Interkulturelle Bildung in der Lehrer/-innen-Ausbildung, Fortbildung und -Weiterbildung

Der Senat wird aufgefordert, dem Abgeordnetenhaus, ausgehend von einer Einschätzung der gegenwärtigen Situation darüber,

- welche Angebote und Ausbildungskapazitäten zur„lnterkulturellen Bildung" es im Rahmen der Lehrer/-innen-Ausbildung an den Berliner Universitäten und der Hochschule der Künste gibt,

- welche Angebote zur „Interkulturellen Bildung" es im Rahmen der Fort- und Weiterbildung für Lehrer/-innen in Berlin gibt und welche Kapazitäten dafür zur Verfügung stehen und

- wie die „lnterkulturelle Bildung" als Ausbildungsbestandteil der Lehrer/-innen-Ausbildung bislang in Berlin rechtlich geregelt ist, Vorschläge und Maßnahmen vorzulegen,

- wie die Kapazitäten für die Lehrer/-innen-Ausbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung ­ z. B. durch die institutionelle Stärkung der „Interkulturellen Bildung" an Berliner Ausbildungsstätten ­ verstärkt werden können und

- wie die „Interkulturelle Bildung" als obligatorischer Ausbildungsbestandteil in das Lehrerbildungsgesetz Berlin aufgenommen werden kann.

Dem Abgeordnetenhaus ist dazu bis zum 15. Januar 2001 zu berichten.

Begründung:

Im Schuljahr 1999/2000 besuchten nach der jährlichen Erhebung des Landesschulamts Berlin ca. 76 400 Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache (20 % aller Berliner Schülerinnen und Schüler) die Berliner Schulen. Lange Zeit wurde die Auseinandersetzung mit Migration im Bereich Schule lediglich aus der Perspektive eines Defizitansatzes unter Fokussierung auf Sprachrückstände geführt. Pädagogik in einer multikulturellen Situation verlangt jedoch vielmehr die Förderung gegenseitiger Toleranz, Empathie und Verständigung.

Entsprechend der Empfehlung des Europarats zu „Erziehung der Einwandererkinder" von 1989 und der Entschließung des Europäischen Parlaments von 1992 „zur kulturellen Vielfalt und den Problemen der schulischen Bildung der Kinder der Einwanderer in der Europäischen Gemeinschaft" müssen deshalb alle schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen durch geeignete Maßnahmen befähigt werden, interkulturelles Lernen zu praktizieren. Interkulturelles Lernen ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Menschenrechte für alle, unabhängig von ihrer Herkunft und Kultur, gesichert und Flüchtlinge sowie Zuwanderinnen und Zuwanderer vor Gewalt und Diskriminierung geschützt werden können.

In einer Zeit, die geprägt ist durch Diskriminierung, Ausgrenzung und Intoleranz, ist die interkulturelle Erziehung und Bildung eine lebensnotwendige Maßnahme. Lehrer werden bisher aber auf die nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten interkultureller Erziehung nicht bzw. nur unzureichend vorbereitet. So bestehen im Umgang von Lehrerinnen und Lehrern mit schwierigen Situationen wie kulturellen Differenzen und Ausländerfeindlichkeit unter Schülern zum Teil erhebliche Schwierigkeiten. Die Lehrkräfte müssen deshalb verstärkt den Umgang mit Differenzen zwischen unterschiedlichen Orientierungssystemen einüben, um so dem Missverstehen fremder Verhaltensweisen und den daraus resultierenden Konfliktsituationen vorzubeugen.