Ausbau der Informatikausbildung an den Berliner Hochschulen

Der Senat von Berlin wird aufgefordert, in Absprache mit den drei Universitäten, der Hochschule der Künste, den technischen Fachhochschulen und den entsprechenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie im Dialog mit der Berliner luKWirtschaft ein Konzept zum Ausbau der Informatikausbildung an den Berliner Hochschulen zu erarbeiten. Dieses Konzept soll folgende Aspekte beinhalten:

a) die Beteiligung der entsprechenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen an den Lehraufgaben in der Informatik sowie bei der Betreuung von Promotionsvorhaben, insbesondere von ausschließlich durch das Land Berlin finanzierten Forschungseinrichtungen, wie dem Konrad-Zuse-Zentrum;

b) die verstärkte Zusammenarbeit aller drei Universitäten mit Forschungs- und Entwicklungsgruppen der Wirtschaft sowie Unternehmen der luK-Branche. Ergebnis dieser Kooperation soll die Übernahme von Lehraufträgen, die Einrichtung von Stiftungsprofessuren bzw. eines neuen Typus des „Stiftungsassistenten" sowie die Unterstützung von Promotionsvorhaben sein;

c) die Übernahme von informatikgeprägten Lehr- und Forschungsaufgaben benachbarter Fachbereiche durch die jeweilige Organisationseinheit Informatik mit dem Effekt der Ausweitung der Lehrkapazität in der Informatik und der Intensivierung der fachlichen Vernetzung der Informatik mit den ihre Ergebnisse anwendenden Fachbereichen;

d) die Herausbildung einer engen arbeitsteiligen Kooperation zwischen den Organisationseinheiten für Informatik an den drei Universitäten. Möglichkeiten bestehen insbesondere im Angebot von Vertiefungsfächern im Hauptstudium, bei der Postgraduiertenförderung und in der Forschung. Damit ist auch verbunden die Prüfung von Möglichkeiten der Verlagerung von Professuren entsprechend den „Empfehlungen zur Struktur der Naturwissenschaften an den Berliner Universitäten".

e) Unterstützung der Technischen Fachhochschule Berlin bei der Implementierung der von ihr und der D 21-Initiative der Deutschen Wirtschaft initiierten „100 « 100-Initiative" zur postgradualen Ausbildung von Ingenieuren in der IT-Branche durch die Informatiken an den Universitäten, die Berliner Wirtschaft und den Senat;

f) konkrete Vereinbarungen zwischen Senat und Berliner Wirtschaft über eine Erhöhung der Ausbildungsplatzzahlen in den Berlin luK-Unternehmen.

Dem Abgeordnetenhaus ist zum 5. September 2000 zu berichten.

Der Senat wird darüber hinaus aufgefordert, die Attraktivität von Lehraufträgen in der Informatik mittels einer Überarbeitung der „Richtlinie über die Höhe der Lehrentgelte an Hochschulen", die allen Lehrbeauftragten zu Gute kommt, zu verbessern. Diese Überarbeitung soll folgende Aspekte berücksichtigen:

a) Berücksichtigung der Entwicklung der Besoldung und der Vergütung im öffentlichen Dienst bei der Anpassung der Stundenlöhne entsprechend der Regelungen im § 120 Abs. 4 Berliner Hochschulgesetz;

b) Berücksichtigung der Vor- und Nachbereitungszeiten für Lehraufträge bei der Bezahlung der Lehrbeauftragten;

c) Prüfung einer Beteiligung der Hochschulen an den Kosten der Sozialversicherung für die Lehrbeauftragten;

d) Eröffnung der Möglichkeit einer zweisemestrigen Lehrbeauftragung.

Dem Abgeordnetenhaus ist zum 5. September 2000 zu berichten.

Begründung:

Die Einführung des Numerus Clausus an den Berliner Hochschulen verdeutlicht das Dilemma angebotsorientierter staatlicher Planung in der Hochschulpolitik. Obwohl das Bundesverfassungsgericht den Numerus Clausus als „am Rande des verfassungsrechtlich Hinnehmbaren" definiert, weil er den vom Staat zu gewährleistenden freien Zugang zu den Bildungseinrichtungen einschränkt, hat sich der NC als unhinterfragtes Instrument der ex-post-Steuerung des „Schweinezyklus" in der Studiennachfrage etabliert.

Der NC ist jedoch entsprechend der einschlägigen Verfassungsgerichtsentscheidungen nur eine „Krücke". Der Staat darf den NC nicht einsetzen, um faktisch „berufslenkend" tätig zu werden, sondern muss sich bei der Bereitstellung von Studienplätzen an erkennbaren Tendenzen der Nachfrage nach Studienplätzen orientieren.

Eine Konzeption zum Ausbau der Informatikausbildung an den Hochschulen muss demnach dreierlei gewährleisten:

1. Sie muss nachfrageorientiert auf die steigende und in den 1997 erschienenen „Empfehlungen zur Struktur der Naturwissenschaften an den Berliner Universitäten" sowie der „Stellungnahme zum Aufbau von Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten der Universität Potsdam am Standort Golm sowie der Humboldt-Universität Berlin am Standort Adlershof" bereits zahlenmäßig prognostizierte Studiennachfrage in der Informatik reagieren.

2. Sie muss berücksichtigen, dass trotz der absehbaren positiven Entwicklung des IuK-Sektors, aufgrund der Einführung der vermeintlichen „Green Card", erhöhter Ausbildungszahlen in der Wirtschaft und der steigenden Abschlussquote, mittelfristig mit einer Erschöpfung der Arbeitsplatznachfrage durch die Unternehmen zu rechnen ist. Deshalb sind neben der Sicherung des grundständigen Bedarfs, befristete Stellen durch die Berliner Wirtschaft zu finanzieren bzw. ist die Attraktivität von befristeten Lehraufträgen durch Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Lehrbeauftragte zu erhöhen.

3. Die Berliner Wirtschaft ist zum Ausbau der Informatikausbildung heranzuziehen, denn sie hat in den vergangenen Jahren versäumt, aus eigener Kraft die Ausbildungsquote zu erhöhen. So wurde der überwiegende Teil des Potentials der Neueinstellungen im IuK-Sektor durch Qualifizierungsmaßnahmen der Bundesanstalt für Arbeit staatlich finanziert realisiert.

Nicht zweckmäßig erscheinen die Vorschläge der Industrieund Handelskammer zur Heranziehung des Zukunftsfonds zum Ausbau der Berliner Informatikausbildung. Diese Überlegung reiht sich ein in die Tendenz, den Zukunftsfonds immer wieder neu zu verplanen, ohne ihm ein Konzept zu geben. Zudem würde auf diesem Weg wiederum allein der Staat zur Finanzierung von Aufgaben herangezogen, deren Erfüllung in der Beruflichen Ausbildung durch Staat und Wirtschaft gleichberechtigt im Rahmen des dualen Systems der Berufsausbildung zu tragen sind.