RambaZamba

Das Theater „RambaZamba" existiert seit 1991 und hat seit 1993 eine feste Spielstätte mit 99 Plätzen in der „Kulturbrauerei".

In zwei Gruppen arbeiten über 50 Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung. Nach eigenem Verständnis entsteht bei „RambaZamba" „ein Theater, das sich orientiert an den anderen Erfahrens- und Wahrnehmungsweisen dieser Schauspieler/-innen und vor allem dahingehend entfaltet, ihren besonderen symbolischen und zeichenhaften Ausdruck für diese einzigartige Weltsicht herauszuarbeiten und das den Zuschauer/-innen auf künstlerisch professionelle Weise zu vermitteln." (Selbstdarstellung) Dafür hat „RambaZamba" große öffentliche Anerkennung gefunden, insbesondere durch die Verleihung des Förderpreises der Akademie der Künste (1996), den Sonderpreis des Festivals „Politik im Freien Theater" 1999 in Stuttgart und die Einladung zum Festival „Theater der Welt" 1999 in Berlin.

Die Förderung der Arbeit von „RambaZamba" muss von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Gesamtkontext der Theaterarbeit in Berlin gesehen werden. Insofern sind Vergleiche mit Privattheatern und freien Gruppen anzustellen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang andere Theater, die mit besonderen gesellschaftlichen Gruppen arbeiten. Hier sind zu nennen das Theater „Aufbruch", bei dem Gefangene arbeiten, das „Obdachlosenheater RATTEN 07" und das „Theater Thikwa", in dem behinderte und nicht behinderte Schauspieler zusammenarbeiten. Alle Gruppen haben einen anderen ästhetischen Ansatz und ein unterschiedliches künstlerisches Niveau.

Das „Obdachlosentheater RATTEN 07" wurde 1992 nach einer Inszenierung an der Volksbühne gegründet, an der es auch weiterhin arbeitet. Das Theater hat inzwischen 17 Produktionen herausgebracht, in denen die Darsteller ihre persönlichen Erfahrungen zum Ausdruck bringen konnten. „Die Inhalte der Inszenierungen, die von Existenzen am Rand handeln, von gescheiterten Menschen, die an der Lieblosigkeit der Welt zerbrechen, den Sinn verloren haben, bringen durch ihre Persönlichkeit eine Einzigartigkeit auf die Bühne, die von keinem professionellen Darsteller besser dargestellt werden könnte." (Selbstdarstellung)

Das „Obdachlosentheater RATTEN 07" hat zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland durchgeführt. Es wurde für seine Leistungen mit dem Förderpreis der Akademie der Künste (1995) gewürdigt und 1998 auf das Festival „Impulse" in Nordrhein Westfalen eingeladen, das die acht besten Off-Theater-Projekte des deutschsprachigen Raums prämierte.

Das „Theater Thikwa", das seit 1990 besteht, versteht sich nicht als „Behindertentheater". Es will keine „Extrakunst" anbieten sondern „entwickelt seine ästhetischen Fragestellungen aus der konzeptionellen Zusammenarbeit von behinderten und nicht behinderten Künstlern. (...) Auf den ersten Blick Ungeeignete, d. h. Menschen, die in ihren Sprach- und Bewegungsmöglichkeiten deutlich und extrem eingeschränkt sind, arbeiten professionell mit anderen darstellenden Künstlern zusammen. (...) Theater Thikwa untersucht Grenzbereiche von Schauspiel, Performance, Musik, Sprache und Tanz." (Selbstdarstellung) Das Ensemble hat zur Zeit 16 behinderte Mitarbeiter. Bisher wurden 11 Produktionen in Zusammenarbeit mit Berliner Theaterspielstätten wie „Maxim-Gorki-Theater", „Theater am Halleschen Ufer", „Sophiensaele" und „Podewil" realisiert. Auch „Thikwa" hat seine Arbeit in zahlreichen Gastspielen außerhalb von Berlin gezeigt und war 1996 am Festival „Impulse" in Nordrhein Westfalen beteiligt. Zur Zeit kann das Theater wegen Geldmangels Einladungen zu Festivals nicht annehmen.

Ausbildung und Training Künstlerische Ausbildung und laufendes Training sind für Schauspielerinnen und Schauspieler mit Behinderung unverzichtbar, da eine Ausbildung an den herkömmlichen Institutionen nicht möglich ist.

Bestandteil des Antrags von „Sonnenuhr e. V." zur Förderung des Theaters „RambaZamba" ist die künstlerische Gruppenarbeit zur Förderung von zehn professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderung. Geplant sind Musiktraining, Bewegungs-, Rhythmik- und Tanztraining, Sprecherziehung und Stimmtraining sowie Improvisationstraining. Die Mittel hierfür sollen aus den Platzgeldern kommen, die bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen beantragt sind. Zusätzlich ist eine Kunstschule geplant.

Das „Theater Thikwa" hat in den Jahren 1995 bis 1997 ein Forschungsprojekt über künstlerische Arbeitsweisen in einer Werkstatt für Behinderte durchgeführt. Dieses Modellvorhaben wurde durch das Bundesministerium für Gesundheit finanziert.

Die künstlerisch-theatrale Bildung hat folgende Bestandteile:

- Grundtraining: Körperwahrnehmung, Ensemblebildung, szenische Arbeiten, Arbeiten am Gestus, Stimmarbeit, Aktionen

- Erarbeitung und Heranführung an bestimmte Themata und Arbeit mit Objekten

- Rollenfindung

- Wahrnehmung und Reflexion durch andere künstlerischhandwerkliche Techniken

- Kulturell-theoretische Auseinandersetzung: Theatergeschichte, Lesen Kulturgeschichte etc.

- Förderung und Integration

Darüber hinaus praktiziert „Thikwa" seit 1995 ein eigenes Stipendienmodell: Behinderte und nichtbehinderte Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland werden für drei bzw. sechs Monate eingeladen, um sich in Zusammenarbeit mit dem Thikwa-Ensemble künstlerisch zu qualifizieren.

Seit 1998 hat die Behindertenwerkstatt „Nordberliner Werkgemeinschaft gGmbH" nach Zustimmung durch das Landesarbeitsamt und die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales die Theater-Werkstatt als Zweigwerkstatt übernommen.

Damit ist die Förderung, Ausbildung und das Grundtraining der Behinderten finanziell abgesichert.

Organisations- und Personalstruktur

Eine Zusammenarbeit des Theaters „RambaZamba" mit einer Werkstatt für Behinderte bietet sich an, damit dem Land Berlin keine Mehrausgaben entstehen. Die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen hat in ihrem Schreiben an den Petitionsausschuss vom 7. Januar 2000 ­ PetNr.: 08054/13 ­ ausführlich dazu Stellung genommen. Die Hamburger Sozialbehörde sieht diese finanziellen Vorteile auch und strebt deshalb ebenfalls eine Verbindung der dortigen Kulturprojekte mit Werkstätten für Behinderte an. Diese Zusammenarbeit soll sich in Hamburg so gestalten, dass auf die besonderen Bedürfnisse der Zielgruppe, also verhaltensauffällig gewordenen Menschen mit Behinderungen, im Hamburger Sprachgebrauch „Menschen mit originellen Verhaltensweisen", Rücksicht genommen wird. Dabei geht es z. B. um die Anpassung von Arbeitszeiten an künstlerische Prozesse wie sie im Kulturbereich üblich sind.

Die Theater-Werkstatt „Thikwa" arbeitet bereits seit 1998 als Außenstelle einer Werkstatt für Behinderte. Auch „Sonnenuhr e. V." hat jetzt eine Werkstatt für Behinderte gefunden, die an einer Kooperation interessiert ist. Es handelt sich um die Werkstatt „Integral". Der derzeitige Zustand, dass die künstlerische Arbeit neben der Arbeit in einer Werkstatt für Behinderte ausgeübt wird, stellt eine Überforderung für die Beteiligten dar, wenn die künstlerische Tätigkeit über eine Freizeitbeschäftigung hinausgeht und ein professionelles Niveau erreicht werden soll.

Von den sieben festen Stellen, die für den Betrieb des Theaters „RambaZamba" beantragt sind, werden von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur 4,5 anerkannt.)

Dazu kommen bei „RambaZamba" Stellen aus der Arbeitsmarktförderung, auf deren Vergabe für Sonnenuhr e. V. die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur keinen Einfluss hat (siehe Anlage 1) sowie analog zu anderen Theatern Honorarverträge.

Finanzierung: „Sonnenuhr e. V." hat für das Theater „RambaZamba" bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur einen Zuschuss in Höhe von 714 418 DM beantragt. Die notwendige Deckung in Höhe von rund 568 000 DM ist in der vom Senat beschlossenen Nachschiebeliste berücksichtigt worden durch Auflösung der bei 17 01/971 01 veranschlagten pauschalen Mehrausgaben zugunsten des Titels 688 11.

Bei der Berechnung des Zuwendungsbedarfs hat „Sonnenuhr e. V." Einnahmen aus der Förderung von Arbeitsplätzen für Menschen mit geistiger Behinderung durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen einberechnet. Diese Förderung ist zwar beantragt, aber nicht bewilligt.