Probleme von Rechtsextremismus Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verstanden werden

Die hier dargestellten Ergebnisse dieser Recherche müssen daher als erste Sichtung von Maßnahmen und Aktivitäten bzgl. der Probleme von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verstanden werden. Um ein vollständigeres Bild von den in Berlin in diesem Zusammenhang ergriffenen Maßnahmen und auch von ihrer Wirksamkeit zu erhalten, sind weitere Recherchen und Nachfragen im Sinne einer umfassenden Analyse unabdingbar. Auch die Darstellung von Einschätzungen bzgl. der Entwicklung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Berlin unter Punkt 3. kann nur als vorläufig betrachtet werden und liefert lediglich Anhaltspunkte für die Diskussion und Entwicklung von Präventionskonzepten.

2. Vorläufige Ergebnisse der Recherche

Hauptverwaltungen

Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport

Bereich Schule

Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Berliner Schule ist in gesetzlichen Vorgaben und Vorschriften begründet. Der Auftrag der politischen Bildung ist u. a. in Folgendem angesprochen: SchulG § 1 (insbesondere Satz 2): „... Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten sowie das staatliche und gesellschaftliche Leben auf Grundlage der Demokratie, des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde und der Gleichberechtigung der Geschlechter zu gestalten...". SchulVerfG § 10 (Abs.2): „Der Lehrer muss unbeschadet seines Rechts, im Unterricht die eigene Meinung zu äußern, dafür sorgen, dass auch andere Auffassungen, die für den Unterrichtsgegenstand im Rahmen des Bildungsauftrags der Schule erheblich sind, zur Geltung kommen. Jede einseitige Beeinflussung der Schule ist unzulässig."

Der Allgemeine Teil (A I) der Rahmenpläne für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule ergänzt § 1 SchulG in 12 Punkten. Punkt 10 skizziert ein Konzept für politische Bildung, das

­ obwohl 1968 geschrieben ­ heute noch relevant ist: „Entscheidende Möglichkeiten menschlicher Selbstverwirklichung liegen in der Mitgestaltung der politischen Verhältnisse.

Es kommt darauf an, aus mitmenschlicher Verantwortung zu handeln. Dazu ist in einem demokratischen Gemeinwesen jeder aufgefordert. Politische Bildung ist Erziehung zur Politik durch Gewöhnung an Politik und durch Information über Politik. Sie vermittelt Grundkenntnisse. Ihr Ziel sind jedoch nicht nur Kenntnisse und Wissen, sondern Verhalten und Haltung. Für politische Bildung ist nichts so wichtig wie eine vorbildliche Politik selbst... Politische Bildung soll zum Funktionieren unserer demokratischen Gesellschaftsordnung beitragen. Politische Bildung muss die zentrale Einsicht vermitteln, dass die Freiheit des einen dort ihre Grenze hat, wo Freiheit und Recht des anderen anfangen...

Neben den Möglichkeiten soll politische Bildung auch die Grenzen aktiver Teilnahme in der Demokratie zeigen.... Politische Bildung muss deshalb auch politische Wirklichkeit aufhellen und verhindern, dass Menschen resignieren und gleichgültig werden, weil sie die Verhältnisse nicht mehr durchschauen...

Bei Äußerungen, die sachlich zweifelhaft oder falsch sind, trägt eine Gegendarstellung zur demokratischen Erziehung bei, deren notwendige Autorität in der Überzeugungskraft der Argumente begründet sein sollte."

Im Allgemeinen Teil der Rahmenpläne für die Grundschule (A II) wird ausgeführt: „Erziehung und Unterricht sind besonders in der Grundschule untrennbar miteinander verbunden. Die Erziehung in der Grundschule soll Haltungen und Einsichten ermöglichen und festigen, wie sie in §1 des Schulgesetzes festgelegt sind. Einstellungen, Grundhaltungen und Verhaltensweisen, die zu einem Leben in persönlicher und sozialer Haltung befähigen, sollen von Kindern in Gemeinsamkeit und in der Auseinandersetzung mit anderen erworben werden. Hierbei muss sich der Lehrer seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Er soll den Kindern durch Zuwendung, Selbstbeherrschung, Hilfsbereitschaft, Kooperationsfähigkeit Hilfen zur persönlichen Entfaltung geben. Toleranz, Kritikfähigkeit und Bereitschaft zu rationaler Lösung von Konflikten sollen im Schulalltag gefördert werden."

Im Besonderen Teil der Rahmenpläne (B II) wird für Sozialkunde in der Grundschule angegeben: „Der Unterricht in Sozialkunde beginnt mit dem 1. Schuljahr im Rahmen des vorfachlichen Unterrichts.... Er wird vom 5. Schuljahr ab unter Beachtung seiner facheigenen Arbeitsweisen im gefächerten Unterricht fortgesetzt....

Im sozialkundlichen Unterricht sollen die Kinder stufenweise dahin geführt werden, die Auffassungen der Erwachsenen nicht ungeprüft und kritiklos zu übernehmen."... Sozialkunde ist mit 1/3 des Stundenvolumens für die Fächerkombination Geschichte/Sozialkunde anzusetzen. Zu den zeitgeschichtlichen Themen in den Klassen 5 und 6 gehören: „I. Das NS ­ Regime... II. Berlin nach dem Weltkrieg... IV. Besuch zeitgeschichtlicher Erinnerungsstätten...."

Der vorläufige Rahmenplan für die Fächer: Politische Weltkunde (PW)/Geschichte in der gymnasialen Oberstufe weist in der Einführungsphase in PW die Themen „Migration, Herrschaft/Demokratie" aus, in PW im ersten Kurshalbjahr u. a. die Themen „Demokratie und Diktatur (1917­45)", „Entwicklungsländer, Schwellenländer" und in Geschichte im ersten Kurshalbjahr das Thema „NS ­ Diktatur".

In dem noch geltenden Rahmenplan für das Fach Sozialkunde in den Klassen 7 bis 10 werden als Themenbereiche verpflichtend ausgewiesen:

Klasse 8: Die Grundlagen unserer Staats- und Verfassungsordnung

Klasse 9: Recht

Der bereits überarbeitete Entwurf zu diesem Rahmenplan soll erneut mit dem Ziel überarbeitet werden, den Auftrag zur Demokratieerziehung deutlicher auszuweisen. Der endgültig überarbeitete Rahmenplan wird spätestens 1999/2000

Unterrichtsvorgabe sein.

Zu dem gesamten Themenkomplex gibt es Rundschreiben (RdSchr). Zu diesen Zählen u. a.:

RdSchr II Nr. 33/1989: Neonazistische Vorkommnisse und demokratische Erziehung

RdSchr IV Nr. 105/1992: Gegen Ausländerfeindlichkeit und Gewalt ­ für Toleranz und Friedfertigkeit

Seit dem Schuljahr 1990/91 besteht Meldepflicht über Gewaltvorfälle an Berliner Schulen; 1992 wurde die AV ­ Erziehungsund Ordnungsmaßnahmen durch ein RdSchr ergänzt, das die Schulen verpflichtet, alle Fälle von Gewalttätigkeit und Gewaltandrohung bei der Schulaufsicht zu melden. Nach der Gründung des Landesschulamtes (LSA) 1995 wurde mit einem erneuten RdSchr (LSA Nr. 21/1996) ein Formular herausgegeben, das Angaben zu solchen Vorfällen abfragt.

Aus dem Schulbereich wurden Vorfälle mit fremdenfeindlichem und/oder rassistischem Hintergrund in verschiedenen östlichen Bezirken bekannt. Auch aus dem Bezirk Treptow sind im Landesschulamt rechtsextremistisch motivierte Vorfälle bekannt.

Bei solchen Vorfällen an und im Umfeld von Schulen werden diese konsequent aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen (Verfassungsschutz, Polizei, Erziehungsberatung, Schulpsychologischer Dienst etc.) in pädagogisch angemessener Weise ­ ohne Bagatellisierung aber auch ohne vorschnelle Kriminalisierung bzw. Etikettierung der Beteiligten ­ aufgearbeitet.

Ausgehend von den dem Landesschulamt gemeldeten Fällen (einschließlich solcher bei Fahrten ins Umland) lässt sich in jüngster Zeit eine deutliche Zunahme von Vorfällen mit rechtsextremistischer Orientierung beobachten.

Nach Einschätzung der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport spielen Inhalte wie die Gewaltthematik, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Formen von Diskriminierung und politischem Extremismus sowohl im Unterricht als auch in Projekttagen in den letzten Jahren eine stärkere Rolle. Lehrerkollegien widmen sich diesen Problemstellungen bei überregionalen und regionalen Dienstbesprechungen, in verschiedenen Gremien sowie bei Konferenzen und Studientagen.

Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer (Mediation und Konfliktschlichtung), Ausstellungen („Konstruktiv handeln"

­ Grundschulausstellung zur Gewaltprävention; „Echt krass! ­ Gewalt in uns, Gewalt um uns" Ausstellung für die Sekundarstufe I) sowie entsprechende Leitfäden und Handreichungen zählen zu den besonderen Maßnahmen, die im Schulbereich ergriffen wurden.

Darüber hinaus gehört in diesen Zusammenhang auch die Förderung einer Reihe von Projekten, die in die Angebote einzelner Schulen eingeflossen sind, wie z. B.:

Schülerclubs (60), Schülerwerkstätten (240), Eigeninstandsetzung von Klassenräumen

Schülerfahrten in fremde Kulturen und entsprechende Projekttage

Initiative „Courage gegen Fremdenhass"

Modellversuch „Konfliktbewältigung für Mädchen und Jungen"; als Ergebnis liegen u. a. Curricula für die Mädchenund Jungenkurse vor, auf deren Grundlage bisher ca. 40 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet wurden.

Umgestaltung vom Schulhof zum Spielhof, jährlich ca. 60

Maßnahmen:

Schulhoföffnungen ins Wohnumfeld (ca. 260 ganz oder teilweise als Spiel- oder Sporthöfe)

Zur Zeit wird unter dem Arbeitstitel „Demokratisches Lernen und politische Bildung ­ Aufgabe der Schule zur Entwicklung einer demokratischen Kultur" ein Förderprogramm der BLK vorbereitet. Gemeinsam mit der RAA (Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule e. V.), der DKJS (Deutsche Kinder und Jugendstiftung) und unter Einbeziehen der Kultusministerien anderer Länder ein Konzept entwickelt, das auf der Grundlage von Analysen bisheriger Ansätze und Projekte folgende Handlungsebenen ausweist:

1. Aufgaben, die die Schule betreffen

2. Schulverfassung und Mitbestimmung

3. Kooperation mit außerschulischen Einrichtungen.

Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung

Seit 1990 besteht im BIL (Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung) eine Arbeitsgruppe, die sich mit der zunehmenden Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen in der Berliner Schule beschäftigt. Diese Arbeitsgruppe ist über Abordnungen personell ausgestattet.

Zur Unterstützung von Prävention und Konfliktbearbeitung informiert und berät die Gruppe Lehrerinnen und Lehrer an den Berliner Schulen.

Als Themen werden angeboten:

Präventive Konfliktarbeit in der Schule

Konzepte zur Stärkung der sozialen und affektiven Kompetenz

Entspannung im Klassenzimmer

Jugendarbeit in der Schule ­ Methoden und Übungen für den Unterrichtsalltag

Mediation als Methode der Konfliktbearbeitung

Darüber hinaus gibt es pro Semester Kursangebote für Lehrerinnen und Lehrer im Rahmen der Fortbildung des BIL. Diese Kurse beziehen sich inhaltlich sehr stark auf die genannten Themen, darüber hinaus wird das Phänomen Gewalt in unterschiedlicher Weise aufgegriffen.

Wenn diese Themen und Fortbildungsangebote auch nicht unmittelbar den Problemkomplex von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus behandeln, so berühren sie dennoch ganz wesentliche mit diesen Phänomenen verbundene Grundhaltungen und sind dadurch für ihre Bekämpfung von zentraler, wenn nicht fundamentaler Bedeutung.

Über diese Aktivitäten hinaus gibt es eine ganze Reihe von Veröffentlichungen und Handreichungen, die sich mit diesen zentralen Fragen befassen. Sie sind allerdings zu einem sehr großen Teil vergriffen. Weitere Veröffentlichungen sowie eine Erweiterung des Fortbildungsangebotes zum Thema „Rechtsextremismus" sind geplant, ihre Realisierung jedoch abhängig von den finanziellen Möglichkeiten des BIL.

Darüber hinaus veranstaltet das BIL unterschiedliche Veranstaltungen zum Thema Nationalsozialismus, in deren Rahmen immer wieder Handreichungen für Lehrerinnen und Lehrer erarbeitet werden.

Hinsichtlich der Gewaltprävention an Schulen steht den Berliner Schulen als Beauftragte des Landesschulamtes eine Kollegin zur Verfügung, die z. B. im Rahmen von Studientagen Probleme im Umgang mit rechtsextremistisch gefährdeten Jugendlichen mit den Kollegien erörtert.

Fragen des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit werden durch das BIL regelmäßig in Veranstaltungen thematisiert. Im Rahmen des „Schilfblattes" werden Mitteilungen für Lehrkräfte von Migrantinnen und Migranten veröffentlicht.

Bereich Jugend

Die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport finanziert im Wesentlichen Projekte überregionaler Bedeutung z. B. im Rahmen der Jugend- und Jugendsozialarbeit. Diese Aktivitäten können nicht explizit als Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bezeichnet werden. Der gesetzliche Auftrag für solche Aktivitäten ergibt sich hier aus dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG), insbesondere aus den §§ 1, 11 und 13.

Im Rahmen der Tätigkeit der Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe sind deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch in vielfältiger Weise mit den Problemen von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus konfrontiert. Eine aktive Auseinandersetzung vor allem mit dem jugendlichen Klientel über die o. g. Probleme gehört zum alltäglichen Handeln im Rahmen dieser Arbeit.

Aufsuchende bzw. mobile Jugend- und Jugendsozialarbeit

Die Arbeit des Trägers Gangway e. V. Straßensozialarbeit in Berlin konzentriert sich in den westlichen Bezirken auf multiethnische gewaltorientierte Gruppen, deren Mitglieder meist aus der Türkei, dem arabischen Raum oder Ex-Jugoslawien kommen.

In den östlichen Bezirken wurde aus der zunächst auf rechtsorientierte Jugendliche ausgerichteten Arbeit eine auf die jeweilige Zielgruppe des Sozialraumes orientierte Arbeit. Zielgruppe sind Jugendgruppen im öffentlichen Raum (14­21 Jahre). Ziel ist deren soziale Integration.

Trotz struktureller Einsparungen in den Jahren 1996/97 und dank der zunehmenden Bereitschaft der Bezirke, durch eine bezirkliche Kofinanzierung die Förderung der mobilen Arbeit zu sichern, werden 1998 13 Teams (7 östliche Bezirke, 6 westliche Bezirke) eingesetzt. Die Teams sind, abhängig von der Zielgruppe, interkulturell zusammengesetzt.

Zielgruppe des Projektes Outreach des Trägers Verband für sozial ­ kulturelle Arbeit sind „unversorgte Jugendliche" außerhalb von Einrichtungen im Alter von 14­20 Jahren. In Abgrenzung zu festen organisierten Jugendgruppen und zur Einzelfallhilfe soll hier auf die Tendenz des Anwachsens von Cliquen bzw. der „Szene" eingegangen werden. Die sozialpädagogische Arbeit der hinausreichenden Jugendarbeit (Teams in 13 Bezirken, davon 7 in den östlichen Bezirken und 6 in den westlichen Bezirken) ist ausschließlich sozialraumorientiert und konzentriert sich auf die Primärprävention.

Aufgabe der Mobilen Teams zur Suchtprävention ist es, im Sinne von Primärprävention Angebote für potentiell gefährdete Kinder und Jugendliche zu entwickeln sowie Multiplikatoren zu qualifizieren, diese Aufgabe langfristig zu übernehmen.

Der Zusammenhang zwischen Sucht- und Gewaltprävention ist mittlerweile hinreichend thematisiert worden. Die Mobilen Teams gehen auf diesen Zusammenhang insofern ein, als sie mit ihren Maßnahmen auf eine Stärkung der Schutzfaktoren gegenüber Suchthaltungen zielen. Diese Schutzfaktoren dienen gleichermaßen der Prävention von Gewalt und Delinquenz.

Aktionsprogramm gegen Gewalt und Aggression

In den Jahren 1992 bis 1994 wurden in Berlin aus dem vom BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) geförderten Aktionsprogranmm gegen Aggression und Gewalt (AgAG) im Rahmen einer zielgruppenorientierten Arbeit 4 Projekte gefördert, von denen 2 vorwiegend Angebote für rechtsorientierte Jugendliche entwickelt haben. In den Jahren 1995 und 1996 wurden diese Projekte zu 50 % vom Land Berlin und zu 50 % weiter vom Bund gefördert. Im Jahr 1998 wurden diese Projekte ebenfalls aus Landesmitteln gefördert.

Im Rahmen dieser Arbeit konnte die Erfahrung gemacht werden, dass es kaum Jugendliche gibt, die mit den Mitteln der Jugend- und Jugendsozialarbeit nicht erreichbar sind, sofern sie nicht bereits in rechtsextremistischen Parteien organisiert sind.

Es konnte im Rahmen dieser zielgruppenspezifischen Arbeit eine Minimierung des Gewaltpotentials von Gruppen Jugendlicher und von einzelnen Jugendlichen erreicht werden, allerdings konnten politische Einstellungen von Jugendlichen nur in sehr begrenztem Umfang beeinflusst werden.

Sportbezogene Jugendsozialarbeit

In diesem Bereich werden eine Vielzahl von ausländerintegrativen Maßnahmen aus dem Landeshaushalt gefördert, die durch ihre speziellen Angebote für deutsche und ausländische Jugendliche helfen, ausländerfeindlichen Grundeinstellungen entgegenzuwirken. Dazu zählen 10 Sportjugendclubs, 5 Mädchensportprojekte, 3 Mobile Teams und das Fan-Projekt.

Bildungsmaßnahmen im außerschulischen Bereich Beratungs- und Bildungsangebote für jugendliche Immigrantinnen und Immigranten bzw. bosnische Jugendliche beim Träger abw e. V. werden u. a. im Rahmen von Deutschkursen bzw. Vorbereitungskursen auf den externen Hauptschul- und erweiterten Hauptschulabschluss vorgehalten.

Internationale Jugendbegegnungen Basierend auf dem Konzept des gegenseitigen bilateralen Austausches von Jugendgruppen zur Förderung des persönlichen Kennen- und Verstehenlernens wurden im Haushaltsjahr 1998 internationale Jugendbegegnungen aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert. Dabei handelte es sich um 63 Maßnahmen mit Partnerorganisation aus den verschiedensten Ländern.

Jugendarbeit

Im Rahmen der Jugendarbeit werden eine Reihe von Projekten gefördert, die Prävention gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus als wichtiges Element des pädagogischen Konzepts im Rahmen des allgemeinen Bildungs- und Förderauftrages realisieren. Unter anderem folgende Projekte mit überbezirklichem Wirkungskreis: Jugendzentrum Schlesische 27 (interkulturelle Jugendarbeit, Projektarbeit und Schulkurse der interkulturellen Bildung) und Rockmobile (Förderung deutscher und nichtdeutscher musikinteressierter Jugendlicher). Außerschulische Bildung ­ politische Bildung

Die Sicherung der außerschulischen bzw. politischen Bildung zu dem Themenkomplex Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus erfolgt in erster Linie durch die Jugendbildungsstätten. Sie bieten Seminare, Kurse und Veranstaltungen für junge Menschen mit dem Ziel an, die Entwicklung von Zivilcourage und bewusster Individualität, von Toleranz und gewaltfreiem Verhalten gegenüber Andersdenkenden und anderen Kulturen zu fördern. In Berlin gibt es 2 nichtverbandliche Jugendund Bildungsstätten ­ davon eine in öffentlicher Trägerschaft (IBJG) ­ und 7 Einrichtungen von verschiedenen gewerkschaftlichen, kirchlichen und politischen Jugendverbänden.

Der Landesjugendring erhält Mittel für politisch-historische Stadtrundfahrten zum Themenschwerpunkt Nationalsozialismus. Für die politische Bildung außerhalb der Bildungsstätten, die verschiedene Kurse, Seminare und internationale Begegnungen umfasst, werden Jugendverbänden und anderen Trägern auf Antrag weitere Mittel ­ soweit möglich ­ bewilligt.

Zur kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte und deren Folgen werden mit Jugendgruppen und Multiplikatoren Gedenkstättenfahrten durchgeführt.

Familienbereich (Familienberatung, -bildung, -pflege, -erholung)

In diesem Bereich werden die unterschiedlichsten Maßnahmen gefördert, die sich in einem oder mehreren Teilbereichen mit dem Problem von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus befassen. So bietet der Arbeitskreis Neue Erziehung e. V. eine interkulturelle Familienberatung ebenso an wie Gruppenangebote und Fortbildungen zur Förderung der interkulturellen Kompetenz in sozialen und pädagogischen Einrichtungen. Darüber hinaus gibt er Elternbriefe heraus, von denen sich einer mit dem Thema des gemeinsamen Aufwachsens von deutschen und türkischen Kindern befasst.

Das Berliner Institut für Familientherapie berät und therapiert bei inner- und außerfamiliären Gewaltereignissen und ist in diesem Zusammenhang auch mit dem Problem von fremdenfeindlicher bzw. rechtsextremer Gewalt konfrontiert.

Der Verein Kindheit. e. V. bietet u. a. Erziehungs- und Familienberatung an, wenn sich Kinder in Konfliktsituationen mit Kindern anderer Nationalität befinden.

Fachbereich für gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Von diesem Fachbereich wurden mehrere Veranstaltungen mit folgenden Themen durchgeführt:

Schwule Ausländer

Rassismus, Sexismus, Heterosexismus

Expertengespräch „Jugendgewalt gegen Schwule"

Darüber hinaus wurden Plakate und Faltblätter herausgegeben.

Der Fachbereich weist darauf hin, dass bzgl. der Bearbeitung des Themas „Vorurteile und Gewalt gegen Lesben und Schwule" der Problemkreis von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus grundsätzlich Berücksichtigung findet.

Perspektivisch werden Maßnahmen im Bereich „Lesbische und schwule MigrantInnen" sowie im Bereich „Abbau von Vorurteilen gegenüber Homosexuellen bei MigrantInnen mit verschiedenem kulturellen und religiösen Hintergrund" für vordringlich gehalten.

Fortbildungsstätten im Bereich Jugendhilfe

Das Haus am Rupenhorn hatte 1948 bei seiner Gründung einen ausdrücklichen Auftrag zur antifaschistischen Bildungsarbeit bekommen. Dieser Tradition ist das Haus treu geblieben, als es sozialpädagogische Fortbildungsstätte wurde. Die inhaltliche Beschäftigung mit Rechtsextremismus und Gewalt gehörte immer zum Pflichtprogramm in Seminaren und Praxisberatungen. Seit den 70-iger Jahren kam das Thema „Rassismus" hinzu.

In Abhängigkeit von den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen einerseits und von Erzieherinnen/Erziehern und Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeitern andererseits haben sich Angebote zu den genannten Themen unter unterschiedlichen Überschriften wiedergefunden. Seminare und Workshops mit Titeln wie „Umgang mit rechtsextremistischen Jugendlichen"; „Antirassistische Trainings", „Workshops zu Erscheinungsformen des Rassismus" finden heute nicht mehr die notwendige Resonanz. Es wurden andere Formulierungen gewählt, um die entsprechenden Themen zu bearbeiten bzw.