Sicherung der Berufspraktika für Erzieherinnen und Erzieher

Ich frage den Senat:

1. Wie viele Erzieher-Berufspraktikantinnen und -praktikanten der diesjährigen Absolventen führen ihr Praktikum an landeseigenen Einrichtungen und wie viele an Einrichtungen freier Träger durch?

2. Wie ist die Finanzierung des Berufspraktikums bei den Einrichtungen der freien Träger abgesichert?

3. Sollte die Finanzierung der Berufspraktika bei den Einrichtungen der freien Träger nicht gesichert sein, wie ist dann die Anbindung der Berufspraktikums an den Ablauf des Schuljahres für alle Praktikantinnen und Praktikanten abgesichert?

4. Wie soll die Akzentverschiebung bei den Ausbildungsinhalten durch die fehlenden Praktika bei den freien Trägern (z. B. Behindertenbetreuung, Montessori- oder Waldorf-Pädagogik) durch landeseigene Einrichtungen ausgeglichen werden?

Im Namen des Senats von Berlin beantworten wir Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Zu 1.: Wie viele Berufspraktikanten jeweils in behördlichen und wie viele in Einrichtungen freier Träger Teile des oder das gesamte Berufspraktikum zur Zeit ableisten oder abzuleisten beabsichtigen, ist dem Senat nicht bekannt. Genaue Zahlen könnten nur durch umfangreiche Recherchen bei den für die Praxisableistung jeweils zuständigen Stellen sämtlicher Ausbildungsstätten in Berlin personenbezogen ermittelt werden. Wegen des großen Aufwands bittet der Senat um Verständnis, dass von entsprechenden Umfragen abgesehen wird. Allerdings lassen allgemeine Erfahrungswerte die Aussage zu, dass jeweils rund die Hälfte aller Erzieher-Berufspraktikanten ihre berufspraktische Ausbildung in Einrichtungen der behördlichen Jugendhilfe und solchen der freien Träger ableistet.

Zu 2.: Im Einzelplan der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport ist eine Etatposition für die Gewährung von Zuwendungen an freie Träger der Jugendhilfe für die Beschäftigung von Erzieher-Berufspraktikanten vorhanden. Für den Haushalt 1997 ist im übrigen der gleiche Betrag angemeldet worden, der 1996 zur Verfügung steht.

Zu 3.: Mit dem Nachtragshaushaltsplan 1996 ist der Ansatz für die Gewährung von Zuwendungen an Träger der freien Jugendhilfe bei der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport (Kapitel 10 00 Titel 684 30) um 20 % gekürzt worden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass an anderer Stelle des Berliner Haushaltsplans im Zuge weiterer Sparmaßnahmen ebenfalls Kürzungen vorhandener Ansätze vorgenommen wurden und werden. Zwar ist eine ausreichende Zahl von Praxisplätzen vorhanden, jedoch kann auf Grund der aktuellen finanziellen Situation nicht mehr gewährleistet werden, dass jeder Absolvent der Erzieherausbildung unmittelbar im Anschluß an seine staatliche Prüfung einen tariflich vergüteten Ausbildungsplatz zur Absolvierung seines einjährigen Berufspraktikums erhält.

Der Senat geht davon aus, dass im Falle nicht ausreichender Positionen und Mittel die betroffenen Bewerber möglicherweise einige Monate warten müssen, bevor ihnen ein vollfinanzierter Praxisplatz überlassen werden kann. Allerdings weist der Senat darauf hin, dass er in seiner Sitzung am 6. März 1996 im Zusammenhang mit der Beschlußfassung über den Entwurf eines Haushaltsstrukturgesetzes die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport beauftragt hat, bis zum 30. September 1996 einen Gesetzentwurf zur Neuregelung von Ausbildungsstrukturen der sozialen Berufe zu erarbeiten. Damit im Verbund stehen Überlegungen, das bisherige Berufspraktikum in den Bildungsgang bis zur Ablegung der staatlichen Erzieherprüfung zu integrieren, das heißt, einen einphasigen Ausbildungsgang einzuführen.

Zu 4.: Der Senat erwartet nicht, dass eine „Akzentverschiebung bei den Ausbildungsinhalten durch die fehlenden Praktika bei den freien Trägern" stattfinden wird, da nach wie vor Zuwendungsmittel zur Finanzierung der Berufspraktika bei freien Trägern zur Verfügung stehen. Wartezeiten bis zum Beginn eines bezahlten Berufspraktikums dürften kaum Einfluß auf die inhaltliche Gestaltung der Praktika haben oder gar Veränderungen hinsichtlich der Träger der praktischen Ausbildung mit sich bringen.