Tageseinrichtungen

Antrag über Kinder brauchen Kinder ­ I: Kitabesuch fördern ­ offensiv werben

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Der Senat wird aufgefordert, in enger Zusammenarbeit mit den Bezirken die Information der Eltern und die Werbung für den Besuch einer Tageseinrichtung für Kinder durch folgende Maßnahmen zu verbessern.

1. Es werden regelmäßig vor Beginn der Anmelde- bzw. Antragsfristen Werbekampagnen zum frühzeitigen Besuch einer Kindertagesstätte insbesondere für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache und mit Sprachschwierigkeiten sowie für Kinder aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen und Wohngebieten mit sozial benachteiligenden Bedingungen durchgeführt. Hierzu wird unter Beteiligung von Fachleuten aus der Praxis ein Faltblatt mit den wesentlichen Informationen über die verschiedenen Angebote der Tageseinrichtungen erstellt und auch in den Sprachen der größeren in Berlin lebenden Migrant/innengruppen veröffentlicht.

2. Die vergriffene Broschüre „Information für Eltern über die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege in Berlin" der Senatsjugendverwaltung wird nutzerfreundlich unter Beteiligung von Fachleuten aus der Praxis überarbeitet und auch in den Sprachen der größeren in Berlin lebenden Migrant/innengruppen veröffentlicht. In dieser Informationsschrift soll auch deutlich auf „sonstige Gründe", die einen ganztägigen Besuch der Kita rechtfertigen oder gar nahelegen (z. B. beengte Wohnverhältnisse, fehlende Spielmöglichkeiten in der Wohnumgebung) und die Möglichkeit der Härtefallregelung bei der Kitakostenbeteiligung hingewiesen werden.

3. Die Informationen über die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege werden in allen Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, den Bürgerämtern und den Sozialämtern gut sichtbar ausgelegt. Mitarbeiter/innen dieser Einrichtungen werden aufgefordert, insbesondere die Eltern, bei denen soziale oder familiäre Schwierigkeiten erkennbar sind, auf die präventive und familienunterstützende Wirkung der Förderung der Kinder in den Kitas hinzuweisen.

4. Den Eltern wird von den Bezirken eine Liste der im Bezirk bestehenden Angebote aller Träger zur Verfügung gestellt.

Das im Internet bereitstehende Kindertagesstättenverzeichnis ist nutzerfreundlicher zu gestalten, insbesondere sollen auch „Alle Träger" aufgerufen werden können und die Suche nach wohnortnahen Einrichtungen z. B. durch Abfrage nach Postleitzahlen erleichtert werden.

Begründung: Tageseinrichtungen sollen die Erziehung des Kindes in der Familie unterstützen und ergänzen. Neben der Sicherstellung der Betreuung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben sie einen eigenständigen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Der frühkindlichen Förderung und vorschulischen Erziehung und Bildung kommt unter den sich verändernden Lebensbedingungen der Kinder (Wandel der familiären Strukturen, das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, höhere Ansprüche an Bildung und Qualifikation, fehlende Gestaltungs- und Bewegungsräume u. a.) eine wachsende Bedeutung zu. Dementsprechend sollte der frühzeitige Besuch einer Kindertagesstätte aller Kinder gefördert werden. Insbesondere für Kinder, die auf Grund ihres sozialen Umfeldes oder ihrer Herkunft benachteiligt sind, sind Kitas eine wichtige familienergänzende Bildungs- und Sozialisationsinstanz. Folgerichtig hat der Senat in seinem Aktionsprogramm „Urbane Integration" als Maßnahme gegen den hohen Anteil von Schülern nicht-deutscher Herkunft und mit Sprachschwierigkeiten u.a. eine „verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für den frühzeitigen Besuch von Kindergärten (ab 3 bzw. 2 Jahren)" genannt.

Von dieser angekündigten verstärkten Öffentlichkeitsarbeit ist bisher nichts zu bemerken. Für Eltern ist es nach wie vor schwer, hinreichende und verständliche Informationen über die Angebote an Tageseinrichtungen sowie ihre Rechte und Ansprüche zu erhalten. Mit dem praktizierten Anmelde- und dem geplanten Antragsverfahren wird der Zugang zu Kindertagesstätten eher erschwert als erleichtert. Die Broschüre der Senatsjugendverwaltung „Information für Eltern über die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege in Berlin" ist vergriffen und lediglich im Internet zu bekommen. Über dieses Informationsmedium verfügen aber gerade sozial benachteiligte Familien in der Regel nicht. Die Broschüre ist zudem nicht nur für Menschen mit unzulänglichen deutschen Sprachkenntnissen schwer verständlich.

Wenn insbesondere sozial benachteiligte Kinder und Kinder nicht- deutscher Herkunftssprache und mit Sprachschwierigkeiten frühzeitig in den Kindertagesstätten gefördert werden sollen, müssen die Informationen zum Besuch der Kitas leicht verständlich und mehrsprachig angeboten und in den von Eltern besuchten Einrichtungen ausgelegt werden. Für die breite Information sollte ein Faltblatt mit den wichtigsten Angaben erstellt und verteilt werden.

Zur Information der Eltern gehört auch, dass ihnen zumindest eine Liste aller im Bezirk bestehenden Angebote (Auszug aus dem Kindertagesstättenverzeichnis) an die Hand gegeben wird, dies ist nicht in allen Berliner Bezirken Praxis. Das im Internet bei der Senatsjugendverwaltung abrufbare Verzeichnis der Kindertagesstätten ist nach Trägern sortiert und setzt somit im Prinzip voraus, dass die Eltern bereits eine Vorentscheidung nach Trägern getroffen haben; ein Abrufen der Träger aller Einrichtungen im Bezirk und nach dem Prinzip „Wohnortnähe" z. B. anhand der Postleitzahlen ist nicht möglich.