Für die Sonderschullehrer die unter diesen besonderen Bedingungen lehren sind spezielle Fortbildungsmaßnahmen und Supervisionen

Antrag über Schulausbildung in den Haftanstalten verbessern

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Der Senat wird aufgefordert, die Qualität der schulischen Ausbildung in den Haftanstalten zu verbessern. In diesem Zusammenhang ist zu prüfen, ob die Fach- und Dienstaufsicht der Schulabteilung der Berliner Justizvollzugsanstalten von der Senatsverwaltung für Schule, Jugend, Sport übernommen werden kann. Die Arbeitsverträge für die in Haftanstalten tätigen Lehrer/-innen sind so zu gestalten, dass sie den Rahmenbedingungen der Haftanstalt Rechnung tragen.

Für die Sonderschullehrer, die unter diesen besonderen Bedingungen lehren, sind spezielle Fortbildungsmaßnahmen und Supervisionen anzubieten.

Alphabetisierungskurse sind für Häftlinge insbesondere nicht deutscher Herkunft in den Haftanstalten auszuweiten.

Über die Ergebnisse ist bis zum 1. März 2001 zu berichten.

Begründung:

Für viele inhaftierte Jugendliche ist die Möglichkeit der schulischen Allgemeinbildung ein wichtiger Schritt für das Leben nach der Haft. Die Alphabetisierung vor allem der Häftlinge nicht deutscher Herkunft ist eine wichtige Voraussetzung für die Integration für das Leben in Freiheit. Das sichere Beherrschen der deutschen Sprache führt innerhalb des Anstaltlebens zu einer Befriedung und zu einer besseren Bewältigung des Lebens nach der Haftverbüßung, da Konflikte in Alltagssituationen dann eher mit Hilfe der Sprache ausgetragen werden können. Erfahrungen haben gezeigt, dass Handgreiflichkeiten immer erst dann erfolgen, wenn die sprachlichen Mittel ausgeschöpft sind. Daher sollten hier mehr Möglichkeiten geschaffen und die Defizite im Sprachgebrauch ausgeglichen werden. Dass die Regelung der Ferienzeiten und der zeitliche Ablauf des Schuljahres einer Haftanstalt nicht im Einklang stehen, rechtfertigen aus heutiger Sicht nicht die Zuordnung der Lehrer/-innen zum Bereich Justiz.

Sowohl die Koordination als auch die notwendige Vertretung der Lehrer kann aus schulfachlicher Sicht und den besonderen Anforderungen, die die Schüler in Haftanstalten mit sich bringen, nur von der Schulverwaltung geleistet werden, da nur sie und ihre untergeordneten Behörden über die notwendige Fachaufsicht, Kompetenz und Angebote verfügen, die für die schulische Arbeit unersetzlich ist. Eine fachliche Beratung zu Schulfragen kann nicht von Seiten des Justizbereiches erfolgen.

Neue Kooperationsmodelle zur Absicherung des Unterrichts mit den Lehrern aus dem Haus Kieferngrund würden erleichtert werden, da diese der Senatsschulverwaltung unterstehen. Die Möglichkeiten von erfolgreichen Schulabschlüssen in Haftanstalten sind noch nicht ausgeschöpft und muss zur Perspektivfindung von Jugendlichen gesteigert werden.

Hier bedarf es neben besonders guten didaktischen und methodischen Kenntnissen auch sehr viel Motivationsarbeit und Einfühlungsvermögen, um die Jugendlichen zum Erfolg zu führen.

Gerade auch im Hinblick der augenscheinlichen Zunahme von rechtsorientierten Jugendlichen in den Haftanstalten müssen Fächer wie Geschichte und Sozialkunde besonders gut aufbereitet werden und hier die neuen Modelle zur Aufklärung und Wertevermittlung einfließen.

Nicht zuletzt würden die Schüler die Gleichbehandlung bei Abschlussprüfungen zu anderen Schülern erfahren, da die Lehrer/-innen die Abschlussprüfungen selbst durchführen könnten.