„Förderzentren" zur Integration behinderter und nicht behinderter Kinder

Ich frage den Senat:

1. Wie viele Sonderschulen in Berlin haben sich bisher zu „Förderzentren" entwickelt (in welchen Bezirken, Anzahl)?

2. Mit welchem Konzept haben sich diese „Förderzentren" etabliert?

3. Wird die Verwirklichung dieser Konzepte durch wissenschaftliche Begleituntersuchungen betreut?

Wenn nein, warum nicht?

4. Welchen zahlenmäßigen Anteil nehmen die Schüler/innen, die ambulant in Regelschulen betreut werden, zu den stationär betreuten Schüler/innen an diesen Förderzentren ein?

Im Namen des Senats von Berlin beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Zu 1.: Zur Zeit haben sich in Berlin 56 Schulen zu Sonderpädagogischen Förderzentren entwickelt. Für die Berliner Bezirke ergibt sich folgender Überblick:

Wegen der Durchlässigkeit der Sonderschulen und der Serviceleistungen, die Sonderpädagogen auch außerhalb von Sonderschulen in allgemeinen Schulen anbieten, hat sich bereits eine zu beobachtende Verflechtung sonderpädagogischer Förderung an verschiedenen Lernorten und eine Zusammenarbeit von allgemeinen Pädagogen und Sonderpädagogen von allgemeiner Schule und Sonderschule ergeben.

Bundesweit befindet sich die Sonderschule auf dem Weg zum schulverbundenen Sonderpädagogischen Förderzentrum. Auch in Berlin haben sich Sonderschulen in den letzten Jahren immer stärker zum Förderort für Kinder mit einem besonders hohen Förderbedarf sowie zur Organisationszentrale für mobile ambulante Dienste für Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf außerhalb der Schule entwickelt. Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen haben sich in ihren vielfältigen und veränderten Aufgabenfeldern eine große Kompetenz und Flexibilität in Förderung, Prävention, Beratung und nachgehender Hilfe sowie in der Kooperation und Zusammenarbeit mit anderen Diensten auf kollegialer Weise erworben.

Die Funktionsbezeichnung „Sonderpädagogisches Förderzentrum wird kriterienabhängig auf Antrag vergeben, sofern die Sonderschulen nachfolgende Kriterien im wesentlichen erfüllen: I. Förderung von Kindern mit einem besonders hohen sonderpädagogischen Förderbedarf

- Therapeutische Maßnahmen durch Sonderpädagogen

- Einrichtung von Integrationsklassen und Kooperationsklassen und oder sonderpädagogischer Förderklassen am eigenen Standort

- Sonderpädagogische Diagnostik, Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (Förderausschüsse)

- Entwicklung von Individual- und Förderplänen

- Koordinierung des Schulhelfersystems II. Kooperation mit der allgemeinen Schule

- Prävention oder vorsorgende Hilfen durch sonderpädagogische und therapeutische Maßnahmen bei Sprachauffälligkeiten, motorischen und Verhaltensauffälligkeiten sowie bei anderen Behinderungen (Ambulanzlehrersystem)

- Beratung von Pädagoginnen und Pädagogen der allgemeinen Schule

- Beratung von Eltern und Schülern III. Nachgehende und begleitende Hilfe (LBÜ-System)

- Ambulante behinderungsspezifische Hilfe in der Berufsschule und in der dualen Berufsausbildung im Betrieb IV. Kooperation mit anderen Institutionen und Diensten

- Schulgesundheitsdienst/Schulpsychologischer Dienst

- Kinder- und Jugendpsychologischer Dienst

- Behindertenhilfe

- Arbeitsamt - Berufsberatung für Behinderte

Zu 3.: Wissenschaftliche Begleituntersuchungen zum Sonderpädagogischen Förderzentrum erfolgen im Rahmen eines Modellversuchs der Bund-Länder-Kommission. Das Land Berlin ist an einem derartigen Transfer-Modellversuch mit dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit folgendem Titel beteiligt: „Entwicklung und Erprobung differenzierter Serviceleistungen einer sonderpädagogischen Infrastruktur im Rahmen eines Sonderpädagogischen Förderzentrums". Dieser Modellversuch endet voraussichtlich im März 1997. Erste Ergebnisse sind im Zusammenhang mit der Abschlußtagung zum oben angegebenen Modellprojekt am 25./26. Oktober 1996 in Stralsund zu erwarten.

Zu 4.: Eine statistische Erfassung der an allen Berliner Standorten in Sonderpädagogischen Förderzentren unterrichtlich geförderten Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf liegt zur Zeit nicht vor.

Eine Orientierung geben jedoch die folgenden Schülerzahlen aus dem Schuljahr 1995/96.