Wohnungen

Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 25 · Bei der Erstellung von Bevölkerungsprognosen sind drei Variablen entscheidend, nämlich: Geburtenrate, Lebenserwartung, Wanderungsbewegungen. Das Landesamt geht bei seinen Berechnungen von einer konstanten Geburtenrate von 1,23 aus. Die am schwierigsten zu beurteilende Variable ist die Wanderung, da hier auch Entwicklungen in anderen Ländern und Staaten ausschlaggebend sind. Hier unterstellt das Landesamt einen Überschuss von etwa 1900 Zuwanderungen pro Jahr.

Als wesentliches Ergebnis der Arbeit des Landesamtes hat Direktor Sossong festgehalten:

· Im Jahr 2030 werden im Saarland 13% weniger Menschen leben als heute.

· Im Jahr 2030 werden 32% mehr Personen leben, die das 65. Lebensjahr erreicht haben, und 29% weniger, die unter 18 Jahre alt sind, jeweils bezogen auf das Jahr 2000.

· Im Jahr 2030 wird das Durchschnittsalter auf 47,7 Jahre angewachsen sein (2000: 42,7).

· Im Jahr 2030 wird der Altenquotient (Verhältnis Erwerbstätige zu Rentenempfängern) bei 100/56 liegen, statt bei 100/31,7 (Jahr 2000).

· Die prognostizierten Veränderungen in der Altersstruktur können als „sicher" bezeichnet werden.

· Im Bereich der KiTa-Plätze und Grundschulkapazitäten wird sich bei gleichbleibender Entwicklung ein Überangebot ergeben.

· Die Zahl der Schüler an weiterführenden Schulen und Jugendlichen in Vereinen wird in den kommenden Jahren besonders schnell abnehmen. Bereits binnen weniger Jahre wird die Zahl aller vorhandenen Jugendlichen unter die Zahl der heute in Vereinen organisierten sinken. Massive Auswirkungen auf die Vereinsarbeit sind sicher anzunehmen.

Quelle: Statistisches Landesamt Saarland

· Bezogen auf das 1989 wird das Angebot an Wohnungen auf wenigstens 114% (2030) steigen, während die Bevölkerungszahl auf 87% sinken wird. Dieser Trend wird durch einen steigenden Anteil an 1- und 2-Personenhaushalten teilweise aufgefangen.

Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes, Saarbrücken, Nr. 018/2007 vom 22.05.

Quelle: Statistisches Landesamt Saarland

b) Anhörung vom 07.04.

Der Direktor des Statistischen Landesamtes, Michael Sossong, hat der Enquêtekommission eine ausführliche schriftliche Stellungnahme zur Demografischen Entwicklung im Saarland vorgelegt. Hinsichtlich des Zustandekommens der Zahlen hat er ausgeführt, bei der Berechnung der künftigen Bevölkerungsentwicklung sei das Statistische Landesamt von bestimmten Annahmen ausgegangen. So habe es die tatsächliche Bevölkerung zum Stand 31.12.2002 zu Grunde gelegt und hinsichtlich der angenommenen Geburten, Sterbefälle und Wanderungen mehrjährige Erfahrungen der vergangenen Jahre hochgerechnet. Unter anderem habe das Statistische Landesamt Geburtenzahlen pro Frau in einem bestimmten Alter ermittelt und diese dann den künftigen Bevölkerungsanteilen der entsprechenden Frauengruppen zu Grunde gelegt.

Darüber hinaus habe das Statistische Landesamt die gestiegene Lebenserwartung von Jahr zu Jahr berücksichtigt und in jeder Altersstufe unterschiedlich gewichtet.

Bei den Wanderungen handele es sich um den Faktor, der die größte Unsicherheit beinhalte.

Insofern habe das Statistische Landesamt angenommen, dass die prozentualen Fortzüge pro Altersgruppe und Geschlecht sich in ähnlicher prozentualer Höhe auch in Zukunft zeigten.

Was die Zuwanderung von außen angehe, habe man die Zugangszahlen der Jahre 1998 bis 2002 gemittelt und als konstanten Wert den Berechnungen zu Grunde gelegt. Im Ergebnis sei man von 1.900 Zuzügen von außen pro Jahr ausgegangen.

Die bisherige Prognose sei für die Jahre 2003 und 2004 fast zutreffend gewesen. Im Jahr 2005 zeige sich jedoch tatsächlich ein stärkerer Rückgang als prognostiziert. Insgesamt gehe das Statistische Landesamt nunmehr davon aus, dass die Bevölkerungszahl stärker zurückgehen werde als es das bislang vorhergesagt habe.

Quelle: Statistisches Landesamt Saarland

Für die Bertelsmann Stiftung hat Frau Dipl. Sozialwirtin Kerstin Schmidt den Wegweiser "Demografischer Wandel" der vorgestellt. Sie hat dargelegt, dass dieser Zahlen und Handlungsvorschläge für alle deutschen Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern enthalte.

Ferner hat sie ausgeführt, die Bertelsmann Stiftung prognostiziere für das Saarland bis zum Jahr 2020 eine Bevölkerungsrückgang von 4 %, während das Statistische Landesamt einen solchen von 8,5 % zu Grunde gelegt habe. Für die Stadt Saarbrücken und den Stadtverband Saarbrücken hätten Bertelsmann und das Landesamt indes ähnliche Ergebnisse ermittelt.

Bei den Wanderungen habe die Bertelsmann Stiftung, obwohl sie insgesamt zu einem geringeren Bevölkerungsrückgang komme als das Statistische Landesamt, deutschlandweit lediglich 150.000 Zuwanderungen zu Grunde gelegt, während das Statistische Landesamt deutschlandweit von 200.000 ausgegangen sei.

In der Bundesrepublik Deutschland ergebe sich -was die Wanderung angeht- insgesamt ein sehr differenziertes Bild. 50 % aller Kommunen schrumpften, alle deutschen Kommunen alterten.

Im Unterschied zum Statistischen Landesamt habe man einen Prognosezeitraum von 8 statt 5 Jahren gewählt, d.h. es wurden die tatsächlichen Zahlen der letzten 8 Jahre gemittelt und der Prognose zu Grunde gelegt.

Insgesamt empfehle die Bertelsmann Stiftung eine "Strategie der zwei Wege":

1. Anpassung an den Demografischen Wandel (d.h. Rückbau der Infrastruktur),

2. Prävention (Investitionen in Kinderfreundlichkeit etc.). Speziell für das Saarland seien folgende Punkte als Handlungsempfehlungen zu benennen:

- Die einsetzenden Veränderungen müssten einer breiten Bevölkerung transparent gemacht werden.

- Die Frage des Demografischen Wandels müsse zur Chefsache gemacht werden.

- Erforderlich sei eine Kooperation der Landkreise.