Berliner Ehrenbürgerwürde für Nikolai Bersarin

Die Begründung wird wie folgt abgeändert: „Generaloberst Bersarin war erster sowjetischer Stadtkommandant in Berlin. 1975 wurde ihm posthum vom Ost-Berliner Magistrat die Ehrenbürgerschaft verliehen. 1992 entschied der Senat von Berlin, Bersarin nicht in die Ehrenbürgerliste der geeinten Stadt zu übernehmen. Sein Wirken entspreche nicht den Richtlinien für eine Verleihung der Ehrenbürgerschaft.

Inzwischen ist diese Einschätzung durch die jüngsten historischen Publikationen zweifelsfrei widerlegt. Bersarins Wirken ging weit über die Pflichten eines kommunistischen Stadtkommandanten hinaus. Er zeichnete sich durch Humanismus und weltanschaulich-politische Toleranz aus und war geprägt von einem hohen persönlichen Engagement für das geistige und kulturelle Leben der Stadt. Der CDU-Politiker und Bundesminister Ernst Lemmer formulierte rückblickend: Generaloberst Bersarin schien nichts wichtiger zu sein, als Berlin wieder lebensfähig zu machen. (...) Er nahm seine Aufgabe so ernst und hielt sie für so selbstverständlich, als hätte er sie in seinem eigenen Land durchzuführen. Als Stadtkommandant, der offensichtlich auch für den kleinen Mann ansprechbar war, erlangte er Popularität. (Peter Jahn, Direktor des Museums Berlin-Karlshorst) Bemerkenswert war sein Einsatz für die Wiedereröffnung der kulturellen Einrichtungen (darunter die Philharmonie) und für die Einführung des Religionsunterrichts an Berliner Schulen.

Seiner Tolerenz und seinem Engagement für Berlin entsprach es, dass er unbelastete, konservativ eingestellte Persönlichkeiten in die Aktivitäten für das Wohl der Stadt mit einbezog.

Der evangelische Bischof Dibelius und der Probst H. Grüber entwarfen von dem aufrechten Kommunisten Bersarin ein Bild des Weißen Raben. Nicht zufällig ist von Zeitzeugen immer wieder der Verdacht geäußert worden, dass der tödliche Unfall Bersarins 1945 auf Befehl Stalins arrangiert worden sei, weil sein Umgang mit besiegten Deutschen sich zu weit von den stalinistischen Vorgaben entfernt hatte. (P. Jahn Ein anderes Leben, Katalog zur Ausstellung über Bersarin im Museum Berlin-Karlshorst, 1999)."