Tourismus

Antrag über Attraktion für Berlin und seine Besucher: Der frühere Grenzverlauf als Mauerlehrpfad

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Das Abgeordnetenhaus fordert den Senat auf, bis zum 40. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2001 auf dem Gebiet des ehemaligen Grenzstreifens einen Mauerlehrpfad als Wanderweg und Fahrradroute zu gestalten.

Dabei sollen insbesondere die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Schule und Kulturelle Angelegenheiten mit der Gesellschaft „Partner für Berlin" und der Touristik Marketing GmbH sowie den angrenzenden Brandenburgischen Landkreisen und Gemeinden zusammenarbeiten.

Zudem soll mit Hilfe einer begleitenden Broschüre, der Aufstellung von Erinnerungstafeln und einer Routenbeschilderung das historische Bewusstsein gestärkt und für den sanften Tourismus der Berlinbesucher, aber auch der Berlinerinnen und Berliner, geworben werden.

Über die Konzeption und die Kosten des Mauerlehrpfads ist dem Abgeordnetenhaus spätestens bis zum 9. November 2000 zu berichten.

Begründung: „Wo stand eigentlich die Mauer?" ist die am meisten gestellte Frage der Berlin-Touristen, die aber auf Grund der gewaltigen Veränderung der Stadtlandschaft auch von vielen Berlinerinnen und Berlinern immer öfter gestellt wird.

Bereits in der ersten Legislaturperiode nach dem Fall der Mauer hat das Abgeordnetenhaus den Senat aufgefordert, den ehemaligen Mauerstreifen zu kennzeichnen, was bis heute nur zu einem Teil im innerstädtischen Bereich realisiert worden ist.

Andere Städte und Regionen zeigen Wege auf, wie an wichtige Geschichtsprozesse erinnert werden kann. So kennzeichnet die Stadt Boston in Massachusetts (USA) den „Freedom Trail" zur Erinnerung an den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit einer roten Linie und weist mit Stelltafeln und Hinweisen auf Ereignisse dieser Zeit hin. Die Tourismus-Institutionen der Stadt werben mit Broschüren und Büchern in ihren Publikationen für den etwa 5 km langen Fußweg, der bei den Touristen, aber auch in der Stadtbevölkerung, auf große Akzeptanz stößt.

Im letzten Jahr ist eine Begleitbroschüre des Radwanderwegs „Am Grünen Band" erschienen, in dem der ehemalige innerdeutsche Grenzstreifen von der Ostsee bis zum Vogtiand nachgezeichnet wird. Dort, wo bis 1989 die Grenze verlief, existieren heute wertvollste Naturschutzgebiete und Biotope. Für den Fahrradtouristen wird das „Grüne Band" im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar als ein ökologisches Denkmal und Mahnmal gegen das Vergessen. Auf der Route liegen z. B. das Grenzlandmuseum in Schnackenburg, die Dokumentation der Grenzanlagen in der 1974 dem Erdboden gleichgemachten Grenzgemeinde Stresow oder die Abfertigungsanlagen des ehemaligen Grenzübergangs in Marienborn.

In Berlin drängt sich ein „Mauerlehrpfad" auf. Als Fehler erweist sich heute der schnelle Abriss der Berliner Mauer, von der nur noch wenige Originale erhalten sind. Für viele Jugendliche sind diese Zeiten schon Geschichte. Um so notwendiger ist es, diese Epoche im historischen Gedächtnis der Stadt zu bewahren.

Um den etwa 150 km langen Grenzstreifen um West-Berlin optimal erschließen zu können, sind Fahrräder ­ aber auch Inline-Skater ­ geeignete Verkehrsmittel. Notwendig ist es deshalb, den ehemaligen Grenzstreifen analog den Fahrradrouten auszuschildern und im Stadtbild sichtbar zu machen. Wie beim „Grünen Band" oder beim „Freedom Trail" sollte auch in Berlin mit Stelltafeln auf historische Örtlichkeiten ­ z. B. Checkpoint Charlie ­ hingewiesen werden. Der Verlauf der innerstädtischen Grenze, der zum Teil durch doppelreihige Kopfsteinpflastersteine bereits markiert ist, müsste komplettiert werden und wäre eine ideale Ergänzung zu den Hinweisschildern. Wünschenswert wären Fahrradverleihstationen.

Als Ergänzung zu den Hinweisen im Stadtbild müsste eine Broschüre erstellt werden, in der die Geschichte der Berliner Mauer aufgearbeitet und durch Vorher/Nachher-Photos veranschaulicht wird. Ein Verlag, der an solch einer Broschüre interessiert wäre, ist bereits gefunden worden.

Der Mauerlehrpfad sollte in das Tourismus-Programm des Senats aufgenommen werden. Interessant ist das Projekt natürlich auch für die Schulen, die Hochschulen und die kulturellen Einrichtungen der Stadt. Deshalb müssen neben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auch die für Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft sowie Schule, Jugend und Sport in das Projekt einbezogen werden. Da der Umland- Mauerstreifen zu einem großen Teil in Brandenburg liegt, müssen auch die beteiligten Landkreise in das Projekt involviert werden.

In anderen Regionen boomt der Fahrradtourismus, auch weil er als Wirtschaftsfaktor erkannt wird. Bei dieser Entwicklung darf Berlin nicht abseits stehen. Die Verbindung von städtischer und ländlicher Struktur, die fahrradfreundlich flache Landschaft, die Geschichte und auch die Größe der Stadt sind ideale Voraussetzungen für einen 150 km langen Mauerlehrpfad als Fahrradroute.

Damit könnten nicht nur viele Touristen in die Stadt gelockt werden, auch viele Menschen aus Berlin und Brandenburg würden den Mauerlehrpfad vor der Tür einer Fahrt in die nähere oder weitere Umgebung vorziehen.

Finanziert werden könnte das Projekt aus Mitteln der Wirtschaftsförderung, aus Geldern von Sponsoren, aus dem Verkauf der „AAauerlehrpfad-Broschüre" und aus Haushaltsmitteln für den Fahrradverkehr. Einige Sponsoren haben sich schon zur Mitfinanzierung bereit erklärt, weitere werden sicherlich folgen, wenn das Projekt konkrete Gestalt annimmt. Zudem sollten auch Fahrradverleihstationen eingerichtet werden.