Umweltschutz

Erforderlichkeit

Der Senat von Berlin hat am 25. Oktober 1994 die förmliche Festlegung des städtebaulichen Entwicklungsbereichs einschließlich zweier Anpassungsgebiete zur Entwicklungsmaßnahme Berlin-Johannisthal/Adlershof beschlossen.

Auf Grund der §§ 165 bis 171 des Baugesetzbuchs (BauGB) wird in dem Gebiet Berlin-Johannisthal/Adlershof im Bezirk Treptow von Berlin eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme durchgeführt, um das Gebiet entsprechend seiner besonderen Bedeutung für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung Berlins einer neuen Entwicklung zuzuführen.

Gemäß § 166 BauGB müssen für einen städtebaulichen Entwicklungsbereich ohne Verzug Bebauungspläne aufgestellt werden. Das ca. 8,0 ha große Plangebiet des Bebauungsplanes XV-51 j ist Teil des 2. Anpassungsgebietes der 420 ha großen Entwicklungsmaßnahme.

I.2 Plangebiet ­ Lage

Das Plangebiet umfasst das Gelände südwestlich der Magnusstraße, nördlich des künftigen Ernst-Ruska-Ufers und südöstlich der Albert-Einstein-Straße sowie die Magnusstraße südöstlich der Albert-Einstein-Straße und die Albert-Einstein-Straße südwestlich der Magnusstraße im Bezirk Treptow, Ortsteil Adlershof.

I.3 Eigentumsverhältnisse

Die Flächen im Geltungsbereich des Bebauungsplanentwurfes XV-51 j sind im Eigentum der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Berlin Adlershof-Management GmbH (WISTA-MG). I.4 Nutzung

Auf dem größten Teil der Dreiecksfläche zwischen der AlbertEinstein- und der Magnusstraße befinden sich seit 1994 die Forschungsanlagen der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung mbH (BESSY II). Kernstück der Anlage ist eine Speicherringhalle, deren Durchmesser ca. 120,0 m beträgt. Neben den Neubauten wurden bestehende Gebäude in den Gesamtkomplex integriert. Der eigentliche Nutzungsbeginn für Forschungsinstitute und Industrieunternehmen ist Anfang 1999 erfolgt.

Die neue Synchrotronenstrahlanlage ist die Nachfolgeanlage von BESSY I, der seit 1979 betriebenen Elektronenspeicherringanlage in Berlin-Wilmersdorf.

Das vom Bundesministerium für Forschung und Technologie geförderte Projekt soll als Großforschungsanlage mit internationaler Bedeutung eine Katalysatorfunktion für die Entwicklung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Adlershof einnehmen. In der Umgebung von Hochschulinstituten der HumboldtUniversität, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und technologie- und forschungsorientierten Unternehmen wird BESSY II ein neuer Wissenschaftsschwerpunkt sowohl für den Entwicklungsbereich als auch für das weitere Umfeld sein.

BESSY II dient als dedizierte Quelle für Vakuum-Ultraviolett(VUV) und weiche Röntgen-(XUV)-Strahlung. Die neue Synchrotronstrahlungsquelle hat einen Speicherring mit 16 geraden Strecken. Injektionselemente und Hochfrequenzresonatoren benötigen davon jeweils eine. In den noch freien 14 geraden Wegstrecken des Speicherrings werden periodische Magnetstrukturen, Wiggler und Undulatoren genannt, installiert. Sie liefern verglichen mit der Strahlung aus den Ablenkungsmagneten der Anlage BESSY I, eine bis zu 10 000-fach größere Brillanz. Optische Strahlungsführung und Monochromatoren sind für diese Lichtquelle optimiert und führen zu hoher Intensität. Dieser quantitative Fortschritt ermöglicht qualitativ neue Untersuchungen.

Teile der Forschungsanlage BESSY II sind neben der Speicherringhalle Labor-, Büro- und Verwaltungs-, Versorgungsgebäude und Technik sowie Lagergebäude.

Die Grundstücksfläche an der Ecke Magnusstraße / künftiges Ernst-Ruska-Ufer (GE 1 und GE 2) ist von der WISTA-MG als Optionsfläche für BESSY vorgesehen. Bei Nichtbedarf von BESSY wird die WISTA-MG weitere Gewerbebetriebe ansiedeln.

I.5 Verkehrliche Erschließung

Die verkehrliche Anbindung des Plangebietes erfolgt über die Rudower Chaussee als örtliche Hauptverkehrsstraße. Von dieser erfolgt die innere Erschließung über die Albert-Einstein-, die Wilhelm-Ostwald- und die Magnusstraße, die zu den Privatstraßen des ehemaligen Geländes der Akademie der Wissenschaften gehörten.

Das Bebauungsplangebiet liegt in fußläufiger Entfernung zweier Buslinien, die die S-Bahnhöfe Adlershof und Köpenick und Rudow sowie die S-Bahnhöfe Schöneweide und Schönefeld miteinander verbinden. Die erreichbaren Haltepunkte der beiden Buslinien befinden sich an der Rudower Chaussee.

I.6 Technische Infrastruktur

In der Frage der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur sind für die gegenwärtige Nutzungen des Gebietes keine Engpässe zu erkennen. Vielmehr bieten die meisten der Ver- und Entsorgungsnetze noch Kapazitätsreserven in ihren Hauptleitungen.

Frischwasser

Das Bebauungsplangebiet wird durch erneuerte WISTA-eigene Trinkwassernetze, die von den Berliner Wasserbetrieben betrieben werden, versorgt.

Schmutzwasser

Die Entwässerung im Plangebiet erfolgt im Trennsystem. Das Schmutzwasser floss bisher über Schmutzwasserkanäle in der Rudower Chaussee zum Klärwerk Adlershof. Das Schmutzwasser wird seit Dezember 1995 von dort vollständig zur Großkläranlage Waßmannsdorf gepumpt.

Das Grundprinzip des Trennsystemes wird auch zukünftig beibehalten, wobei die vorhandenen Schmutzwasserleitungen durch neue Leitungen ersetzt werden müssen. Die künftigen Freispiegelleitungen in der Magnus- und der Albert-Einstein-Straße werden in den Hauptvorfluter im künftigen Ernst-Ruska-Ufer und der Wegedornstraße zum Abwasser-Pumpwerk Adlershof westlich der Wegedornstraße entwässern.

Regenwasser

Bisher wird das Niederschlagswasser direkt in den Teltowkanal eingeleitet. Künftig soll das Wasser vor Einleitung in den Vorfluter Teltowkanal in einer von der WISTA-Management GmbH zu errichtenden Regenwasser-Reinigungsanlage gereinigt werden.

Fernwärme

Das Bebauungsplangebiet wird durch das Heizkraftwerk der Blockheizkraftwerks- Träger- und Betreibergesellschaft mbH Berlin (BTB) an der Wegedornstraße (Geltungsbereich des Bebauungsplanes XV-51 h) mit Fernwärme versorgt. Die Verteilung erfolgte in der Vergangenheit durch oberirdisch verlegte Dampfleitungen mit mehreren Wärmeumformerstationen. Die neu verlegten Fernwärmeleitungen bestehen, gemäß dem Stand der Technik, aus unterirdisch verlegtem Kunststoffmantelrohr.

Das Heizkraftwerk wurde zwischen 1992 und 1995 modernisiert, indem es vom Parallelbetrieb eines Dampf- und eines Heizwassernetzes auf ein neuverlegtes Heißwassernetz (110 C/70 C) umgestellt wurde. Die Fernwärme wird jetzt aus Erdgas mittels Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt. Diese Anlage besteht aus vier modernen Heißwassererzeugern, einer Gasturbine und einem Gasmotor und verfügt über eine Gesamtleistung von 90 MW thermisch und 5 MW elektrisch.

Elektrizität

Vom Umspannwerk Moissistraße wird das Bebauungsplangebiet SO 1 über eine Transformatorenstation mit der Betriebsspannung 10 kV gespeist. Die Gebiete GE 1 und GE 2 werden von der BTB über WISTA-eigene Mittel-/Niederspannungsnetze versorgt.

Gas

Für das Plangebiet existieren keine Erdgasnetze mehr. Die Reglerstation wurde abgerissen und die Verteilernetze rückgebaut.

I.7 Planerische Ausgangslage

Das Plangebiet liegt nicht im Geltungsbereich eines rechtsverbindlichen Bebauungsplanes.

Vor Festlegung als förmliche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme wurden Vorhaben ausschließlich nach § 34 BauGB, also als Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile, beurteilt. Seitdem gilt darüber hinaus der Entwicklungsgenehmigungsvorbehalt gemäß § 169 Abs. 1 Nr. 1 BauGB i. V. m.

§§ 144 und 145 BauGB, nach dem Vorhaben nicht die Durchführung der Entwicklungsmaßnahme unmöglich machen oder wesentlich erschweren oder den Zielen und Zwecken der Entwicklungsmaßnahme zuwiderlaufen dürfen.

Flächennutzungsplan

Der geltende Flächennutzungsplan Berlin ­ in der Fassung der Neubekanntmachung vom 23. Oktober 1998 (ABl. S. 4367) zuletzt geändert am 30. März 1999 (ABl. S. 2237) ­ wird für den Bereich der Entwicklungsmaßnahme Berlin-Johannisthal/Adlershof zurzeit in einem Parallelverfahren geändert.

Bisher liegt der Geltungsbereich des Bebauungsplanes in einer Fläche, die im Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufläche dargestellt ist. Gewerbegebiete könnten danach im Regelfall ohne Größenbegrenzung und Sondergebiete im Einzelfall bei örtlicher Bedeutung in eingeschränktem Umfang entwickelt werden.

Dieser eingeschränkte Umfang kann aber nicht auf den Geltungsbereich allein bezogen werden. Da die Sondergebiete einen flächenmäßigen Anteil von ca. 40 % im gesamten WISTA-Gebiet einnehmen und zudem auch Sondergebiete im angrenzenden Mediengebiet festgesetzt werden sollen, können diese nicht aus der Darstellung als gewerbliche Baufläche entwickelt werden.

Aus diesem Grund wird derzeit der Flächennutzungsplan durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geändert. Mit der Zustimmung des Abgeordnetenhauses zu diesem Bebauungsplan wird die Planreife zum Flächennutzungsplan für den Geltungsbereich dieses Bebauungsplans erklärt. Danach sind Sondergebiete ­ Forschung ­ sowie Gewerbegebiete ohne Größenbegrenzung in diesem Bereich ausdrücklich entwicklungsfähig.

Landschaftsprogramm

Das Landschaftsprogramm vom 29. Juli 1994 (ABl. S. 2331) stellt das Bebauungsplangebiet als städtischen Übergangsbereich mit Mischnutzungen und als Siedlungsgebiet mit dem Schwerpunkt Entsiegelung dar.

Unter den genannten Entwicklungszielen und Maßnahmen sind für das Planungsgebiet im Besonderen zu beachten, dass zur Kompensation von Nutzungsintensivierungen, sowie zur Entwicklung des Grünanteils in Gewerbegebieten und auf Infrastrukturflächen Entsiegelungen, Dach- und Wandbegrünungen durchgeführt werden sollen. Außerdem ist auf die Entwicklung begrünter Straßenräume und Stadtplätze und eines gebietstypischen Baumbestandes hinzuwirken.

Auch die Altlastensuche und -sanierung sind hier wichtige Entwicklungsziele und Maßnahmen.

Altlasten

Der Geltungsbereich des Bebauungsplanes ist Teil der ehemaligen AdW-Fläche, die auf Grund der Vornutzung und der Ergebnisse der historischen Recherchen insgesamt als Altlastenverdachtsfläche (Altl.-Nr. 7545) bei SenStadt registriert ist. Sowohl die historischen Recherchen als auch die Altlastenuntersuchungen wurden daher baufeldweise, nach den jeweils ermittelten Gefährdungspotenzialen und nach nutzungsspezifischen Kriterien von privaten Sanierungsbüros durchgeführt und Mitte der 90er Jahre abgeschlossen.

Die Untersuchungsergebnisse der orientierenden Altlastenerkundung und der Detailerkundung für den nordwestlichen Bereich bis zur Privatstraße „Clausiusstraße" belegen grenzüberschreitende Kontaminationen der ungesättigten Bodenzone durch die Parameter Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX), Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Schwermetalle, die lateral eingegrenzt werden konnten. Die MKW- und BTEX- Belastungen konzentrieren sich auf ein Areal, das an die südliche Geltungsbereichsgrenze anschließt, während die PAK- und Schwermetallkontaminationen punktuellen Charakters sind.

Die Boden-, Bodenluft- und Grundwasseruntersuchungen für den Bereich südöstlich der Privatstraße „Claudiusstraße" ergaben keine Auffälligkeiten.

Auf Grund der momentanen Nutzung und der lokal eng begrenzten Bodenkontaminationen besteht derzeit kein weiterer Erkundungs- und Handlungsbedarf. Bei Bodenaushub muss jedoch prinzipiell mit kontaminierten Material gerechnet werden.

Im Zuge von Baumaßnahmen sollte zunächst eine horizontale Ausgrenzung der kontaminierten Bodenbereiche erfolgen. Wird im Zuge von Abriss- oder Baumaßnahmen Bodenaushub erforderlich, ist auch hier darauf zu achten, dass dieser nach LAGAVorschrift beprobt und auf den relevanten Parameter untersucht wird (gemäß Berliner Liste, ABl. Nr. 15/20. März 1996), um eine sachgerechte Entsorgung des Materials über SenStadt vornehmen zu können. Laut Auskunft von SenStadt stehen die Verdachtsflächen nach erfolgter Sanierung den getroffenen Festsetzungen nicht entgegen.

Trotz der Registrierung als Altlastenverdachtsfläche kann auf eine Kennzeichnung im Bebauungsplan verzichtet werden. Da die Böden im Geltungsbereich nicht erheblich mit umweltgefährdenden Stoffen belastet sind, besteht somit keine Kennzeichnungspflicht im Sinne § 9 Abs. 5 Nr. 3 BauGB.

Wasserschutzzone

Zum Zeitpunkt der Einleitung des Bebauungsplanverfahrens lag das Planungsgebiet innerhalb der Wasserschutzzone III. Diese wurde für den Geltungsbereich mit der Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für die Wasserwerke Johannisthal und Altglienicke (GVBl. Nr. 39 vom 21. September 1999, S. 522 ff) aufgehoben.

II. Planinhalt II.1 Entwicklung der Planungsüberlegungen

Am 15. September 1992 hat der Senat von Berlin beschlossen, dass der Standort der ehemaligen AdW zu einem wissenschaftsbasierten Wirtschaftsstandort zu entwickeln ist. Für die Nutzung des ehemaligen AdW-Geländes wurde in diesem Beschluss ein Verhältnis von 60 % für die Wirtschaftsunternehmen zu 40 % für wissenschaftliche Einrichtungen festgelegt. Im Rahmen der umfassenden Zielsetzung der Integration von Wirtschaft und Wissenschaft haben die Sicherung der Einrichtungen aus dem Bereich der ehemaligen AdW sowie die sich aus den ehemaligen AdW-Instituten gegründeten Forschungsgesellschaften weiter Vorrang vor anderen Nutzungen.

II.2 Intention des Planes

Das Bebauungsplangebiet wird durch die mittlerweile fertiggestellte Großforschungseinrichtung BESSY II geprägt. Zielsetzung der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme ist, im WISTAGebiet südöstlich der Rudower Chaussee einen hochwertigen, wissenschaftsorientierten Wirtschaftsstandort zu entwickeln, der mit den Forschungseinrichtungen in enger Verflechtung stehen soll.

Ziel des Bebauungsplanes ist es, eine geordnete städtebauliche Entwicklung für die bestehenden und für die geplanten Nutzungen zu ermöglichen.

II.3 Wesentlicher Planinhalt

Auf Grundlage des Rahmenplanes und seines städtebaulichen Gesamtkonzeptes sowie der inzwischen erfolgten Veränderungen im Bestand sollen folgende Nutzungen im Bebauungsplangebiet festgesetzt werden:

- Der überwiegende Teil des Geltungsbereiches zwischen der Magnusstraße, der Albert-Einstein-Straße und dem künftigen Ernst-Ruska-Ufer, der dem Standort von BESSY II entspricht, sollen als Sondergebiete ­ Forschung ­ gesichert werden.

- Im südöstlichen Bereich an der Ecke künftiges Ernst-RuskaUfer/Magnusstraße sollen technologie- und forschungsorientierte Gewerbegebiete festgesetzt werden.

- Die Verkehrsflächen überplanen die ursprünglichen Privatstraßen (Einsteinstraße und Magnusstraße), die ausgebaut und später als öffentliche Straßenverkehrsflächen gewidmet werden sollen. Sie dienen der Erschließung des Bebauungsplangebietes.

Das Maß der baulichen Nutzung soll differenziert festgesetzt werden. Während für das Sonder- und Gewerbegebiet entlang des künftiges Ernst-Ruska-Ufers eine sehr hohe bauliche Dichte mit einer GFZ von 2,4 zulässig sein soll, soll das Maß des dahinter liegenden Sonder- und Gewerbegebietes angepasst an das übliche Maß im gesamten WISTA-Bereich eine GFZ von 0,7 bzw. 1,5 haben. Auch die zulässige Bauhöhe soll sich in Teilgebieten unterscheiden. Im südöstlichen Bereich des Geltungsbereiches soll zum Stadtplatz (Bebauungsplan XV-51 g) eine Bauhöhe von 18,0 m bis 22,0 m über Gelände zulässig sein, während sie im Übrigen einheitlich auf maximal 18,0 m begrenzt werden. Bezogen auf die Geländehöhe von etwa 35,5 m über NN soll deshalb eine maximale Oberkante von 53,3 m über NN bzw. von Oberkante 57,3 m über NN festgesetzt werden.

II.4 Abwägung, Begründung einzelner Festsetzungen II.4.1 Gewerbegebiet

Die WISTA-MG entwickelt auf dem ehemaligen Standort der AdW einen wissenschaftsbasierten Wirtschaftsstandort. Da das Bebauungsplangebiet ausschließlich Flächen der AdW umfasst, ist es Bestandteil dieses Konzeptes.

Danach sollen Gewerbegebiete ein wesentlicher Bestandteil des so genannten Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Berlin Adlershof sein und auf Grund ihrer räumlichen Nähe zu den Sondergebieten ­ Forschung ­ und ­ Hochschule ­ im Entwicklungsbereich Synergieeffekte zwischen Wirtschaft und Forschung bewirken. Für die Nutzung des insgesamt 76,6 ha großen, ehemaligen AdW-Geländes ist insgesamt ein Verteilungsschlüssel von ungefähr 60 % Flächenanteil für Wirtschaftsunternehmen und ungefähr 40 % Flächenanteil für wissenschaftliche Einrichtungen festgelegt.

Durch entsprechende Festsetzung eines Gewerbegebietes in Nachbarschaft zu den festgesetzten Sondergebieten ­ Forschung ­ wird diese Zielsetzung im Bebauungsplangebiet kleinräumlich umgesetzt.

Um dem spezifischen Charakter des Gewerbegebietes entsprechen zu können, sollen durch textliche Festsetzungen nur bestimmte Nutzungen allgemein bzw. ausnahmsweise zulässig sein oder ganz ausgeschlossen werden.

Zulässige Nutzungen

Es sollen als Gewerbebetriebe nur technologie- und forschungsorientierte Gewerbebetriebe und in Geschäfts-, Büround Verwaltungsgebäuden nur technologie- und forschungsorientierte Dienstleistungsunternehmen allgemein zulässig sein.

Dadurch erfolgt eine Beschränkung der in Gewerbegebieten sonst allgemein zulässigen baulichen Anlagen auf bestimmte Arten von Betrieben. Der allgemeine Charakter eines Gewerbegebietes, das der vorwiegenden Unterbringung von nicht erheblich belästigenden Gewerbebetrieben dienen soll, bleibt allerdings erhalten.

Die Eigenschaft des WISTA-Geländes als ein historisch gewachsener Forschungsstandort ist ein besonderer städtebaulicher Grund, der die Konkretisierung der zulässigen Nutzungen rechtfertigt. Die spezifische planerische Aufgabenstellung erfordert, Gewerbeflächen für Nutzungen vorzuhalten, die in einem sachlichen Zusammenhang mit den Forschungseinrichtungen stehen und die Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Einrichtungen optimieren.

Durch die Ansiedlung der naturwissenschaftlichen und mathematischen Fakultäten der Humboldt-Universität auf benachbarten Flächen nördlich und südlich der Rudower Chaussee wird die örtliche Bedeutung als Wissenschaftsstandort noch zusätzlich verstärkt.

Der wirtschaftliche Belang der Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen ist unter den sich verändernden Wirtschaftsbedingungen nicht mehr allein durch die Bereitstellung von Gewerbeflächen sicherzustellen. Vielmehr bedarf es oftmals der planerischen Festsetzung spezieller Gewerbegebiete, die in einer bestimmten, auf Gemeindeebene nur begrenzt vorhandenen Standorteigenschaft begründet sind. Die Konkretisierung der Nutzungen ist deshalb notwendig, um die Gewerbegebiete auf Betriebsarten zu begrenzen, die in enger Kooperation zu den Forschungseinrichtungen stehen und entsprechende Ressourcen und Kapazitäten nutzen oder vervollständigen können.

Gleichzeitig wird dadurch auch dem Belang des Umweltschutzes Rechnung getragen, da aufeinander bezogene und kooperierende Nutzungen am selben Standort zu einer verkehrsmindernden Siedlungsentwicklung beitragen. Die „Stadt der kurzen Wege" ist als ein Planungsgrundsatz mit höchster Priorität für die Zukunft anzusehen.

Als in Kooperation mit den wissenschaftlichen Einrichtungen stehende Nutzungsarten sind speziell Gewerbebetriebe und Dienstleistungsunternehmen zu werten, die technologie- und forschungsorientiert sind. Unter dem Begriff „technologieorientiert" sind die betriebswirtschaftlichen und technologischen Kenntnisse und Verfahren des technischen Entwicklungsbereiches, unter „forschungsorientiert" die wissenschaftlichen Kenntnisse und Verfahren des Forschungsbereiches gefasst.

Für Betriebe des produzierenden Gewerbes bedeutet dies einen Ansiedlungsschwerpunkt im F+E Bereich (Forschung und Entwicklung), das heißt in der Entwicklung neuer Produkte und Produktionslinien, sowie die Schulung entsprechender Forschungs- und Anwendungstechnologien. Vertriebsbereiche sind somit nur in Verbindung mit den entwicklungs- und schulungsorientierten Betriebsbereichen allgemein genehmigungsfähig.

Unter die zulässigen Dienstleistungsunternehmen fallen insbesondere Ingenieurgesellschaften, Entwicklungslabore, mess- und prüftechnische Einrichtungen, Softwarehäuser, Unternehmungsberatungen und andere Betriebsarten mit eindeutiger Technologie- und Forschungsorientierung.

Ausnahmsweise zulässige Nutzungen

In den Gewerbegebieten sollen Gewerbebetriebe aller Art, die nicht unter die oben beschriebenen allgemein zulässigen Gewerbebetriebe fallen, und öffentliche Betriebe, sowie Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude nur ausnahmsweise zulässig sein.

Der Ausnahmevorbehalt dient der Sicherung der speziellen oben beschriebenen Standorteigenschaften des WISTA-Gebietes.

Um der Zweckbestimmung eines Gewerbegebietes gerecht zu werden, bleiben diese, sonst in Gewerbegebieten allgemein zulässigen Nutzungen, im Einzelfall weiterhin zulässig, solange sie nicht zu den oben beschriebenen besonderen städtebaulichen Gründen in Widerspruch stehen.

Der historisch gewachsene Wissenschaftsstandort soll durch ausnahmsweise genehmigte Nutzungen nicht gestört werden.

Insbesondere Betriebe mit hohem Anlieferverkehr oder anderen erschütterungsintensiven Nutzungen können zu einer erheblichen Beeinträchtigung der angrenzenden Nutzungen führen.

Die Entscheidung über die Gewährung einer Ausnahme liegt im Ermessen der Baugenehmigungsbehörde. Ihr ist es im Einzelfall unter Berücksichtigung der Abwägung des Bebauungsplanes vorbehalten, andere als technologie- und forschungsorientierte Nutzungen zu genehmigen, solange das Regel-Ausnahme-Verhältnis gesichert ist.

Die ausnahmsweise zulässigen Nutzungen können insbesondere zu einer Ergänzung der allgemein zulässigen Nutzungen und zur Versorgung der Beschäftigten im gesamten WISTA-Gebiet beitragen. Gerade wenn dieser Zusammenhang der beantragten Nutzungen aufgezeigt wird, sollte die Baugenehmigungsbehörde von ihrem Ermessen zugunsten des Antragstellers Gebrauch machen. Dabei wird aber die flächenmäßige Größe des Vorhabens von Bedeutung sein, das heißt je flächenintensiver die ausnahmsweise zulässige Nutzung ist, desto stärker wird die Standorteigenschaft des speziellen Gewerbegebietes eingeschränkt.