Finanzbericht

Für den Bereich Hilfe zur Erziehung wurde bereits für das Haushaltsjahr 1999 ­ ebenfalls auf Grund eines Auflagenbeschlusses des Abgeordnetenhauses ­ eine neue Kapitel- und Titelstruktur entwickelt.

Für 2000 wird der gesamte Jugendhilfehaushalt nach dem Prinzip einer leistungsbezogenen Kapitel- und Titelstruktur konzipiert, wodurch eine genaue und transparente Finanzberichterstattung ermöglicht wird.

Mit der neuen Kapitel- und Titelstruktur der Einzelpläne 10 und 40 wird erreicht, dass ein Landesjugendplanentwurf ggf. schon in zeitlichem Kontext zu den Haushaltsberatungen des Abgeordnetenhauses erstellt werden könnte, eine Produktkostenermittlung und Budgetierung im Rahmen der Verwaltungsreform im Verhältnis zur Kameralistik erleichtert wird, die Finanzberichterstattung im Kontext zur Jugendhilfeplanung genauer, vereinfachter und schneller als bisher erfolgen kann und die Bundesjugendhilfestatistik, Teil IV, zu den Einnahmen und Ausgaben in der Jugendhilfe in der geforderten Struktur erstellt werden kann. Außerdem soll es damit erstmals möglich sein, bereits bei der Haushaltsplanaufstellung den angemessenen Anteil der Mittel für die Jugendarbeit an den für die Jugendhilfe insgesamt bereitgestellten Mitteln (§ 79 Abs. 2 SGB VIII und § 48 Abs. 2 AG KJHG) festzustellen.

- Aufbereitung statistischer Daten

Mit dem Statistischen Landesamt Berlin wurde vereinbart, Daten des Einwohnerregisters, der Bevölkerungsprognosen, ausgewählte Sozialdaten aus Fachstatistiken und dem Mikrozensus sowie Daten der Jugendhilfestatistik datentechnisch so zu aufzubereiten, dass eine Darstellung in benutzerfreundlichen Tabellen und Grafiken für den fachspezifischen Gebrauch möglich wird.

Seit 1997 liegen folgende aufbereitete Daten vor, die regelmäßig fortgeschrieben werden können:

- Melderechtlich registrierte Einwohner nach Bezirken, Statistischen Gebieten, Planungsräumen der Jugendhilfeplanung, Verkehrszellen und Blöcken, bezogen auf Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit,

- Arbeitslose nach Bezirken, Statistischen Gebieten und Verkehrszellen, bezogen auf Altersgruppen, Geschlecht und Staatsangehörigkeit,

- Hilfeempfänger von Leistungen nach dem BSHG nach Leistungsart, Bezirken, Altergruppen und Haushaltsform,

- Eheschließungen, Ehelösungen und andere familienrechtliche Entscheidungen

- Abgeurteilte und Verurteilte nach dem JGG nach Straftatengruppen und Sanktionsart,

- Daten zu Haushaltseinkommen, zu Einkommensarten, zur Wohnsituation von Haushalten nach der Familiengröße und Haushaltsstruktur (Mikrozensus des Statistischen Landesamtes und Daten des sozio-ökonomischen Surveys der Wirtschaftsforschungsinstitute),

- Auswertung der Bundesjugendhilfestatistik Teil I (Hilfe zur Erziehung, institutionelle Beratung, Vormundschaftsrechtliche Maßnahmen, Sorgerechtsentscheidungen).

Das Informationssystem der Berliner Jugendhilfe (ISBJ)

Vor dem Hintergrund einer sich rapide entwickelnden IT-Landschaft in der Berliner Verwaltung ergab sich für die Jugendhilfe in Berlin die Notwendigkeit, rechtzeitig auf eine Vereinheitlichung der Daten und IT-Verfahren im Berliner Jugendwesen hin zu arbeiten. Die IT-Richtlinien des Landes Berlin und insbesondere die Kommunikationsfähigkeit mit den Fachverfahren anderer Verwaltungen waren dabei zu berücksichtigen. Nachdem im Planungsreferat die Voraussetzungen für ein solches Projekt geschaffen waren, wurde ab 1996 ­ unter Abstimmung mit den Jugendämtern der Bezirke ­ kontinuierlich an der Entwicklung eines Konzepts für ein umfassendes „Informationssystem der Berliner Jugendhilfe (ISBJ)" gearbeitet.

Das geplante Informationssystem soll für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe in Berlin einen einheitlichen, kontinuierlich aktualisierten und gepflegten Datenbestand bereitstellen, der die Angebote und Leistungen der Jugendhilfe über die drei Verwaltungsebenen hinweg (Bezirke, Landesjugendamt, Senatsverwaltung) vergleichbar und damit auch auswertbar macht.

Zusätzlich zu den Leistungsbereichen der Jugendhilfe sollen in das Infosystem allgemeine Sozialdaten und Schuldaten integriert werden (Datenimporte aus der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales ­ hier insbesondere aus dem IT-Verfahren BASIS3000 ­, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie, der Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr, dem Statistischen Landesamt Berlin und dem Landesarbeitsamt Berlin). Entsprechende technische Schnittstellen zu den in diesen Bereichen vorhandenen Fachverfahren werden integriert. Dieses sind wesentliche Voraussetzungen für den Weg zu einer integrierten Sozialberichterstattung, wie sie vom Abgeordnetenhaus gefordert wird. Hauptsächliche Nutzergruppen des ISBJ werden Mitarbeiter/innen in den bezirklichen Jugendämtern, in der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, bei den freien Trägern der Jugendhilfe und auch Kinder, Jugendliche und deren Familien als Adressaten der Jugendhilfe (via Internet) sein.

Dem Konzept des Informationssystems der Berliner Jugendhilfe liegt eine umfangreiche Erhebung über die Datenbestände, Datenflüsse und Datenbedarfe zugrunde. Diese Erhebung wurde bei ungefähr 200 Mitarbeiter/innen in der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, dort in den Abteilungen V und VI, und dem Jugendamt Schöneberg durchgeführt. In einem aufwendigen Verfahren wurden die optimalen Datenbestände ­ entsprechend den gesetzlichen Grundlagen ­ für das Informationssystem bestimmt. Dabei wurden mit Mitarbeiter/innen aus allen drei Verwaltungsebenen einheitliche Begriffe für alle Angebots- und Hilfeformen definiert und Konsens über die notwendige und über die sinnvolle Datenmenge des Informationssystems erzielt.

Das Informationssystem der Berliner Jugendhilfe hat interaktive IT-Fachverfahren zur unmittelbaren Voraussetzung, da es aus diesen Verfahren jene Daten abzieht, die dann ­ vernetzt und miteinander verbunden ­ das Informationssystem generieren.

Obwohl gegenwärtig in einigen Bereichen der Berliner Jugendhilfe IT-Fachverfahren eingesetzt bzw. entwickelt werden (Fachverfahren K.i.T.a. ­ Bereich Tagesbetreuung von Kindern ­ und Berliner Jugendgerichtshilfe-Verfahren) wird der Leistungskatalog des SGB VIII noch nicht vollständig in IT-Verfahren abgebildet.

In das Projekt ISBJ sind deshalb ­ neben der Entwicklung des eigentlichen Informationssystems ­ auch die Entwicklung der IT-Fachverfahren „Hilfen zur Erziehung" und „Zuwendungen" eingeschlossen.

Im Unterschied zum Informationssystem, dessen Grundlage in der Analyse von Datenflüssen und Datenbeständen liegt, sind für die IT-Fachverfahren Arbeitsabläufe zu analysieren. Das kann nur in unmittelbarer Kooperation mit den Mitarbeiter/innen erfolgen, die diese Aufgaben tagtäglich verrichten.

Die Entwicklung des ISBJ wird kontinuierlich durch eine Arbeitsgruppe Evaluierung begleitet. In dieser Arbeitsgruppe aus leitenden Mitarbeiter/innen der Bezirks- und Hauptverwaltungen werden die Beschlüsse vorbereitet, die erforderlich sind, einen breiten Konsens für die jeweiligen weiteren Arbeitsschritte und deren Umsetzung zu erhalten.

Von Anfang an war eine konstruktive Unterstützung dieses Projekts durch die Bezirke und die Fachstellen in der Senatsverwaltung festzustellen. Das ISBJ hat ­ als sehr innovatives Verfahren anerkannt ­ inzwischen auch die grundsätzliche Zustimmung der wesentlichen Gremien erhalten und wird als erweitertes Projekt des Fachverfahrens BASIS3000 weiter entwickelt.

Die Fachverfahren im einzelnen:

- Das IT-Fachverfahren „Hilfen zur Erziehung" (Modul des ISBJ) Allgemein sollen mit dem IT-Verfahren Hilfen zur Erziehung die folgenden Arbeitsaufgaben der Aktenhaltung und Datenverwaltung computergestützt realisiert werden:

- Hilfeplanerstellung, Bescheiderteilung;

- Erstellung von Einladungen, Mahnungen, Berechnung finanzieller Leistungen;

- Datenexport in den Bereich der Wirtschaftlichen Hilfen zur Abwicklung der finanziellen Leistungen an die Klienten;

- Datenimport über erfolgte Leistungsgewährung;

- Rechnungssachbearbeitung;

- Zusammenfassung der Daten in Fallzahlenstatistiken;

- Meldung der Fälle an die Bundesjugendhilfestatistik;

- Verwaltung der Einrichtungs- und Trägerdaten aus dem Betriebserlaubnisverfahren;

- Datenimport über die Kostensätze der Einrichtungen und Träger im Bereich der teilstationären und stationären Hilfen und über die Honorarsätze im Bereich der ambulanten Hilfen;

- Controlling der Kosten und der Qualität der Hilfeangebote.

Ein automatisierter Datenaustausch zwischen den bezirklichen Jugendämtern einerseits (hinsichtlich der Klienten- und Nutzerdaten, Einrichtungs- und Trägerdaten sowie Leistungsdaten) und den Fachreferaten der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport andererseits (hauptsächlich Einrichtungs- und Trägerdaten und Leistungsdaten) soll integriert werden.

Die hauptsächliche Nutzergruppe dieses Verfahrens sind die Sachbearbeiter/innen, die zuständig sind für den Leistungsbereich „Hilfen zur Erziehung" sowohl in den bezirklichen Jugendämtern als auch in der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport.

- Das IT-Verfahren „Zuwendung" (Modul des ISBJ)

Mit diesem Verfahren sollen Daten über regelmäßige, vertraglich gesicherte Finanzierungen der erbrachten Leistungen von Einrichtungen und Trägern der Jugendhilfe durch die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport und die Bezirksämter erfasst werden. Ein Datenpool ist notwendig, um die vielfältigen Antrags- und Anerkennungsverfahren für die freien Träger der Jugendhilfe überschaubarer zu machen und über einen Datenaustausch die Bearbeitung technisch und organisatorisch zu vereinfachen.

Das IT-Verfahren umfasst die folgenden Bereiche:

- Berechnung, Verhandlung und Vereinbarung von Entgelten für Leistungen der teilstationären und stationären Erziehungshilfe (nach §§ 32, 34 i.V. mit § 41 SGB VIII) und der Vergütung von Fachleistungsstunden im Bereich der ambulanten Hilfen zur Erziehung sowie Leistungen nach § 19 SGB VIII,

- Berechnung und Festlegung der Platzgelder im Bereich der Tagesbetreuung nach dem SGB VIII und KitaG,

- Abwicklung der Zuwendungen in den Bereichen Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, (§§ 11, 13 SGB VIII) Erziehungsund Familienberatung (28 SGB VIII), Familienbildung, Familienerholung und Familienpflege (§§ 16­18, 20, 27 [1]),

- Berechnung und Festlegung von Pflegegeld im Bereich Pflegekinder (§ 33 SGB VIII) und der Kindertagesbetreuung nach § 23 SGB VIII und KitaG.

- Das Kita-Anmeldeverfahren als Planungsgrundlage (gleichzeitig Modul von ISBJ)

Das Verfahren, genannt „Projekt K.i.T.a.", soll in seiner Endfassung für die Anmeldung von Kindern zur Tagesbetreuung berlinweit und einheitlich den Betreuungsbedarf und die Wünsche der Eltern hinsichtlich Betreuungsumfang, -art und -einrichtung automatisieren. Es soll zusätzlich als Platznachweis auf im System gespeicherte freie Plätze nach bestimmten Merkmalen fungieren und eine individuell bedarfsgerechte Belegung unterstützen. Des weiteren sollen über das Verfahren auch die Kostenbeteiligung der Eltern, einschließlich der Bescheide und Kassenanordnungen, und die Abrechnung der Honorare im Bereich der Tagespflege abgewickelt werden.

Über die Speicherung der Betreuungswünsche nach örtlichen und inhaltlichen Kriterien sollen die Grundlagen für die fachliche Bedarfsermittlung, die Jugendhilfeplanung und Statistik flächendeckend in einer einheitlichen Struktur geschaffen werden, wodurch Teilanalysen in diesem Bereich weitgehend entbehrlich werden. Schließlich kann das Projekt als Auskunftssystem für vorhandene Betreuungsangebote den Eltern und potentiellen Anbietern von Betreuung oder Teilleistungen zur Betreuung über verschiedene Kommunikationswege wichtige Informationen bieten.

Im Rahmen der Programmentwicklung waren vor allem die Einbeziehung aller Betreuungsangebote, die bezirksübergreifende Bedarfsfeststellung, die Analyse der Platzvergabe und die Berücksichtigung berlinweiter IT-Standards zu beachten. Zur Installierung der nötigen bezirksübergreifenden Netzwerk-Infrastruktur sind verschiedene Kooperationsabsprachen zwischen der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, den bezirklichen Jugendämtern und dem Landesamt für Informationstechnik (LIT) getroffen worden. Die Implementierung des Projekts bei den Bezirksämtern erfolgt zur Zeit mit Probeläufen. Nacheinander werden ein Modul „Anmeldung", ein Modul „Kostenbeteiligung" und in einem weiteren Schritt weitere Auskunfts-, Statistik- und Planungsfunktionen eingeführt.

- Die Einrichtungs- und Trägerdatei

Im für die Gesamtjugendhilfeplanung zuständigen Referat der Senatsverwaltung wurden neben dem erwähnten „Projekt K.I.T.A." die Grundlagen einer zentralen Einrichtungsdatei für alle Einrichtungen und Dienste der Jugendhilfe (ohne den Bereich der Kindertagesbetreuung) entwickelt. Diese Datenbank wird im wesentlichen die Einrichtungsbasisdaten, Kurzbeschreibung der Angebote und Öffnungszeiten und die Personalbestandsdaten, getrennt nach Berufsgruppen, enthalten. Als Vorstufe dazu wird zur Zeit im Rahmen der Gesamtjugendhilfeplanung eine ACCESS-Datenbank mit den bereits aus der Bestandsfeststellung, dem Bericht zur Transparenz der Trägerlandschaft und beim Drogenreferat vorhandenen Daten aufgebaut.

Daneben ist eine Trägerdatei aller in der Jugendhilfe tätigen Träger in enger Abstimmung mit dem Landesjugendamt aufgebaut worden, die neben allen Trägeradressdaten auch Angaben z. B. über die Mitgliedschaft in der Liga oder Anerkennung als Träger der Jugendhilfe enthält. Die Trägerdatei steht als Datenbank der Senatsverwaltung zur Verfügung und soll im Intranet platziert werden.

Die Einrichtungs- und Trägerdatei sollen Bestandteil des zukünftigen ISBJ sein und müssen künftig mit den IT-Fachverfahren im Jugendbereich vernetzt werden. Durch die Informationen dieser Datenbanken soll ­ vor allem für die Sachbearbeiter/ -innen in den Fachämtern ­ die Suche nach geeigneten Einrichtungen und Trägern für ein spezielles Angebot erleichtert werden.

Eine Einrichtungs- und Trägerdatei macht dann auch eine jährlich durchzuführende Bestandsfeststellung der Einrichtungen und Dienste der Jugendhilfe entbehrlich, weil sie die Daten zu jedem beliebigen Stichtag ohne weitere Erhebung aktualisiert enthält. Zusammenfassungen können mit Hilfe der jederzeit abrufbaren, aktualisiert vorhandenen Datei vorgenommen werden.

Von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales ist bekundet worden, sich der Systematik dieser Datei anzuschließen. Dieses bildet eine weitere Grundlage für eine integrierte Sozialberichterstattung.

Ergebnisse zu Sozialindikatoren und Planungsräumen

- Sozialstrukturatlas, sozialräumlich orientierte Ausgabenverteilung

Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales erarbeitet jährlich einen Sozialstrukturatlas, der auch für die Zwecke der Jugendhilfeplanung eine gute Übersicht über die Verteilung der sozialen Lagen in der Bevölkerung der Berliner Bezirke gibt.

Der Sozialstrukturatlas 1997 enthält eine Fülle von kleinräumlichen demographischen Daten (zur Haushaltsstruktur, zu Altersgruppen, Ausländern, Alleinerziehenden etc.) in Verbindung mit Daten zu Bildungsabschlüssen, Einkommen, Gesundheitszustand. Daraus wurden Indices gebildet, die die soziale Belastung von Bezirken widerspiegeln (diese wird anhand der Merkmale Sozialhilfebezug, Arbeitslosigkeit, Anteil Alleinerziehender, Geringverdiener ermittelt). Für kleinräumigere Betrachtungen nach Verkehrszellen standen allerdings nur die Merkmale Anteil der Männer, der Altersgruppe 18 bis 35 und der Ausländer zur Verfügung, die jedoch unter statistischem Aspekt als gute Indikatoren für soziale Belastung angesehen werden.

Die sich im Sozialstrukturatlas abzeichnenden Belastungen vor allem der Innenstadtbezirke zeigen Übereinstimmungen mit den Erkenntnissen über die Gebiete, die im Rahmen des Senatsbeschlusses zur sozialorientierten Stadtentwicklung (Nr. 1806/98) und der nachfolgenden Innenstadtkonferenzen betrachtet und für die perspektivisch Maßnahmen zur Konsolidierung entwickelt werden. Im Sozialstrukturatlas werden in erster Linie eindeutige Aussagen auf Bezirksebene getroffen. Sie spiegeln Sachverhalte wider, die sich direkten Einflussmöglichkeiten der Jugend- und Familienpolitik entziehen (Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug, Gesundheit), und die die Situation von jungen Menschen und ihren Familien eher mittelbar darstellen. Diese Aussagen müssen der vorhandenen sozialen Infrastruktur gegenübergestellt und mit differenzierten Bedarfsaussagen verbunden werden, was im Rahmen der Fach- und Jugendhilfeplanung erfolgt.

Die Indices des Sozialstrukturatlas sind auf der Basis von Indikatoren gebildet worden, welche die Lage von Kindern, Jugendlichen und Familien nach Altersgruppen und Struktur nur ungenügend berücksichtigen. Deshalb wirkt die Jugendhilfeplanung bei der Weiterentwicklung des Sozialstrukturatlas zu einem Instrument der integrierten Sozialberichterstattung mit. Dazu wurde die Aufnahme weiterer jugendspezifischer Variablen vorgeschlagen, die bei der Fortschreibung berücksichtigt werden sollen (siehe auch 2.3.2). Gleichzeitig ist die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport auch in einer Arbeitsgruppe bei der Senatsverwaltung für Finanzen zur Entwicklung von sozialstrukturellen Entscheidungskriterien bezüglich der Verteilung der Globalsummen vertreten.

Als Beispiel für die Ansätze zu sozialräumlich orientierter Ausgabenverteilung sei der Bereich der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen genannt. Hier werden im Rahmen der Kita-Personalverordnung sozial belastete Gebiete (ebenso wie der Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache oder auch behinderter Kinder, für die ein Integrationszuschlag gilt) personell berücksichtigt (Senatsbeschluss Nr. 2109/99 vom 20. April 1999).

- Kennzahlenvergleich

Im Zusammenhang mit Reformbestrebungen im Hinblick auf Ressourcensteuerung haben sich Vertreter der Jugendhilfe aus Kommunen/Städten verschiedener Regionen darauf verständigt, Hilfearten im Bereich der Hilfe zur Erziehung einheitlich zu definieren und Messgrößen zu bestimmen, die Vergleiche zwischen ihnen möglich machen und um steuerungsrelevante Daten zu gewinnen. Berlin hat an der Kennzahlenbildung teilgenommen.

Ziel des Vergleichs ist es, den eigenen Standort, Übereinstimmungen und Abweichungen sichtbar zu machen, damit diese analysiert werden, bestimmtes fachliches Handeln gestärkt bzw. Strukturen und Verfahren überprüft bzw. verändert werden können.

Zwischenzeitlich wurden 10 Kennzahlen bestimmt, die für alle teilnehmenden Städte erhebbar sind. Desgleichen wurden die Strukturdaten festgelegt, mit denen eine Korrelation hergestellt wird.

Der bisherige Prozess der Kennzahlenbildung hat Ergebnisse gezeitigt, die insbesondere im Zusammenhang mit der fachlichen Definition, der Hilfe- und Organisationsstruktur relevant sind.

Die Definitionen der Arbeitsgruppe stimmen weitgehend mit Inhalten, Aussagen und Zielperspektiven überein, die i. R. von Leistungsbeschreibungen im Zusammenhang mit der Kostensatzrahmenvereinbarung zwischen öffentlicher und freier Jugendhilfe in Berlin aktuell vereinbart werden. Hier wurde deutlich, dass die jugendhilfespezifische Datenlage in bezug auf Fallzahlen zu den Stichtagen auf Bezirksebene noch unzureichend ist. Die entsprechende Datenerhebung wäre hierfür Voraussetzung.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bezirke, der Senatsverwaltung und des Landesjugendamtes hat sich konstituiert mit dem Ziel, diese Arbeit fortzusetzen und einen Rahmen zu entwickeln, der einen intrakommunalen Vergleich in Berlin ermöglicht.

- Planungsräume (siehe hierzu auch Punkt 2.3.3)

Mit dem Aufbau neuer Planungsstrukturen in der Jugendhilfe wurde auch eine räumliche Strukturierung über die bisherigen Verwaltungsgebiete und statistischen Stadtflächeneinheiten hinaus notwendig.

In einigen Bezirken wurden bereits von Anfang an sehr genaue Jugendamtsentscheidungen für Gebietsabgrenzungen getroffen, denen sich ­ zum Teil auf Grund von BVV-Beschlüssen ­ andere Abteilungen der Bezirke angeschlossen haben. Bis heute wurden in allen Bezirken solche Räume gebildet; jedoch mit unterschiedlicher Intention, Anzahl, Größe und Verbindlichkeit. Die Räume wurden teilweise mit anderen Abteilungen der Bezirke abgestimmt, von der BVV als allgemeine Grundlage beschlossen. Teilweise wurden die Gebiete jedoch auch ohne breiteren Konsens im Bezirksamt oder gar innerhalb des Jugendamts festgelegt.

Dabei wurde eine sehr unterschiedliche Anzahl von Planungsräumen (zwischen 4 und 36 je Bezirk) gebildet, die in ihrer Einwohnerzahl zwischen mehreren Hundert und ca. 64 000 und in ihrer Fläche von wenigen Wohnblöcken (13 ha) bis zu ca. 30 % der Bezirksfläche (3 000 ha) variieren. Auch die Wohndichte rangiert von 0,06 Einw./ha bis zu 294 Einw./ha.

In allen Bezirken wird im Rahmen der Jugendhilfeplanung für Berichtszwecke der Bestands- und Bedarfsfeststellung und der Maßnahmeplanung mit den Planungsräumen gearbeitet.

Zusätzlich wurde als Fachplanungsvariante der Stützung von Berechnungsverfahren zur örtlichen Verteilung des Kita-PlatzBedarfs bei den bezirklichen Jugendhilfeplanungen das ABZModell nach Dr. Tüllmann erörtert. Mit diesem werden Räume als multivariat aggregierte Streckenbündel quasi als Kita-Einzugsbereiche über Einwohner nach Altersgruppen und Flächen, bzw. Weglängen definiert. Sie haben als variable Räume unabhängig von den Planungsräumen da ihre Bedeutung, wo wohnraumbezogen variable individuelle Bedarfe für feste Einrichtungen existieren.

In der Folge von Beschlüssen aus dem Abgeordnetenhaus zu einer ressortübergreifenden Sozialberichterstattung ist eine teilweise Korrektur der Planungsraumgestaltung nötig geworden, da die verschiedenen Planungszwecke in einem nach dem Bausteinprinzip aufgebauten u. U. neu zu strukturierenden „regionalen Bezugssystem" (RBS) für die gesamte Stadtplanung zu vereinen sind. Auch im Zusammenhang mit der Versorgungsdarstellung sind die festgelegten Planräume in eine einheitliche Struktur (Statistische Gebiete oder Verkehrszellen) einzupassen, wobei innerhalb dieser Grenzen der Gestaltungsspielraum erhalten bleiben kann.

Auf Senatsebene sind die ersten Abstimmungen zwischen der Jugend- und der Sozialverwaltung darüber getroffen worden, auf eine integrierte Form der Sozialplanung hinzuarbeiten. Ausgangspunkt regionaler Planungsansätze sind hierfür die in den Bezirken von den Jugendhilfeplaner/innen definierten und i.d.R. von den weiteren Abteilungen der Bezirksämter akzeptierten Planungsräume. So haben z. B. die Plan- und Leitstellen des kommunalen Gesundheitsbereichs in den Bezirken ihr deutliches Interesse an einer stärkeren Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe und auch an der Beteiligung an der Diskussion über die Planungsräume bekräftigt. Derzeit wird gemeinsam an einem Raster von sozialen Indikatoren gearbeitet, welches einheitlich für Berlin zur Beschreibung der sozialen Situation in den Planungsräumen dienen soll. Defizite, Bedarfsansätze, Prioritäten und Veränderungen lassen sich auf diese Weise feststellen sowie soziale Brennpunkte herauskristallisieren.