Ausschreibung und städtebauliche Vorgaben für den Bereich: Unter den Linden / Friedrichstraße

Der Senat wird aufgefordert, die vorgesehene Ausschreibung für das landeseigene Grundstück an der nordöstlichen Ecke Unter den Linden/ Friedrichstraße so lange zurückzustellen, bis über den Weiterbau der U-Bahnlinie 5 zwischen Pariser Platz und Alexanderplatz und die Verwendung des betreffenden Grundstückes während der Bauzeit verbindlich entschieden worden ist; bei der Ausschreibung des Grundstückes die Erhaltung des eingetragenen Denkmales Hotel Unter den Linden sowie die Schaffung eines möglichst großen Stadtplatzes an der Ecke

Unter den Linden/Friedrichstraße als städtebauliche Vorgabe festzuschreiben.

Begründung:

Die Ankündigung des Senates, das Grundstück Unter den Linden/Friedrichstraße (westlich vor dem Hotel Unter den Linden zwischen der Straße Unter den Linden und Mittelstraße) öffentlich auszuschreiben und dabei eine vollständige Überbauung zur Bedingung zu machen, erscheint aus mehreren Gründen nicht sachgerecht.

Eine zeitnahe Umgestaltung des betreffenden Stadtraumes ist nur möglich, wenn auf den Weiterbau der U-Bahnlinie 5 verzichtet wird. Andernfalls soll das Grundstück nach den Plänen des Senates als Baustelleneinrichtung genutzt werden und würde bis zur Fertigstellung des Bauvorhabens nicht verfügbar sein. Da der Senat jedoch beabsichtigt, die U-Bahnlinie 5 trotz fortbestehender Differenzen weiterzubauen, wenn auch erst zwischen 2003 und 2008, ist nicht erkennbar, weichen Sinn eine Ausschreibung und Vergabe des Grundstückes zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben soll.

Das Hotel Unter den Linden ist als konstituierender Bestandteil des Ensembles „Denkmalbereich Unter den Linden" in die Denkmalliste Berlin (Amtsblatt für Berlin, 47. Jg., Nr. 23, S. 1574 vom 9. Mai 1997) eingetragen. Es wurde 1964 bis 1966 errichtet und 1991 umgebaut. Es entspricht durch seine Dimension und

Architekturgestaltung den Anforderungen des früheren Lindenstatuts, das von Denkmalexperten als fachlich sehr qualifiziertes denkmalpflegerisches Regelwerk eingeschätzt wird. 1998/1999 erfolgte eine denkmalgerechte Instandsetzung der Fassade. Aus diesen Gründen erscheint es als gerechtfertigt, den Erhalt des Denkmals als städtebauliche Vorgabe in das Ausschreibungsverfahren aufzunehmen.

Die Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin hat am 11. Mai 2000 beschlossen, dass bei der Umgestaltung des Bereiches ein möglichst großer Stadtplatz erhalten bzw. neu geschaffen werden soll. Mit diesem Beschluss trägt die BVV zum einen der Tatsache Rechnung, dass mit der Erweiterung der wichtigsten Straßenkreuzung zu einem platzartigen öffentlichen Raum eine besondere und dem zentralen Standort angemessene städtebaulichen Situation existiert. Zum anderen reagiert sie auf die städtebaulichen Veränderungen seit 1990, in deren Ergebnis der Großteil der im Verlauf der Friedrichstraße vorhandenen Stadtplätze, Freiflächen und Grünanlagen überbaut worden oder deren Bebauung vorgesehen ist (Checkpoint Charlie, Grünanlage westlich des früheren Lindencorso, Grünanlage südlich des Bahnhofes Friedrichstraße, Spreedreieck nördlich des Bahnhofes Friedrichstraße).

Einer der Hauptkritikpunkte an dem Stadtumbau in der Friedrichstadt ist deren zu starker steinerner Charakter, der durch das Fehlen öffentlicher Grünflächen, den Verzicht auf Straßenbäume und die Verengung der Straßenflucht der Friedrichstraße nördlich der Straße unter den Linden hervorgerufen wird. Durch die Erhaltung eines Stadtplatzes an der nordöstlichen Ecke Unter den Linden/Friedrichstraße kann dieser Missstand teilweise behoben werden.

Das Planwerk Innenstadt erhebt den Anspruch, ohne Abrisse auszukommen und einen Dialog der verschiedenen Architekturen und zeitgeschichtlichen Ebenen zu führen. Dieser Anspruch sollte nicht nur für Gebäude wie das Hotel Unter den Linden gelten ­ und auch eingehalten werden ­, sondern auch für stadträumliche Situationen. Dies trifft für den öffentlichen Raum an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße zu, weil der hier existierende öffentliche Raum eine besondere städtebauliche Qualität darstellt.