Welche Beiträge liefern saarländische Hochschulen zur Altersforschung?

Welche Beiträge liefern saarländische Hochschulen zur Altersforschung?

Zu Frage 8: An der Universität des Saarlandes wird Forschung zu Konsequenzen eines zunehmenden Lebensalters in unterschiedlichen Disziplinen betrieben, von denen nachfolgend einige Projekte vorgestellt werden:

Die Psychologie befasst sich insbesondere in der Entwicklungspsychologie mit der Altersforschung. Eine Arbeitsgruppe untersucht zum einen die kognitive Entwicklung über die Lebensspanne (vom Kindergartenalter bis ins hohe Alter), zum anderen Fragestellungen der Handlungssteuerung, der Aufmerksamkeit und der höheren Gehirnleistung im Alter.

Hierzu wurden auch Trainingsstudien durchgeführt, die zu einer umfangreichen Probandendatenbank führten. In den letzten Jahren wurden mehrere von der DFG geförderte Projekte durchgeführt, die sich auch in zahlreichen Publikationen niederschlugen. Nachfolgend wird ein Überblick über Drittmittelprojekte mit Bezug zur Altersforschung gegeben: 2001 ­ 2003 Sachbeihilfe der DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramms SPP 1107

"Exekutive Funktionen" zum Thema "Age differences in executive control: The role of external cues and articulatory processes" (1. Antragsphase) 2002 ­ 2004 Projekt "Aging, Resources, and Cognition" (ARC)" des Sonderforschungsbereiches SFB 378 "Ressourcenadaptive kognitive Prozesse" 2003 ­ 2005 Sachbeihilfe der DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramms SPP 1107

"Exekutive Funktionen" zum Thema "Age differences in executive functioning: The role of inner speech in action regulation" 2005 ­ 2007 Sachbeihilfe der DFG im Rahmen des Schwerpunktprogramms SPP 1107

"Exekutive Funktionen" zum Thema "Age differences in executive functioning: The role of inner speech in action regulation" 2005 ­ 2007 Projekt "Aging, Resources, Cognition and Error-induced Learning" (ARCADE)" des Sonderforschungsbereiches SFB 378 "Ressourcenadaptive kognitive Prozesse" 2008 Sachbeihilfe der DFG zum Thema "Altersunterschiede in exekutiven Funktionen: Zur Transferierbarkeit von Task-Switching Training" 2008 ­ 2010 Sachbeihilfe der DFG im Rahmen eines deutsch-französischen Austauschprogramms in den Geistes- und Sozialwissenschaften zum Thema „Lifespan Development in Cognitive Flexibility: Components of Flexibility and Their Relations to Language and Working Memory " (gemeinsam mit Agnès Blaye und Patrick Lemaire, Universite de Provence, Marseille); 2008 ­ 2012 Bewilligung eines Projektes zum Thema "Constraints on the Development of Spatial Memory and Spatial Representations" im Rahmens eines von der DFG geförderten deutsch-chinesischen Graduiertenkollegs „International Research Training Group (IRTG) zum Thema „Adaptive Minds: Neural and Environmental Constraints on Learning and Memory"

In der Psychologie ist auch der Lehrstuhl Experimentelle Neuropsychologie mit der Frage der Altersforschung befasst und hat ebenfalls einige Altersstudien durchgeführt. Hieraus sind ebenfalls etliche Publikationen hervorgegangen.

Die Sportwissenschaft hat sich im Bereich der Bewegungs- und Trainingswissenschaft der Altersforschung gewidmet. Unter anderem wurden Projekte zur Sturzprophylaxe im Alter durchgeführt, welche die Schulung von Mitarbeitern der Pflegeeinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt zum Ziel hatten, um Trainingsmaßnahmen zur Sturzsicherheit mit den Bewohnern der Altenheime durchzuführen. Diese Projekte wurden von der AOK und der Bundesknappschaft finanziert.

In der Medizin widmen sich vor allem die Fachrichtungen Neurologie und Psychiatrie dem Bereich Altersforschung, insbesondere der Erforschung von Krankheitssymptomen auf zerebraler Ebene. Forschungsschwerpunkte sind Schlaganfall, Neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson, Demenz, Amyotrophe Lateralsklerose sowie neuroimmunologische Erkrankungen, insbesondere die Multiple Sklerose. Eine Arbeitsgruppe ist sowohl auf dem Gebiet der neurodegenerativen Erkrankungen, wie der Alzheimer-Krankheit, als auch auf dem Gebiet der Schlaganfallforschung aktiv. Diese Forschungsarbeit wird unter anderem auch in großen EU-Projekten drittmittelfinanziert. Die Arbeitsgruppe Parkinson erforscht neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zur Behandlung der Parkinsonkrankheit und anderer Basalganglienerkrankungen. Eine weitere Arbeitsgruppe auf dem Gebiet der Neurobiologie arbeitet an neuartigen Therapieansätzen wie die Beeinflussung des Lipid-Metabolismus zur Behandlung von Alzheimer-Erkrankungen. Die Forschung dieser Arbeitsgruppe fließt zudem in ein aktuell bewilligtes EU-Projekt ein.

An der Hochschule für Technik und Wirtschaft stehen folgende Vorhaben zur Altersforschung im Vordergrund:

- „Beratungsbedarfe von pflegenden Angehörigen" (abgeschlossen).

- „Arbeitsmarktchancen von älteren Arbeitnehmern als Quer- und Späteinsteiger in den Gesundheitsfachberufen" (laufend).

- „Risikoreduktion für demente ältere Patienten im Stationsalltag der Inneren Abteilung" (bewilligt).

- „Leben und Altern im Quartier: Subjektive und objektive Lebensbedingungen von älter werdenden und/oder behinderten Menschen" (bewilligt).

- Soziale Generationenräume im Quartier: Altern und Altern lernen im Quartier (beantragt).

- „Einfluss der sozialen Schicht auf den Verlauf medizinischer Betreuung und deren Auswirkungen auf den Heilungsprozess" (in Vorbereitung).

Daneben ist im Studiengang „Management und Expertise im Pflege- und Gesundheitswesen" der Hochschule für Technik und Wirtschaft ein Pflichtmodul „Gerontologie" eingeführt, in dem sich Studierende mit ausgewählten Forschungsergebnissen der interventionellen Gerontologie auseinandersetzen.

Welche Lücken sind im Bereich der Altersforschung erkennbar?

Zu Frage 9: Obwohl die Altersforschung bislang keinen expliziten Forschungsschwerpunkt der Universität des Saarlandes darstellt, gibt es - wie unter Frage S. 8 zum Teil ausgeführt - einschlägige Forschungsansätze mit Potenzial zum Aufbau eines übergreifenden Bereichs der Altersforschung, in dem diese Ansätze systematisch weitergeführt, ggf. in größere Forschungszusammenhänge integriert und entsprechend erweitert werden könnten.

An der Hochschule für Technik und Wirtschaft wird weiterer diesbezüglicher Forschungsbedarf zu folgenden Fragen genannt:

- Ökonomische Entwicklung hinsichtlich der Beschäftigungsquoten älterer Menschen sowie die Vereinbarkeit von Arbeitserfordernissen, insbesondere für Entscheidungsträger auf nationaler- aber auch EU-Ebene,

- Soziale Ungleichheit bei älteren Menschen aus der Perspektive der Krankheitsbehandlung und dem Heilverlauf in Abhängigkeit vom Sozialstatus,

- Gewalt gegen ältere Menschen sowohl in Privathaushalten als auch stationären Pflegeeinrichtungen,

- Gesundheitliche und pflegerische Dienstleistungen für ältere ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger

- Diagnostische Instrumentarien zur Frühdiagnose der Demenz und Verbesserung der medizinischen Behandlung von Demenzerkrankten durch speziell fortgebildete Ärzte.

Wie gestaltet sich die offene Seniorenarbeit im Saarland?

Zu Frage 10: Eine aktuelle Umfrage dazu in den Landkreisen bzw. im Regionalverband führte zu folgenden Ergebnissen:

Im Landkreis Merzig-Wadern ist die Organisation der „offenen Seniorenarbeit" in den Händen freier Träger (Wohlfahrtsverbände), kirchlicher Organisationen und einiger Anbieter der Erwachsenenbildung (neben der Volkshochschule sind dies vor allem die Seniorenakademien der KEB und der CEB). Offene Seniorenarbeit wird ebenfalls von politischen Parteien angeboten, darüber hinaus von der AG Altenhilfe e.V. - mit finanzieller Unterstützung des Landkreises und der Stadt Merzig. Weitere Anbieter sind u.a. der Sozialverband VdK und verschiedene private Vereinigungen auf örtlicher Ebene.

Der Landkreis Neunkirchen hält keine eigenen Angebote vor. Offene Seniorenarbeit wird jedoch u.a. angeboten über die Seniorenakademie der Kath. Familienbildungsstätte Neunkirchen, Angebote der Volkshochschulen, der 28 Pensionärvereine sowie der 45

Seniorenbegegnungsstätten.

Das Seniorenbüro des Regionalverbandes Saarbrücken ist präventiv ausgerichtet. Seine Arbeit beinhaltet neben der Altenhilfeplanung, Projektarbeit, Netzwerkarbeit und psychosozialer Einzelfallhilfe ein zweisemestriges Präventionsprogramm für Menschen über 60 Jahre.

1. Senioren-Präventionsprogramm

Das Seniorenbüro des Regionalverbandes Saarbrücken hält seit 5 Jahren ein offenes, zweisemestriges präventives, frei zugängliches Angebot für alle Senior/innen im Regionalverband Saarbrücken vor. Um den Zugang auch für Senioren mit niedriger Rente bzw. Grundsicherungsleistungen zu ermöglichen, sind die Angebote überwiegend kostenlos und gebührenfrei. Gerade im Hinblick auf die Zusammenhänge von Gesundheit und Armut ist dies bei älteren Menschen mit niedrigem ökonomischem Status von besonderer Bedeutung. Akademisch gebildete Senioren nehmen eher die Angebote der Erwachsenenbildung wahr.