Integration

(13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 73 Grundprinzipien sind hierbei der Offenheit für alle und die Möglichkeit zum gemeinsamen generationsübergreifenden Erleben von Kultur und der unterschiedlichen kulturellen Vorlieben und Ausrichtungen. So widmet sich beispielsweise die Arbeit des Staatstheaters oder der saarländischen Museen nicht in erster Linie einer bestimmten Altersgruppe, sondern bietet Inhalte, die - gemäß der Beschaffenheit von „Kultur" selbst - sowohl ein inhaltliches Miteinander, ein Nebeneinander als auch ein Gegeneinander der Interessen, Vorlieben, Haltungen, Ansichten und damit auch der Generationen oder Altersgruppen zulassen.

Im Jahr 2020 werden in der Bundesrepublik Deutschland 55 von 100 Personen über 60 Jahre alt sein, 2030 werden - beim Fortschreiten der derzeitigen demografischen Entwicklung ­ 71 Personen von 100 zur Altersgruppe der über 60-Jährigen zählen. Kultur für Senioren ist also künftig keine Kultur für „Randgruppen", sondern für die Mehrheit der Bevölkerung. Schon heute allerdings gilt, dass Kulturarbeit für Senioren das Separieren von Altersgruppen oder gar eine Ausgrenzung der einen oder anderen Gruppe nach Möglichkeit vermeiden muss. Spezielle Angebote für Senioren dürfen sich nur aus einem tatsächlich vorhandenen Bedürfnis herleiten, das seinen Ursprung in dieser Altersgruppe selbst hat.

In erster Linie gilt es also, die gerade den kulturellen Aktivitäten in besonderer Weise innewohnenden Kräfte zur Integration unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu nutzen. In der Regel orientieren sich Senioren - ebenso wie alle anderen gesellschaftlichen Gruppen - beim Besuch von Kulturveranstaltungen, nicht in erster Linie an Labels wie „Veranstaltung für Senioren" oder „Veranstaltung für Jugendliche", sondern vor allem an den gebotenen Inhalten. Während diese durchaus auch separierend wirken können, bietet gerade die Kultur ein umfassendes und weit reichendes Spektrum generationsübergreifender Inhalte. So gibt es auch im Saarland eine Vielzahl von kulturellen Aktivitäten, Veranstaltungen und Projekten mit integrativen Wirkungen. Beispiele hierfür sind etwa Möglichkeiten des Seniorenstudiums im Bereich der Hochschule für Musik oder der Hochschule für Bildende Künste, Angebote im Bereich der Museen der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und des Saarländischen Museumsverbandes, die Förderung von Theaterproduktionen und musikalischer Auftritte von Seniorensembles und die unzähligen Aktivitäten und Projekte der saarländischen Kulturvereine, Dachverbände sowie der Landesakademie für musisch kulturelle Bildung, die in der Regel alle Altersgruppen ansprechen und den generationsübergreifenden Dialog fördern.

Grundsätzlich ist also zu fordern, dass eine auf Senioren gerichtete Kulturpolitik der Sicherung der gesellschaftlichen Teilhabe eine Präferenz einräumt. Die Prämisse der integrativen Kulturförderung schließt dabei selbstverständlich eine spezifisch altersgruppenbezogene Förderung nicht aus. Sie bleibt notwendig, muss jedoch sozusagen auf die Fälle der vorliegenden Notwendigkeit in ihrer streng auf die Seniorengruppe ausgerichteten Einschränkung die Ausnahme bleiben. Somit hat eine zeitgemäße Kulturförderung für den Bereich der Senioren in gesellschaftspolitischer Hinsicht der Bewahrung und dem Aufbau sozialer Kontakte und der Wertschätzung des Alters als zugehörigem Bestandteil eines gesamtgesellschaftlich integrativen Kulturkonzeptes auf der elementaren Grundlage einer Anerkennung der Würde des Menschen zu dienen und von vorneherein ein separierendes oder ausgrenzendes Grundkonzept der Kulturförderung, Kulturarbeit und Kulturpolitik auszuschließen. Damit gilt auch für die zweifelsohne ebenso notwendige altersgruppenspezifische Kulturarbeit die Prämisse der größtmöglichen Integration der Zielgruppe in das gesamtgesellschaftliche Spektrum.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 74 Zum Bereich Förderung von Sport hat eine Umfrage des Landessportverbandes für das Saarland bei den Fachverbänden ergeben, dass sehr viele Sportarten generationsübergreifend ausgeführt werden können. Aus diesem Grund existieren wenige Projekte in diesem Bereich. Stattdessen werden eigene Meisterschaften für Seniorinnen und Senioren sowie gemeinsame Turniere ausgetragen.

K. Ältere Menschen und ehrenamtliches Engagement

Welche Aussagen können seitens der Landesregierung über die Anzahl derjenigen älteren Menschen im Saarland gemacht werden, die ehrenamtlich tätig sind (Unterscheidung nach Altersgruppen und Geschlecht)?

Zu Frage 1: Da für das Saarland derzeit kein aktuelles statistisches Material über das ehrenamtliche Engagement von Senioren vorliegt, stützen sich die Angaben auf die Ergebnisse des 2. Freiwilligensurvey 1999 bis 2004. Das Meinungsforschungsinstitut TNS ­ Infratest Sozialforschung führte diesen Freiwilligensurvey im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durch. Befragt wurden im Saarland 1,3 Prozent der Haushalte.

Nach Angaben des 2. Freiwilligensurvey sind demnach 30 Prozent der Befragten ab 60 Jahre engagiert (30 Prozent engagiert, 33 Prozent aktiv, 37 Prozent nicht aktiv). Auf das Saarland übertragen bedeutet dies, dass sich etwa 82.970 Seniorinnen und Senioren ehrenamtlich engagieren (Gesamtbevölkerung des Saarlandes zum 31.12.2007 laut Statistischem Amt des Saarlandes: 1.036 598 Millionen Einwohner).

In der Gruppe der „jungen Senioren" von 60 bis 69 Jahren liegt die Engagementquote bei 37 Prozent (Saarland: 44.137 Frauen und Männer). 22 Prozent der über 70-Jährigen (Saarland: 34.601 Frauen und Männer) sind freiwillig engagiert. In diesem Alterssegment ist ein deutlicher Mobilisierungsschub zu beobachten. Im Vergleich zum 1. Freiwilligensurvey 1999 ist bei den älteren Menschen die deutlichste Steigerung des bürgerschaftlichen Engagements zu verzeichnen.

Im Alterssegment 55 bis 64 Jahre engagieren sich laut 2. Freiwilligensurvey 37 Prozent Frauen (Saarland: 23.239) und 42 Prozent Männer (Saarland: 26.098). In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sind 21 Prozent der Engagierten weiblichen (Saarland: 27.718) und 34 Prozent männlichen Geschlechts (Saarland: 31.891).

In welchen Bereichen sind ältere Personen im Saarland vorwiegend tätig (Aufgliederung nach Geschlecht und Tätigkeitsfeldern wie Kultur, Sozialarbeit, Kirchen, Sport, Politik etc.)?

Zu Frage 2: Der 2. Freiwilligensurvey hat gezeigt, dass gerade für die engagierten älteren Menschen das freiwillige Engagement einen ganz wichtigen Beitrag zum persönlichen Wohlbefinden und „Sich-Anerkannt-Fühlen" in der Gesellschaft darstellt. Ihr Engagement hat besonders in den Bereichen „Soziales" und „Kirche und Religion" zugenommen.

Drucksache 13/2432 (13/2192) Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 75 Das Engagement der Frauen ist tendenziell eher familienbezogen und sozial bestimmt.

Männer engagieren sich demgegenüber stärker in Bereichen mit Berufsrelevanz und Prestige.

Zu den Engagementbereichen nach Altersgruppen und Geschlecht siehe nachfolgende Übersichten: Engagement bei den „