Geburten. Die Zahl der Geburten ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen

Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 22 Besonders betroffen vom Bevölkerungsschwund wird der Landkreis Neunkirchen (gegenüber 2002 -11% bis 2020) und der Stadtverband Saarbrücken (gegenüber 2002 -10,4% bis 2020) sein. Den geringsten Bevölkerungsschwund wird der Landkreis Merzig-Wadern verzeichnen (gegenüber 2002 -5% bis 2020).

Der Landkreis Merzig-Wadern nimmt insofern eine Sonderstellung ein, da dort ein zunehmender Zuzug von Personen aus Luxemburg zu verzeichnen ist. Dieser gründet sich in erster Linie auf die vergleichsweise günstigen Immobilienpreise in den deutschen Grenzgemeinden. So ist die Zahl der im Saarland lebenden Luxemburger in nur 2 Jahren (2004 nach 2006) um über 50% von 854 auf 1314 gestiegen.

a) Geburten

Die Zahl der Geburten ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Während 1990 noch rund 11.000 Kinder im Saarland geboren wurden, waren es in den Jahren 2002 bis 2006 jeweils nur 7.000 ­ 8.000 Geburten (2006: 7222). Die Zahl der Geburten wird sich weiter verringern. Dabei ist davon auszugehen, dass ohne grundlegende Veränderungen im Gebärverhalten der Bevölkerung die Geburtenrate je Frau auf einem niedrigen Niveau von 1,2 ­ 1,3 verbleiben wird. Durch die in den vergangenen Jahrzehnten niedrigen Geburtenzahlen wird die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter zudem sinken, so dass selbst bei steigender Geburtenrate, die Anzahl der Geburten insgesamt weiter sinken wird.

Statistisches Amt Saarland, „Demografische Daten für das Saarland", Dezember 2007, Seite 4

So lag die Anzahl der 15-40 jährigen Frauen im Jahre 2003 noch bei 160.400, während sie in 2020 bei 147.100, in 2030 bei 138.600, in 2040 bei 131.600 und in 2050 nur noch bei 127.700 liegen wird. Das bedeutet, dass selbst für den Fall, dass es kurzfristig gelingen sollte, die Geburtenrate von dem langjährigen Mittelwert 1,3 auf 1,5 zu steigern, die Zahl der Geburten insgesamt dennoch leicht rückläufig wäre.

Zu beachten ist jedoch, dass die zusammengefasste Geburtenziffer eines Kalenderjahres (engl. total period fertility rate, TFR), welche allgemein kurz „Geburtenrate" genannt wird, ein sehr problematischer Indikator der Entwicklung des Geburtenniveaus ist. Es handelt es sich um eine hypothetische Kennziffer, die auf der Grundlage aller Geburten eines Kalenderjahres berechnet wird. Sie liefert nur dann eine gute Schätzung der Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, wenn das durchschnittliche Alter bei der Geburt von Kindern konstant bleibt. Diese Voraussetzung ist aber weder im Westen noch im Osten Deutschlands gegeben. In Westdeutschland steigt das Geburtenalter bereits seit mehr als drei Jahrzehnten kontinuierlich an, in Ostdeutschland erst seit 1990, seitdem aber umso rasanter. Aufgrund des anhaltenden Trends zu immer späteren Geburten fallen die Schätzungen zur endgültigen Kinderzahl, die auf der TFR beruhen zu niedrig aus. Von den alternativen Kennziffern ist die einfachste und direkteste Methode der Vergleich der Anzahl der Kinder, die Frauen verschiedener Geburtsjahrgänge geboren haben. Die Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt, kann man jedoch erst dann annäherungsweise feststellen, wenn sie 45 Jahre oder älter ist. Die heute 45-Jährigen haben im Westen 1,6 und im Osten 1,8 Kinder. Wie hoch die endgültige Kinderzahl der heute 25- oder 30-jährigen Frauen einmal sein wird, kann man dagegen heute noch nicht verlässlich vorhersagen.

b) Wanderung

Die Zuwanderung in das Saarland war in den letzten Jahren starken Schwankungen unterworfen. Hinzu kommt, dass die Zuwanderung nicht konstant, sondern in Wellen verläuft, deren Ursachen vielfältigster, auch internationaler Art sein können. Bei den Zuwanderungen ist die Enquêtekommission im Mittel von einem jährlichen Saldo zwischen 300-1000 Zuwanderern ausgegangen. Dabei war sie sich jedoch bewusst, dass die Zahlen durch nicht vorhersehbare Ereignisse stark variieren können.

Dirk Konietzka / Michaela Kreyenfeld, „Mehr Kinder pro Frau in Ost- als in Westdeutschland", Demografische Forschung 2/2007, Seite 4

c) Lebenserwartung und sonstige Faktoren

Hinsichtlich der Lebenserwartung ist auf Grundlage der in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen von einer Steigerung auszugehen.

Bei gleichzeitig sinkender Geburtenrate wird dies zu einer Erhöhung des Durchschnittsalters der Bevölkerung führen. Im Jahr 2030 wird das Durchschnittsalter auf 47,7 Jahre angewachsen sein, während es im Jahre 2000 noch bei 42,2 und 1990 bei 40,2 Jahren lag.

Die Anzahl der erwerbstätigen Personen im Saarland wird gleichzeitig abnehmen. Auszugehen ist von folgender Entwicklung:

Diese Entwicklung wird zu einer starken Mehrbelastung der erwerbstätigen Bevölkerung mit Versorgungskosten für die noch nicht und die nicht mehr Erwerbstätigen führen. Diese Belastung lässt sich an der Zahl der Personen unter 20 und ab dem 65. Lebensjahr bezogen auf 100 Personen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren messen (sog. Gesamt- oder Lastquotient):

In der Anhörung vom 17.02.2006 hat der Direktor des Statistischen Landesamtes, Michael Sossong, den Mitgliedern der Enquêtekommission einen Überblick über die Bevölkerungsentwicklung im Saarland aus Sicht seiner Behörde gegeben.

Dabei hat er besonders hervorgehoben:

· Das Landesamt erstellt lediglich Modellrechnungen, die keine präzise Vorhersage enthalten können.

· Eindeutig kann jedoch festgehalten werden, dass es im Saarland zu einem Bevölkerungsrückgang kommen wird.

· Ursache für den Bevölkerungsschwund ist der Geburtenrückgang. Die Zahl der Sterbefälle übertrifft diejenige der Geburten, was auch durch noch vorhandene Wanderungsgewinne nicht ausgeglichen werden kann. ermittelt nach den Daten der Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes, Saarbrücken, Nr.