördermöglichkeiten (aktuelles Förderprogramm des Landes „Wohnen im Alter") sollten weiterhin darauf ausgerichtet sein, durch eine umfassende Wohnberatung eine Anpassung des Wohnumfeldes an die Möglichkeiten und Bedürfnisse, aber auch die Einschränkungen einer älter werdenden Bevölkerung zu erreichen.

b) Landkreis Neunkirchen

Im Landkreis Neunkirchen wird erfahrungsgemäß von den Senior/innen der Verbleib in der eigenen Wohnung mit notwendigen, unterstützenden Maßnahmen wie etwa durch Angehörige, Pflegedienste oder andere Leistungserbringer bevorzugt.

c) Regionalverband Saarbrücken

Aus der Beratung ergibt sich, dass der Verbleib in der häuslichen Umgebung immer noch die erstrebenswerteste Wohnform für die meisten älteren Menschen darstellt. Unterstützend können hier schnell zugängliche Service-Maßnahmen sein wie z. B. eine versorgende Tagesstruktur, die man tagsüber aufsuchen kann mit Rückkehr in die eigene Häuslichkeit, betreute Wohnformen, die eine klar definierte Kostenstruktur und einklagbare Rechte bei Nichteinhaltung durch den Anbieter vorsehen. Die Nachfrage nach dem sog. Mehrgenerationenwohnen ist derzeit im Seniorenbüro eher randständig. Gemeinsames Wohnen im Sinne einer Genossenschaftsbildung wird mehr nachgefragt, z. B. Projekt „Wohnen mittendrin".

e) Landkreis Saarlouis

Eine statistische Erhebung bezogen auf den Landkreis Saarlouis aus dem Jahr 2008 zeigte, dass 78,9% der Seniorinnen und Senioren, die mindestens das 65. Lebensjahr vollendet haben, in einem Eigenheim wohnen, 10,1% wohnen zur Miete, 9,9% besitzen lebenslanges Wohnrecht und 1,1% leben im Betreuten Wohnen.

Des Weiteren ging daraus hervor, dass bei 3,6% der Seniorinnen und Senioren des Landkreises Saarlouis eine Umzugsbereitschaft in alten- oder behindertengerechte Wohnformen besteht. Ebenso besteht bei 5,0% die Bereitschaft, in eine Wohnung mit Erdgeschoss oder Fahrstuhl umzuziehen. Ein Umzug ins „Betreute Wohnen" kommt für 11,4% in Betracht.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 42 d) Saar-Pfalz-Kreis

Die Senioren im Saarpfalz-Kreis bevorzugen den Verbleib in der eigenen Wohnung/Haus.

Rege Nachfrage besteht im Bereich des Betreuten Wohnens.

Im Saar-Pfalz-Kreis bestehen Initiativen die sich die Bildung von gemeinsamen Wohnformen zum Ziel gesetzt haben.

e) Landkreis St. Wendel Folgende Wohnformen werden von Senioren/innen im Landkreis St. Wendel bevorzugt:

· Wohnen in der eigenen Wohnung / Haus: x ohne Hilfebedarf

· Betreutes Wohnen in Wohnanlagen: x

· Seniorenwohngemeinschaften: /

· Betreutes Wohnen zu Hause: (allein) x

· Wohnen im Hause der Kinder x

Der Stellenwert unterstützender bzw. alternativer Wohnformen kann aufgrund der bisherigen Anfragen und Informationen nur grob eingeschätzt werden:

· Seniorenwohngemeinschaft: sehr gering

· Wohnen im Hause der Kinder sehr hoch

· Betreutes Wohnen zu Hause sehr hoch

Laut Architektenkammer des Saarlandes ist der Eigentumsanteil an den Privatwohnungen im Saarland überdurchschnittlich hoch. Auch die Wohnungsgrößen liegen mit 96 qm über dem bundesweiten Durchschnitt (93 qm).

Nach der Studie von Matthias Wirtz vom Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalplanung (InWIS) an der Ruhr-Universität Bochum, die dieser auf dem Fachkongress "Wohntrends 2020" am 17.11.2008 in Saarbrücken vorgestellt hat, ist die Veränderungsbereitschaft im Saarland sehr gering ausgeprägt.

Dies dürfte der hohen Eigentumsquote geschuldet sein.

So antworteten im Saarland nur 17,7 % der Befragten, dass ihre Wohnung deutlich anders aussehen sollte (im Bundesdurchschnitt 37 %). Hinzu kommt, dass die Veränderungsbereitschaft mit steigendem Lebensalter abnimmt.

Für die Architektenkammer des Saarlandes ist das Ergebnis der Wirtz-Studie eine Bestätigung der eigenen Erkenntnisse, dass:

- zum Zeitpunkt der Errichtung eines eigenen Hauses bzw. Kauf einer eigenen Wohnung eine große Wohnfläche angestrebt wird

- die in "jungen Jahren" eingegangenen Verpflichtungen im Zusammenhang mit Wohnungseigentum mit zunehmendem Alter häufig als Belastung empfunden werden

- die Notwendigkeit zur Anpassung des Wohnbereiches an körperliche Einschränkungen infolge gestiegenen Lebensalters häufig nicht erkannt wird und die Veränderungsbereitschaft sinkt.