Altenpflege

Landtag des Saarlandes - 13. Wahlperiode - 64 Hinsichtlich der Aufnahme älterer Arbeitnehmer in den Bereich der Gesundheits- und Sozialberufe sei zu beachten, dass diese Berufe eine extrem hohe Arbeitsbelastung mit sich brächten. Für die Aufnahme älterer, weniger leistungsfähiger Menschen seien sie daher kaum geeignet. Zwar seien die älteren Menschen heute deutlich gesünder und leistungsfähiger als Gleichaltrige es vor einigen Jahrzehnten waren, die Arbeitsbedingungen seien jedoch nicht besser geworden. Dies lasse sich anschaulich daran feststellen, dass 80 % der Altenpfleger -gleich welchen Alters- bereits 4 Jahre nach Beendigung der Ausbildung wieder aus ihrem Beruf ausschieden.

Zum Thema Fachkräftemangel könne davon ausgegangen werden, dass vor dem Jahr 2030 quantitativ nichts an Arbeitskräften fehlen werde. Allerdings müsse beachtet werden, dass qualitativ etwa ab 2020 ein Mangel eintreten werde, der mit der Ausbildungsunfähigkeit von Jugendlichen zu tun habe. Ein Mehr an Zuwanderung werde nicht nötig sein, weil durch die neuen EU-Länder eine Zuwanderung vor allem in Grenznähe ohnehin in Gang komme. Dort sei zu erwarten, dass ältere deutsche Arbeitnehmer durch Zuwanderung von polnischen bzw. tschechischen Arbeitnehmern jüngeren Alters ersetzt würden.

Der Sachverständige Dr. Matthias Weiss hat sich mit der Zahl der Erwerbstätigen, der Altersstruktur der Belegschaft sowie der Altersstruktur der Konsumenten beschäftigt.

Er hat dargelegt, das Problem könne zunächst wie folgt auf den Punkt gebracht werden: "Die Zahl der Erwerbstätigen wird geringer, die Zahl der Bevölkerung aber noch nicht." Quelle: mea

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Diesem Problem könne nur begegnet werden, wenn die Erwerbsquote erhöht werde. Vor allem Frauen und ältere Arbeitnehmer müssten stärker in Erwerbstätigkeit gebracht werden.

Die Politik der Frühverrentung habe die Lohnnebenkosten deutlich erhöht, hierdurch seien auch die Kosten der Arbeitsplätze gestiegen. Um dem entgegenzuwirken, sei eine Erhöhung des effektiven Rentenalters nötig. Ferner dürfe der Vorruhestand nicht durch die Arbeitslosenversicherung finanziert werden.

Was die Produktivität angehe, so könne nicht generell davon ausgegangen werden, dass ältere Arbeitnehmer weniger produktiv seien. Die von ihm, dem Sachverständigen Weiss, durchgeführten Untersuchungen hätten vielmehr gezeigt, dass ältere Arbeitnehmer häufig körperliche Leistungsdefizite durch ihre Erfahrung kompensieren könnten. Letzteres habe aber nur zu gelten, wenn die Arbeitnehmer im gleichen Betrieb oder zumindest in einer sehr ähnlichen Tätigkeit verblieben.

Da das spezifische Wissen heute noch schneller veralte als früher, sei eine kontinuierliche Weiterbildung älterer Arbeitnehmer zu fordern.

Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft werde sich die Nachfrage nach Konsumgütern deutlich verschieben. Bezogen auf die einzelnen Konsumgütersektoren stelle sich dies bis 2040 wie folgt dar:

Gemischtaltrige Gruppen hätten in seiner Untersuchung häufig mehr Fehler gemacht, weil Kommunikationsschwierigkeiten bestanden hätten. Seien die Gruppen vom Alter her homogen besetzt gewesen, hätten sich weniger Fehler eingestellt. Heute würden weniger Schonarbeitsplätze zur Verfügung gestellt, weil es recht günstig sei, die nicht mehr benötigten Mitarbeiter durch Vorruhestandsregelungen loszuwerden. Eine Abschaffung der Frühverrentungspolitik werde die Bereitstellung von Schonarbeitsplätzen jedoch wieder attraktiv machen.

Insgesamt sei die Politik der Frühverrentung ein Irrweg gewesen. Die Einstellung arbeitsloser Älterer mache Sinn, auch wenn Sie weniger produktiv seien als andere bereits betriebsangehörige Personen, da ältere Arbeitslose in der Regel immer noch deutlich produktiver seien als ganz junge Arbeitnehmer. Dies sei auch eine Frage des Bewusstseinswandels. In diesem Zusammenhang sei jedoch zu fordern, dass die Löhne mit der Produktivität korrelieren müssten. Eine Senioritätsentlohnung dürfe nicht stattfinden.

Fehlzeitenkosten seien bei Älteren in der Regel nicht größer als bei Jüngeren. Ältere fehlten, wenn sie fehlten, zwar länger, dies gehe jedoch zu Lasten der Krankenkassen und nicht zu Lasten des Arbeitgebers.

Die Sachverständige Martha Rosenkranz, ifb, hat zum Thema "Strukturwandel des Alters" vorgetragen.

Sie hat erklärt, zunächst sei zu beachten, dass durch die große Zahl von Babyboomern in den nächsten Jahren keine kontinuierliche, sondern eine wellenförmige Entwicklung stattfinden werde, die die Beantwortung der Frage nach den richtigen Maßnahmen deutlich erschwere. In den nächsten Jahren gebe es nämlich zunächst einmal nicht nur Schrumpfung sondern vorübergehend auch Zuwächse.

Bereits heute sei es so, dass die 45- bis 55-Jährigen schon zum "alten Eisen" und die 56- bis 65-Jährigen zum "Vorruhestand" gezählt würden.

Der Vorruhestand sei in Zukunft jedoch nicht mehr bezahlbar, da die Gruppe derjenigen, die diese Regelung in Anspruch nehmen könnten, so groß werde, dass finanzielle Mittel hierfür einfach nicht mehr aufzubringen seien. Die Menschen müssten effektiv länger in Arbeit bleiben. Dieses Ziel könne auch dadurch erreicht werden, dass der Mythos von der geringeren Produktivität und Belastbarkeit beseitigt werde.

Qualitativ bringe die Überalterung der Gesellschaft vor allem folgende Veränderungen mit sich:

1. eine Entberuflichung,

2. eine Feminisierung,

3. eine Singularisierung,

4. eine Hochaltrigkeit.

Was die Pflegekräfte angehe, so müsse deren Qualifikation deutlich erhöht werden, denn dies sei der Hauptgrund für die starke Fluktuation in diesem Bereich.

Durch die Überalterung der Gesellschaft eröffneten sich auch neue Beschäftigungspotentiale.