Weiterbildung

Sollte die These richtig sein, dass diese Einstellungen sich zwar bei Jugendlichen und Heranwachsenden in besonderem Maße in Gewalthandlungen ausdrücken aber von einem nicht zu vernachlässigenden Anteil der Erwachsenen mitgetragen werden, muss dies entscheidende Konsequenzen für die Bekämpfung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus haben.

Die Auswertung der Stellungnahmen der Hauptverwaltungen zeigt, dass vor allem ­ aber nicht nur ­ im Bereich der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport sowie durch die Ausländerbeauftragte des Senats von Berlin präventive, nicht repressive Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ergriffen werden, die einen unverzichtbaren und sehr wesentlichen Teil der Präventionsarbeit in diesem Bereich darstellen. Die Maßnahmen der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, soweit sie Angebote nach KJHG § 13 beinhalten, sind keine expliziten Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus aber dennoch von unschätzbaren Wert bei der Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen. Vor allem im Bereich der politischen Bildung und der Fort- und Weiterbildung werden Maßnahmen gefördert, die in einem direkterem Zusammenhang zu den genannten Problemen stehen.

Eine genaue Übersicht über die an den ca. 1 000 Berliner Schulen ergriffenen Maßnamen bzw. über die an diesen Schulen im Rahmen der Lehrpläne oder der Behandlung von aktuellen Vorfällen geführten Auseinandersetzung mit den Problemen lässt sich naturgemäß im Rahmen dieser Recherche nicht herstellen.

Insgesamt scheint es notwendig, die interkulturelle Kompetenz von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden zu erhöhen, die Fähigkeiten dieser Zielgruppe im Umgang mit dem „Anderen" und dem „Fremden" zu erweitern und ihre Konfliktlösungskompetenz zu fördern.

Aus der Antwort der Senatsverwaltung für Inneres auf die Kleine Anfrage Nr. 3697 aus dem Jahr 1998 wird deutlich, dass Wert darauf gelegt wird, die von der Unabhängigen Kommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt in Berlin entwickelten Leitlinien verstärkt zur Geltung zu bringen sowie die im Zusammenhang mit dem Programm „Jugend mit Zukunft" entwickelten Verbesserungen in den Bereichen Schule, Polizei, Jugend und Sport zu stabilisieren und auszubauen.

Die Auswertung von Forschungsergebnissen macht deutlich, dass die politischen Einstellungen von Jugendlichen hinsichtlich der Akzeptanz rechter Parteien Anlass zur Sorge geben müssen.

Die Tatsache, dass vor allem in den östlichen Bezirken Berufsschüler ein Wählerpotential für rechte Parteien darstellen, lässt eine Offensive im Bereich der beruflichen und politischen Bildung unausweichlich erscheinen.

Aus dem Wissen heraus, dass Vorurteilsstrukturen, die Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus begünstigen, ein Phänomen darstellen, welches unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit besteht, sowie aus der Erfahrung heraus, dass diese Phänomene nicht nur innerhalb der deutschen Bevölkerung anzutreffen sind, sondern auch zu zum Teil gewaltförmigen Konflikten zwischen den unterschiedlichsten Ethnien führen, ist der Dialog mit den Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher in Berlin lebender Ethnien zu intensivieren und es ist zu diskutieren, welchen Beitrag sie hinsichtlich der Bekämpfung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus leisten können.

Darüber hinaus bedarf es eines politischen Signals sowohl an die Jugendlichen und Heranwachsenden als auch an die erwachsene Bevölkerung, dass Berlin Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in keiner Weise akzeptiert.

Dies ist vor dem Hintergrund der Studie von Merkens u. a. ebenso bedeutsam wie vor dem Hintergrund der Ergebnisse von Wahlforschern und entspricht den Maßnahmevorschlägen der Unabhängigen Kommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt in Berlin.

5. Literatur: Hans Merkens, Irmgard Steiner, Gerhard Wenzke: Lebensstile Berliner Jugendlicher 1997

Zentrum für europäische Bildungsforschung ­ Freie Universität Berlin ­ Institut für Allgemeine Pädagogik Berlin 1998

Willems, H. u. a.: Fremdenfeindliche Gewalt. Einstellungen, Täter, Konflikteskalation Opladen 1993

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Mit Beginn der 14. Legislaturperiode neu: Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen Oranienstraße 106

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