Horten

Haushaltsmittel beschränkt sich auf den Haushaltsplan der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport (Einzelplan 10), da die Haushaltsansätze der Bezirke in aufbereiteter Form erst so spät vorgelegen hätten, dass die notwendige rechtzeitige Veröffentlichung des Landesjugendplans nicht möglich gewesen wäre.

Bei der Darstellung des gesetzlich vorgesehenen angemessenen Anteils der Mittel für die Jugendarbeit an den Mitteln der Jugendhilfe insgesamt wurden deshalb die Ist-Ausgaben des Haushaltsjahres 1997 und die Haushaltsansätze für 1998 zugrunde gelegt.

Die Voraussetzungen für eine aktuelle Darstellung und die Entwicklung entsprechender Verfahren werden z. Z. im Kontext zur Verwaltungsreform erarbeitet, so dass künftige Landesjugendpläne auch die entsprechenden Ansätze der Einzelpläne 40, d. h. der bezirklichen Jugendämter, enthalten werden. Für den Landesjugendplan 1999 konnten die Bezirke daher nur mit der Benennung ihrer jugend- und fachpolitischen Schwerpunktsetzungen berücksichtigt werden.

Mit Hilfe der neuen Kapitel- und Titelstruktur, die sich im Wesentlichen an der Leistungsbereichssystematik des KJHG orientiert, werden verfeinerte Aussagen, insbesondere was die Jugendarbeit anbelangt, möglich sein.

Fachpersonalbedarfsplanung

Im Rahmen der Gewährleistungsverpflichtung gemäß § 79 SGB VIII und der damit verbundenen Planungsverantwortung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe ist eine übergreifende, perspektivische Personalbedarfsplanung erforderlich, um die notwendige Ausstattung mit geeignetem Fachpersonal langfristig zu sichern.

Eine zusammengefasste Fachpersonalbedarfsplanung war aus personellen und methodischen Gründen bisher noch nicht zu erstellen, insbesondere gibt es hierfür keine ausreichende und aktuelle Datengrundlage.

Für eine umfassende Fachpersonalbedarfsplanung wäre hinsichtlich der notwendigen Datengrundlage im einzelnen zu berücksichtigen:

- die Beschäftigten nach Qualifikation, Alter, Beschäftigungsumfang und -status, Arbeitsgebieten und Bezirken,

- das Gesamtbeschäftigungsvolumen nach Qualifikation, Arbeitsgebieten und Bezirken,

- die örtlichen und bereichsspezifischen Binnen- und Tranksmobilitätserscheinungen,

- die Anzahl, die Qualifikation und das Alter der erreichbaren und einsatzfähigen nichtbeschäftigten Fachkräfte,

- die prognostizierte Entwicklung der Bevölkerung und der wesentlichen quantitativen Bedarfe und zu erwartenden Allokationen in der Jugendhilfe,

- die Fachpersonalbedarfsentwicklung in Fachgebieten, in denen die Qualifikationen der Jugendhilfe ebenfalls benötigt werden oder in denen qualitativ vergleichbare Personalressourcen zu finden sind,

- die mittelfristig prognostizierten Zahlen der Absolventen und Weitergebildeten in den einzelnen Sparten jugendhilferelevanter Berufe,

- die Aus- und Fortbildungsvoraussetzungen des Fachkräfteangebots,

- die Entwicklung der personalrelevanten Standards,

- die Entwicklung arbeitsrechtlicher Rahmenbedingungen,

Bisher weisen weder die im Zuge der Gesamtberliner Feststellungen des Bestandes an Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe erhobenen Daten zum Fachpersonal die notwendige Validität auf, noch ist die sog. Integrierte Personalverwaltung (IPV) von der Senatsverwaltung für Inneres und dem Landesverwaltungsamt so weit entwickelt und umgesetzt, dass daraus die notwendigen Personaldaten zumindest des öffentlichen Bereichs zu Planungszwecken zu gewinnen wären.

Zum Stichtag 31. Dezember 1998 ist aber mit Teil III der Bundesjugendhilfestatistik (Einrichtungen und tätige Personen) die 4-jährige Erhebung zum Personal der Jugendhilfe vom Statistischen Landesamt durchgeführt worden. Bei sorgfältiger und fristbezogener Erledigung dieser statistischen Berichtspflicht durch die Einrichtungen und Dienste der Jugendhilfe können zum Ende dieses Jahres erste auswertbare Zahlen erwartet werden und damit eine Grundlage neben anderen gegeben sein, eine zusammengefasste Fachpersonalbedarfsplanung zu entwickeln.

Steuerungsinstrumente

Die grundsätzlich steuernde Funktion der Jugendhilfeplanung wurde bereits oben angesprochen. Neben den steuerungsrelevanten Ansätzen der Verwaltungsreform, die sukzessive umgesetzt werden (auf die hier nicht näher eingegangen werden soll), sind auch in der Jugendhilfe einerseits Standardvorgaben im weitesten Sinne (gesetzliche, fachliche, personelle, räumliche Vorgaben) und die Vergabe finanzieller Ressourcen auf der anderen Seite konkrete Steuerungsinstrumente.

- Standardentwicklung

Nach übereinstimmender fachlicher Auffassung ist die Festlegung von Grundstandards der Versorgung mit der Orientierung am Bedarf verbunden. In welchem Rahmen, mit welchen Mitteln dieser erkannte Bedarf befriedigt werden soll, ist auch eine Frage von fachlichen Standards (z. B. Personalschlüssel und Flächenstandards, die formell durch Gesetz, Ausführungsbestimmungen oder Senatsrichtlinien definiert werden). Standardentwicklung findet im wesentlichen im Rahmen der gesamtstädtischen Fachplanungsprozesse statt. Hier befindet sich die Schnittstelle zwischen Erkenntnissen aus der Praxis über den Bedarf und Konzepten zu dessen Befriedigung. Es findet ein ständiger Diskussionsprozess statt, in Abhängigkeit von den sich wandelnden Bedürfnissen, Bedarfslagen und der fachlichen Weiterentwicklung.

Konkrete Standards bestehen z. B. im Bereich der Jugendarbeit allgemein (10 %-Anteil der Gesamtmittel für die Jugendarbeit), aber auch hinsichtlich Räumen, Flächen etc., für die Erziehungsund Familienberatung (s. Teilplan Erziehungs- und Familienberatung), für Personalausstattung und Qualifikationserfordernisse des Fachpersonals in den Bereichen Tagesbetreuung oder stationäre Unterbringung im Rahmen der Hilfen zur Erziehung, im Rahmen der Stadtentwicklung für die Flächenvorhaltung usw.

In diesem Zusammenhang ist auch auf den Bericht vom 16. Dezember 1997 an das Abgeordnetenhaus von Berlin über die Finanzierung sozialer Grundstandards der Berliner Bezirke in den Bereichen Jugend, Soziales, Gesundheit, Frauen, Menschen mit Behinderungen und Migrantinnen/Migranten ­ Drs 13/2311 ­ hinzuweisen. (S. Punkt 2.5.2.)

- Finanzielle Steuerung Gesamtjugendhilfeplanung als gesamtstädtisches Steuerungsinstrument hat i. S. der Einheitsgemeinde das Ziel, bedarfsgerechte, vergleichbare Strukturen herzustellen, z. B. durch Maßnahmen des Wertausgleichs. Voraussetzung hierfür sind vergleichbare Haushaltsdaten für die verschiedenen Leistungsbereiche. In diesem Zusammenhang sei auf die Entwicklung von JUHBIS (siehe auch 2.4.2) hingewiesen, die ein erster Schritt in die Richtung Transparenz des Haushaltsplans war und Grundlage ist für die ­ inzwischen auch über mehrere Jahre hinweg möglichen ­ Vergleiche der Ausgaben in den verschiedenen Jugendhilfebereichen.

In Weiterentwicklung dieses Instruments ist für das Haushaltsjahr 1999 für den Bereich Hilfe zur Erziehung eine neue Kapitelund Titelstruktur der bezirklichen und gesamtstädtischen Jugendhilfehaushalte entwickelt worden. Für das Jahr 2000 wird auch für alle anderen Leistungsbereiche eine an die Systematik des SGB VIII angepasste Titel- und Kapitelstruktur eingeführt.

Dies hat ­ über die Lösung des Problems der Bestimmung des Anteils der Mittel für Jugendarbeit an den gesamten Jugendhilfemitteln hinaus ­ entscheidende strukturbildende Wirkungen.

Im Zusammenhang mit der Wertausgleichsdebatte sind in Kooperation mit anderen Verwaltungen Steuerungsmodelle zu entwickeln, die eine den sozialen Strukturbedingungen der Bezirke angemessenere Finanzverteilung ermöglichen. Auf die Problematik von Verteilungsstrukturen, die über sozialindikatorengeleitete pauschalisierte Regionalbedarfe festgelegt werden, wurde schon weiter oben hingewiesen. (Siehe auch 2.4.4)

Die Fragestellungen, die in diesem Zusammenhang für die künftige Standardentwicklung und -festsetzung noch zu klären sind, richten sich auf:

- die Finanzwirksamkeit von Grundstandards in Bezirks-, Landes- und Sozialversicherungshaushalten in bezug auf die regionale Versorgung,

- die sinnvolle Abgrenzung von Planungs- und Versorgungsregionen,

- die Spannbreiten für soziale Grundstandards,

- die Beschreibung zielgruppenbezogener oder zielgruppenübergreifender Bezugsgrößen,

- die Wahl der Art des Richtwerts als Relation von Parametern zu Leistungsträgern und (potentiellen) Leistungsempfängern (z. B. Verhältnis Personal/Bevölkerung),

- die Verteilung der Angebote nach Kriterien, durch die die Sozial- und Bevölkerungsstruktur der Planungsregion zu berücksichtigen ist.

Eine zugleich regionale und ressortspezifisch ausgewogene Verteilung der finanziellen Zuwendungen durch eine fachlich fundierte Steuerung wird durch das erstmals 1995 eingeführte Globalsummensystem der Zuwendung von jeweils pauschal veranschlagten Mitteln für die konsumtiven Sachausgaben, die Personalausgaben und die Investitionen für die Bezirke ausgeschlossen.

Da zur Zeit noch keine gesonderten Zubemessungsrechnungen für die Jugendhilfe geführt werden können, wird eine berlinweite Steuerung, wie sie zu den Aufgaben der Gesamtjugendhilfeplanung gehört, nur als nachträgliches Korrektiv über einen Vergleich der Bezirkshaushalte wirksam.

Zusätzlich gibt die nach wie vor bestehende undurchlässige Haushaltsaufteilung in einen A-Teil (für freiwillige Leistungen der Kommune) und einen Z-Teil (für gesetzlich vorgeschriebene Leistungen der Kommune) auch für die Gesamtjugendhilfeplanung wenig Möglichkeiten, die strukturellen Disparitäten in der Ausgabenstruktur insbesondere in Hinblick auf Einsparzwänge zu überwinden und z. B. mit einem Plus an fördernden und präventiven Leistungen längerfristige Ziele der Jugendhilfe zu erreichen. In Zukunft werden mit der Einführung der Budgetierung auf Produktbasis für die Mittelverteilung zwischen den Bezirken Richtwerte und vergleichende Standards notwendig sein. Gleichwohl gehört zur fachgerechten Steuerung nicht nur die Ermittlung und Optimierung der jeweiligen Produktkosten und ökonomischen Outputs, sondern auch eine verbesserte Einschätzung der Interdependenzen, die die einzelnen Produkte (als Lebenssachverhalte) aufeinander haben.

3 Gesamtstädtische Fach- und Jugendhilfeplanung

Entwicklung und Stand der gesamtstädtischen Fachplanungen

Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz

Zum Bereich Jugendarbeit

Die Fachplanung für diesen Bereich wird in Abstimmung mit den Beschlüssen des Landesjugendhilfeausschusses bzw. den Planungen des Landesjugendamtes und den entsprechenden Vorhaben und Möglichkeiten der bezirklichen Jugendämter entwickelt. Jugendarbeit ist vom Gesetzgeber zunächst eine unmittelbar dem jeweiligen kommunalen Bereich zugeordnete Aufgabe. Dies wird in Berlin mit seiner besonderen Struktur der Zweistufigkeit des Stadtstaates von den bezirklichen Jugendämtern mit der ihnen eigenen Gesamtverantwortung wahrgenommen. Das Landesjugendamt ergänzt die Angebote der Bezirke durch eigene überörtliche Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen in dem Maße, wie dies notwendig ist bzw. wo ein überörtliches Angebot sinnvoller und wirtschaftlicher ist.

Jugendarbeit auf Landes- bzw. gesamtstädtischer Ebene soll überwiegend der Sicherung der überörtlichen Aufgaben im Rahmen der Jugendarbeit gemäß § 9 AG KJHG dienen. Einrichtungen und Veranstaltungen des Landesjugendamtes wenden sich ­ ebenso wie die vom Landesjugendamt geförderten Träger der freien Jugendarbeit ­ im wesentlichen an alle jungen Menschen. Der Aufgabenbereich der Jugendarbeit mit der Zielgruppe der Gesamtheit der jungen Menschen in Berlin unterscheidet sich insofern von den anderen Leistungsbereichen der Jugendhilfe, die zumeist eine wesentlich kleinere Teil-Zielgruppe haben (eingegrenzt im Bereich der Tagesbetreuung durch die Altersgruppen, in den anderen Fällen durch besondere soziale Problemlagen, aus denen sich besondere persönliche Rechtsansprüche ergeben). Jugendarbeit wird vom Bundesgesetzgeber mit dem SGB VIII als Pflichtaufgabe der öffentlichen Träger der Jugendhilfe in gleichem Maße wie in den anderen Leistungs-Bereichen der Jugendhilfe verstanden (siehe hierzu: Deutscher Bundestag ­ Drucksache 13/70, S. XXIV). Der Gestaltungsspielraum für die kommunalen Gebietskörperschaften hinsichtlich der Art und Weise der Erfüllung dieser Pflichtaufgaben und der dafür einzusetzenden finanziellen Mittel ist allerdings je nach Aufgabenbereich unterschiedlich.

Das zentrale Steuerungselement für den Um- und Aufbau eines bedarfsgerechten und fachlich qualifizierten Angebots an Einrichtungen und Diensten ist die Jugendhilfeplanung. Auf dieser Grundlage sind auch die Leistungen der Jugendarbeit prinzipiell für junge Menschen als individueller Rechtsanspruch zu verstehen. Der Gesetzgeber in Berlin hat für den Bereich der Jugendarbeit festgelegt, dass mindestens 10 % der für die Jugendhilfe bereitgestellten Mittel des Landes, d. h. ohne Anrechnung der durch die realisierten Angebote erwirtschafteten Einnahmen und Zuschüsse von Dritten, für die Jugendarbeit zu verwenden sind (§ 48 Abs. 2 AG KJHG). Diese Vorgabe konnte bisher noch nicht realisiert werden.

Planung in der Jugendarbeit baut sich von der Situation der Jugendlichen bzw. Jugendgruppen am Ort auf. Schon auf bezirklicher Ebene erfordern die unterschiedlichen Situationen in den verschiedenen Ortsteilen unterschiedliche Angebote und Entwicklungsplanungen. Aktivitäten von Jugendverbänden, Jugendgruppen, aber auch von Jugendfreizeitheimen, pädagogisch betreuten Spielplätzen etc. haben ihre je spezifischen Bedingungen und Planungen, die in der Gesamtplanung des jeweiligen Jugendamtes Berücksichtigung finden müssen. Gleiches gilt für das Landesjugendamt auch in der Abstimmung mit den bezirklichen Planungen z. B. bei dem überbezirklichen Einsatz von Mobilen Teams, der Förderung von Projekten überbezirklich tätiger Träger etc.

Jugendarbeit versucht, möglichst flexibel auf bestehende ­ und zum Teil auch innerhalb eines Jahres sich wandelnde ­ Bedarfslagen einzugehen. Für diesen Arbeitsbereich bestehen deshalb außer der Vorsorge über den Mindestanteil an den Mitteln der Jugendhilfe relativ wenig Festlegungen durch Ausführungsvorschriften und Standardvorgaben. Trotzdem haben sich aus dem permanenten Prozess der Anpassung der Planung an die Ergebnisse von Situationsanalysen Erfahrungswerte und Orientierungsgrößen für eine fachlich qualifizierte Einschätzung der Notwendigkeiten ergeben. Diese Ergebnisse werden bei der Wahrnehmung der Sicherung der Gewährleistungsverpflichtung im Sinne des § 45 AG KJHG den fachlichen Beurteilungen zugrundegelegt. Die Anwendung und Auslegung dieser Orientierungsgrößen bzw. „Standards" für die jeweilige Situation an einzelnen Orten erfordert aber speziell dafür qualifiziertes Personal, das in der Regel in den Jugendämtern vorhanden ist.

Die nachfolgenden Hinweise auf derartige „Standards" in einigen Arbeitsbereichen der Jugendarbeit können deshalb nicht ohne Beteiligung dieses Fachpersonals von anderen Planern, Querschnittsverwaltungen (Justiz, Personal oder Haushalt) oder freien Trägern der Jugendhilfe allein für Entscheidungen ausgelegt oder angewendet werden! Sie sind als solche auch nicht ein klagbar. Ein wesentliches Prinzip der Jugendarbeit ist die Beteiligung (Partizipation) junger Menschen an der Ausgestaltung ihrer Lebenswelt. Die Pflege des Dialogs mit jungen Menschen ist deshalb auch für die Fachplanung und die entsprechende Festlegung von Ergebnissen ein wesentlicher Bestandteil qualifizierter Jugendhilfeplanung in diesem Bereich.

Für den hier vorzulegenden Bericht über den Stand der Gesamtjugendhilfeplanung in Berlin wird zunächst nur auf einige Bereiche der Fachplanung für die Jugendarbeit auf Landesebene eingegangen. Die Verzahnung und Abstimmung mit den übrigen Planungen der Bezirke und Fachbereiche kann erst in einem späteren Stadium der Weiterentwicklung der Gesamtjugendhilfeplanung in Berlin erfolgen, wenn die angestrebten besseren Abstimmungsverfahren und Informationssysteme weiterentwickelt sind.

In Rahmen dieses Berichts wird zunächst auf eine Darstellung des Bestandes und Bedarfs in diesem Arbeitsbereich ebenso verzichtet wie auf eine entsprechende Erläuterung der verschiedenen Trägergruppen, wie z. B. der Jugendverbände. Diese können in ihrer Entwicklung zwar nicht geplant werden, haben aber durch § 12 SGB VIII besondere Rechte auf Förderung. Sie sind die „klassischen Träger" der Jugendarbeit und haben durch ihre Strukturen der Ehrenamtlichkeit, vorausgesetzten Unabhängigkeit vom Einfluss der evtl. vorhandenen Erwachsenenorganisation und demokratischen Strukturen nach wie vor eine besondere Bedeutung für das Arbeitsfeld.

Für alle Trägergruppen der Jugendarbeit ­ ob sie auf Landesoder Bezirksebene gefördert werden ­ ist zur Zeit das aktuellste Problem die Absicherung der finanziellen Grundlagen und öffentlichen Förderung ihrer Arbeit. Das Arbeitsfeld musste in den letzten Jahren erheblichen Spardruck aushalten. Bestehende Standards und Orientierungsgrößen wurden zum Teil unterschritten.

- Kooperation und Vernetzung

Die generellen Planungen richten sich deshalb zur Zeit im wesentlichen auf die Stärkung und Vernetzung der Zusammenarbeit der verschiedenen Träger. Es wird durch Kooperation mit anderen Feldern, in denen sich junge Menschen bewegen, eine effizientere Ressourcenausschöpfung angestrebt. Dies betrifft sowohl die Kooperation mit dem Bereich Schule (Schülerclubs) als auch mit anderen Feldern der Jugendhilfe (so z. B. statt Hortbetreuung, Angebote auf pädagogisch betreuten Spielplätzen oder in Kinderclubs der Jugendfreizeitheime oder Zusammenarbeit mit Projekten der Jugendsozialarbeit).

- Grundsicherung auf der Basis vorhandener Standardvorgaben (Neues Zumessungsmodell) „Standards" oder Orientierungsgrößen für den Bedarf gibt es in folgenden Bereichen:

- Jugendfreizeitstätten: Eine ausführliche Darlegung der Situation, Probleme und Planungen wurde in dem „Jugendfreizeitstättenbericht" (Drucksache 13/1236 des Abgeordnetenhaus von Berlin) gegeben;

- Kinder- und Jugenderholung: Nach ausführlichen Beratungen sowohl in einer Facharbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII als auch im Landesjugendhilfeausschuss wurden entsprechende Maßgaben für die Kinder- und Jugenderholungsstätten von Berlin in öffentlicher Trägerschaft ­ die in vergleichbarer Weise gemäß § 74 Abs. 5 SGB VIII auch für Freie Träger gelten ­ festgelegt. ­ Weiterhin wurden im Zusammenhang mit der Diskussion über die Vergabe eines „Qualitätssiegels" auch qualitative Vorgaben abgestimmt;

- Jugendbildungsstätten: Mit dem Bericht vom 28. Juni 1994 an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin (im Zusammenhang mit den Beschlussfassungen zum Haushaltsgesetz 1994) wurde die Zahl der vorhandenen Plätze in Jugendbildungsstätten (in Berlin in insgesamt 9 Einrichtungen 420 Plätze) im Zusammenhang mit dem Angebot im Land Brandenburg (rund 580 Plätze) als ausreichend festgestellt. Die erforderliche Förderhöhe und dabei einzuhaltenden Verfahrensweisen wurden in den Ausführungsvorschriften über die Förderung von Jugendbildungsstätten (AV -Jubst) vom 8. August 1996 in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Finanzen und dem Rechnungshof von Berlin näher bestimmt;

- Jugendgästehäuser: Hier gelten Maßgaben für die räumlichen Voraussetzungen, die an derartige Einrichtungen bei einer öffentlichen Förderung zu stellen sind. Die Größenordnungen für Schlafräume, Bewegungsflächen, Küchenanforderungen etc. gelten vergleichbar auch für Jugendbildungsstätten und andere Internatseinrichtungen in diesem Arbeitsbereich, z. B. der Kindererholung;

- Jugendverbände und vergleichbare Träger: Ausführungsvorschriften gibt es für die Ausbildung von Jugendgruppenleitern im Zusammenhang mit der Ausstellung von Jugendgruppenleiterausweisen (AV JGL) vom 21. Juli 1995 und Förderrichtlinien für die allgemeine Verbandsarbeit (RL-Verbände) vom 12. März 1998, Kurse der außerschulischen Bildung (RL Kurse) vom 12. März 1998, für internationale Begegnungen (RL-IB) vom 12. März 1998. und für sozialpädagogische Ferien- und Freizeitprojekte (RL-SozFerien) vom 12. März 1998.

Diese „Orientierungsgrößen" bzw. „Standards" sollen im Zuge der Weiterentwicklung der Jugendhilfeplanung ergänzt und dann in überschaubarer Form und aufeinander bezogen auch für die Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die zur Zeit vorhandenen Orientierungsgrößen ­ dies wird in dem Jugendfreizeitstättenbericht sehr deutlich ­ helfen aber nur wenig, wenn die entsprechenden Finanzmittel fehlen. Für die Jugendhilfeplanung im Bereich der Jugendarbeit ist deshalb die Entwicklung eines sämtliche Felder der Jugendhilfe umfassenden neuen Zumessungsmodells, das den Anforderungen auf rechtzeitige Steuerung und Planung im Sinne des § 45 AG KJHG gerecht wird und die bisherigen Verfahrensweisen bei der Festlegung der Mittel für das Landesjugendamt und die Globalsummenzumessung für die bezirkliche Jugendhilfe ablöst, die dringendste Aufgabe.

- Entwicklung der Angebotsformen

Die sachgerechte Flexibilität der Planungen im Bereich der Jugendarbeit erfordert ­ trotz der fehlenden zusätzlichen finanziellen Ressourcen ­ auch, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Entwicklungen in der Lebenswelt der jungen Menschen mit geeigneten Angeboten an Veranstaltungen und Diensten gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang sind solche Angebote besonders wichtig, die sowohl die globalen Entwicklungen berücksichtigen als auch das Bedürfnis junger Menschen, die Welt zu verstehen und mitzugestalten. Hierzu gehören:

- Netd„S; Internet-Cafe's, Jugendinformation, d. h. die vermehrte Einrichtung von Internetzugängen, die gemeinschaftlich ­ wie in Internetcafes, bei Netd„ys etc. ­ eine internationale Kommunikation ermöglichen,

- verstärkte Möglichkeiten der Internationalen Begegnungen und Kontakte (im Ausland ebenso wie innerhalb der Stadt),

- Pflege und Entwicklung der aktiven demokratischen Partizipation, auf der Basis einer qualifizierten politischen und kulturellen Bildung ­ auch, weil jede Generation demokratisches Bewusstsein neu erwerben muss,

- die pädagogisch sinnvolle Entwicklung des körperlichen Bewegungsbedürfnisses junger Menschen, die sich nicht in Vereinen binden wollen, wie sie u. a. z. B. von den Sportjugendclubs angeboten werden,

- die weitere Entwicklung und Berücksichtigung spezieller Angebote für junge Mädchen und Frauen bei der örtlichen Planung.

Zum Bereich Jugendsozialarbeit

Die Angebote der Jugendsozialarbeit zielen auf den Ausgleich sozialer Benachteiligungen und individueller Beeinträchtigungen. Sie sind zielgruppenspezifisch angelegt. Jugendsozialarbeit versteht sich dabei auch als Anwalt und Fürsprecher der sozial benachteiligten oder individuell beeinträchtigten jungen Menschen.