Altenheim

(13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 58 Wie stellt sich die Verkehrsinfrastruktur, insbesondere der ÖPNV, im ländlichen Raum für ältere Menschen dar?

Zu Frage 4: Die Landesregierung legte Ende 2007 den Landesseniorenplan des Saarlandes als Fortschreibung des Landesaltenplans aus dem Jahre 1996 vor, in dem unter dem Gesichtspunkt der gesellschaftlichen Teilhabe der Senioren auch die Problematik „Mobilität im Alter sichern" behandelt wird.

Der ÖPNV ist Bestandteil der Daseinsvorsorge und trägt wesentlich dazu bei, die Teilhabe älterer Menschen am öffentlichen Leben zu ermöglichen und Selbständigkeit im Alter zu sichern. Seit der Regionalisierung ist der ÖPNV im Saarland in den letzten zehn Jahren erheblich ausgebaut worden. Ein Kernelement der quantitativen und qualitativen Verbesserungsmaßnahmen war der integrale Taktfahrplan. Im schienengebundenen Personennahverkehr wurde und wird das Fahrplanangebot erheblich ausgebaut mit durchgängigem Taktverkehr, mindestens Stundentakt, auf einigen Strecken Halbstundentakt. Bei der Saarbahn wird innerhalb Saarbrücken ein siebeneinhalb Minutentakt angeboten, bis Kleinblittersdorf und demnächst Heusweiler (ab 2011) Viertelstundentakt und bis Lebach (ab 2013) Halbstundentakt. Insbesondere für den ländlichen Raum wurden so genannte Regionalbuslinien konzipiert und umgesetzt, die ebenfalls mindestens im Stundentakt, teilweise im Halbstundentakt und auch an Wochenenden und Feiertags verkehren. (weitere Hinweise unter Antwort zur Frage 1 im Teil G „Mobilität im Alter")

Die Gestaltungsmöglichkeit der Landesregierung, vor allem durch gezielte Förderung von barrierefreien Haltestellen, Niederflurbussen und Fahrgastinformationssystemen, kommt insbesondere älteren Menschen zu Gute. Im saarlandweiten SPNV sind in dem elektrisch betriebenen Netz inzwischen durchgängig Fahrzeuge des Typs ET 425/426 eingesetzt, die alle über Einstiegshilfen verfügen und insoweit an allen Bahnsteigen einen barrierefreien Zugang gewährleisten. Lediglich auf den Dieselstrecken KBS 681 Saarbrücken ­ Lebach und KBS 687 Dillingen ­ Niedaltdorf sind noch Fahrzeuge des Typs VT 628 eingesetzt, die keinen entsprechenden Zugang ermöglichen.

Senioren mit Zugang zu modernen Medien wie Internet und Handy profitieren vom bereits erfolgten Ausbau der regionalen elektronischen Fahrplanauskunft des Saarlandes im Internet mit deutschlandweiter adressengenauer Auskunft und barrierefreier Information für sehbehinderte und blinde Menschen, einer Preisauskunft innerhalb des Saarlandes sowie einer Fahrplanauskunft über internetfähige Handys.

Wie hoch sind die Zahlen der im Straßenverkehr verunglückten Seniorinnen und Senioren in den letzten 10 Jahren (differenziert nach Geschlecht und Verkehrsmittel)?

Zu Frage 5: Die Zahlen der in den Jahren 1999 bis 2008 bei Verkehrsunfällen als PKW-Benutzer, Radfahrer und Fußgänger verunglückten Seniorinnen und Senioren ergeben sich aus nachfolgender Tabelle, wobei die Differenzierung der Unfallfolgen nach dem Geschlecht wegen Umstellungen in der computerunterstützten Erfassungs- und Auswertetechnik bei der Vollzugspolizei lediglich für die Jahre 2003 bis 2006 darstellbar ist:

Quelle: Polizeiliche Verkehrsunfallstatistik Saarland

Wie viele Verkehrsunfälle werden jährlich von Seniorinnen und Senioren verursacht?

Zu Frage 6: Für die Verkehrsunfallanalyse durch die Polizei oder andere Stellen in der Verkehrssicherheitsarbeit ist vorrangig die Erfassung von statistischen Daten über Verkehrsunfälle mit Personenschaden von Bedeutung. Wahlperiode - 60 Wie verbessert die Landesregierung die Sicherheit älterer Menschen als Fußgänger im öffentlichen Raum?

Zu Frage 7: Senioren als Fußgänger im Straßenverkehr sind schwächere Verkehrsteilnehmer und damit in hohem Maße verletzlich. Sie sind überproportional oft als Fußgänger an Unfällen beteiligt, ohne Hauptverursacher zu sein. Die bundesweit häufigste Unfallursache bei ihnen ist mit rund 80 Prozent "falsches Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn". In zwei von drei Fällen handelt es sich dabei um ein "falsches Verhalten beim Überschreiten der Fahrbahn, ohne auf den Fahrzeugverkehr zu achten". Alle weiteren Unfallursachen haben eine wesentlich geringere Bedeutung. Senioren sind sich ihrer potentiellen Gefährdung nur in unverhältnismäßig geringem Umfang bewusst, Überlegungen zur Verkehrssicherheit spielen nur eine geringe Rolle für ihre Verkehrsmittelentscheidung. Man muss sie daher in geeigneter Weise ansprechen und ihre Leistungsfähigkeiten berücksichtigen.

Ergebnisse der Alternsforschung belegen nämlich, dass ältere Menschen bereit und flexibel genug sind, ihre Probleme im Straßenverkehr aktiv zu bewältigen. Sie persönlich anzusprechen, um sie zu motivieren, sich mit Unfallursachen und Unfallrisiken auseinander zusetzen, übernehmen zurzeit 54 ausgebildete Seniorensicherheitsberater/innen, zwei weitere Ausbildungsgänge starten noch in diesem Jahr. Der Landesseniorenbeirat hat im Jahre 2006 mit der saarländischen Polizei eine Initiative zu einer möglichst flächendeckenden Umsetzung des Projektes „Ausbildung und Einsatz von SSB im Saarland" vereinbart. Das Landesinstitut für Präventives Handeln und das Landeskriminalamt vermitteln die Ausbildungsinhalte "Verkehrs- und Kriminalprävention". Themen sind u.a. Senioren als Fußgänger, als Radfahrer, als Fahrzeugführer und als Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr. Diese verkehrspräventiven Themen werden mit Themen der Kriminalprävention (Haustürgeschäfte, Einbruchssicherung, Handtaschenraub usw.) verknüpft.

Die Polizei stellt auch im Internet unter www.polizei.saarland.de ein Informationsangebot für Senioren bereit.

Daneben nimmt sich auch die vom Land finanziell unterstützte Landesverkehrswacht der Verkehrssicherheit von Senioren an. Sie setzt das bundesweite Projekt des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) "Sicher Mobil - ein Programm für ältere Verkehrsteilnehmer" um. Ziel des Programms ist, die Mobilität auch im Alter zu erhalten und sie sicherer zu gestalten. Hierzu stehen speziell vom DVR ausgebildete Seniorenberater bei den Orts-, Kreis- und Bezirksverkehrswachten im Land und ein Seniorenbeauftragter als landesweiter Ansprechpartner für Verkehrssicherheitsfragen zur Verfügung. Mit umfangreichem Arbeitsmaterial ausgerüstet führen sie Informationsveranstaltungen in Seniorenclubs und Altenheimen durch.

Neben diesen Präventionsmaßnahmen ist auch die Optimierung der infrastrukturellen Gestaltung von Kleinräumen unter den Gesichtspunkten der Erreichbarkeit und Barrierefreiheit ein besonderes Anliegen der Landesregierung. Da sich die meisten Unfälle beim Queren der Fahrbahn ereignen, müssen wirkungsvolle Maßnahmen hier ansetzen. So z. B. durch Absenkung der Borde an Überquerungsstellen, Einbau von Mittelinseln und Schaffen von ausreichendem Sichtfeld. Fußgängerüberwege mit Lichtsignalanlagen werden mit ausreichend langen Grünphasen und akustischen Ampelsignalen ausgestattet.

Daneben richten die Kommunen vermehrt verkehrsberuhigte Bereiche und Tempo 30 Zonen innerhalb von Wohngebieten ein. Zur Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit in Wohngebieten überwachen Polizei und Kommunen, insbesondere an Unfallschwerpunkten, verstärkt die Geschwindigkeit der Kraftfahrzeugführer. Gefahren, die vom ruhenden Verkehr ausgehen (zugeparkte Gehwege, Radwege und Fußgängerüberwege) werden überwiegend von den Hilfspolizeibeamten in den Kommunen sanktioniert.