Fortführung des Projektes „IdA-Controlling" und Übertragung auf weitere Themenfelder

Die Senatsverwaltung für Finanzen legt nachstehende Mitteilung dem Abgeordnetenhaus zur Besprechung vor:

Das Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung am 18. Mai 2000

Folgendes beschlossen: „Der Senat wird aufgefordert, dem Abgeordnetenhaus bis zum 1. Juli 2000 über seine Planungen zur Fortführung und Ausdehnung des Projektes IdA-Controlling auf weitere Themenfelder zu berichten."

Hierzu wird berichtet:

1. Kurzbeschreibung und derzeitiger Sachstand des Pilotprojektes:

Am 7. September 1998 beschloss das Lenkungsgremium zur Verwaltungsreform, die grundsätzlichen Aussagen des Abschlussberichtes der Firma hauser, furch und partner ­ hfp ­ zum Querschnittscontrolling vom Oktober 1998 anhand des Förderprogramms „Integration durch Arbeit ­ IdA" pilothaft zu erproben. Beteiligte des Projektes waren die Senatsverwaltung für Arbeit, berufliche Bildung und Frauen und die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales ­ jetzt integriert als Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen ­ sowie die Bezirksämter Neukölln und Köpenick unter Einbeziehung des Arbeitsamtes Süd. Dabei erfolgte die externe Betreuung durch die Firma hfp.

Anhand des Programms zur Integration arbeitsloser Sozialhilfeempfänger in Arbeit sollte an einem konkreten Beispiel die Steuerungsmöglichkeit staatlichen Handelns mit Hilfe eines umfassenden Informationssystems erprobt werden. Die Entscheidung, das Sozial- und Arbeitsmarktprojekt „IdA" auszuwählen, fiel vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass auf diesem Gebiet komplexe Leistungsbeziehungen zwischen den verschiedenen Verwaltungen und Institutionen existieren und in einem nicht geringen Umfang Transfermittel fließen ­ ein Bereich, der sich für die Erprobung eines Modells zum Querschnittscontrolling anbietet, um fachliche und fiskalische Informationsanforderungen in inhaltlichem Zusammenhang abzudecken.

Ziel war es, fachliche Daten aus diesem Bereich mit Informationen über die Höhe und Verausgabung von Transferzahlungen sowie mit Daten aus der Kosten- und Leistungsrechnung, die Auskunft über den Verwaltungsaufwand zur Herstellung fachspezifischer Produkte und Dienstleistungen geben, sinnvoll zu verknüpfen. Das Ergebnis sollte sich in einem integrierten Berichtswesen zum Querschnittscontrolling widerspiegeln. Dies soll hinsichtlich strategischer als auch operativer Zielstellungen aussagekräftige Informationen und Aussagen anbieten, die, nachdem sie in entsprechender Weise ausgewertet und die gemachten Erfahrungen in der Praxis realisiert worden sind, letztendlich zu einer Erhöhung der Effektivität und Effizienz des Verwaltungshandelns führen können.

Beginn des Pilotprojekts war im Januar 1999. Auf der von der Firma hfp entwickelten konzeptionellen Grundlage wurde ein wirkungsorientiertes Zielsystem ausgehend vom Steuerungsinteresse im Politikfeld Sozialhilfe und Arbeitslosigkeit entwickelt und darauf aufbauend eine eigene Produktsystematik geschaffen. Nach intensiven Vorbereitungen wurden in den beiden Pilotbezirken die relevanten Daten der einzelnen für das Pilotprojekt ausgewählten Sozialhilfeempfänger begleitend bzw. auch nachträglich über einen vorbestimmten Zeitraum datentechnisch erfasst. Im Anschluss daran erfolgte die Auswertung der Daten durch die Firma hfp. Dabei war die entscheidende Neuerung die Verknüpfung betriebswirtschaftlicher Ergebnisse mit speziellen Fachinformationen.

Die unmittelbaren Projektverantwortlichen sehen folgende Ergebnisse des Pilotprojekts:

- Mit dem ziel-/wirkungsorientierten, konzeptionellen Ansatz besteht eine gute Handhabung, den Produktkatalog Richtung Steuerungsrelevanz zu strukturieren.

- Mit den gewonnenen Daten verbessert sich die fachliche Steuerungsmöglichkeit deutlich. So sind z. B. Aussagen über die Erfolge der einzelnen Programmteile möglich.

- Es besteht die Möglichkeit, Qualitätsanforderungen, fachliche Anforderungen und den Finanzbedarf in einem Berichtssystem zu verknüpfen.

- Die konzeptionelle Einbeziehung der Transfers ist möglich und notwendig.

- Ein neues Steuerungssystem in der Verwaltung erfordert die Verknüpfung von Finanz- und Fachdaten.

2. Beschlusslage im Lenkungsgremium zur Verwaltungsreform und der Landeskommission für die Gesamtsteuerung der Verwaltungsmodernisierung Anlässlich der Sitzung des Lenkungsgremiums am 6. März diesen Jahres wurden die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt aus Sicht der federführenden Senatsverwaltung Arbeit, Soziales und Frauen sowie der Firma hfp vorgestellt und auf Grundlage dieser Ausführungen wurde folgender Beschluss gefasst:

- Der Ansatz eines wirkungsorientierten Controllings wird wie folgt ausgeweitet:

- Die Steuerungsdienste der Senats- und Bezirksverwaltungen werden von dem Senatsbeauftragten noch im März zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung eingeladen, in der die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen zusammen mit der das Pilotprojekt begleitenden Beraterfirma den konzeptionellen Ansatz des Pilotprojektes und dessen Schlussfolgerungen erläutert.

- Die Steuerungsdienste benennen sodann in Abstimmung mit ihren Hausleitungen ausgewählte Themenfelder, die als geeignet für eine Übertragbarkeit erscheinen und möglichst Transferbezug haben. Hierbei sind die bereits der Geschäftsstelle des Lenkungsgremiums vorliegenden Vorschläge auf der Grundlage des Abschlussberichts zu überprüfen und gegebenenfalls zu erneuern. Aus diesen Vorschlägen wählt die Landeskommission etwa 4 bis 5 aus, die dann von den fachlich zuständigen Verwaltungen in konkrete Projektskizzen zu überführen sind.

- Dezentral kann ­ sofern einzelne Senatsverwaltungen das wünschen ­ in anderen Politikfeldern eine ziel-/wirkungsorientierte Überarbeitung des Produktkatalogs von ihnen vorgenommen werden.

- Die mit dem Pilotprojekt erprobten Verfahren sollten in den Bezirken Neukölln und Köpenick fortgesetzt und optimiert werden.

- Die betriebswirtschaftlichen Elemente der Verwaltungsreform, wie insbesondere

- das Verfahren der Kosten- und Leistungsrechnung einschließlich seiner informationstechnischen Konzeption und Realisierung,

- der Produkt- bzw. Kostenträgerkatalog der Haupt- und Bezirksverwaltungen,

- die bisherigen Budgetierungsvorstellungen werden auf der Grundlage der Ergebnisse des Pilotprojekts IdA weiterentwickelt. Es ist auch zu prüfen, ob der bestehende bezirkliche Produktkatalog im Rahmen eines Produktänderungsverfahrens zunächst um Zielebenen ergänzt werden kann. Hiervon wird der beabsichtigte Einstieg in die Budgetierung bei den Bezirken im Jahr 2001 nicht behindert.

Die Landeskommission koordiniert und steuert die notwendigen Anpassungs- und Entwicklungsvorhaben.

3. Fortsetzung des Pilotprojektes in den Bezirken Neukölln und Köpenick

Die beteiligten Bezirke Neukölln und Köpenick haben nach Beendigung der Pilotphase1) des Projektes zum Querschnittscontrolling deutlich ihr Interesse bekundet, im hier aufgezeigten Weg fortzufahren, obgleich sich die Situation der beiden Bezirke in den Sozialämtern unterschiedlich darstellt. So wird in Köpenick von den beteiligten Mitarbeiter(inne)n das Pilotverfahren als zusätzliche Belastung empfunden. Eine wichtige Rolle spielt die Tatsache, dass die angewandten IT-Verfahren ­ ProduktbudgetNavigator (PBN) mit seinen verschiedenen Modulen u. a. der Einzelobjekterfassung (EOE) zum Teil überarbeitet werden müssen und mit den vorhandenen Fachverfahren (z. B. PROSOZ/ HzA) noch abzugleichen sind, was zu Doppelerfassungen führt.

Hinzu kommt die Mehrbelastung durch die bevorstehende Fusion mit Treptow. Anders in Neukölln ­ hier stehen die Mitarbeiter(innen) einer Fortsetzung des Pilotprojekts auch mit der dortigen Software positiver gegenüber. Ausschlaggebend für das positive Votum beider Bezirke ist schließlich die folgende Einschätzung:

- Grundsätzlich sehen die Bezirke eine Effizienz- und Effektivitätssteigerung durch das wirkungsorientierte Controlling am Beispiel „IdA".

- Dafür wird auch in Zukunft eine Software benötigt, die den Arbeitsprozess begleitet, unterstützt und dokumentiert.

- Eine entsprechend sorgfältige und zielorientierte Vorgehensweise, die die Erfolge der Beratung und Unterstützung für ein Controlling dokumentiert und auswertet, kann den konkreten regionalen und strukturellen Anforderungen bei der Finanzmittelzuweisung am ehesten gerecht werden.

- Ein stärker auf die Wirkung von Verwaltungshandeln orientiertes Verständnis von Verwaltungsreform hat die Bezirke überzeugt. Die politische Steuerungsmöglichkeit wird damit deutlich erhöht, nur so können auch die Transfers einer fachlich begründeten Steuerung unterzogen werden.

- Mit Hilfe des konzeptionellen Ansatzes und einer geeigneten Software lässt sich die Sozialhilfeeinsparung konkret nachweisen, was zur gleichzeitigen Verstärkung der Personalressourcen für das Fallmanagement auch notwendig ist.

Aus Sicht der zuständigen Vertreterinnen und Vertreter der Pilotbezirke ist für die Fortsetzung des Projektes eine „Anschubfinanzierung" für zusätzliches Personal (aufwendigere Beratung und anfangs aufwendigere Datenerfassung) erforderlich. Angestrebt wird eine Lösung auf Grundlage des § 20 LHO, wie sie vom Rat der Bürgermeister in der Sitzung vom März diesen Jahres aufgezeigt wurde2). Damit soll den Bezirken ermöglicht werden,

1) Der Abschlußbericht des Pilotprojektes zum Querschnittscontrolling ist unter folgender Intranetadresse abrufbar: http://proinfo.senarbfrau.verwalt-berlin.de/ vr-bwl/querschn.htm

2) Entsprechend des RdB-Beschlusses, der in enger Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Finanzen erfolgte, können zukünftig Transfermittel zur Verbesserung der Personalausstattung in den Sozialämtern Personalmittel für Beschäftigungspositionen für die Dauer von max. fünf Jahren finanziert werden. Es müssen jedoch eindeutige Einspareffekte erzielt und nachgewiesen werden. zusätzliches Personal in den Sozialämtern einsetzen zu können.

Vom Reformbereich der Senatsverwaltung für Finanzen wurde zu diesem Zweck ein Kalkulationsschema entwickelt, um einen Rahmen vorzugeben, der den unterschiedlichen bezirklichen Herangehensweisen gerecht wird. Nach ressortinterner Abstimmung wird dieses Schema einschließlich einer Erläuterung des gesamten Verfahrens den Bezirken unverzüglich zur Anwendung übergeben. Der Antrag des Bezirksamtes Neukölln auf Finanzierung zusätzlicher Personalmittel aus dem Z-Teil wird im Rahmen einer Gesamtlösung dieses Problems für alle Bezirke einer Entscheidung zugeführt werden.

Eine dezidierte Projektplanung für die Fortsetzung des IdAVerfahrens in den Pilotbezirken wird durch die das Projekt derzeit begleitende Beraterfirma durchgeführt

4. Ausdehnung des Ansatzes eines ziel- und wirkungsorientierten Controlling auf weitere Themenfelder

Nach Auffassung des Senatsbeauftragten für Verwaltungsmodernisierung hat das Lenkungsgremium mit seinem Beschluss vom 6. März 2000 den Willen zum Ausdruck gebracht, dass in ausgewählten steuerungsrelevanten Themenfeldern schrittweise die Voraussetzungen für die Einführung wirkungsorientierter Controlling-Verfahren geschaffen werden müssen. Damit hat das Lenkungsgremium eine konzeptionelle Weiterentwicklung der betriebswirtschaftlichen Reforminstrumente festgelegt. Diese Zielsetzung findet sich auch in der Koalitionsvereinbarung wieder.

Aufgrund der vielfältig geäußerten Informationsbedürfnisse bezüglich des wirkungsorientierten „IdA-Controlling"-Ansatzes der Firma hfp erfolgten im März/April diesen Jahres Workshops mit Vertreter(inne)n der Steuerungsdienste der Berliner Verwaltung. Hier wurde neben der Vermittlung konzeptioneller/inhaltlicher Grundlagen und der Erörterung spezieller Einzelfragen erneut das Thema der Übertragung dieses Controllingansatzes auf weitere Felder behandelt.

Den Beschlüssen des Lenkungsgremiums vom 2. Juni 1999 und

6. März 2000 entsprechend haben die Senatsverwaltungen bisher Vorschläge mit folgenden Erläuterungen für die Übertragung unterbreitet:

a) Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport

­ Jugendberufshilfe

Gemäß § 13 SGB VIII (KJHG) sind im Rahmen der Jugendberufshilfe benachteiligte Jugendliche in die Gesellschaft zu integrieren; in diesem Pilotprojekt sollen die Jugendlichen durch zusätzliche Jugendhilfemittel am ersten Arbeitsmarkt orientiert werden. Ein weiteres Ziel ist die Differenzierung der Berufsausbildungsangebote entsprechend der Fähigkeiten des Jugendlichen. Damit können voraussichtlich nicht nur Haushaltsmittel eingespart, sondern auch die Platzierungsmöglichkeiten der Jugendlichen auf dem ersten Arbeitsmarkt verbessert werden.

b) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

­ Förderprogramm zum Erwerb von Bestandswohnungen

Die Wirkung der Richtlinien über die Förderung des Erwerbs von Wohnungen aus dem Bestand durch Mieter sowie nach Erwerb berechtigt selbstnutzende Dritte vom 25. Mai 1999 soll mit externer Beratungsunterstützung untersucht werden. Mit dieser Richtlinie wurde erstmals die Möglichkeit geschaffen, den Erwerb von Wohnungen aus dem Bestand zu fördern. Diese Förderung soll hauptsächlich den Mietern dienen, die ihre selbstgenutzten Wohnungen erwerben wollen. Dadurch will der Senat die Eigentumsquote signifikant steigern und Abwanderungstendenzen in das Umland entgegenwirken.

c) Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen

Die Produktüberarbeitung in der Senatsverwaltung soll ab September 2000 im Sinne des IdA-Ansatzes erfolgen. Durch eine zielorientierte Herangehensweise soll der Produktaufbau strukturierter erfolgen, um die Steuerungsmöglichkeiten zu verbessern.

d) Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin

­ Stabsstelle Katastrophenschutz

Auf der Grundlage des Katastrophenschutzgesetzes soll durch ein wirkungsorientiertes Controlling erreicht werden, dass ein wirksamer Katastrophenschutz aufgebaut wird; Betriebe mit erhöhtem Gefahrenpotential erfasst und zu wirkungsvollen präventiven Schutzmaßnahmen angehalten werden; das Zusammenwirken der zuständigen Behörden und der Einsatzkräfte im Ereignisfall funktioniert und die getroffenen Maßnahmen geeignet sind, Großschadenereignisse in ihren Auswirkungen zu minimieren.

Folgende Senatsverwaltungen und nachgeordnete Einrichtungen haben Themenfelder für die Übertragung des IdA-Ansatzes in Aussicht gestellt:

e) Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie

Die politische Leitung hat grundsätzliches Interesse an der Umsetzung des IdA-Konzeptes geäußert. Der interne Auswahlprozess, welche Bereiche für eine konkrete Umsetzung in Frage kommen, ist noch nicht abgeschlossen.

f) Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur

Die politische Leitung hat grundsätzliches Interesse an der Umsetzung des IdA-Konzeptes geäußert. Der interne Auswahlprozess, welche Bereiche für eine konkrete Umsetzung in Frage kommen, ist noch nicht abgeschlossen.

g) Senatsverwaltung für Finanzen

Die Bereiche Steuerverwaltung und Liegenschaften werden für eine Übertragung des IdA-Ansatzes in Betracht gezogen.

Allerdings werden vor einer etwaigen Zustimmung Detailinformationen zum technischen Ablauf, zur Einordnung des IdA-Ansatzes in den Gesamtprozess der Berliner Verwaltungsreform sowie zu Kosten, Aufwand und Realisierungsmöglichkeiten mit der Software ProFiskal erwartet.

h) Landeseinwohneramt

Hier wurde die Bekämpfung des illegalen Aufenthaltes als Themenfeld genannt.

i) Polizeipräsident

Ein konkreter Vorschlag zur „Effektivierung der Funkwageneinsätze" ist in Vorbereitung.

Um auf dem eingeschlagenen Weg Fortschritte zu erreichen, wurden auf der Sitzung der Landeskommission am 23. Juni 2000 folgende vier Themenfelder ausgewählt, an denen pilothaft die Übertragung des „IdA-Controlling"-Ansatzes überprüft werden soll: LEA ­ Bekämpfung des illegalen Aufenthalts SenSchulJugSport ­ Jugendberufshilfe SenStadt ­ Förderprogramm zum Erwerb von Bestandswohnungen.

Zusätzlich wurde der Vorschlag der Senatsverwaltung für Inneres

­ Personalagentur ­ aufgenommen und als Pilotprojekt ausgewählt.

Diese Projektvorschläge sollen vorrangig vorangetrieben werden. Der Senatsbeauftragte für die Gesamtsteuerung der Verwaltungsmodernisierung nimmt Gespräche mit den betreffenden Verwaltungen auf, um die Feinplanung und Kostenkalkulationen für die einzelnen Vorhaben zu erstellen. Die konkreten Umsetzungsmöglichkeiten dieser Projektvorschläge werden durch die Landeskommission geprüft werden. Die federführende Koordinierung der aufgeführten Pilotprojekte übernimmt somit der Senatsbeauftragte für die Gesamtsteuerung der Verwaltungsmodernisierung.

5. Technische und fachliche Voraussetzungen für ein ziel- und wirkungsorientiertes Controlling

Wie in den bereits unter 4. erwähnten Workshops bzw. Informationsveranstaltungen für die Senats- und Bezirksverwaltungen sowie einem gemeinsamen Workshop mit den Steuerungsdiensten der Senatsverwaltungen, dem Senatsbeauftragten für die Verwaltungsmodernisierung, dem Reformbereich der Innenverwal tung und dem Reformbereich der Senatsverwaltung für Finanzen zur Erörterung des Themenkomplexes „Anpassung und Weiterentwicklung des betriebswirtschaftlichen Instrumentariums in den Senatsverwaltungen" am 20. Juni 2000 festgestellt, sind im Zusammenhang mit der Ausdehnung des IdA-Ansatzes noch konzeptionelle wie auch technische Fragestellungen zu klären.

In fachlich-konzeptioneller Hinsicht richten sich diese insbesondere auf die Veränderungen bzw. Erweiterungen der bestehenden betriebswirtschaftlichen Instrumente der Kostenrechnung, des Produktkataloges und des Berichtswesens sowie gegebenenfalls der Budgetierung. Hierzu gehören z. B. die Neuausrichtung der bestehenden Ebenen der Produkthierarchie, u. a. die Einrichtung einer bzw. gegebenenfalls mehrerer Zielebenen (strategische und operative Ziele), die Mengenerfassung auf Produktgruppenebene, eine zielspezifische Produktzuordnung und zusätzliche Möglichkeiten zur Auswertung von Qualitätsund Wirkungsindikatoren für die Zielbestimmung und Zielerreichungsmessung.

Daher wurde im Rahmen des Workshops mit den Steuerungsdiensten der Senatsverwaltungen die Bildung von neuen Arbeitsgruppen beschlossen, die auch spezielle Aspekte und Fragestellungen im Rahmen des „IdA-Controlling"-Ansatzes behandeln werden.

Diese Arbeitsgruppen werden unter anderem die Rahmenbedingungen für die fachlich-konzeptionelle wie gegebenenfalls auch technische Weiterentwicklung der Reformelemente definieren. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppensitzungen werden den Projekten, die von der Landeskommission ausgewählt wurden, zur Verfügung gestellt werden und sind von diesen in ihrer Arbeit zu berücksichtigen.

In diesen Arbeitsgruppen werden ebenso die Frage der für ein Controlling notwendigen Software sowie das Berichtswesen eine wichtige Rolle spielen. Die Arbeitsergebnisse werden die Prämissen zur Erfüllung des Auflagenbeschlusses Nr. 22 des Abgeordnetenhauses bilden, in dem der Senat u. a. aufgefordert wird, unter Beteiligung der Senatsverwaltung für Finanzen ein systematisches Finanz- und Fachberichtswesen für die Berliner Verwaltung zu organisieren.

Für die Ausrichtung auf ein ziel- und wirkungsorientiertes Controlling ist des weiteren die erforderliche technische Informationsverarbeitung eine wesentliche Grundlage für die Umsetzung der konzeptionellen Ausführungen in die Praxis.

Im Rahmen der Pilotanwendung für das IdA-Querschnittscontrolling in den Bezirken Neukölln und Köpenick ist von der Firma hfp das KLR-Modul PBN-EOE (ProduktbudgetnavigatorEinzelobjekterfassung) in Form eines Prototypen eingesetzt worden. Der PBN-EOE ist ein Datenerfassungsmodul zur Unterstützung von Führungsentscheidungen im Sinne des Fallmanagements in Verbindung mit einem wirkungsorientierten Controlling. Neben dem genannten Erfassungsmodul sind weitere Module zur Datenkonsolidierung, zur Datenbereitstellung und zur Datenauswertung erforderlich. Die entsprechenden Module würden bei Einsatzreife auf Basis eines Data-WarehouseKonzeptes für eine automatisierte Verwaltung der Datenarten und der Datenverknüpfungen des zugrundeliegenden Berichtsdatenbestandes sorgen. Das entsprechende Gesamtsystem soll (laut Aussage der Firma hfp) Ende des Jahres 2000 verfügbar sein, es konnte daher also bisher nicht umfassend eingesetzt und für Auswertungen genutzt werden. Über die damit verbundenen Kosten der Softwarenutzung einschließlich Installation und Qualifizierung bestehen bisher keine näheren Angaben.

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit gilt es zwingend zu prüfen, ob die bereits flächendeckend eingeführten Systeme der Kostenrechnung, des Produktkataloges und des Berichtswesens durch entsprechende Modifikationen die Erfordernisse eines ziel- und wirkungsorientierten Steuerungssystems hinreichend erfüllen könnten. Es gilt festzustellen, dass die o. a. Reformelemente seit mehreren Jahren in der Berliner Verwaltung eingesetzt werden.

Die Kosten- und Leistungsrechnung wird seit dem Jahr 1999 in den Bezirken flächendeckend durchgeführt. Sie ist die Basis für die produktorientierte Finanzmittelzuweisung für die Bezirke im Jahr 2001. Diese Systeme befinden sich im Vergleich zu anderen Ländern der Bundesrepublik auf einem fortgeschrittenen Niveau.

Auf Grund dieser Voraussetzungen sind folgende Basisanforderungen an ein ziel- und wirkungsorientiertes Steuerungssystem zu nennen:

- Ausrichtung des Produktkataloges nach Zielen

- Zuordnung von Erfassungsobjekten (Leistungen, Produkte, Produktgruppen, Produktbereiche und Politikfeld) entsprechend der zu bildenden Zielsystematik

- Erweiterung des zu überarbeitenden Produktkataloges um Indikatoren zur Zielbestimmung und Messung der Zielerreichung einschließlich von Qualitäts- und Wirkungszielen

- Auswertung der Erfassungsobjekte (Leistungen, Produkte, Produktgruppen und Produktbereiche) sowohl nach Kosteninformationen als auch nach Zielerreichung (Produkte, Produktgruppen und Produktbereiche).

Bei der Beurteilung der technischen Erweiterung wird insbesondere darauf zu achten sein, dass

- Schnittstellen zu eventuellen Vorsystemen auf ein Mindestmaß begrenzt werden

- die technischen Voraussetzungen zur gleichzeitigen Buchung auf Produkte und Leistungen (Produkt-Leistungsmatrix, zweite Ebene) geschaffen werden

- das flächendeckend eingeführte Kostenrechnungssystem mit allen Funktionalitäten beibehalten wird

- die Verknüpfung mit der outputorientierten Budgetierung gewährleistet bleibt

- eine hinreichende Passfähigkeit mit der bestehenden Hardund Softwarearchitektur vorliegt.

Die entsprechenden Anforderungen richten sich gleichermaßen an das (in der Entwicklung befindliche) Softwaresystem von hfp.

Auf Grund der dargestellten Anforderungen sind nach einer ersten Analyse bestehender Softwaresysteme für Kostenrechnung, Produktkatalog und Berichtswesen technische Veränderungen/Erweiterungen denkbar, um die notwendigen Voraussetzungen für ein ziel- und wirkungsorientiertes Steuerungssystem zu schaffen. Hierzu zählt insbesondere die Öffnung weiterer Ebenen der Produkthierarchie, die Mengenerfassung auf Produktgruppenebene, eine zielspezifische Produktzuordnung und zusätzliche Möglichkeiten zur Auswertung von Qualitäts- und Wirkungsindikatoren für die Zielbestimmung und Zielerreichungsmessung.

Um die genannten Möglichkeiten hinreichend beurteilen zu können, bedarf es zunächst einer eingehenden Prüfung der angestrebten Erweiterung der technischen Funktionalitäten. Die entsprechenden Prüfungen werden insbesondere im Zusammenwirken mit der Firma DOGRO im Rahmen der Software ProFiskal erfolgen, da hier die meisten der grundlegenden Anpassungserfordernisse liegen dürften. Auf Grund der komplexen Softwareproblematik müssen mehrere ineinander greifende Softwaresysteme unter den geschilderten Gesichtspunkten analysiert werden, so dass der für die Vorbereitung und Durchführung der notwendigen Tests erforderliche Zeitraum zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend festzulegen ist, mindestens jedoch 6 Monate betragen wird. Nach Aussage von hfp sind die eigenen Entwicklungsarbeiten für das Gesamtpaket des PBN nicht vor Ende des Jahres 2000 abgeschlossen, so dass eine Beurteilung dieser Softwarelösung voraussichtlich erst ab 2001 erfolgen kann.