Bürgerforum Spreeinsel gestalten - Gewölbe unter dem ehemaligen Nationaldenkmal am Spreekanal für die Öffentlichkeit zugänglich machen

Der Senat von Berlin wird aufgefordert, in Kooperation mit dem Bund und interessierten Betreibern kurzfristig die Gewölbe unter dem früheren Nationaldenkmal am Spreekanal auf dem Schloßplatz für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die notwendige Finanzierungsbeteiligung soll aus den Mitteln der Entwicklungsmaßnahme Parlaments- und Regierungsviertel erfolgen.

Begründung:

Die Spreeinsel soll künftig zum Zentrum der städtischen Mitte und damit auch ein Pendant zu den Einrichtungen des Bundes mit ihrem Schwerpunkt im Spreebogen werden. Weil das bisherige Konzept, mit einem Solitärbau ­ ob als Neubau (Spreeinselwettbewerb) oder als Schlossrekonstruktion ­ die Neugestaltung der Spreeinsel zu erreichen, gescheitert ist, ist es erfolgversprechender, anstelle eines weiteren Großvorhabens ein schrittweise umsetzbares städtebauliches Entwicklungsprojekt in Angriff zu nehmen. Der heutige Schloßplatz sollte als erstes von seinen Rändern her reurbanisiert werden, indem u. a. die Gewölbe unter dem früheren Nationaldenkmal zugänglich gemacht werden und entlang der Schloßfreiheit durch Grüngestaltung und temporäre Bauten ein attraktiver Uferbereich geschaffen wird.

Die Reste des Nationaldenkmals befinden sich in Bundesbesitz. 1895 ist nach dem Abriss der früher entlang der Schloßfreiheit stehenden Bürgerhäuser das monströse Nationaldenkmal eingeweiht worden. Nach teilweiser Zerstörung im zweiten Weltkrieg sind das große Reiterstandbild Wilhelms I und Teile des Figurenschmucks eingeschmolzen, einzelne Figuren an anderen Orten aufgestellt worden.

Die unter der heute noch vorhandenen Plattform des Denkmalsockels befindlichen gemauerten Gewölbe, die nur eine konstruktive Funktion hatten und früher nicht genutzt worden sind, bieten in mehreren Räumen rund 1 200 m2 Nutzfläche und verfügen über einen direkten Zugang zum Wasser. Sie können als spektakulärer historischer Ort mit herausragender Gründerzeit-Baukunst einen Beitrag zur dringend erforderlichen Belebung des zum großen Teil verödeten Schloßplatzes leisten. Eine solche Chance würde vergeben, wenn statt dessen die Idee zur Errichtung eines Denkmals für die Einheit, die gegenwärtig von einigen Bundestagsabgeordneten propagiert wird, verwirklicht werden würde. Die Wiederherstellung einer fragwürdigen Kontinuität des nationalen Gedenkens in der Mitte Berlins ist aber vor allem deshalb nicht akzeptabel, weil sie die Geschichte verfälschen würde.

Neue Nutzungen für die Gewölbe des ehemaligen Nationaldenkmals (die AG Schloßfreiheit wollte hier ein Angebot mit gastronomischen und kulturellen Nutzungen verwirklichen) sind bisher immer daran gescheitert, dass über die Gesamtlösung für das Schloßplatz-Areal noch keine Klarheit bestand. Erst dann sollte auch über die Verwendung der Gewölbe entschieden werden. Wenn diese Bedingung weiterhin aufrecht erhalten wird, bestehen nur geringe Chancen, den nunmehr ein Jahrzehnt währenden Stillstand und fast vollständigen Nutzungsverlust des zentralen Ortes zu beenden.

Die erfolgreiche Etablierung des BKA-Zeltes beweist, dass entlang der früheren Schloßfreiheit die besten Ansätze für eine schrittweise Wiederbelebung der Spreeinsel-Mitte existieren.