Wohnen

(13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 55 Die Erhöhung der Frequenzen im Schienenpersonennahverkehr bis zum Halbstundentakt, die Einrichtung von Regionalbuslinien mit landesweiter Bedeutung, die Einführung der Saarbahn, die Verbesserung von grenzüberschreitenden Verbindungen nach Metz, Straßburg und St. Avold sowie - was für Senioren besonders wichtig ist - die Realisierung von gemeinde- und stadtinternen Citybus-Systemen im integralen Taktfahrplan. Zudem gewährleisten feststehende Abfahrtszeiten zur gleichen Minute und verbesserte Anschlussbeziehungen für diese Bevölkerungsgruppe ein optimiertes und ausbaufähiges Mobilitätsangebot im ÖPNV.

Für Bürgerinnen und Bürger, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ist ein barrierefreier öffentlicher Personenverkehr eine wichtige Grundlage für ihre selbst bestimmte Mobilität.

Die Gestaltungsmöglichkeit des Landes, vor allem durch gezielte Förderung von barrierefreien Haltestellen, Niederflurbussen und Fahrgastinformationssystemen, kommt insbesondere älteren Menschen zu Gute. Die innerhalb der letzten zehn Jahre herausgegebenen Informationsmaterialien zur Freizeitgestaltung unter Nutzung des ÖPNV, zum Beispiel Wanderbroschüren, Vorschläge für Radtouren, Märkte und Veranstaltungen in der Region, sind wichtige Elemente, um den ÖPNV für Senioren attraktiver zu machen.

Senioren mit Zugang zu modernen Medien wie Internet und Handy profitieren vom bereits erfolgten Ausbau der regionalen elektronischen Fahrplanauskunft des Saarlandes im Internet mit deutschlandweiter adressengenauer Auskunft und barrierefreier Information für sehbehinderte und blinde Menschen, einer Preisauskunft innerhalb des Saarlandes sowie einer Fahrplanauskunft über internetfähige Handys.

Das ÖPNV-Angebot ist bundesweit - aus dem Blickwinkel von Senioren betrachtet - von hervorgehobener Qualität, da kein Ort im Saarland ohne ÖPNV-Anschluss ist. Mit der Realisierung eines saarlandweiten Verkehrsverbundes (SaarVV) im Jahr 2005 wurde ein saarlandweiter Tarif für alle Busse und Bahnen im ÖPNV geschaffen.

Eine noch zu erschließende Zielgruppe für Verkehrsplaner und Verkehrsunternehmen ist insbesondere die wachsende Gruppe der Hochaltrigen, die auf spezielle Angebote und altersangepassten Service des ÖPNV in besonderem Maße angewiesen ist, um trotz krankheitsbedingter Einschränkungen ihre Mobilität zu erhalten. Diese Prioritäten beeinflussen die Weiterentwicklung des ÖPNV in erheblichem Umfang.

Unter Berücksichtigung der durch die demografische Entwicklung bedingten Herausforderungen und der damit notwendigen Anpassung kommunaler Infrastrukturen, müssen Anstrengungen daraufhin ausgerichtet werden, im ÖPNV-Bereich den Service für ältere Menschen zu verbessern und auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Lotsendienste anzubieten. Über zum Beispiel das Projekt der „Seniorensicherheitsberater" hinaus, dienen Lotsendienste insbesondere dazu, den persönlichen Service für ältere Menschen im ÖPNV zu verbessern. Insgesamt können Serviceverbesserungen im ÖPNV, wie beispielsweise die Einführung von „Begleitservices" für ältere oder hilfsbedürftige Personen, dazu beitragen, neue Kundenkreise zu erschließen.

Vor dem Hintergrund der demografischen Alterung der Bevölkerung kommt der Landesplanung eine besondere Bedeutung für die Entwicklung des ÖPNV zu. Durch die Konzentration der Siedlungsentwicklung entlang von ÖPNV-Achsen und insbesondere im direkten Bereich von Haltestellen kann der ÖPNV zusätzliche Kunden gewinnen. Eine entsprechende Nachfrage und Auslastung ist Voraussetzung für einen nachhaltig finanzierbaren ÖPNV und ermöglicht die Schaffung weiterer bedarfsorientierter Mobilitätsangebote für Senioren.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 56 Welche Besonderheiten ergeben sich im Verkehrsverhalten älterer Menschen?

Zu Frage 2: Nach Erkenntnissen der saarländischen Landesregierung aus wissenschaftlichen Untersuchungen und polizeilichen Verkehrsunfallanalysen haben Seniorinnen und Senioren mit zunehmendem Alter vermehrt Schwierigkeiten, sich in komplexen Verkehrssituationen zurecht zu finden und angemessen zu reagieren. Ausweislich der Verkehrsunfallstatistiken überwiegen bei ihnen im Gegensatz zu jüngeren Fahrergruppen Vorfahrt-, Vorrangund Abbiegefehler, die zu teilweise folgenschweren Verkehrsunfällen führen.

Dabei unterscheidet sich allerdings das Mobilitäts- und Verkehrsverhalten von Seniorinnen und Senioren deutlich von dem anderer Altersgruppen. So sind u.a. die Fahrwege kürzer und häufig auf das Wohnumfeld konzentriert; ebenso gibt es deutlich weniger erwerbsbedingte Wege.

Sie meiden auch nachweislich häufiger Fahrten unter unfallbegünstigenden Fahrsituationen. Eine Konsequenz hieraus ist, dass sie als Fahrzeugführer bei Dunkelheit, Dämmerung oder widrigen Straßenverhältnissen deutlich weniger Verkehrsunfälle mit Personenschaden verursachen als jüngere Autofahrer.

Trotz der altersbedingt auftretenden Schwierigkeiten bei komplexen Verkehrslagen verhalten sich Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr überdurchschnittlich sicherheitsbewusst, was sich in einer entsprechenden Fahrzeugwahl, einer weitgehenden Regeltreue und einer geringeren Risikobereitschaft äußert. Sie sind sich auch mehrheitlich ihrer altersbedingt eingeschränkten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit bewusst und versuchen, dadurch bedingte Fahreignungsmängel durch gezielte Risikovermeidung zu kompensieren.

Der demografische Wandel lässt die Einschätzung zu, dass zukünftige Seniorengenerationen als langjährige Fahrerlaubnisinhaber und Fahrzeugbesitzer verkehrserfahrener sein werden als die heutige Generation. Dies gilt insbesondere für Seniorinnen. Es ist zu erwarten, dass sich dies positiv auf ihr Verkehrsverhalten und ihre Unfallbeteiligung auswirken wird.

Welche besonderen Bedürfnisse haben Seniorinnen und Senioren als Verkehrsteilnehmer?

Zu Frage 3: Zu einer den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werdenden Verkehrsplanung und ­gestaltung sollten folgende Erfordernisse berücksichtigt werden:

· Um die wichtigen Ziele künftiger Verkehrssicherheitsarbeit

Rücksichtnahme und Verständnis jüngerer Verkehrsteilnehmer gegenüber Senioren,

Sensibilisierung der Älteren für ihre aufkommenden Beschwernisse,

Sensibilisierung der Generationen für ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 57 Zu erreichen, sind gezielte Informationskampagnen und verkehrspädagogische Angebote, zum Beispiel in der Fahrschule und im Rahmen des Projektes der „Sicherheitsberater" durchzuführen, damit die Generationen ihre jeweils eigenen Stärken, Schwächen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser einschätzen können. Dabei sind die Potenziale gegenseitiger Hilfestellung zwischen den Generationen ebenso durch umfassende Maßnahmen in der Verkehrsplanung und -gestaltung zu nutzen und zu ergänzen.

· Eine nicht adäquate Verkehrsraumgestaltung führt zu einem erhöhten Unfallrisiko älterer Menschen und schließt diese möglicherweise sogar frühzeitig von einer eigenständigen Teilnahme am Straßenverkehr aus. Daher sollten die Interessen älterer Menschen bei der Verkehrsraumgestaltung stärker als bisher berücksichtigt werden.

· Beim Neu- und Umbau von Verkehrsräumen ist unter dem Motto „einfach, unkompliziert und sicher" eine altengerechte und damit allen Verkehrsteilnehmern zu gute kommende Vorgehensweise anzustreben. Verkehrsräume für ältere Menschen passend zu gestalten und damit die Nahmobilität älterer Menschen zu sichern, bedeutet im Wesentlichen folgende Planungsgrundsätze zu beachten:

Verkehrsabläufe verlangsamen

Verkehrsabläufe vereinfachen

Verkehrsräume sichtbarer machen

Mitmenschen sensibilisieren

· Haltestellen, die von Senioren verstärkt frequentiert werden, sollten weithin sichtbar derart angelegt sein, dass sie das subjektive Sicherheitsbedürfnis stärken. Bereits heute werden neue Haltestellen im SPNV und im straßengebundenen ÖPNV - soweit wirtschaftlich vertretbar - senioren- und insbesondere behindertengerecht gebaut.

· Für älter werdende Menschen sind lange Fußwege oftmals ein Problem. Vor diesem Hintergrund sollten insbesondere in Wohngebieten mit größerem Seniorenanteil die Bushaltestellenabstände mit dem Ziel einer Verkürzung und einer durchgehenden Überdachung und Bestuhlung überprüft werden.

· Dabei kann Verkehrsplanung den speziellen Mobilitätsanforderungen älterer Menschen durch die Entwicklung von Mobilitätssicherungsplänen gerecht werden. Hierzu sollten unter Beteiligung der betroffenen Personengruppen gemeinsam mit Fachbzw. Projektplanern sowohl Mängel- als auch Anforderungsanalysen entwickelt werden, die der Auswahl und Rangfolge geeigneter Maßnahmen zugrunde gelegt werden mit dem Ziel, die Mobilität älterer Menschen zu gewährleisten sowie deren objektive und subjektive Verkehrssicherheit zu verbessern.

· Altersgerechte Verkehrsplanung ebenso wie Bestrebungen zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV sollten den Schutz vor Kriminalität und Belästigung berücksichtigen.

Dies bedeutet:

Absicherung unübersichtlicher Unterführungen und einsamer Stellen in Bahnhöfen, auf Parkplätzen und an Haltestellen zum Beispiel durch örtlich angepasste Beleuchtung

Verbesserung des Pkw-Schutzes vor Schädigung, Einbruch, Diebstahl

Beseitigung von Graffiti und Verschmutzungen