Weiterentwicklung der Berufsausbildung in Berlin

Wir fragen den Senat:

I. Ausgangslage

1. Wie bewertet der Senat die Tatsache, dass Anfang Oktober 2000 nach Aussage von Senatorin Gabriele Schöttler immer noch ca. 2 000 Ausbildungsplätze für Jugendliche fehlen, die im laufenden Ausbildungsjahr eine Ausbildung beginnen wollen und was wird der Senat unternehmen, um dieses alljährlich zum Beginn des Ausbildungsjahres immer wieder auftretende Defizit zu beheben?

2. Welche Auffassung vertritt der Senat zu einer Reform der beruflichen Bildung, die in verschiedenen Gutachten von wissenschaftlichen Institutionen und Gewerkschaften als notwendig beschrieben wurde (darunter das 1999 vom Beirat „Berufliche Bildung und Beschäftigungspolitik" der Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen verfasste „Berliner Memorandum zur Modernisierung der Beruflichen Bildung", das Positionspapier der GEW vom März 2000 „Perspektiven für die Weiterentwicklung des Berufsbildungssystems in Deutschland", das Diskussionspapier des Sachverständigenrates Bildung der Hans-BöcklerStiftung „Ein neues Leitbild für das Bildungssystem ­ Elemente einer künftigen Berufsbildung" u. a.), welche inhaltlichen und strukturellen Veränderungen hält er im System der beruflichen Bildung für notwendig und wie gedenkt er eine Reform in Berlin einzuleiten?

3. In welcher Weise und mit wem hat der Senat die Ergebnisse des Berufsbildungsberichts Berlin 1999 ausgewertet, welche Schussfolgerungen für die Weiterentwicklung der Berufsausbildung hat er auf der Grundlage dieses Berichtes gezogen und welche Maßnahmen in der beruflichen Bildung wurden ausgehend von den Ergebnissen des Berufsbildungsberichts bereits eingeleitet?

4. Wie viele und welche verschiedenen Programme, mit denen die berufliche Ausbildung und der Berufseinstieg junger Menschen gefördert werden, gibt es gegenwärtig in Berlin?

II. Entwicklungstendenzen in der dualen Ausbildung in Berlin

5. Wie charakterisiert und bewertet der Senat die Entwicklungen, die im Verhältnis von betrieblichen Ausbildungsformen im dualen System und außerbetrieblichen Ausbildungen mindestens in den vergangenen fünf Jahren in Berlin vor sich gegangen sind, wo sieht er Ursachen für diese Entwicklungen und welche Schlussfolgerungen zieht er für die Berufsbildungspolitik des Berliner Senats?

6. Warum ist der Senat angesichts der Tatsache, dass nur 38 % der für die Ausbildung berechtigten Betriebe tatsächlich ausbilden (Antwort auf die Kleine Anfrage 14/874) nach wie vor nicht bereit, sich für eine Bundesratsinitiative des Landes Berlin für ein Umlagefinanzierungsgesetz einzusetzen (Drucksache 14/635) und welche Möglichkeiten sieht der Senat über eine Umlagefinanzierung hinaus, um das Engagement der Wirtschaft für die Ausbildung junger Menschen deutlich zu stärken?

7. Wie bewertet der Senat die Ergebnisse, die mit den „Richtlinien über die Gewährung von Zuschüssen zur Förderung der Berufsausbildung im Land Berlin" in den einzelnen geförderten Bereichen erreicht wurden, in welchem Verhältnis standen Förderaufwand und Ergebnisse und welche Veränderungen in den Richtlinien will der Senat künftig vornehmen?

8. Wie hat sich der Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge in den zurückliegenden 5 Jahren entwickelt, wie bewertet der Senat die Entwicklung der Ausbildungsabbrüche und welche Schlussfolgerungen zieht er daraus für die Berufsbildungspolitik des Senats?

III. Entwicklungstendenzen außerbetrieblicher und vollschulischer Ausbildungsgänge

9. Wie bewertet der Senat die sich ausweitenden außerbetrieblichen und vollschulischen Ausbildungsformen in Hinblick auf die Qualität dieser Ausbildung, auf die finanzielle Belastung der öffentlichen Haushalte sowie auf die Chancen von Jugendlichen mit einer außerbetrieblichen Ausbildung, einen Arbeitsplatz zu erhalten?

10. Wie haben sich Teilnehmer/-innenzahlen an den berufsvorbereitenden Maßnahmen und die Qualität dieser Maßnahmen in den zurückliegenden 5 Jahren entwickelt und wie sollen neue Berufsbilder und die veränderten Anforderungen in der Arbeitswelt künftig Eingang in die berufsvorbereitenden Maßnahmen finden?

11. Was will der Senat auf Landesebene sowie im Rahmen von Bundesratsinitiativen unternehmen, damit die verschiedenen Formen der außerbetrieblichen Ausbildungen im Berufsbildungssystem einen der dualen Ausbildung gleichwertigen Platz einnehmen?

IV. Ausbildung von jungen Frauen und Mädchen

Welche qualitativen und quantitativen Veränderungen in der Beteiligung von Mädchen und jungen Frauen an der beruflichen Ausbildung haben sich in den zurückliegenden fünf Jahren vollzogen (darunter Ausbildung in den neuen Berufsfeldern, Vordringen in für Frauen atypische Ausbildungsgänge)?

13. Was unternimmt der Senat angesichts neuer technologischer Entwicklungen aktuell und bedarfsbezogen zur Förderung der beruflichen Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen im Medien- und IT-Bereich?

V. Ausbildung jugendlicher Migrantinnen und Migranten

Welche Ursachen sieht der Senat für den deutlichen Rückgang des Anteils ausländischer Auszubildender an der Zahl der Auszubildenden insgesamt in der zweiten Hälfte der 90er Jahre (von einem Anteil von 8,8 % 1994 auf 5,4 % im Jahr 1999 laut Statistik der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen)?

Welche Rolle spielt die Beherrschung der deutschen Sprache für Jugendliche nichtdeutscher Herkunftssprache beim Abschluss eines Ausbildungsverhältnisses und welchen Stellenwert hat die Sprachausbildung innerhalb der beruflichen Ausbildung?

VI. Weiterentwicklung der Beruflichen Schulen

Welche Auffassung vertritt der Senat zur Weiterentwicklung der Berufsschulen und insbesondere der Oberstufenzentren in Berlin und mit welchen inhaltlichen und strukturellen Veränderungen will er auf neue Berufsbilder und neue Anforderungen in der Arbeitswelt, darunter insbesondere im Medien- und informationstechnischen Bereich reagieren?