Erfassung von Kennzahlen aller Studienplätze der Berliner Hochschulen

Folgendes beschlossen: „Der Senat wird aufgefordert, rechtzeitig zum Beginn der ersten Lesung des Haushalts 2001 die Erfassung von Kennzahlen aller Studiengänge der Berliner Hochschulen in Zusammenarbeit mit der HIS GmbH zu sichern. Daher ist insbesondere auf die Studiengänge der Fachhochschulen, an den Kunsthochschulen und der Hochschule der Künste sowie die Studiengänge Medizin, Zahnmedizin und Veterinärmedizin einzugehen. Die Darstellung ist dem Abgeordnetenhaus zum oben genannten Termin zur Kenntnis zu geben."

Hierzu wird berichtet:

1. Vorbemerkungen

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat dem Abgeordnetenhaus mit dem 19. Juli 2000 bereits einen Bericht „Erfassung von Kennzahlen aller Studienplätze der Berliner Hochschulen" zur Kenntnisnahme vorgelegt. In diesem Bericht werden die Ergebnisse der Untersuchungen für die Universitäten auf der Datenbasis 1997 und die Resultate für die Fachhochschulen und Kunsthochschulen auf der Datenbasis 1998 dargestellt. Damit wurde das standardisierte Verfahren, das erstmals auf der Basis der Daten des Jahres 1996 durchgeführt wurde, für das Folgejahr fortgesetzt. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass diese von der Hochschul-Informations-System-GmbH (HIS) entwickelte Methodik vergleichbare und nachvollziehbare Ergebnisse über die Ausgaben- und Ausstattungsstruktur der universitären Einrichtungen liefert. Durch eine Standardisierung und Normierung der Datenerfassung, -abgrenzung und -aufbereitung anhand eines Pflichtenheftes ist weitgehend eine regionale und überregionale Vergleichbarkeit gewährleistet.

2. Rahmenbedingungen in der Medizin

Auch im Bereich der Medizin wird ein entsprechender Bericht vorbereitet. Allerdings erschweren die spezifischen Rahmenbedingungen die zügige Umsetzung:

- Vergleiche sind wegen der Dienstleistungsverflechtungen mit der Krankenversorgung komplizierter. Die kostenmäßige Abgrenzung bereitet insbesondere in den klinischen Fächern große Schwierigkeiten, weil die für Forschungs- und Lehraufgaben beanspruchten Personal- und Sachmittelressourcen ebenso für Krankenversorgungsleistungen herangezogen werden und umgekehrt. Infolgedessen bestehen bisher keine allgemein anerkannten konzeptionellen Vorstellungen über das methodische Vorgehen.

- Die Universitätsklinika finanzieren ihren laufenden Betrieb zu rund zwei Dritteln aus Erträgen, die auf Krankenversorgungsleistungen beruhen. Gemessen an ihrer absoluten und relativen Höhe sind die Erstattungen der gesetzlichen Krankenkassen für stationäre Krankenhausleistungen von größter Bedeutung. Im Zusammenhang mit eigenen Engpässen drängen die Krankenkassen auf Einsparungen. Der Wunsch der Universitätsklinika nach Datenschutz über betriebliche Abläufe ist bei der angespannten Verhandlungssituation verständlich und in ihrem Interesse zu respektieren.

3. Ansätze zur Entwicklung von Kennzahlensystemen Unbeschadet hiervon liegen Ansätze zur Entwicklung von Kennzahlensystemen vor.

Die HIS hat im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen eine überregionale Auswertung finanz- sowie hochschulstatistischer Daten des Jahres 1996 erstellt, in der unter anderem Kennzahlen für die Medizin aufgeführt werden. Die Darstellung beschränkt sich allerdings auf wenige lehrbezogene Indikatoren. Da auf der Basis der stark aggregierten Daten des Statistischen Bundesamtes und des Wissenschaftsrates gearbeitet wurde, sind die Ergebnisse mit methodischen Mängeln behaftet, die bis heute nicht ausgeräumt werden konnten. Diese Wertung wird von der HIS geteilt. Weitere wichtige Untersuchungen von HIS sind zudem unter Bedingungen erfolgt, bei denen die Vernetzung von Forschung und Lehre mit Krankenversorgung nicht zu berücksichtigen war. Auf eine von der HIS erarbeitete, bewährte Methodik für den Medizinbereich kann somit nicht zurückgegriffen werden.

Weiterhin ist eine Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz mit dieser Problematik nachhaltig befasst. Im Ergebnis liegt bisher aufgrund einer Umfrage des Landes Sachsen-Anhalt eine Sammlung von Vergleichszahlen vor. Mit der Anforderung von Daten auf Landesebene wurde Anfang 1998 begonnen. Die letzte aktualisierte Zusammenstellung ist März 1999 mit den Daten von 1996 erfolgt. Eine nochmalige Überarbeitung wurde trotz Korrekturbedarfs einiger Länder bei der Erfassung der Basisdaten nicht durchgeführt.

Die Länder haben die Unterlagen aufgrund der dadurch bedingten begrenzten Aussagefähigkeit nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

In einer neu eingerichteten Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates unter Beteiligung der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur sollen die Überlegungen und Anregungen zur Implementierung eines Kennzahlensystems konzentriert behandelt und ausgebaut werden.

Ausgewählte Leistungskennzahlen und die damit beabsichtigte Operationalisierung und Quantifizierung des Leistungsverhaltens bilden die Basis für die leistungsorientierte Budgetierung. Nach diesem Prinzip wird im Bereich der Medizin bereits verfahren: Bilateral erfolgt zwischen den Universitätsklinika Charite? und dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin seit 1998 eine leistungsabhängige Zuschussverlagerung, bezogen auf zunächst 10 Prozent der konsumtiven Landeszuschüsse, in absoluter Höhe rund 50 Mio. DM.

Als Leistungsparameter werden im gleichen Verhältnis lehrund forschungsbezogene Indikatoren herangezogen. Bei der Lehre überwiegen die belastungsbezogenen Faktoren anhand der Studierendenzahlen. In der Forschung geben die Höhe der Drittmitteleinwerbungen und die Publikationsmenge und -güte, gemessen an der Höhe der Impaktfaktoren, den Ausschlag.

Die Festlegung des konkreten Verfahrens sowie der Verfahrensvollzug werden von den medizinischen Fachbereichen/ Fakultäten in gemeinsamer Abstimmung vorgenommen und die ermittelten Anteile nach Lehr- und Forschungsleistungen dem gemeinsamen Aufsichtsorgan, der gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftskommission, vorgelegt. Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur setzt diese Ergebnisse haushaltsmäßig um. Es ist geplant, die bisherigen Erfahrungen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der medizinischen Fachbereiche/Fakultäten zu evaluieren.

Mit dem Ziel der Weiterentwicklung sollen Voraussetzungen und Bedingungen für eine Erhöhung des Zuschussanteils definiert werden. Unumstritten ist der motivierende Charakter dieses Modells, die Stellung der Fakultät bei ihrer Leistungserbringung gegenüber den Belangen der Krankenversorgung innerhalb des Universitätsklinikums zu stärken.

Außerdem gewinnt die leistungsorientierte Budgetierung zunehmend an Bedeutung für die interne Mittelsteuerung der Universitätsklinika. Mit dem Konzept „Charite? 2000" hat sich die medizinische Fakultät der Humboldt-Universität auf eine richtungsweisende Arbeitsgrundlage verständigt. Inhaltlich wird wesentlich auf die Funktionalität der dezentralen Ressourcenverantwortung gesetzt. Zu diesem Zweck werden auf der Ebene der wissenschaftlichen Einrichtungen Budgets für Sachmittel, für Personalmittel und für Investitionsmittel getrennt nach Lehre, Forschung und Krankenversorgung gebildet. Diesen Budgets werden Leistungskriterien gegenübergestellt, auf deren Basis die Mittel für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung gestellt werden. Während des Wirtschaftszeitraums kann innerhalb der wissenschaftlichen Einrichtung im Rahmen der Deckungsfähigkeit verfügt werden.

Für die weitere Umsetzung ergibt sich die Notwendigkeit, den Einfluss der Fakultät auf die Veranschlagung und Verausgabung der für Forschung und Lehre vorgesehenen Mittel zu verstärken. In diesem Sinne ist der Dispositionsrahmen der Fakultät im Geschäftsjahr 2000 von 20 Mio. DM (1999) auf 30 Mio. DM erweitert worden.

Mit der Erhöhung dieses Anteils wird den Empfehlungen des Wissenschaftsrates entsprochen, durch Stärkung der Fakultät die Transparenz bei der Mittelbewirtschaftung zu verbessern und damit den zweckentsprechenden Mitteleinsatz des Landeszuschusses sicherzustellen.

4. Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und weitere Perspektiven

Als Ergebnis der bisherigen Bemühungen lässt sich festhalten, dass vor der Implementierung eines Kennzahlensystems mit dem Ziel, eine regionale und überregionale Vergleichbarkeit zu erhalten, die methodische Vorgehensweise von den Beteiligten klar strukturiert und festgelegt werden muss. Die Definition eines Pflichtenheftes, analog zur Vorgehensweise für den sonstigen Hochschulbereich, ist notwendige Voraussetzung für ein erfolgversprechendes Untersuchungsdesign.

Eine wissenschaftliche Beratung und Begleitung solcher Studien wird als zweckmäßig angesehen. Auf dieser Grundlage könnten die notwendigen Koordinationsfunktionen neutral wahrgenommen und sichergestellt werden, dass die Güte der Daten dem festgelegten Niveau entspricht und valide Vergleichsdaten aus anderen Bundesländern zur Verfügung stehen.

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat die Absicht, die Implementierung eines Kennzahlensystems durch einen eigenen Bericht für den Medizinbereich voranzutreiben. Aufgrund der Erfahrungen sind die bisher bekannten Ansätze zu überprüfen und anzupassen.

Durch die Mitarbeit der Senatsverwaltung für Wissenschaft,

Forschung und Kultur in der zu diesem Thema eingesetzten Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates wird die Chance wahrgenommen, den Austausch zu intensivieren und gestalterisch an der Diskussion teilzunehmen. Aus der Vielzahl von Parametern ist eine Auswahl zu treffen, auf deren Basis länderübergreifend die konkreten Daten ermittelbar sind. Die notwendige Beschränkung auf wenige Kennzahlen unterstreicht die Bedeutung von begleitenden Evaluationen und Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Über die Fortschritte wird die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur in vier Monaten einen weiteren Bericht erstellen.