Die vorliegende Bevölkerungsprognose enthält gesamtstädtische und bezirkliche Ergebnisse für den Zeitraum bis

Die vorliegende Bevölkerungsprognose enthält gesamtstädtische und bezirkliche Ergebnisse für den Zeitraum bis 2015.

Sie wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Landesamt Berlin erstellt.

Für die Ausrichtung von Stadtentwicklungspolitik ist Wissen über künftige Tendenzen der Bevölkerungsentwicklung unerlässlich. Eine Prognose kann und soll Entscheidungsträgern wichtige Grundinformationen liefern, sie kann ihnen jedoch Entscheidungen nicht abnehmen. Prognosen dienen als Orientierungshilfe, sind jedoch keine Planung. Die für die Berliner Bezirke prognostizierten Trends sind eingebettet in die absehbare gesamtstädtische Entwicklung.

Gegenüber den Wachstumserwartungen für die Berliner Bevölkerung, über die Anfang der 90er-Jahre ein breiter Konsens bestand, ist die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre deutlich zurückgeblieben. Nach der vorliegenden Bevölkerungsprognose ist auch künftig nicht mit größeren Einwohnerzuwächsen zu rechnen. Die Prognoserechnung weist ­ auch unter Berücksichtigung der Hauptstadt-Effekte ­ in ihrer mittleren Variante für das Jahr 2010 eine leicht geringere Bevölkerungszahl (3,35 Mio. Personen) als zu Beginn des Prognosezeitraumes (1998: 3,4 Mio.) aus.

Die qualitativen und räumlichen Umstrukturierungsprozesse in Bevölkerungsaufbau und -verteilung werden sich weiter fortsetzen und zu Auswirkungen auf die Inanspruchnahme von Flächen und Infrastruktur in der Gesamtstadt und in den Bezirken führen. Die in der Prognose 1997 aufgeführten Tendenzen, insbesondere bei der Veränderung des Altersaufbaus bleiben weiterhin gültig.

Prognoseannahmen- und ergebnisse

Die Bevölkerungsprognose wurde mit dem Prognoseprogramm SIKURS erarbeitet, das bundesweit in über 40 Städten eingesetzt wird. Nach diesem Modell wird ein vorgegebener Ausgangsbestand der Bevölkerung auf Grund von Zu- und Fortzügen, Geburten und Sterbefällen von Jahr zu Jahr fortgeschrieben.

Ausgangsbevölkerung für die Prognose ist die nach Altersjahren, Geschlecht, Staatsangehörigkeit (Deutsche/Ausländer) und Bezirken gegliederte Bevölkerungszahl (laut amtlicher Fortschreibung) am 31. Dezember 1998.

Die Entwicklung der einzelnen Komponenten der Bevölkerungsentwicklung (Geburten, Sterbefälle, Zu- und Fortzüge, innerstädtische Umzüge) wurde anhand demografisch differenzierter Wahrscheinlichkeiten bzw. Raten (Geburten- SterbeWegzugsraten usw.) auf der Grundlage von Berechnungen aus Zeitreihen der Jahre 1994-1998 und der Abschätzung künftiger Trends ermittelt.

Prognosehorizont für die gesamtstädtische Vorausberechnung ist das Jahr 2015. Dabei wurden für den Zeitraum bis 2010 zeitlich und räumlich differenzierte Ansätze zugrundegelegt. Für den Zeitraum 2011-2015 erfolgte eine Trendverlängerung auf Basis der Ansätze für das Jahr 2010.

Im Hinblick auf den vorrangigen Einsatz der Bevölkerungsprognose als Orientierungshilfe für die mittelfristige Planung umfassen die im Folgenden zusammengefassten Ergebnisse i. d. R. den Zeitraum 31. Dezember 1998 ­ 31. Dezember 2010.

Prognoseannahmen Grundlagen der Annahmenerarbeitung:

1. Analyse der abgelaufenen Entwicklung in den letzten Jahren und der sich abzeichnenden Trends

2. Gutachten zu den Wanderungsbewegungen zwischen Berlin und Deutschland/Ausland

3. Abstimmung der Wanderungsannahmen für den engeren Verflechtungsraum mit Brandenburg

4. Annahmen des Statistischen Bundesamtes zur 9. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung

Das Statistische Bundesamt bereitet die 9. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland vor. In Abstimmung mit den Statistischen Landsämtern wurden dafür Wanderungsannahmen erarbeitet, die in großen Teilen den Erwartungen aus Berliner Sicht entsprechen.

- Die Annahmen zu den Wanderungssalden mit den alten und neuen Bundesländern, die unserer Prognose zugrunde liegen, orientieren sich an denen der 9. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung.

- Die Angaben zu den Wanderungen mit dem engeren Verflechtungsraum wurden von Berlin und Brandenburg gemeinsam erarbeitet.

- Die Auslandswanderungen entsprechen in den Varianten 1 und 2 denen der 9. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, die Variante 3 wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf der Grundlage von Gutachten erarbeitet.

Annahmen und Eckwerte der Prognose für die Bevölkerungentwicklung in den Jahren 1999 bis 2010

(in Tausend Personen) Natürliche Bewegungen Geburten- und Sterberaten

Die Geburten- und Sterberaten wurden für jeden Bezirk empirisch aus der Zeitreihe 1994 bis 1998 ermittelt und den Annahmen der natürlichen Entwicklung zugrundegelegt. Besondere Beachtung fanden die gestiegenen Lebenserwartungen sowie die Anpassung der Geburtenraten für die deutschen Frauen in den östlichen Bezirken an das generative Verhalten im Westteil der Stadt.

In den Jahren von 1999 bis 2010 ist mit einem natürlichen Bevölkerungsrückgang (Sterbeüberschuss) zwischen 65 Tsd. und 70 Tsd. Personen zu rechnen.

Wanderungsbewegungen

Die großräumigen Veränderungen der Wirtschaftsund Arbeitsmarktsituation in Gesamtdeutschland und dem angrenzenden Ausland beeinflussen die Entwicklung in Berlin als Ziel- und Herkunftsgebiet von Wanderungen mit dem Ausland und mit den übrigen Bundesländern.

Der entscheidende Faktor für einen Bevölkerungszuwachs in der Stadt liegt in der Außenwanderungsbewegung. Bei den Zuund Fortzügen über die Grenzen von Berlin werden 4 Bezugsräume betrachtet: Ausland; alte Bundesländer; neue Bundesländer (ohne Umland); Berliner Umland.

Die Wanderungen mit dem Ausland stellen den zahlenmäßig größten Teil an den Außenwanderungen, zugleich ist ihre Vorausschätzung mit den größten Unsicherheiten behaftet (z. B. durch Entwicklungen in Krisen- und Kriegsregionen, die Asylgesetzgebung, die Aussiedlerpolitik).

Wegen der möglichen großen Bandbreite wurden für diesen entscheidenden Faktor (Auslandswanderung) drei unterschiedliche Annahmen getroffen.

Die mittlere Variante bildet nach dem derzeitigen Erkenntnisstand die künftige Entwicklung mit höherer Wahrscheinlichkeit ab als die anderen beiden. Deshalb wurde die detaillierte Prognose auf Grundlage dieser Variante errechnet.

Die Wanderungssalden mit dem Umland und dem restlichen Deutschland wurden über die drei Varianten konstant gehalten.

Ausland:

Diese Bewegungen sind stark durch nicht berechenbare und nicht beeinflussbare Bedingungen bestimmt. Erstmals ergab sich für Berlin in den Jahren 1997 und 1998 ein leicht negatives Wanderungssaldo. Für die Prognoserechnung wurden drei Varianten betrachtet:

- Variante 1 geht von einem leichten Anstieg der Auslandswanderungen bis 2003 aus. Danach ist ein geringer Rückgang bis 2010 zu erwarten.

- Für Variante 2 wird über den gesamten Prognosezeitraum ein gleichmäßiger Zuwachs angenommen, der aber unter den Salden der vergangenen Jahren bleibt.

- In Variante 3 wird ab 2001 eine schnellere Zunahme des Wanderungsgewinnes für Berlin angesetzt, der dem Durchschnitt der Jahre 1994 bis 1996 entspricht.

Für den Zeitraum 1999 bis 2010 wurden Wanderungsgewinne Berlins gegenüber dem Ausland je nach Variante zwischen 92 Tsd. und 186 Tsd. Personen angesetzt.

Alte Bundesländer:

Bei der Wanderung zwischen Berlin und den alten Bundesländern konnte die Stadt bisher keine nennenswerten Gewinne verzeichnen. Der ausgewiesene Gewinn für das Jahr 1998 resultiert aus den Ummeldungen auf Grund der angekündigten Zweitwohnsitzsteuer in Berlin und ist so kein realer Zuwanderungsgewinn. Es wird davon ausgegangen, dass die Zuzüge aus den alten Bundesländern ansteigen und sich konsolidieren werden. Ein wesentlicher Grund für diese Annahme ist der Ausbau Berlins zum Sitz von Parlament und Regierung, von dem Impulse auch über den engeren politisch-administrativen Bereich hinaus erwartet werden, die sich auch in Wanderungsgewinnen niederschlagen.

Bis 2010 wird mit einem Wanderungsgewinn von ca. 43 Tsd. Personen gegenüber den alten Bundesländern gerechnet.

Neue Bundesländer (ohne Berliner Umland):

Die Wanderung mit den neuen Bundesländern (ohne Berliner Umland) ergab in den vergangenen Jahren leichte Wanderungsgewinne für Berlin (1998 verstärkt durch Zweitwohnsitz-Ummeldungen). Die Prognose sieht eine Fortschreibung dieses Trends für die nächsten Jahre vor.

Es wird bis 2010 ein Wanderungsgewinn von ca 31 Tsd. Personen erwartet.

Umland:

Seit 1992 gab es aus der Wanderung zwischen Berlin und seinem Umland jährlich zunehmende Wanderungsverluste (Saldo 1993: ­4 000, 1995: ­15 000, 1998: ­30 000 Personen). Diese „nachholende" Suburbanisierung weist inzwischen deutlich höhere Abwanderungsraten auf als z. B. zwischen Hamburg und seinem Umland. Es ist davon auszugehen, dass mit verringertem Wohnungsneubau nach Auslaufen der Fördergebiets-Sonderabschreibungen die Abwanderung in das Umland deutlich zurückgehen wird und sich bis 2006 auf einem Niveau von ca. 10 000 Personen pro Jahr einpegeln wird. Die Ansätze über den künftigen Verlauf der Wanderungen zwischen Berlin und dem Umland wurden mit dem Land Brandenburg abgestimmt.

Insgesamt wird für den Zeitraum von 1999 bis 2010 von einem Wanderungsverlust Berlins gegenüber dem Umland von ca. 184 Tsd. Personen ausgegangen.