Aufenthaltsstatus traumatisierter Flüchtlinge

Der Senat wird aufgefordert, der prekären gesundheitlichen Situation nachweislich traumatisierter Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten Rechnung zu tragen und ihnen aus dringenden humanitären Gründen einen dauerhaften, zumindest aber langfristigen Aufenthaltsstatus zu gewähren.

Begründung:

In Berlin leben zum großen Teil schon seit Anfang der neunziger Jahre Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten des ehemaligen Jugoslawien. Darunter befinden sich nach aktuellen Erhebungen ca. 800 nachweislich traumatisierte Menschen, denen seit Jahren ebenso wie ihren Landsleuten die Abschiebung droht. Die mit dem Status „Duldung", d. h. zur Zeit nicht durchsetzbare Abschiebung und der jederzeit vorhandenen und praktizierten Möglichkeit des Widerrufs der Duldung verbundene unsichere Situation wirkt sich sichtbar negativ auf den Gesundheitszustand der betroffenen Menschen und auf den Genesungsprozess aus, der in der Regel einen langen Zeitraum in Anspruch nimmt. Traumatisierte Menschen benötigen vor allem Sicherheit in den Lebensumständen, für die ein gesicherter Aufenthalt ohne drohende Abschiebung die Grundlage ist. Die Möglichkeit einer Behandlung im Herkunftsland stellt noch keine hinreichende Bedingung für eine Rückkehr in das Herkunftsland dar, zumal in Bosnien-Herzegowina eine bezahlbare Behandlung für Rückkehrer kaum möglich sein dürfte. Die psychischen Erkrankungen sind mit nicht verarbeiteten Erlebnissen in den Herkunftsländern verbunden. Eine zwangsweise Rückkehr wird in der Regel zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes bzw. zu einer Retraumatisierung führen. Die betroffenen Flüchtlinge und ihre Familienangehörigen sind durch den langen Aufenthalt in Berlin in der Lage, sich schnell in ihr soziales Umfeld zu integrieren bzw. haben einen solchen Prozess bereits durchlaufen.