Hochschulreform optimieren ­Studium und Lehre verbessern ­ Chancengleichheit in der Bildung schaffen

Die anhaltenden Proteste der Studierenden müssen als Zeichen für den bestehenden Reformbedarf in unserem Bildungssystem ernst genommen werden. Die jungen Menschen setzen sich für bessere Lehr- und Lernbedingungen und für mehr Chancengleichheit in der Bildung ein. Das erfordert die Unterstützung seitens der politisch und gesellschaftlich Verantwortlichen.

Der Landtag des Saarlandes fordert die Landesregierung und die Verantwortlichen an den Hochschulen des Saarlandes deshalb auf, gemeinsam mit den Studierenden

1. die Umsetzung der Bolognabschlüsse auf ihre Tauglichkeit sowohl in Hinblick auf einen optimalen Einstieg ins Berufsleben als auch auf die Möglichkeit der Persönlichkeitsbildung vor dem Hintergrund eines selbstbestimmten, verantwortungsbewussten, humanistischen Welt- und Menschenbildes zu prüfen.

2. bei Studium und Lehre mehr Demokratie zu wagen und im Universitätsgesetz die paritätische Mitbestimmung der universitären Gruppen rechtsverbindlich zu verankern.

3. eine unabhängig besetzte Clearingstelle einzurichten, an die sich Studierende, Dozenten, Dekane und Universitätsleitungen wenden können, um für eine praxisnahe Identifizierung und schnelle Abhilfe der auftretenden Probleme zu sorgen.

Zudem soll diese Clearingstelle Verantwortlichkeiten im Rahmen des BolognaProzesses klären und einfordern.

4. eine langfristige Strategie zu erarbeiten, wie die Betreuungsrelation an saarländischen Hochschulen deutlich verbessert und die Hochschulverwaltungen den veränderten Umständen gemäß ausgestattet werden können. Insbesondere muss dafür Sorge getragen werden, dass die Studienbüros personell und räumlich adäquat ausgestattet werden, damit Studierende schnelle und kompetente Hilfe in allen Studien- und Prüfungsangelegenheiten erhalten.

5. die Bachelor-/Master-Studienreform landerübergreifend vergleichbar und mit dem Ziel zu überarbeiten, die Studierbarkeit zu verbessern, die Mobilität zu sichern und die Berufsfähigkeit zu stärken. Dabei muss sichergestellt werden, dass all diejenigen, die nach einem erfolgreichen Bachelor-Abschluss ein Masterstudium anstreben, auch einen Studienplatz erhalten können.

Der aus der Bologna-Studienstruktur entstehende Mehraufwand wurde von der Hochschulrektorenkonferenz mit einer Größenordnung von 15 Prozent gegenüber der bisherigen Studienstruktur beziffert. Dieser ist den Hochschulen durch entsprechend erhöhte Finanzzuweisungen zu entgelten. Hier sind Bund und Länder gemeinsam gefordert.

Der Landtag des Saarlandes fordert den Bund und die Landesregierungen auf:

1. die Bildungsinvestitionen in Deutschland mindestens auf das Niveau des OECDDurchschnitts anzuheben, also dauerhaft um mindestens 20 Mrd. Euro pro Jahr anzuheben.

2. bis 2015 mindestens drei Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung und mindestens sieben Prozent in Bildung zu investieren.

3. zur Erreichung dieses Zieles das Kooperationsverbot zu lockern.