Nikolai Bersarin bekam 1975 vom OstBerliner Magistrat die Ehrenbürgerwürde posthum zugesprochen

Antrag über Berliner Ehrenbürgerwürde für Nikolai Bersarin

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Das Abgeordnetenhaus fordert den Senat auf, den ersten Stadtkommandanten für Gesamt-Berlin, Nikolai Bersarin, wieder in die Liste der Berliner Ehrenbürger aufzunehmen.

Begründung.

Nikolai Bersarin bekam 1975 vom Ost-Berliner Magistrat die Ehrenbürgerwürde posthum zugesprochen. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Stadtkommandant von GesamtBerlin, in dessen Eigenschaft er sich für die Belange der Berliner Bevölkerung vorbildlich einsetzte. Er gab Anweisungen, die den Menschen das Überleben in der zerstörten Metropole sichern sollten. Er fand trotz des zu bewältigenden Chaos noch Zeit, sich um Kunst, Kultur und freie Religionsausübung zu kümmern. So bereitete er z. B. die Wiedereröffnung des Deutschen Theaters im September 1945 ebenso vor, wie die Neu-Gründung der Jüdischen Gemeinde im Juli 1945.

Der CDU-Politiker Ernst Lemmer beschrieb 1968 Bersarins Arbeit in seinem Buch „Manches war doch anders ­ Erinnerungen eines deutschen Demokraten" folgendermaßen: „Bersarin nahm seine Aufgabe so ernst und hielt sie für so selbstverständlich, als hätte er sie in seinem eigenen Land durchzuführen".

Nach der Wende wurde Nikolai Bersarin von der gemeinsamen Ehrenbürgerliste gestrichen, weil ihm ­ irrtümlicherweise ­ unterstellt worden war, in der Nacht des 14. Juni 1940 als Militärbefehlshaber im Baltikum für die Deportation von 47 000 Menschen verantwortlich gewesen zu sein. Historiker-Recherchen haben aber ergeben, dass Bersarin erst mit Befehl vom 26. Mai 1941 aus Sibirien nach Lettland versetzt wurde.

Die Wiederaufnahme von Nikolai Bersarin in die Liste der Ehrenbürger von Berlin würde den Fehler von 1992 korrigieren und wäre ein Akt der Wiedergutmachung an Volk und Familie des ersten Stadtkommandanten von Gesamt-Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg.