Tageseinrichtungen

Die Festsetzung des Finanzierungsanteils des Landes Berlins in den Vereinbarungen setzte eine realistische Hochrechnung der durch die Finanzierung voraussichtlich entstehenden Kosten auf der Basis des Kostenblattes voraus. In diesem Zusammenhang wurde im April 1998 auch im Bereich der freien Träger erstmals eine Belegungsanalyse durchgeführt.

Nach den Rahmenvereinbarungen werden künftig jährlich mit allen Trägern der freien Jugendhilfe Trägerverträge auf der Basis der tatsächlichen Platzbelegung abgeschlossen. In Parallele der Finanzierung der Personalmittel der Tageseinrichtungen der Bezirke sind folgende Finanzierungsabläufe vorgesehen:

Die erforderliche Finanzausstattung des Landesjugendamtes im künftigen Kapitel 1044 beruht auf der Fortschreibung der erforderlichen Haushaltsmittel im laufenden Haushaltsjahr. Die Träger melden bis zum Mai des laufenden Haushaltsjahres ihre vorhersehbaren Korrekturen an, damit diese bei der Haushaltsplanung ebenso wie die absehbaren Personalkostensteigerungen berücksichtigt werden können. Es wird davon ausgegangen, dass der Mehr- oder Minderbedarf für die Finanzausstattung der Jugendämter und des Landesjugendamtes auf Grund der Verschiebungen der Platznutzung trägerübergreifend ausgeglichen werden müsste. Solange in den Bezirken nur die Personalmittel, nicht jedoch die Sachmittel platzbezogen berechnet werden, können auch nur diese Personalmittel in den Ausgleich einbezogen werden.

- Neue Finanzierungsvereinbarung für die privat-gewerblichen Kindertagesstätten

Nach Inkrafttreten des KitaG zum 1. Januar 1996 war es notwendig, auch die „Rahmenvereinbarung über die Inanspruchnahme von Plätzen in privat-gewerblichen Tageseinrichtungen durch die Jugendämter Berlins" zu überarbeiten und den neuen gesetzlichen Gegebenheiten anzupassen (z. B. Differenzierung der finanziellen Leistungen nach täglichen Betreuungszeiten, Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen zur Personalausstattung usw.). Bei dieser Gelegenheit konnten auch Erfahrungen aus der bisherigen Zusammenarbeit aller Beteiligten ausgetauscht werden und die Ergebnisse der Erörterungen in der Neufassung der Rahmenvereinbarung ihren Niederschlag finden.

So wurde z. B. in der ab 1. Januar 1998 gültigen neuen Rahmenvereinbarung die Höchstzahl der durch die Jugendämter belegbaren Plätze in einer Einrichtung von 65 v. H. auf 75 v. H. der genehmigten Platzzahl der Tageseinrichtung heraufgesetzt und der Abschluss von Zahlungsvereinbarungen zwischen Betreiber und Eltern unter genau umrissenen Rahmenbedingungen ermöglicht.

Der zum 1. Januar 1998 neu gefassten Rahmenvereinbarung traten zwischenzeitlich fünf privat-gewerbliche Tageseinrichtungen mit einem genehmigten Platzangebot von rund 220 Plätzen bei.

Nach Erhöhung der durch die Jugendämter belegbaren Plätze auf 75 v. H. beträgt das Angebot der privat-gewerblichen Tageseinrichtungen für die Jugendhilfe rund 165 Plätze.

- Belegungsanalysen als Basis der Berichterstattung Basis der Finanzierung aller Plätze in Tageseinrichtungen sowie in Tagespflege ist ab 1999 die vertragliche Platzbelegung, differenziert nach Halbtags-, Teilzeit-, Ganztags- und erweiterten Ganztagsplätzen. Hinzu kommt die Erfassung aller für die Tagesbetreuung wichtigen Schulangebote sowie der Zusatzleistungen für die Integration behinderter Kinder, für die Förderung von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache und die Förderung von Kindern aus ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen, die Einrichtungen in Wohngebieten mit sozial benachteiligenden Bedingungen besuchen. Voraussetzung der Finanzierung eines jeden Platzes ist die Bescheinigung des örtlich zuständigen Jugendamtes über den jeweiligen Betreuungsbedarf des einzelnen Kindes sowie ggf. die erforderlichen Zusatzleistungen. Die Jugendämter erfüllen damit eine zentrale Steuerungsfunktion für das Land Berlin als öffentlichem Jugendhilfeträger (Kostenträger). Die Daten über die jährliche Platzbelegung sind nicht nur Grundlage der Finanzierung und damit auch der Haushaltsplanung der Jugendämter und des Landesjugendamtes, sondern auch der Berichterstattung der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport über die Entwicklung der Platznutzung. Sie spiegeln die aktuelle Platznachfrage und deren Veränderung, stellen gleichzeitig den vorhandenen Bestand an finanzierten Plätzen dar und sind somit ein wichtiges Instrument zur Bestands- wie zur Bedarfsermittlung, einschließlich der Ermittlung des Finanzierungsbedarfs für alle Trägerbereiche. Künftig wird es möglich sein, die Platznutzung und die vorhandenen Platzkapazitäten (auf der Basis der erlaubten Plätze entsprechend der bisherigen Kita-Statistik) gegenüberzustellen. Insofern können aus den Differenzen zwischen den vorgehaltenen Platzkapazitäten und der aktuellen Platznutzung Aussagen über die Spielräume bei Bedarfsschwankungen abgeleitet werden.

- Entwicklung des Kita-Verfahrens

Auf Grund der Vielzahl der Tagesförderungsangebote stellt deren Verwaltung ein ausgesprochenes „Massengeschäft" dar.

Entsprechend dringlich stellt sich die Forderung nach einer Rechnerunterstützung des Verfahrens. Unter Federführung der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport und unter ständiger Beteiligung der Bezirke wird eine entsprechende Software seit Mitte 1995 entwickelt. In einem ersten Schritt wurde das Modul für das Anmeldeverfahren, die Planung und den Nachweis von Tagesförderungsangeboten erarbeitet. Es ermöglicht die rechnergestützte Durchführung aller Verwaltungsarbeiten von der Anmeldung der Kinder bis zur Registrierung, in welcher Einrichtung sie mit welchem vertraglich vereinbarten Betreuungsumfang Aufnahme gefunden haben.

Zur Zeit wird das Verfahren im Testverfahren mit Echtdaten in insgesamt fünf von 23 Bezirken angewandt. Weitere Bezirke stehen vor der Einführung.

Das rechnergestützte Kita-Verfahren wird modulartig aufgebaut. Nächster Programmteil wird das Kostenbeteiligungsverfahren sein. Die Arbeiten hieran haben bereits begonnen.

Neben einer effizienten Verwaltung der Tagesförderungsangebote wird die Rechnerunterstützung ­ bei entsprechender Vernetzung aller Beteiligten ­ auch eine im Sinne hochgradiger Differenzierung verbesserte Berichterstattung (und damit eine bessere Planungsgrundlage) im Rahmen des ISBJ ermöglichen.

Berichterstattung gegenüber Senat und Abgeordnetenhaus

Der Hauptausschuss hatte 1996 auf die Anforderung weiterer jährlicher Platzentwicklungsberichte in der bisherigen Art verzichtet. Stattdessen beauftragten der Hauptausschuss bzw. das Abgeordnetenhaus die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport mit einer Reihe von spezifischen Berichtsaufträgen

- zur Realisierung der Differenzierung des Platzangebotes,

- zu den haushaltsmäßigen Auswirkungen der neuen Personalbemessung und der neuen Finanzierung der freien Träger sowie

- zur Umsetzung des Übertragungsprozesses (zunächst durch halbjährliche, dann jährliche Übertragungsberichte).

- zum Ausbau einer bedarfsgerechten Versorgung der Grundschulkinder unter Einbeziehung der Spielangebote.

Diese Berichte erfüllten die Hauptfunktion der Gesamtjugendhilfeplanung, den Träger der öffentlichen Jugendhilfe und seine Entscheidungsorgane, Senat und Abgeordnetenhaus, in die Lage zu versetzen, die notwendigen Beschlüsse in Wahrnehmung ihrer Fach- und Ressourcenverantwortung vorzubereiten.

Durch die zahlreichen Berichte der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport zum Leistungsbereich der Tageseinrichtungen und der Tagespflege wurde die Beschlussfassung des Abgeordnetenhauses über die Ausweitung der Integration auf alle Altersgruppen, über die Höhe der Finanzierung der freien Träger und ­ last not least ­ über das Kindertagesbetreuungsgesetz und das Erste Änderungsgesetz dazu vorbereitet.

Künftig wäre eine Rückkehr zu einer einheitlichen umfassenden jährlichen Berichterstattung zu allen bisher in Einzelberichten dargestellten Aspekten der Entwicklung der Tagesbetreuung wünschenswert. Dazu gehören auch die Berichterstattung über die Entwicklung der Versorgungssituation und der Trägerstrukturen sowie der Kosten- bzw. Ausgabenentwicklung.

Diese differenzierte Berichterstattung über die Platzentwicklung und die Entwicklung der Bedarfsdeckung erfüllt die Funktion eines Controlling im Gesamtbereich der Tagesbetreuung und ist damit das zentrale Instrument der Fachplanung. In diese Analyse sind auch die relevanten schulischen Angebote einbezogen.

Allerdings fehlen hier noch Daten zur Kosten- bzw. Ausgabenentwicklung.

Die zuweilen erhobene Forderung einer Kita-Entwicklungsplanung im Sinne der 70er Jahre durch die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport widerspricht den Intentionen der Verwaltungsreform nach einer Dezentralisierung der Fach- und Ressourcenverantwortung und der längst von den Bezirken praktizierten Kita-Entwicklungsplanung zur Vorbereitung von Standort-, Fach- und Ressourcenentscheidungen.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Bedarfsschwankungen und die Veränderungen der Platz- und Trägerstruktur im Bereich der Tageseinrichtungen jährlich zu so großen Veränderungen führen, dass die Jahresplanung, die jährlichen Belegungsanalysen im Vorfeld der Haushaltsplanung als Basis der jährlichen Berichterstattung auf Landesebene sehr viel besser den Sinn einer die Finanzentscheidungen vorbereitenden (Gesamt-) Jugendhilfeplanung erfüllen als eine mittelfristige Jugendhilfeplanung für den Tagesbetreuungsbereich.

Die jährliche Berichterstattung ist auch Voraussetzung für die Wahrnehmung der zentralen Steuerungsfunktionen auf Hauptverwaltungsebene im Hinblick auf die Evaluation und Präzisierung der fachlichen Standards und der Kriterien für die Bedarfsdeckung sowie der Kostenbeteiligung. Die Vorgaben des Kindertagesbetreuungsgesetzes zur Kitaentwicklungsplanung sollten entsprechend angepasst werden.

Fachplanung im Bereich Hilfe zur Erziehung

Die planerischen Möglichkeiten im Feld der Hilfe zur Erziehung, der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche, der Hilfe für junge Volljährige, des Kinderschutzes und des Schutzes für minderjährige alleinstehende Asylsuchende sind auf örtlicher und überörtlicher Ebene dadurch beschränkt, dass ein künftiger Hilfebedarf von jungen Menschen und ihren Familien ­ abhängig von ihrer Lebenssituation, ihren psychosozialen Belastungen, ihren Bewältigungsstrategien und ihrer Bereitschaft, sich unterstützen zu lassen ­ nicht vorhergesehen werden kann. Dem individuellen Rechtsanspruch auf gesetzliche Leistungen entspricht das einzelfallbezogene Hilfeplanverfahren, in dem gemeinsam mit den Beteiligten der erzieherische Bedarf und die geeigneten und angemessenen Hilfeangebote bestimmt werden. Die auf die Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ausgerichteten Hilfen müssen flexibel und lebensweltorientiert auf Fortschritte und Hemmnisse ihrer Entwicklung reagieren können und sind naturgemäß nicht statisch: eine gesamtstädtische Planung von Einrichtungen und Diensten, Plätzen und Angeboten darf daher nicht dazu führen, dass die notwendigen Entscheidungs- und Wahlmöglichkeiten im Einzelfall auf Planbares und Geplantes eingeengt werden.

Fachpolitische Zielaussagen Wesentliche gesamtstädtische Aufgabe in diesem Bereich ist daher die Formulierung von Zielaussagen und Strukturmaximen sowie die Schaffung von Rahmenbedingungen für die notwendige Strukturentwicklung, um ein differenziertes Hilfespektrum in Berlin zu ermöglichen. Daran arbeitet die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport gemeinsam mit den Bezirken und dem Landesjugendamt u. a. in der Arbeitsgruppe „Bedarfsanalyse und Angebotsplanung".

Die Erfüllung der Berichtspflichten gegenüber dem Abgeordnetenhaus führt naturgemäß dazu, dass einzelne Aspekte der Fachplanung gesondert erarbeitet und veröffentlicht werden.

Erste Ergebnisse der Arbeit mit den Bezirken sind daher bereits in die Berichte

- „Hilfen zur Erziehung: Standort, Probleme und Ziele" vom 11. März 1997 an den Ausschuss für Jugend und Familie sowie

- „Bericht über den Fortschritt der Heimreform" vom 21. Oktober 1997 an den Hauptausschuss eingeflossen.

Der vom Abgeordnetenhaus am 14. Januar 1999 angeforderte

- „Bericht zur Situation des Pflegekinderwesens in Berlin" befindet sich in der Mitzeichnung und wird demnächst vorgelegt.

Im Kontext zur Hilfe zur Erziehung stehen auch die

- „Maßnahmen zur Beschleunigung der Asylverfahren alleinstehender Minderjähriger und deren vormundschaftliche Betreuung in Berlin" (Senatsbeschluss vom 17. Dezember 1996) und darauf folgend der

- „Bericht über die Verbesserung der Situation von alleinstehenden minderjährigen Asylsuchenden" (Drs. 13/2971) sowie der- „Bericht zum Aufbau eines Kinderschutzsystems in Berlin" (Drs. 13/3353) und die

- „Problemskizze der Jugendhilfe zur Straffälligkeit von Kindern und Jugendlichen in Berlin".

Mit den Maßnahmen für Asylsuchende wurde entsprechend dem Auftrag des Abgeordnetenhauses von Berlin dazu beigetragen, dass für diesen Personenkreis die Zeit der Unsicherheit über die Anerkennung des Asylantrages verkürzt und die Minderjährigen schnellstmöglich im gesicherten Aufenthaltsstatus individuell gemäß dem Kinder- und Jugendhilfegesetz gefördert oder in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden konnten. Die gesetzliche Aufgabenstellung zum Schutz vor Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch an Minderjährigen ist eine Kernaufgabe der Jugendhilfe. Schutzfunktionen beinhalten dabei keine isolierten Aufgabenstellungen, sondern sie sind eingebunden in ein umfassendes, auch präventives Hilfespektrum.

In der Beratung durch die Fachgremien befinden sich gegenwärtig die „Empfehlungen zur Leitbild- und Zieldefinition für die Hilfe zur Erziehung", mit denen das komplexe Bedingungsgefüge und die Interdependenzen zwischen den Jugendhilfeleistungen in handlungsorientierte Leitsätze und überprüfbare Zielstellungen gefasst werden.

Entwicklung von Standards und verbindlichen Definitionen

Auf Grund der Berliner Kostensatzrahmenvereinbarung für den Jugendhilfebereich (KSRV) waren Leistungsbeschreibungen

­ als Standardsetzung im paritätisch organisierten Prozess ­ für alle von der KSRV erfassten Leistungsbereiche zu erarbeiten. Mit der Änderung des SGB VIII (Einfügung eines Dritten Abschnittes), „Vereinbarungen über Leistungsangebote, Entgelte und Qualitätsentwicklung" (mit den §§ 78 a bis g) wird diese Arbeit jetzt auch auf eine bundesgesetzlich geregelte Grundlage gestellt.

Eine analoge Anwendung dieser Regelungen für die ambulanten Hilfen zur Erziehung ist beabsichtigt. Es handelt sich hierbei um den für Berlin erstmaligen umfassenden fachlichen Aushandlungsprozess zwischen der Anbieterseite von Leistungen (vertreten durch die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege), den bezirklichen Jugendämtern und der Landesseite mit dem Ziel der Definition und Standardisierung von ambulanten, teilstationären und stationären Leistungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht.

Diese gründliche Definitionsarbeit des „Ausschusses Leistungsbeschreibungen" der Kostensatzkommission ist für sieben Leistungsbereiche bereits abgeschlossen, fünf weitere Leistungsbeschreibungen befinden sich in der Beratung der Gremien. Für die ambulanten Hilfen ist es jetzt gelungen, neben den Leistungsbeschreibungen auch verbindlich ein Kostenermittlungsverfahren und daraus folgende Fachleistungsstundensätze zu vereinbaren. Damit ist auch in Berlin der entscheidende Schritt zur Struktur- und Qualitätsverbesserung und in der Folge zum bedarfsgerechten Ausbau des ambulanten Hilfespektrums in freier Trägerschaft erfolgt.

Nach Beschlussfassung der Kostensatzkommission werden die Leistungsbeschreibungen jeweils im Amtsblatt für Berlin veröffentlicht und der Berliner Kostensatzrahmenvereinbarung als Anlagen beigefügt.

Nach Abschluss eines Rahmenvertrages auf Landesebene (§ 78

f. SGB VIII) werden die Leistungsvereinbarungen nach §§ 78 b und c SGB VIII künftig auf der Basis dieser Leistungsbeschrei bungen für die einzelnen Hilfearten abgeschlossen werden, so dass die darin enthaltenen Definitionen und Standards für alle Beteiligten ­ öffentliche und freie Träger der Jugendhilfe ­ verbindlich werden.

Für die vom Gesetzgeber jetzt ebenfalls geforderten Qualitätsentwicklungsvereinbarungen (§ 78 b Abs. 1 Nr. 3) erarbeitet gegenwärtig ein ­ paritätisch mit freien Trägern und der öffentlichen Seite besetzter ­ Ausschuss der Kostensatzkommission Rahmenvorgaben. Diese Verständigung über Merkmale der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität, ihre Erfassung und Bewertung gehört auch zu dem beschriebenen hochkomplexen Prozess der verbindlichen einheitlichen Definitionsbestimmung.

Insgesamt soll damit u. a. erreicht werden:

- die partnerschaftliche und marktgerechte Vereinbarung von Leistungen und ihren Preisen,

- Möglichkeit für solide Preis-Leistungs-Vergleiche durch die bezirklichen Jugendämter,

- Verdeutlichung von Leistungsäquivalenten in Betreuungsdauer und -intensität,

- Standardsetzung für die Sicherung der Qualität und zur Weiterentwicklung und bedarfsgerechten Flexibilisierung der Hilfen.

Die Bedarfsgerechtigkeit der Angebotspalette in den Hilfen zur Erziehung muss sich dann im Wettbewerb aus der Inanspruchnahme und der Qualitätskontrolle ergeben.

Differenzierung der Hilfelandschaft Parallel zu dieser Entwicklung und durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen fächern sich die Hilfen zur Erziehung immer stärker bedürfnisgerecht aus: Mit der Typisierung von Regelleistungen und ihren Kostenfolgen wird den Jugendämtern die kostenbewusste Auswahl unter den auf den Einzelfall in Art und Dauer passenden Leistungsangeboten ermöglicht.

Mangels rechtlicher Möglichkeiten zur effektiven Angebotssteuerung bei der Fremdunterbringung ist eine gezielte Rückführung stationärer Plätze nicht möglich, d. h. die beabsichtigte Umstrukturierung der Hilfe zur Erziehung kann nicht durch eine bewusste Verknappung von stationären Angeboten ­ wie etwa bei Krankenhausbetten ­ herbeigeführt werden.

Insbesondere in der Heimerziehung steht aber dem durch das Jugendaufbauwerk Berlin vorgenommenen Abbau traditioneller Heimplätze eine sich ausdifferenzierende Palette von Plätzen und Einrichtungen, von zunehmend nach Betreuungsform, -intensität und -dauer unterscheidbaren Leistungsangeboten ­ wie z. B. Erziehungswohngruppen und Erziehungsstellen als kleinräumige familienähnliche Hilfestrukturen ­ gegenüber. Der individuellen Indikation im Rahmen des Hilfeplanverfahrens durch die Bezirke sind dadurch mehr Möglichkeiten eröffnet.

Diesen Prozess gilt es durch die weitere Qualifizierung des Hilfeplanverfahrens fortzusetzen. In den Bezirken werden im Rahmen der Verwaltungsreform schrittweise die Voraussetzungen für die fachliche Steuerung, das Finanzcontrolling und die Qualitäts- und Wirksamkeitskontrollen auch für die Hilfe zur Erziehung geschaffen.

Verbesserung der Kostentransparenz und des Datenmaterials

Mit der Neuordnung der Titelstruktur der bezirklichen Haushalte ab dem Haushaltsjahr 1999 für die Hilfe zur Erziehung geht die Erwartung einher, dass damit noch vor den Ergebnissen der Kosten- und Leistungsrechnung sowohl in den Bezirken als auch gesamtstädtisch und für einen intrakommunalen Vergleich eine klare Zuordnung der geplanten und tatsächlichen Ausgaben zu den einzelnen Leistungsarten und Hilfeformen ermöglicht wird.

Die intensive Beteiligung Berlins an den Vorarbeiten zu einem interkommunalen Kennzahlenvergleich mit anderen deutschen Städten hat zur Schwachstellenanalyse der Datenerfassung beigetragen:

- So werden im Rahmen der Bundesjugendhilfestatistik bis heute die ambulanten psychotherapeutischen Leistungen nicht erfasst,

- in Berlin fehlt bisher die konkrete Korrelationsmöglichkeit der Ausgaben zu den Fallzahlen der Bezirke für alle Hilfen zur Erziehung.

Entwicklung der gesamtstädtischen fachübergreifenden Planung

Neben den Querschnittsaufgaben im Rahmen der Gesamtjugendhilfeplanung, die Beispiele für fachübergreifende Planung sind, wurden in den Fachbeiträgen zu den leistungsbereichsbezogenen Schwerpunktsetzungen ebenfalls fachübergreifende Planungsansätze deutlich.

Zum einen geht es wesentlich darum, Rahmenbedingungen und Strukturen im Rahmen der gesamtstädtischen Steuerungsaufgaben zu schaffen, die dazu beitragen sollen, Jugendhilfe noch effizienter und zielgerichteter zu machen. Dazu gehören Kostensatzrahmenvereinbarungen, rechtliche Regelungen, die Entwicklung von Standards, aber auch die Mitarbeit an der Entwicklung von Informationssystemen, die Vereinbarungen mit den Trägern der freien Jugendhilfe etc.

Andererseits geht es um Ansätze zur Intensivierung der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule, zur Prävention, um sozialorientierte Stadtentwicklung sowie zielgruppenspezifische Konzeptionen, die miteinander in Wechselbeziehung stehen. Diese sollen im folgenden dargestellt werden.

Ausbau und Intensivierung der Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule

Das Verhältnis zwischen Jugendhilfe und Schule ist in der Praxis schon seit langem von einer Vielzahl von informellen Kooperationsbeziehungen geprägt, die sich im wesentlichen auf den außerunterrichtlichen Bereich beziehen. Auch in formeller Hinsicht existiert eine Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule; dies allerdings vor allem in bezug auf die Abstimmung in Einzelfällen, wie z. B. bei der Hilfeplanerstellung nach § 36 SGB VIII.

Für die Jugendhilfe ergibt sich unmittelbar eine besondere Verpflichtung nach § 81 SGB VIII Satz 1, wonach die Träger der öffentlichen Jugendhilfe mit Schulen und Stellen der Schulverwaltung im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse zusammenzuarbeiten haben. Im weiteren sind junge Menschen, die in besonderer Weise benachteiligt sind, nach § 13 Abs. 2 durch die Jugendhilfe auch in Hinblick auf ihre schulische Entwicklung zu fördern. Eine entsprechende „ganzheitliche" Förderung ist auch in § 1 des Berliner Schulgesetzes gefordert.

Um die spezifisch erzieherisch-pädagogischen mit den bildungspädagogischen Ansprüchen zu verbinden, insbesondere da, wo ein besonderer Förderungsbedarf von jungen Menschen besteht, kann auch die Jugendhilfe (z. B. bereits in der Kita oder beim Übergang Schule/Beruf) schulische Bildungsaspekte bereits im Vorfeld des Unterrichts verstärken. Die Schule kann andererseits der Jugendhilfe in weitaus größerem Maße als bisher ihre inventarmäßigen, personellen und räumlichen Ressourcen zugänglich machen.

Zwischen Schulen, Fördervereinen und Trägern der Jugendhilfe sind bereits in vielen Bereichen Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen worden, die unter anderem auch finanzielle Ressourcen bündeln.

Beispielhaft sollen die folgenden genannt werden:

- Schülerclubs/Schülerwerkstätten,

- Internationale Jugendarbeit für Schülergruppen

- Schulstationen,

- Projekte der aufsuchendenden Jugendsozialarbeit zur Gewalt- und Suchtprävention,

- Vernetzung zwischen schulischen Bildungsgängen und den im Geltungsbereich arbeitsmarktlicher und sozialhilferechtlicher Maßnahmen möglichen Förderwegen,

- Kontakte der Schulen zu den beratenden Instanzen der Jugendhilfe (z. B. Erziehungs- und Familienberatung, Allgemeiner Sozialpädagogischer Dienst),