Jugendsozialarbeit

Jugendsozialarbeit umfasst nach dem AG KJHG vier Arbeitsbereiche, in denen Konkretisierungen und Festlegungen von Planungen, bzw. die rechtzeitige Einschätzung des Umfangs der Zielgruppe, ähnlichen Schwierigkeiten unterliegen wie dies im Bereich der Hilfen zur Erziehung der Fall ist.

Vielfach werden Leistungen dieses Arbeitsbereiches auch in Verbindung mit Hilfen zur Erziehung gewährt. Anders als im Bereich der Jugendarbeit ist hier die Gesamtheit der Leistungsbedürftigen bzw. -berechtigten wesentlich schwerer zu bestimmen. Hierzu werden zur Zeit zur näheren Bestimmung des Bedarfs und des notwendigen Leistungsumfanges in verschiedenen unterschiedlich verbindlich arbeitenden Fachgruppen Grundlagen erarbeitet. Diese Arbeiten werden erschwert durch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen. Ursprünglich zielten die gesetzlich vorgesehenen Leistungen der Jugendsozialarbeit nur auf eine relativ kleine besonders sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Gruppe junger Menschen. Die generellen Veränderungen in der Arbeitswelt und der sozialen Lage von Teilen der Bevölkerung erfordern hier aber neue Sichtweisen, die eine klare Abgrenzung zu anderen Politikfeldern wie z. B. der Arbeits- und Wirtschaftspolitik im Sinne der ursprünglichen Intentionen des Gesetzgebers des SGB VIII im Blick behalten.

- Jugendberufshilfe

Zur Zeit werden im Rahmen der Jugendberufshilfe in Berlin rund 1 300 Ausbildungsplätze für junge Menschen gefördert.

Angesichts des chronischen Mangels an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen gibt es in Berlin eine beträchtliche Zahl junger Menschen ­ mit steigender Tendenz ­, die bei der Integration in Gesellschaft und Arbeitswelt in erhöhtem Maße auf sozialpädagogische Hilfen angewiesen sind. Verstärkt wird diese Negativentwicklung durch die Begleiterscheinungen und Folgen eines seit längerem zu beobachtenden Individualisierungsprozesses.

Dieser Prozess beinhaltet im wesentlichen die Herauslösung junger Menschen aus historisch vorgegebenen Sozialformen und ­bindungen und den Verlust von traditionellen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungsweisen, leitende Normen, Ziele und Werte. Dieser Verlust von Sicherheiten und Gewissheiten schlägt vielfach in eine zunehmende Überforderung gerade der individuell oder sozial in besonderem Maße beeinträchtigten jungen Menschen um. Dies äußert sich mit tiefgreifenden Negativfolgen hinsichtlich der Kompetenz zur alltäglichen Lebensführung, für Identitätsbildung, Sinnfindung etc. Neue Anforderungen an die Soziale Arbeit zeichnen sich ab. Vor allem der Druck auf Jugendsozialarbeit, insbesondere Jugendberufshilfe, nimmt in diesem Zusammenhang stetig zu.

Die Träger der Berliner Jugendsozialarbeit haben bisher bei der Bewältigung der Integrationsaufgabe außerordentliche Anstrengungen unternommen. Sie konnten vielen besonders hilfebedürftigen jungen Menschen wirksame Hilfestellung beim Einstieg in die Gesellschaft geben. Die Jugendberufshilfe konnte Brücke zum ersten und zweiten Arbeitsmarkt sein.

Allen Beteiligten ist klar, dass der Beitrag von Jugendsozialarbeit, insbesondere von Jugendberufshilfe, angesichts des Ausmaßes der Ausbildungsplatzmisere und der Arbeitslosigkeit und der anhaltenden Dynamik gesellschaftlicher Änderungsprozesse nur ein ­ seit Jahren unveränderter- bescheidener sein kann.

Jugendsozialarbeit, insbesondere Jugendberufshilfe, kann die Probleme im Einzelfall nur lindern helfen. Die grundsätzliche Problemlösung ist der Wirtschafts-, -Finanz-, und Sozial-, vor allem der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik zugewiesen. Die Jugendpolitik hat dabei eine starke Kooperationsverantwortung wahrzunehmen.

Die Bemühungen der Jugendhilfeplanung in diesem Sektor der Jugendsozialarbeit werden zur Zeit von folgenden Prämissen geprägt:

Vgl. Wieseler, Sabine, Soziale Dienstleistungen im 21. Jahrhundert in: Jahrbuch der Sozialen Arbeit 1999, 1998, Votum-Verlag, S. 75­101.

- Jugendberufshilfe soll erhalten und gestärkt werden. Die Jugendberufshilfe steht dabei vor der Herausforderung, mit nahezu gleichen Finanzmitteln künftig mehr besonders integrationsbedürftige junge Menschen in Ausbildung und Berufsorientierungs- wie Berufsvorbereitungsmaßnahmen oder sonstige Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen bringen zu sollen.

- Bei der Weiterentwicklung von Jugendberufshilfe ist sicherzustellen, dass die Angebote den Problemlagen und Zielgruppen angemessen und qualitativ hochwertig sind.

- Zur Erreichung des Ziels ist die effektive Abstimmung und Zusammenarbeit der auf Landesebene für Jugend zuständigen Verwaltungen (einschl. Landesjugendamt) mit Schule (einschl. Landesschulamt), Arbeit/Berufliche Bildung, Soziales, Wirtschaft sowie dem Landesarbeitsamt, den Trägern von Jugendsozialarbeit, insbesondere Jugendberufshilfe, sowie den bezirklichen Fachämtern unverzichtbar.

Hierzu sind mit der Bildung der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendberufshilfe nach § 78 SGB VIII und der Zusammenlegung mit dem bis dahin vom Landesarbeitsamt und der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport separat durchgeführten Arbeitskreis auf Landesebene SGB III/SGB VIII erste richtungsweisende Schritte gegangen worden.

Die Entscheidungsverantwortung für die Gewährung sozialpädagogischer Hilfen im Rahmen von Jugendsozialarbeit, insbesondere von Jugendberufshilfe, liegt beim bezirklichen Jugendamt. Die ministerielle Verantwortung auf Landesebene liegt vor allem in der strategischen und planenden Funktion. Für sie gilt es, gemeinsam mit dem Landesjugendamt und den bezirklichen Jugendämtern Strategien zur Stärkung vernetzten Handelns zu entwickeln. Modellhaften, neuen Ansätzen zur Bündelung unterschiedlicher Fördermittel wie Koppelung von passenden Hilfemaßnahmen soll Raum zur Erprobung gegeben werden. Für sie gilt es weiter, Möglichkeiten zur Optimierung von Hilfeplanungs- und -entscheidungsprozessen aufzuzeigen und zu fördern, die fachlichen Handlungsalternativen in der Region bzw. im Bezirk durch Fortbildung und kontinuierliche Information und Kommunikation zu verbreitern, transparenter zu machen und damit einen effektiveren und effizienteren Einsatz von Ressourcen zu fördern und zu unterstützen.

Die Schwerpunkte der Strukturentwicklung liegen auf Erhalt und Ausbau sowie weiteren bedarfsgerechten und zielgruppenorientierten, zugleich wirtschaftlichen Differenzierung der gesamten Leistungspalette von Jugendsozialarbeit.

Eckpunkte der künftigen Entwicklung werden im Rahmen bereits laufender Informations-, Konzeptions- und Planungsarbeiten insbesondere sein:

- Planung von niedrigschwelligen Hilfeangeboten als wirksame Ergänzung der Berufsausbildung,

- Bündelung unterschiedlicher Fördermittel/Koppelung von passenden Hilfemaßnahmen/Schaffung von trägerübergreifenden Hilfeketten bzw. Gestaltung ­ ggf. auch trägerübergreifend ­ einer Berufswegeplanung/Förderung innovativer Modellprojekte,

- Einrichtung ganzheitlicher, regionaler JugendBeratungshäuser (in allen Jugendämtern nach der Bezirksgebietsreform),

- Förderung der Schaffung von Jugendberufshilfebetrieben/ Förderung der Kooperation von Trägern/Förderung von Trägernetzwerken in der Region/Förderung von Trägerfusionen/Förderung innovativer Modellprojekte,

- Förderung und Begleitung bezirklicher und regionaler Vorhaben zur Schaffung von Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Beschäftigungsverbünden,

- Förderung der Stärkung des fachlichen Know-how in den bezirklichen Jugendämtern / Förderung der Stärkung bezirklicher Steuer- und Förderkompetenzen/Unterstützung der Entwicklung von Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen innerhalb der JÄ/Förderung der Etablierung von berlineinheitlichen Arbeitsfeldern Jugendsozialarbeit (einschl. Jugendberufshilfe) in den künftig zwölf bezirklichen Jugendämtern,

- Förderung mehrjähriger Informations- und Fortbildungsphasen,

- Förderung systematischer Begleitforschung,

- Förderung der Weiterentwicklung von Konzepten aufsuchender Jugendsozialarbeit (Streetwork)/Förderung innovativer Modellprojekte.

- Sozialpädagogisch begleitete Wohnformen

In Berlin spiegelt sich auch der bundesweite Trend im Anstieg des Bedarfs an Hilfen zur Erziehung innerhalb und außerhalb von Familien wider. Einfluss auf die steigende Nachfrage nach Jugendsozialarbeit, insbesondere nach Jugendberufshilfe, haben vermutlich zum einen die hohe Arbeitslosigkeit und die in der Folge sinkenden Einkommen und damit oft einhergehende Verbzw. Überschuldung. Diese Entwicklung erfasst immer mehr Familien und führt zu psychosozialen Überlastungssituationen, die aus eigenen Kräften nicht mehr bewältigt werden können.

Zum anderen steigt die Zahl von innerfamiliären Krisen, Trennungen und Scheidungen. Dies löst Bedarf an Unterstützung bei der Erziehung einschließlich der sozialen und beruflichen Integration aus, wenn junge Menschen sich selbst überlassen bleiben und die Anforderungen an die Erziehungsleistung die Familie überfordern. Ein Symptom dafür ist das Problem der steigenden Zahl junger Menschen, die ohne feste Bleibe und ohne kontinuierliche Einbindung in Familie oder familienähnliche Gruppen auf der Straße leben.

Sozialpädagogisch begleitete Wohnformen im Sinne von § 12

AG KJHG erhalten auch unter diesem Aspekt neue Bedeutung.

- Aufsuchende Jugendsozialarbeit und Schulbezogene Jugendund Jugendsozialarbeit

Der aktuelle Stand der Vorhaben in diesen Arbeitsbereichen ist im Berliner Landesjugendplan 1999 dargestellt. Grundsätzlich wurde ­ auch für die anderen Felder der Jugendhilfe ­ eine Koordinierung mit der Schulentwicklungsplanung in Gang gebracht.

Insbesondere für den Bereich „Schulstationen" müssen ­ ebenso wie im Bereich der Kooperation Jugendarbeit und Schule ­ allerdings noch verbindliche Orientierungsgrößen entwickelt werden, die die je unterschiedlichen örtlichen Verhältnisse ­ z. B. bei einem hohen Anteil junger Menschen mit nichtdeutscher Herkunftssprache etc. ­ angemessen berücksichtigen.

Zum Bereich Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz Angebote und Veranstaltungen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes beinhalten zwei Schwerpunkte:

- Einerseits sollen sie die Abwehrkräfte von Kindern und Jugendlichen gegenüber Gefährdungen sowie deren Eigenständigkeit stärken,

- andererseits dienen sie der Befähigung von Eltern und Multiplikatoren, Kinder und Jugendliche vor Gefährdungen zu schützen.

Angesichts vielfältiger Gefährdungen, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind ­ die Bandbreite reicht dabei von Krankheit, Gewalt, Delinquenz, Misshandlung, Sucht bis hin zum Missbrauch ­ sowie der Prämisse, dass Ansätze der Primärprävention den größten Erfolg versprechen, muss hier weiterhin von einer Querschnittsaufgabe aller am Sozialisationsprozess beteiligten Instanzen gesprochen werden. Diese Querschnittsfunktion des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes wird im Prozess der Jugendhilfeplanung im wesentlichen in speziellen, die örtlichen Bedingungen einbeziehenden Maßnahmeplanungen zu berücksichtigen sein.

Solche speziellen Angebote im Rahmen des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes werden zum Beispiel von ­ z. Z. vier

­ Mobilen Teams zur Suchtprävention der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport geleistet. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit im Jahr 1999 besteht einerseits im Herausarbeiten der Ursachen und Risikofaktoren für die Entwicklung von Sucht und problematischen Konsummustern sowie andererseits in der Stärkung protektiver Faktoren gegen Suchtgefährdung junger Menschen.

In der konkreten Umsetzung der sich daraus ergebenden Handlungsvorhaben werden dann ­ teilweise in Verbindung mit anderen Projekten der Jugendarbeit ­ Einzelaktivitäten entwickelt:

- Unter dem Titel „Berufe zum Ausprobieren" werden 1999

Workshops für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren angeboten, in denen Vorstellungen über Wunschberufe überprüft und erste praktische Eindrücke künftiger Anforderungen erfahren werden können,

- im Rahmen des Peer-Education-Programms der Mobilen Teams wird 1999 die fünfte Generation von Peer-Helpern in der Suchtprävention im Alter von 14 bis 16 Jahren ausgebildet,

- die suchtpräventive, auf Kinder ausgerichtete Arbeit im Weddinger Kindermuseum Labyrinth wird 1999 mit spezifischen Mitmach-Ausstellungen fortgeführt und mit Workshop- und Fortbildungsangeboten für Eltern und sozialpädagogische Fachkräfte begleitet. Damit wird ­ im Sinne der sozialen Stadtentwicklung ­ das Ziel weiterverfolgt, das Kindermuseum zu einem in die Region integrierten Lernund Kulturort auszubauen.

Förderung der Erziehung in der Familie Vorab drei grundsätzliche Anmerkungen:

- Die Fachplanung für die einzelnen Leistungsbereiche im Rahmen der Förderung der Erziehung in der Familie findet ­ wie in anderen Leistungsbereichen auch ­ zunehmend engere Grenzen durch den Zwang zur Konsolidierung des Landeshaushaltes und der damit verbundenen Einsparungen im Bereich der Personal- und Sachausgaben. Diese Einschränkungen betreffen sowohl öffentliche als auch freie Träger.

- In die Fachplanungen sind gemeinsame Überlegungen der Gewährleistungsverpflichteten und der Leistungserbringer „vor Ort", ob und wie durch strukturelle Änderungen (beispielsweise Regionalisierung, Bündelung verschiedener Leistungsbereiche) Synergieeffekte geschaffen werden können, einzubeziehen. Kompetenzen zur Organisationsgestaltung in den Leistungsbereichen gewinnen zunehmend an Bedeutung.

- Es sind in der Folge der anstehenden Gebietsreform Verschiebungen in den bestehenden Versorgungsstrukturen (beispielsweise auf Grund veränderter Sozialstrukturen und entsprechend beeinflussten Versorgungsgraden) zu erwarten. Auf diese Veränderungen schon heute fachplanerisch einzugehen, ist nur annäherungsweise möglich, weil sich die Strukturen der Zusammenführung erst entwickeln.

Stand der Entwicklung der Fachplanung in den einzelnen Bereichen: Erziehungs- und Familienberatung

Es besteht (fach)politisch Konsens, die Angebote der Erziehungs- und Familienberatung in öffentlicher und freier Trägerschaft im bestehenden Umfang zu erhalten sowie schrittweise auszubauen. Langfristig wird ein Versorgungsgrad von 13 Beraterfachstellen pro 100 000 Einwohner angestrebt. Auf diesen Richtwert hat sich der Senat verständigt (s. Mitteilung an das Abgeordnetenhaus ­ zur Kenntnisnahme ­ über Jugendhilfeplanung/Teilplan Familienberatung vom 16. April 1997 ­ Drs. 13/1636).

Die Zuwendung für Erziehungs- und Familienberatungsstellen freier Träger konnte gegenüber dem Vorjahr um 200 000 DM erhöht werden. Gleichwohl reichen die für Erziehungs- und Familienberatung durch öffentliche und freie Träger einzusetzenden Mittel momentan nur aus, um den angestrebten Versorgungsgrad zu rund 46 % zu decken (auf Grundlage der Erhebung des Bestands an Beraterfachstellen in öffentlicher und freier Trägerschaft am 31. Dezember 1998). Angesichts der äußerst angespannten Haushaltslage ist der angestrebte Versorgungsgrad nicht kurzfristig zu erreichen. Die Fachplanung in diesem Bereich ist darauf gerichtet, zunächst die bestehenden Angebote zu erhalten und den notwendigen Ausbau schrittweise zu verfolgen.

Modelle und Konzepte zum Erhalt sowie zu Weiterentwicklung der Erziehungs- und Familienberatung in öffentlicher und freier Trägerschaft werden zur Zeit gemeinsam mit Vertretern der Bezirke und der in der LIGA zusammengeschlossenen freien Träger erörtert.

Familienbildung

Mit der Partnerschaft der Senatsjugendverwaltung am Zuwendungsvertrag „Stadtteilzentren", der (im Dezember 1998)

­ zusammen mit der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales ­ mit dem Verband für sozial-kulturelle Arbeit, Landesgruppe Berlin e. V., und dem Verein zur Förderung der SelbsthilfeKontaktstellen e. V. geschlossen wurde, konnten Angebote der Familienbildung nunmehr auf alle Bezirke ausgedehnt werden.

In allen entstehenden Stadtteilzentren wird es zukünftig Angebote geben, die qualitativ und quantitativ geeignet sind, Familienund Nachbarschaftsbeziehungen zu stärken sowie Kinder und Jugendliche im Rahmen der Familien- und Nachbarschaftshilfe zu fördern.

Zur konzeptionellen Sicherstellung entsprechender Förderungs- und Unterstützungsangebote sind Leistungen, die alle Stadtteilzentren vorzuhalten haben, („Kernleistungen") festgelegt. Im Bereich der Angebote zur Unterstützung von Familien werden Kernleistungen sein:

- Familienbildungsarbeit einschließlich Eltern-Kind-Gruppen,

- Basisberatung zu alltäglichen Problemen der Erziehung in der Familie,

- Angebote der Familienfreizeit und Familienerholung,

- Vorbereitung auf die Unterstützung des Zusammenlebens mit Kindern und Lebenspartnern,

- Angebote für Kinder und Jugendliche,

- Gewaltpräventive Angebote,

- Generationsübergreifende Angebote,

- Selbsthilfegruppen.

Darüber hinaus sollen variable Angebote der Familienarbeit je nach dem regionalen Bedarf gestaltet werden.

Der Zuwendungsvertrag hat eine Laufzeit von ­ zunächst ­ vier Jahren. Der Prozess der notwendigen strukturellen Maßnahmen zur gleichmäßigen Verteilung der Förderungs- und Unterstützungsangebote in den Regionen im einzelnen wird in engem Zusammenwirken aller Vertragspartner eingeleitet und begleitet.

Grundlage wird ein zwischen den Vertragspartnern abgestimmtes Konzept zur schrittweisen qualitativen und quantitativen Entwicklung der Stadtteilzentren im Vertragszeitraum sein. Durch ihre spezifische Kenntnis der bestehenden Trägerlandschaft ist sichergestellt, dass die Vertragspartner dabei die gegenwärtigen Ausprägungen nicht außer Acht lassen. Vereinbart ist eine regelmäßige Überprüfung der bedarfsgerechten Angebotsgestaltung unter Mitwirkung kommunaler und freier Träger und Einrichtungen. Ausgangspunkt und Rahmen für die Prüfung und Bewertung der Bedarfsgerechtigkeit ist das gemeinsame Konzept.

Die überregionalen Angebote der Familienbildung bestehen daneben weiter. Jedoch mussten die Träger dieser Angebote insgesamt eine 5 %-ige Kürzung der Zuwendungsmittel hinnehmen.

Familienerholung

Die drastischen Reduktionen der Fördermittel in diesem Bereich (von ursprünglich 906 000 DM auf 101 000 DM im Haushaltsjahr 1998 und auf 96 000 DM im Plan 1999) konnten nicht aufgehalten werden. Von vormals zwölf können jetzt nur noch vier freie Träger eine Förderung für Familienerholungsreisen erhalten.

Aus fachlicher Sicht ist dies bedenklich, denn durch diese Mittel werden einkommensschwachen Familien gemeinsame Reisen ermöglicht. Es soll damit der familiäre Zusammenhalt gestärkt werden. Teilweise sind die Reisen mit integrierten Bildungsangeboten zur Förderung der Eltern-Kind-Beziehung sowie erzieherischer Kompetenzen verbunden.

Jedoch besteht im Kontext der notwendigen Haushaltskonsolidierung und vordringlicher Bestandssicherungen bei weiteren Leistungen der Förderung der Erziehung in der Familie kein Spielraum, diesen Trend im Rahmen der Fachplanung zu wenden.

Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen

Auf der Grundlage eines Vertrages der Senatsjugendverwaltung mit der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Berlin erfolgte und erfolgt der Aufbau und Ausbau der Angebotsstrukturen für diese Jugendhilfeleistung sowie die Vereinbarung über Leistungsentgelte. Mit Stand vom 31. Dezember 1998 halten 30 Einrichtungen freier gemeinnütziger Träger überbezirklich dieses Angebot im Rahmen ihrer ambulanten sozialpflegerischen Versorgungsaufträge vor. Anhand der jährlichen Bestandsfeststellungen unter Mitwirkung kommunaler und freier Träger erfolgt die Überprüfung der bedarfsgerechten Angebotsgestaltung. Rahmenkonzepte und Qualitätsstandards für die Jugendhilfeleistung wurden im Zusammenwirken mit den zuständigen Liga-Vertretern erarbeitet und befinden sich in der Diskussion.

Gemeinsame Wohnformen für Mütter/Väter und Kinder

Zu dieser Leistung werden zur Zeit in Zusammenarbeit mit in diesem Bereich tätigen freien Trägern Leistungsbeschreibungen im Rahmen der Kostensatzrahmenvereinbarung abgestimmt.

Dabei werden die bestehenden Angebote nicht nur abgebildet, sondern durch Stufungen qualitativ weiterentwickelt. Aus den Angebotsformen je nach dem zu Grunde liegenden Bedarf an die Wohnform und die Unterstützungsleistungen für den alleinsorgenden Elternteil und das Kind werden in dem nächsten Schritt differenzierte Kostensätze abgeleitet. Es hat sich gezeigt, dass alleinsorgende Väter dieses Angebot der Jugendhilfe nur selten wahrnehmen. Deswegen werden die Angebote konzeptionell bevorzugt auf die Bedürfnisse von alleinsorgenden Müttern und ihre Kinder ausgerichtet.

Unterstützung bei notwendiger Unterbringung zur Erfüllung der Schulpflicht

Ein spezielles Angebot für diese Jugendhilfeleistung ist bisher nicht Gegenstand der Fachplanung der gesamtstädtischen ­ wie auch der bezirklichen ­ Ebene, da es dafür keinen nachgewiesenen Bedarf gibt. Einzelnachfragen ­ in wenigen Bezirken ­ konnten im Rahmen anderer Jugendhilfeangebote realisiert werden.

Regelmäßige Überprüfungen der Bedarfslage unter Mitwirkung der kommunalen Träger werden mit dem Ziel durchgeführt, auf sich ändernde Bedarfe den Notwendigkeiten entsprechend reagieren zu können.

Der FamilienPass Ziel des FamilienPasses ist die Förderung der Berliner Familien in allen Formen einer Eltern-Kind-Lebensgemeinschaft.

Durch ein attraktives und vielfältiges Freizeit-, Sport-, Kulturund Bildungsangebot sollen verbindliche Lebenszusammenhänge, die gerade für die positive Entwicklung von Kindern unabdingbar sind, gestärkt werden. Dem Prozess der Auflösung verbindlicher sozialer Strukturen, der in einer Großstadt wie Berlin besonders spürbar ist, muss entgegengewirkt werden, da sonst Problemlagen und gesellschaftliche Folgekosten entstehen, die den Bestand der Gesellschaft selbst in Frage stellen.

Der FamilienPass kann für 10 DM erworben werden und ist ganzjährig vom 1. Januar bis 31. Dezember 1999 gültig. Die auf ein familienfreundliches Klima zielenden Angebote richten sich grundsätzlich an alle Familien. Für sozial benachteiligte Familien gibt es darüber hinaus ­ insbesondere für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ­ weitere Vergünstigungen. Insgesamt enthält der FamilienPass über 340 Angebote.

Die Finanzierung des durch die JugendKulturService gGmbH herausgegebenen FamilienPasses basiert wesentlich auf Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie, wodurch eine Finanzierung bis Ende 1999 gesichert ist. Hinzu kommen Verkaufserlöse und Sponsorenmittel. Viele Programmpunkte können realisiert werden, weil Anbieter auf Ausgleichszahlungen verzichten und bestehende Vergünstigungen ausgebaut wurden.

Förderung der Kinder in Tageseinrichtungen und in Tagespflege

Im Gegensatz zu allen anderen Leistungsbereichen der Jugendhilfe werden die Leistungen nach den §§ 22 ­ 26 SGB VIII