Finanzbericht

Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII

Eine wichtiges Instrument von Jugendhilfeplanung sind Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII. Auf bezirklicher Ebene bieten sie einen wesentlichen Ansatzpunkt für lebensweltorientierte sozialräumliche Planung, auf bezirklicher und gesamtstädtischer Ebene für ziel- oder zielgruppenorientierte Planung. Beteiligt sind die anerkannten Träger der freien Jugendhilfe, aber auch Träger geförderter Maßnahmen.

Da Arbeitsgemeinschaften ein Instrument der Fach- und Jugendhilfeplanung sind, ist es für ihre Anerkennung erforderlich, dass sie

- von Trägern der öffentlichen Jugendhilfe im Rahmen ihrer Planungsverantwortung initiiert werden,

- ihnen Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe angehören,

- Themen der Jugendhilfe bearbeitet werden, wobei bereichsübergreifenden und vernetzenden Betrachtungsweisen hohe Bedeutung zukommt, und dass sie

- den Bezug zur Jugendhilfeplanung haben.

Ausschließlich den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe obliegende Aufgaben und Kontrollfunktionen sind nicht Gegenstand dieser Arbeitsgemeinschaften.

Auf bezirklicher Ebene haben sich mit Stand Dezember 1998 insgesamt 164 Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII gebildet, davon 96 mit fachlichen und 68 mit regionalem Bezug.

Für die gesamtstädtische Ebene wurde eine Mustergeschäftsordnung entwickelt und im Landesjugendhilfeausschuss beschlossen. Mit Stand Mai 1999 haben sich folgende gesamtstädtische Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII konstituiert:

- Arbeitsgemeinschaft „Internationale Jugendarbeit, Kinder- und Jugenderholung" (konstituierende Sitzung am 19. Februar 1998),

- Arbeitsgemeinschaft „Jugendberufshilfe" (konstituierende Sitzung am 13. März 1998),

- Arbeitsgemeinschaft „Hilfen für unbegleitete junge Asylsuchende und Flüchtlinge" (konstituierende Sitzung am 22. April 1999).

Die Gesamtjugendhilfeplanung ist in allen gesamtstädtischen Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII vertreten.

Mitarbeit in weiteren Gremien bzw. Arbeitsgemeinschaften

Im Rahmen der querschnittsbezogenen Arbeit der Gesamtjugendhilfeplanung erfolgt/e berlinbezogen die Mitarbeit in

­ meistens zeitlich befristeten ­ Gremien bzw. verwaltungsübergreifenden Arbeitsgemeinschaften zu verschiedenen Themenbereichen, u. a. - im Rahmen der sozialorientierten Stadtentwicklung Vertretung im Begleitgremium zum Gutachten, bei den Innenstadtkonferenzen und Mitarbeit bei den nachfolgenden Vorlagen an den Senat,

- zu den Leitlinien für eine kinder- und jugendfreundliche Stadt,

- zum Sozialstrukturatlas

- zur Agenda 21 für Berlin.

Auf Bundesebene ist die Gesamtjugendhilfeplanung vertreten in

- der Arbeitsgemeinschaft „Jugendhilfeplanung" der BAGLJÄ,

- einem vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS e.V.) organisierten Fachgespräch „Jugendhilfeplanung der überörtlichen Träger" und

- einem jährlichen Arbeitstreffen „Jugendhilfeplanung" des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIFU).

Das Verhältnis Gesamtjugendhilfeplanung zur bezirklichen Jugendhilfeplanung

Die Zweistufigkeit der Berliner Verwaltung einerseits und die Einheitsgemeinde Berlin andererseits machen Jugendhilfeplanung sowohl auf bezirklicher wie auf gesamtstädtischer Ebene erforderlich. Gemäß § 42 AG KJHG ist die Gesamtjugendhilfeplanung eine gesamtstädtische Aufgabe der für Jugend zuständigen Senatsverwaltung als örtlichem Träger der Jugendhilfe.

Bezirkliche Jugendhilfeplanung Jugendhilfeplanung als wesentliches Instrument zur Steuerung der Jugendhilfe im Bezirk schafft die Grundlagen für qualifizierte Entscheidungen im Jugendamt und in der Gebietskörperschaft über fachliche Orientierungen der Handlungsfelder und ­bereiche der Jugendhilfe sowie über den Einsatz und den Verbrauch von Ressourcen. Sie gehört mit zu den wichtigen Angelegenheiten des Jugendhilfeausschusses, wird dort strukturiert und beraten.

Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Berliner Bezirken (Sozialstruktur, wirtschaftliche Struktur, städtebauliche Aspekte, welche die Lebensqualität betreffen etc.) erfordern bezirksspezifische Perspektiven und Zielsetzungen in der Jugendhilfe. Jugendhilfeplanung, die die Grundlage für die Perspektiv- und Zielbestimmung liefert, muss die bezirklichen Bedingungen und Gegebenheiten adäquat aufnehmen und konzeptionell verarbeiten. Das bedeutet, dass die bezirkliche Jugendhilfeplanung den verschiedenen Bedarfslagen entsprechend unterschiedliche Planungsansätze (bereichs-, sozialraumund/oder zielgruppenorientiert) reflektiert und anwendet.

Dieses schafft die Voraussetzung dafür, dass die Angebote, Maßnahmen und Veranstaltungen der Jugendhilfe in den Bezirken an den Lebenswelten der jungen Menschen und ihrer Familien orientiert und, falls erforderlich, wohnortnah erbracht werden können.

Jugendhilfeplanung in den Bezirken ist in einem ganz wesentlichen Ausmaß Fachplanung in der Verantwortung des Jugendamtes. An ihr sind die fachlichen Organisationseinheiten des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe ebenso beteiligt wie die im Bezirk wirkenden Träger der freien Jugendhilfe. Fachplanung als Teil der Jugendhilfeplanung bezieht zudem die Adressatinnen und Adressaten der Jugendhilfe ein, denn deren Bedürfnisse, Wünsche und Interessen müssen sich in der Fachlichkeit der Jugendhilfe widerspiegeln.

Dabei müssen ­ auch durch Überschreiten von bislang akzeptierten Grenzen ­ innovative Potentiale freigelegt und der in den letzten Jahrzehnten gewachsenen Segmentierung in der Jugendhilfe entgegengewirkt werden. Jugendhilfeplanung erweitert den Bezugsrahmen der zum Teil hoch spezialisierten Fachplanungen im herkömmlichen Sinne und entwickelt die inhaltliche Grundlage für fachlich sinnvolle Kooperationen und Vernetzungen.

Darüber hinaus ist Jugendhilfeplanung in den Bezirken konzeptionell nicht nur beschränkt auf den traditionellen Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes. Vielmehr nimmt sie als Teil von bezirklicher Sozialplanung Einfluss auf die Entwicklung der sozialen Infrastruktur des Bezirks (Einmischung) und schafft die Basis für rationale und fachlich fundierte Abstimmungen der unterschiedlichen Systeme. Sie entwickelt Bezüge zu allen anderen Planungsebenen im Bezirk.

Durch Dokumentation (Berichterstattung) und Beteiligung (Träger und Adressatinnen und Adressaten der Jugendhilfe) sorgt Jugendhilfeplanung für ein Optimum an Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen.

Gesamtjugendhilfeplanung Gesamtjugendhilfeplanung ist i. S. des § 42 AG KJHG gesamtstädtische Jugendhilfeplanung, d. h. die Planung des örtlichen Trägers der Jugendhilfe. Sie ist ein Instrument der strategischen Steuerung auf der Ebene der Hauptverwaltung für das gesamte Stadtgebiet. Die bezirklichen Fachplanungen und die der Hauptverwaltung sind Bestandteil der Gesamtjugendhilfeplanung. Aufgabe im Rahmen der Gesamtjugendhilfeplanung ist es, in ganz Berlin Bedingungen für die Erreichung der Ziele i. S. des § 1 SGB

VIII zu schaffen. Ihr Auftrag besteht in der Herstellung eines unter dem Gesichtspunkt der Bedarfsgerechtigkeit gleichmäßigen und vergleichbaren Jugendhilfeangebots in der Stadt, im Hinwirken auf die Weiterentwicklung der Jugendhilfe und in der Sicherung der Ressourcen für die Jugendhilfe. Zur Erfüllung der Gewährleistungsverpflichtung soll Gesamtjugendhilfeplanung die Grundlage für eine qualifizierte Entscheidungsfindung des Abgeordnetenhauses, des Landesjugendhilfeausschusses, insbesondere aber auch für die Entscheidungen der Bezirke und ihrer Gremien bilden.

Nach Maßgabe der Ziele, die für die Jugendhilfe im Land Berlin formuliert und beschlossen werden, und unter Berücksichtigung der bezirklichen Erfordernisse und Bedürfnisse an die Jugendhilfe und Jugendhilfeplanung, werden gesamtstädtische Maßnahmen und Programme der Jugendhilfe geplant.

Die Aufgaben im Rahmen der Gesamtjugendhilfeplanung sind beschrieben mit

- Abstimmung der bezirklichen Jugendhilfeplanungen mit gesamtstädtischen Erfordernissen, insbesondere in Hinblick auf einen gleichmäßigen und bedarfsgerechten Ausbau der Einrichtungen, Dienste und Leistungen der Jugendhilfe im gesamten Stadtgebiet sowie die Weiterentwicklung der Jugendhilfe;

- Zusammenfassung der bezirklichen Planungen und der überbezirklichen Planung (d. h. für den überörtlichen Bedarf);

- Koordinierung der Jugendhilfeplanung der Bezirke, Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Jugendämtern, insbesondere bei der Planung gemeinsamer Dienste und Einrichtungen;

- Planung von Angeboten und Diensten für den überörtlichen Bedarf;

- Berichterstattung an das Abgeordnetenhaus über den Stand der Gesamtjugendhilfeplanung einmal in jeder Wahlperiode;

- Erstellung des jährlichen Landesjugendplans.

Die Gesamtjugendhilfeplanung bezieht sich auf alle im SGB VIII definierten Leistungsbereiche (Jugendarbeit, Förderung der Erziehung in der Familie, Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege, Hilfe zur Erziehung, andere Aufgaben der Jugendhilfe) und berücksichtigt auch Bereiche außerhalb der Jugendhilfe, die sich auf die Lebenssituation der jungen Menschen und ihrer Familien auswirken.

Gesamtjugendhilfeplanung ist die Zusammenfassung der

- fachpolitischen Zielaussagen und die Benennung der sich im Gesamtkontext (gesellschaftliche, politische und finanzielle Rahmenbedingungen und Vorgaben) ergebenden mittelfristigen jugendpolitischen Schwerpunkte,

- Feststellungen des Bestandes an Einrichtungen und Diensten in der Jugendhilfe,

- Bedarfsermittlungen im Kontext zu den bezirklichen und überbezirklichen Bedarfs aussagen,

- Maßnahmeplanungen und umfasst die Entwicklung einer perspektivischen Fachpersonalbedarfsplanung.

Zu den Instrumenten im Rahmen von Gesamtjugendhilfeplanung gehören neben der Fach- und Gesamtberichterstattung u. a.:

- gesamtstädtische Rahmenvereinbarungen,

- Finanzierungs- und Kostensatzvereinbarungen,

- Ausführungsvorschriften (einschließlich Standards),

- Fachaufsicht gegenüber Bezirken bezüglich Mitwirkung bei und Vernetzung der Jugendhilfeplanung,

- Finanzberichterstattung, u. a. zur Überprüfung des angemessenen Anteils der Mittel für Jugendarbeit an den Mitteln der Jugendhilfe insgesamt,

- überbezirkliche Dringlichkeitsliste für Investitionen,

- bezirksübergreifende Personalentwicklung,

- Wertausgleichsfragen ggf. über einen Sozialindikatorenkatalog.

Planungsbeteiligte an der Gesamtjugendhilfeplanung sind:

- die Bezirke i. R. der bezirklichen Jugendhilfeplanung,

- die Referate der gesamtstädtisch zuständigen Fachabteilung,

- das Landesjugendamt mit der Planung eigener Angebote und Aufgaben i. R. der bereitgestellten Mittel,

- der Landesjugendhilfeausschuss,

- die Träger der freien Jugendhilfe über ihre Mitwirkung im Landesjugendhilfeausschuss, den Jugendhilfeausschüssen der Bezirke und auch in Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII,

- ggf. betroffene junge Menschen und ihre Familien im Kontext zur Bedarfsermittlung.

Aspekte der Kooperation der Fachkräfte für Jugendhilfeplanung

Im Rahmen der Kooperation der Fachkräfte für die gesamtstädtische Jugendhilfeplanung mit den bezirklichen Jugendhilfeplanerinnen und -planern sind die folgenden Aufgaben zu erfüllen:

- Koordination, Abstimmung

Die Gesamtjugendhilfeplanung beruht wesentlich (aber nicht ausschließlich) auf den Ergebnissen der Jugendhilfeplanungen der Bezirke. Darüber hinaus gehen in die Gesamtjugendhilfeplanung die Planungen des Landesjugendamtes und die gesamtstädtischen Fachplanungen mit ein. Aus dem gesetzlichen gesamtstädtischen Auftrag (z. B. Berichterstattung zur Gesamtjugendhilfeplanung, Erstellung des Landesjugendplans) ergeben sich Mitarbeitsverpflichtungen der Bezirke. Hierfür ist Datenkompatibilität sowohl bezirksübergreifend als auch zwischen Bezirken und gesamtstädtischer Ebene erforderlich (während in anderen Datenbereichen bezirksspezifische Vielfalt wünschenswert ist).

Bei der Durchführung von Ausstattungsvergleichen zwischen den Bezirken ist es notwendig, Vergleichskriterien zu entwickeln, die die unterschiedlichen Lebensbedingungen, sozialen Situationen etc. und die daraus abzuleitenden fachlichen Schlüsse berücksichtigen.

- Informationsaustausch, Kommunikation

Um die Jugendhilfeplanung in Berlin sowohl auf der Landesebene als auch in den Bezirken fachlich und organisatorisch ständig weiterzuentwickeln, ist ein kontinuierlicher Diskurs unter den Fachkräften für Jugendhilfeplanung notwendig. In regelmäßigen Arbeitstreffen wird dieses sichergestellt. Diese dienen, neben der Förderung der fachlichen Diskussion, der Gewährleistung des Informationstransfers über fachliche Entwicklungen und Erfahrungen im Bereich Jugendhilfeplanung und der anderen Fachbereiche des überörtlichen Trägers.

- Qualifizierung der Jugendhilfeplanung Aufgabe im Rahmen der Gesamtjugendhilfeplanung ist es, den Prozess der Jugendhilfeplanung sowie die Akteure in diesem Prozess zu qualifizieren. Bezogen auf den Prozess bedeutet dieses, dass insbesondere die fachlichen Grundlagen für eine qualifizierte Jugendhilfeplanung auf der gesamtstädtischen Ebene und in den Bezirken inhaltlich und methodisch umfassend erarbeitet, permanent überprüft und kontinuierlich. weiterentwickelt werden. Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen, Seminare, Fachtagungen, Symposien oder Kongresse können hierzu wichtige Beiträge leisten. Sie sind für die Qualifizierung der handelnden Personen im Prozess der Jugendhilfeplanung bei Bedarf für Jugendhilfeplanerinnen und Jugendhilfeplaner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Organisationseinheiten der bezirklichen Jugendämter und der Senatsverwaltung sowie für Mitglieder des Landesjugendhilfeausschusses und der Jugendhilfeausschüsse der Bezirke zu initiieren, ggf. zu organisieren und durchzuführen.

- Service/Datenbank/Infosysteme

In Zusammenarbeit von Gesamtjugendhilfeplanung und bezirklicher Jugendhilfeplanung werden für dieses relativ junge Aufgabengebiet geeignete Instrumente und Verfahren zu Bestandserhebung, Bedarfsfeststellung, Maßnahmeplanung und Evaluation entwickelt. Insbesondere soll damit die Basis für eine stadtweite Jugendhilfeberichterstattung geschaffen werden. Um vergleichbare Informationen und Daten über die Situation und den Stand der Jugendhilfe im Land Berlin zu erhalten, ist es erforderlich, dass die Basis für Erhebungen verbessert wird. Hierzu zählt u. a. - die Überprüfung der bestehenden Richt- und Orientierungswerte für Planungszwecke,

- die qualitative (inhaltliche) Begründung dieser Richt- und Orientierungswerte,

- die Schaffung von Grundlagen für berlinweite sozialräumliche Planung.

Auf gesamtstädtischer Ebene sind Daten zu erheben bzw. in Bezirken erhobene zeitnah auszuwerten, aufzubereiten und fortzuschreiben, die für die Gesamtjugendhilfeplanung und ebenso für die bezirklichen Planungen erforderlich sind. Es handelt sich dabei i. W. um Sozialdaten und Daten aus der Jugendhilfe. Sie sind so aufzubereiten und anzubieten, dass sie für Planungszwecke zur Verfügung stehen. Eine wichtige Aufgabe ist hier die Auswertung der Bundesjugendhilfestatistik.

Entwicklung von Methoden der Jugendhilfeplanung

Im folgenden Abschnitt sollen Konzeptionen dargestellt werden, die im Rahmen des fachlichen Diskurses zu den methodischen Ansätzen und Instrumenten der Jugendhilfeplanung diskutiert wurden. Dazu gehören besonders die mit Bestandsfeststellung und Bedarfsermittlung als wichtigen Aufgaben der Jugendhilfeplanung eng verbundenen Planungsmethoden sowie Überlegungen zum planungsräumlichen Ansatz der Jugendhilfeplanung und zu Sozialindices. Damit soll der Rahmen abgesteckt werden für eine umfassende Methodendiskussion in Zusammenarbeit der für Fach- und Jugendhilfeplanung Verantwortlichen, deren Ergebnis ein abgestimmtes methodisches Vorgehen insbesondere im Bereich der Bedarfsermittlung, bei der Bestimmung von Sozial-/Planungsräumen und ggf. bei der Festlegung von jugendhilfespezifischen Sozialindikatoren sein soll.

Bedarfsermittlung

Um sowohl die verschiedenen Teilplanungsbereiche als auch die bezirklichen Planungen zusammenführen zu können und Aussagen zu gesamtstädtischen Planungsschwerpunkten und Bedarfslagen vor dem Hintergrund des Bestandes treffen zu können, sind für die Planungsprozesse im Rahmen der Gesamtjugendhilfeplanung Vergleichbarkeit und einheitliche Definitionen grundlegend erforderlich.

Methodische Überlegungen zur Bestandsfeststellung und zu Erhebungsmöglichkeiten werden unter 2.4.1 behandelt.

Die Ermittlung des Bedarfs als Kernstück von Jugendhilfeplanung ist ein sehr komplexer Vorgang. Die dafür erforderlichen Methoden setzen die Abstimmung über die verschiedenen Facetten und Implikationen des Bedarfsbegriffs und der Bedarfsermittlung voraus. Grundlage für einen solchen Abstimmungsprozess können die folgenden Ausführungen sein, die in einem intensiven und ausführlichen Diskussions- und Meinungsbildungsprozess der Fachkräfte für Jugendhilfeplanung in den Bezirken und bei der Senatsverwaltung formuliert wurden. Sie finden sich in dem gemeinsamen Papier „Stand der Diskussion zur Jugendhilfeplanung in Berlin" vom 17. April 1997 und werden im folgenden in den entsprechenden Passagen zitiert: „Bedarfsermittlung ist die zentrale Aufgabe der Jugendhilfeplanung (Ziel der bedarfsgerechten Versorgung). Sie beinhaltet eine Reihe von Vorgaben und Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Handlungsleitend ist dabei

1. § 80, Abs. 1 Satz 2 (SGB VIII): Ermittlung des Bedarfs unter Berücksichtigung der Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Personensorgeberechtigten für einen mittelfristigen Zeitraum (Beteiligung!).

Bereits die Formulierung im Gesetzestext verdeutlicht, dass Bedürfnisse, Wünsche und Interessen der Betroffenen nicht identisch sind mit dem Bedarf, sie sind wesentlich zu berücksichtigende Faktoren in der Bedarfsermittlung. Dabei erschließen sich Wünsche, Interessen und Bedürfnisse unterschiedlich. Erstere können direkt erfragt werden (Feststellung durch Befragungen, Beteiligungsverfahren). Der Begriff Bedürfnis impliziert dagegen neben der subjektiv erlebten Seite, die sich z. B. in Wünschen äußern kann, auch wissenschaftliche und fachliche Erkenntnisse (...).

Die Ermittlung der Bedürfnisse mündet

2. in einen Aushandlungsprozess, der durch folgende weitere Aspekte wesentlich bestimmt wird:

- die Rechtsansprüche junger Menschen und der Personensorgeberechtigten gegenüber der Jugendhilfe (z. B. auf Hilfe zur Erziehung, auf einen Kitaplatz);

- die Gewährleistungsverpflichtung hinsichtlich des Handlungsrepertoires der Jugendhilfe (z. B. Angebote der Jugendarbeit, der Förderung der Erziehung in der Familie);

- gesetzliche Anforderungen an ein Tätigwerden der Jugendhilfe (z. B. die Anderen Aufgaben der Jugendhilfe);

- Nutzer- und Wirkungsanalysen von Einrichtungen und Angeboten der Jugendhilfe, Ergebnisse von Modellvorhaben, Schwachstellenanalysen;

- intra- und interkommunale Vergleiche;

- Richtwertvorgaben (Versorgungsquoten) der Senatsverwaltungen;

- jugendpolitische Ziele von Politikern, Parteien und Verbänden;

- politische Einflussnahmeversuche einzelner Nutzergruppen, von freien Trägern, von Personalvertretungen etc.

In diesem Aushandlungsprozess sind Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen, die u.U. auch anderen Zielen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes selbst oder gesellschaftlichen Ansprüchen widersprechen können, mit in anderen Bereichen auftretenden Bedürfnissen abzustimmen (z. B. Lage eines Jugendzentrums ­ Ruhebedürfnis der Anwohner etc.).

Außerdem sind wesentlich die finanziellen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Bedarfsermittlung stellt somit den Prozess dar, in dem die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der jungen Menschen und der Personensorgeberechtigten (§ 80 Abs. 1 SGB VIII) auf das fachlich und politisch für notwendig und machbar Gehaltene übersetzt und eingegrenzt werden. Das heißt: Bedarfsermittlung ergibt sich nicht aus der Zusammenfassung der ermittelten Bedürfnisse. Es handelt sich weniger um einen objektiven Ermittlungs-, als vielmehr um einen Aushandlungsprozess, in dem festgestellt wird, welche Bedürfnisse als zu befriedigen für erforderlich und wünschenswert gehalten werden, die dann als Ziele in die Planung einfließen.

Bei der Analyse des Vorhandenen, der Abstimmung mit dem ermittelten Bedarf und der Planung notwendiger Maßnahmen können die einzelnen Jugendhilfebereiche nicht unabhängig voneinander betrachtet, vielmehr müssen ihre wechselseitigen Wirkungen aufeinander berücksichtigt werden (z. B. können Tagesbetreuungsmöglichkeiten für Kinder die Eltern entlasten und sie in ihrer Erziehungsfähigkeit stützen; verstärkte ambulante Hilfen können stationäre Hilfen vermindern helfen oder verkürzen; Jugendförderung oder Jugendsozialarbeit kann dazu beitragen, dass andere, intensivere Formen der Betreuung in geringerem Umfang nötig sind).