Pflegeeinrichtungen

(13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 43 Festzuhalten ist, dass es den Wohnwünschen der Menschen nicht entsprechen würde ­ ableitend aus der demografischen Entwicklung - den Bau von Heimen zu forcieren. Vielmehr ist auf die Entwicklung bzw. Sicherung von Wohnformen Wert zu legen, die Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Selbstorganisation

- Kontinuität der Lebensbezüge

- Soziale Integration in das Umfeld und die gewohnte Gemeinschaft

- Objektive und subjektive Sicherheit ­ insbesondere im Krankheitsfall und bei Notfällen gewährleisten. Zur Sicherung der wichtigsten Wohnform, dem Wohnen in der eigenen Häuslichkeit, werden in Zukunft sehr unterschiedliche, individuell passende und kommunenbezogene Strategien erforderlich sein, die soziale, ökonomische und stadtplanerische Aspekte berücksichtigen sollten.

Wie viele Seniorenpflegeheime werden im Saarland betrieben?

Zu Frage 2: Im Saarland werden derzeit insgesamt 139 Pflegeeinrichtungen betrieben.

Welche neuen Wohnformen für Seniorinnen und Senioren hält die saarländische Landesregierung für zukunftsfähig?

Zu Frage 3: Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen ebenso wie deren Präferenzen werden sich auch in Zukunft aus der jeweiligen Entscheidungssituation der Betroffenen und ihren Bedürfnissen ergeben:

· So lange wie möglich zu Hause bleiben

Eine barrierefreie, alters- und behindertengerechte sowie pflegegeeignete Wohnung ist eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung eines selbständigen Haushalts vor allem bei körperlicher Beeinträchtigung. Eine Wohnberatung hilft, eine individuelle Wohnungsanpassung vorzunehmen, Barrieren und Gefahrenquellen zu vermindern und geeignete Lösungen zum Erhalt einer selbständigen Lebensführung zu verwirklichen. Auch sollte eine fachkundige Beratung durch Architekten und Innenarchitekten in Erwägung gezogen werden.

Betreutes Wohnen zu Hause („Wohnen plus") ­

Der Verbleib in der eigenen Häuslichkeit oder Wohnung wird gesichert durch Inanspruchnahme ergänzender Hilfsdienste bzw. Dienstleistungsangebote zum Beispiel in den Bereichen Pflege und hauswirtschaftliche Versorgung ­ dies auch im Rahmen nachbarschaftlicher oder quartiersbezogener Hilfe- und Betreuungskonzepte.

Siedlungsgemeinschaften ­ Ausgehend von der Erfahrung, dass ein Großteil der Bewohner einer Siedlung der älteren Generation angehört - werden Gemeinschafts- und Hilfeangebote innerhalb einer Siedlung bzw. Wohnanlage organisiert, zum Beispiel von Wohnungsbau-, Siedlungsgesellschaften oder Selbsthilfegruppen.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 44 · Wohnalternative wählen Selbstorganisierte Wohn- oder Hausgemeinschaften ­

Nur ältere oder auch ältere und jüngere Menschen (Mehrgenerationenwohnen) wohnen gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus. Es handelt sich um gemeinschaftliche Wohnformen, wobei die Gemeinschaft bewusst gesucht wird. Dabei hat jeder Bewohner einen eigenen Wohnbereich, einige Räume werden gemeinschaftlich genutzt. Bei Hilfe- und Pflegebedarf, der über nachbarschaftliche Hilfe hinausgeht, erfolgt meist ein Rückgriff auf ambulante Dienste.

Wohnstifte/Seniorenresidenzen ­

Hier erfolgt eine Koppelung von Wohn- und Betreuungsangeboten in einer eigenen Wohnung innerhalb einer Wohnanlage. Im Unterschied zum Betreuten Wohnen besteht hier in der Regel die Verpflichtung, nicht nur allgemeine Betreuungsleistungen im Bereich der Betreuung, Pflege und Versorgung, sondern auch weitere Dienstleistungen im Bereich der Betreuung, Pflege und hauswirtschaftlichen Versorgung anzunehmen.

· Wohnsituation verändern, weil es nicht mehr anders geht Senioren- und Pflegeheime ­ Hier steht die Notwendigkeit im Vordergrund, die bisherige Wohnform zu verlassen, weil eine selbständige Haushaltsführung nicht mehr zu bewältigen ist, zum Beispiel wegen Pflegebedürftigkeit, fehlenden ambulanten Hilfeangeboten, sozialer Isolation, Wohnungsmängeln.

Betreute Hausgemeinschaften ­ Eine kleine Gruppe pflege ­ bzw. hilfebedürftiger älterer Menschen lebt in einer Wohnung oder einem Haus zusammen. Jeder Bewohner hat einen eigenen Wohn-/Schlafbereich, und das Alltagsleben findet weitgehend in einem oder mehreren Gemeinschaftsräumen und einer dazugehörigen Küche statt. Die Betreuung erfolgt stundenweise oder dauerhaft durch Betreuungspersonal.

Unterschiede zwischen den aufgeführten Typen bestehen im Wesentlichen mit Blick auf folgende Merkmale:

· selbständigkeitsfördernde räumliche Gestaltung von Wohnung und Wohnumfeld

· Sicherstellung von Normalität/Alltagsgewohnheiten

· Integration in die soziale Umwelt mit Erhalt sozialer Kontakte und Mitwirkung der Betroffenen

· Versorgungssicherheit und Prävention vor (erhöhtem) Pflegebedarf.

Mit Rücksicht auf unterschiedliche individuelle Entscheidungssituationen erfordert die Gestaltung von Lebens- und Wohnqualität im Alter unterschiedliche Strategien,

- die dem Wunsch nach Verbleib in der eigenen Häuslichkeit ebenso gerecht werden wie einer möglicherweise erforderlichen Wohnraumanpassung oder ­veränderung,

- die soziale, ökonomische, ökologische und stadtplanerische Gesichtspunkte berücksichtigen und einer Vereinsamung im Alter entgegenwirken,

- die eine Integration von Wohnen und Pflege vorsehen und dabei Vernetzung, Koordination und Kooperation ebenso berücksichtigen wie die Transparenz der Angebotsstruktur.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 45 Die Verwirklichung der jeweils passenden Strategie im privaten Umfeld ebenso wie in einem Stadtviertel, einem Dorf oder einer Gemeinde ist eine Gemeinschaftsaufgabe für alle Beteiligten: Kommunen, Verbände, Vereine, Wohnungsunternehmen, Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Handwerk, Wirtschaft und Bürger.

Entwicklungsplanung

Um älteren Menschen die Entscheidung zur Sicherung der eigenen Häuslichkeit zu erleichtern, müssen die Bedingungen im Wohnumfeld und der weiteren Umgebung stimmen. Zentral für die Entwicklungsplanung der Zukunft ist dabei die Frage, wie die gesamte, ins örtliche Umfeld eingebundene Wohnsituation den Anforderungen älterer Menschen angepasst werden kann. Hier ist zum Beispiel zu denken an: Ortskernsanierungen durch Schaffung eines passenden Wohnumfeldes sowie generationengerechter Wohnungen ­ barrierefrei und in Anbindung an eine passende Dienstleistungsinfrastruktur mit Versorgungseinrichtungen und Freizeitangeboten, Umzugsmanagement, das für die Betroffenen wirtschaftlich attraktiv ist und der zunehmend schwieriger werdenden Vermarktung von Immobilien durch gezielte Hilfen entgegengewirkt. Angesichts immer kleiner werdender Erbenzahl ist dies von besonderer Bedeutung.

Kommunale Wohnungspolitik wird künftig verstärkt in der Verantwortung stehen, preiswerten Wohnraum für ältere Menschen vorzuhalten. Viele Gemeindeverbände, Städte und Gemeinden im Saarland unternehmen auf der Grundlage einer konkreten Entwicklungsplanung bereits Anstrengungen zur Entwicklung bzw. Modernisierung bedarfsgerechter Wohnraumangebote, zur Weiterentwicklung generationengerechter und seniorenfreundlicher Angebotsstrukturen ­ in dem Bestreben, den Herausforderungen der demografischen Entwicklung vor Ort durch eine zukunftsorientierte Entwicklungsplanung gerecht zu werden. Um Kommunen dabei zu unterstützen und älteren Menschen einen möglichst langen Verbleib in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen, wurde seitens des Landes das demografie-sensible Investitionsprogramm aufgelegt. Zudem enthält der Entwurf eines saarländischen Landesheimgesetzes eine Erprobungsregelung die es ermöglicht, von Vorschriften dieses Gesetzes abzuweichen, um die Bildung und Erprobung neuer Wohnformen für pflegebedürftige ältere Menschen nicht durch gesetzliche Hürden zu behindern.

Je nach individueller Entscheidungsnotwendigkeit wird es bei allen Beteiligten darauf ankommen, infrastrukturelle Angebote in der Weise zu ermöglichen bzw. zu sichern, die Selbsthilfe-Optionen ebenso vorrangig gewährleisten wie die damit verbundene Möglichkeit des Verbleibs in der eigenen Häuslichkeit. Dies im Saarland auch vor allem vor dem Hintergrund der mit 56,9% höchsten Eigentümerquote im Vergleich zu anderen Bundesländern. Dies alles berücksichtigend, wird der Erfolg und damit die Zukunftsfähigkeit sog. neuer Wohnformen als Alternative zur eigenen Häuslichkeit wesentlich beeinflusst werden von deren alters- und pflegegerechter sowie sozial-ökonomischer Infrastruktur.