Ganztagsschulen schaffen mehr Zeit zum Lernen - Für echte Wahlfreiheit und beitragsfreie Schulbildung im Saarland

Das Saarland steht im Bundesländervergleich bei der Versorgung mit gebundenen Ganztagsschulen auf einem der letzten Rangplätze. Das Angebot an freiwilligen Ganztagsschulen ist zwar weitgehend flächendeckend, erfüllt aber nicht in jedem Fall die Ansprüche einer qualitätsvollen pädagogischen Betreuung sowie die eines rhythmisierten Unterrichtskonzeptes durch eine Verzahnung von Vor- und Nachmittag. Die Elternnachfrage nach Freiwilligen Ganztagsschulen ist sehr unterschiedlich. Sie ist stark beeinflusst von der Qualität des Ganztagsangebotes hinsichtlich pädagogischer Inhalte, schulischer Zusatzangebote und Professionalität der Betreuung. Negative Effekte auf die Nachfrage haben die unterschiedlichen Gebührensätze der freiwilligen Ganztagsschulen. Grundsätzlich ist das Angebot an gebundenen Ganztagsschulen im Saarland unzureichend.

Damit das Land seiner Verantwortung gerecht werden kann, allen Eltern, die dies wünschen, ein differenziertes, qualitativ hochwertiges Ganztagsschulangebot zu machen, ist es erforderlich, eine echte Wahlmöglichkeit zwischen der Freiwilligen Ganztagsschule und der gebundenen Ganztagsschule zu schaffen. Beide Varianten müssen beitragsfrei sein, damit der Besuch einer Ganztagsschule nicht von der sozialen Herkunft bzw. dem Einkommen der Eltern abhängt. Ziel ist ein flächendeckendes Angebot an gebundenen Ganztagsschulen. Das heißt, in jedem Schulbezirk soll mindestens eine Ganztagsgrundschule in gebundener Form eingerichtet werden. Darüber hinaus soll in jedem Landkreis sowie im Regionalverband Saarbrücken jeweils mindestens ein Gymnasium, eine Erweiterte Realschule und eine Gesamtschule als gebundene Ganztagsschule eingerichtet werden. Eltern, die im Bereich der vorschulischen Einrichtungen schon eine ganztägige Betreuung ihrer Kinder in Anspruch genommen haben, sollen diese ohne Brüche im Bereich der Grundschulen und der weiterführenden Schulen fortsetzen können.

Ausgegeben: 09.02.

Schulen aller Schulformen können als Ganztagsschulen geführt werden. Ganztagsschulen tragen dazu bei, vielfältige Lernformen und Bildungszugänge zu nutzen sowie Lernleistungen zu steigern. Sie schaffen Zeit und Raum für selbstständiges Lernen und Möglichkeiten der Individualisierung des Unterrichtes. Sie fördern das soziale Lernen in der Schule und leisten einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die Schulen entwickeln ein pädagogisches Gesamtkonzept für einen rhythmisierten Schultag, bei dem Unterricht am Vor- und Nachmittag, Einzelarbeit, Freiarbeit, Projekte, Hausaufgabenbetreuung, Arbeitsgemeinschaften, erweiterte Bildungsangebote, Sport- und Entspannungsphasen sinnvoll wechseln.

Ganztagsschule muss mehr sein als den jetzigen Schulalltag in den Nachmittag zu verlängern. Wir brauchen mehr als eine bloße Nachmittagsbetreuung. Wir brauchen Ganztagsschulen mit einem pädagogisch konzipierten Tagesrhythmus. Wir brauchen einen Schulalltag, der fächerübergreifende Förderung organisieren hilft und Unterricht, Erziehung und individuelle Förderung besser miteinander kombinieren kann. Wir brauchen lebendige Schulen, in denen Lehren und Lernen Spaß und Freude bereiten und zu Lernerfolgen führen. Das Saarland braucht deshalb mehr Ganztagsschulen in allen Schulformen.

Deshalb fordert der saarländische Landtag die Landesregierung auf:

· ein Programm für Ganztagsschulen umzusetzen, damit jede Schule, die dies wünscht, zu einer Ganztagsschule umgewandelt werden kann.

Mit diesem Programm für Ganztagsschulen soll der Forderung nach einer möglichst effektiven pädagogischen Förderung entsprochen werden. Im Übrigen werden die Eltern nicht dazu gezwungen, ihr Kind ganztägig zur Schule zu bringen.

Die Landesregierung wird vielmehr dazu aufgefordert, ein bedarfsgerechtes Angebot an echten und freiwilligen Ganztagsschulen anzubieten. Eltern sollen frei zwischen gebundenen und freiwilligen Ganztags- sowie Halbtagsschulen entscheiden können.

· Gymnasien die Möglichkeit einzuräumen, sich nach dem Ganztagsmodell des Schengen-Lyzeums organisieren zu können.

· die Ganztagsschulangebote durch Ferienschulangebote zu ergänzen, in denen neben den Freizeitangeboten die Möglichkeit besteht, individuelle Leistungsdefizite aufzuarbeiten.

Darüber hinaus fordert der saarländische Landtag die Landesregierung auf, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die folgende Maßgaben gewährleistet:

· Ganztagsschulen gibt es in freiwilliger und gebundener Form. Freiwillige Ganztagsschulen ergänzen den Unterrichtsvormittag im Rahmen eines ganzheitlichen pädagogischen Konzeptes durch erweiterte Bildungs- und Betreuungsangebote.

Gebundene Ganztagsschulen haben ein ganzheitliches pädagogisches und organisatorisches Konzept zur rhythmisierten Verzahnung von Vor ­und Nachmittag.

· Ganztagsschulen sind beitragsfrei.

· Ganztagsschulen kooperieren mit vorhandenen Einrichtungen der Jugendhilfe in ihrem Umfeld. Zusätzlich wirken außerschulische qualifizierte Lehrbeauftragte und Ehrenamtliche von Vereinen und Initiativen an der Ganztagsschule mit.

· Die Ressourcenverantwortung für die pädagogische Ausgestaltung der Ganztagsschule hat das Land. Das Land stellt den Schulen Mittel für Lehrkräfte und zusätzliches pädagogisches Personal zur Verfügung. Nach Vereinbarung mit den Trägern außerschulischer Jugendbildung werden Zuschüsse an die Schulen für die Einbeziehung von Jugendbegleitern und Sozialarbeiter/innen gewährt. Schulen mit besonderer pädagogischer und sozialer Aufgabenstellung erhalten nach Maßgabe des Landeshaushaltsplanes ihren Bedürfnissen entsprechend zusätzliche Stundenzuweisungen und Fördermittel.