Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Ausbildung jugendlicher Migrantinnen und Migranten

Der Senat wird aufgefordert, Maßnahmen zur umfassenden Förderung der beruflichen Ausbildung jugendlicher Migrantinnen und Migranten ­ Jugendlicher nichtdeutscher Herkunftssprache mit oder ohne deutschen Pass ­ vorzulegen. Diese Maßnahmen sollen sich u. a. darauf richten,

- den Anteil der Migrantinnen und Migranten an den Auszubildenden in den jeweiligen Ausbildungsberufen, Ausbildungsbereichen und Ausbildungsgängen, darunter insbesondere im öffentlichen Dienst des Landes Berlin, so zu erhöhen, dass er dem Anteil der Migrant(inn)en an der jeweiligen Altersgruppe der Bevölkerung entspricht

- die Ausbildung von Migrantinnen und Migranten in qualitativ hochwertigen Berufen und in neuen Berufsfeldern, darunter in IT-Berufen zu fördern.

Die vom Senat zu entwickelnden Maßnahmen sollen alle Ausbildungsbereiche und Ausbildungsgänge sowie die schulischen Voraussetzungen einbeziehen.

Dem Abgeordnetenhaus ist darüber bis zum 31. Januar 2001 zu berichten.

Begründung: Jugendliche Migrantinnen und Migranten ­ Jugendliche nichtdeutscher Herkunftssprache mit oder ohne deutschen Pass ­ zählen nach wie vor zu den in der beruflichen Ausbildung benachteiligten Jugendlichen. Erst vor kurzem wurde der hohe Anteil von über 30 % Jugendlicher nichtdeutscher Herkunftssprache, die die Schule ohne Abschluss verlassen, in den Medien thematisiert.

Diese höchst problematische Entwicklung setzt sich in der beruflichen Ausbildung fort.

In der Ausbildung im dualen System ist der Anteil der ausländischen Jugendlichen an den Auszubildenden in der Gesamtheit der Kammerbereiche von 8,4 % im Jahr 1992 auf 5,4 % im Jahr 1999 gesunken. Darunter sank allein der Anteil ausländischer Jugendlicher an den Auszubildenden im öffentlichen Dienst (nur Verwaltungsberufe) von 6,4 % im Jahr 1992 auf 1,7 % 1999.

(Grunddaten zum Berliner Ausbildungsmarkt, Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen, Stand 20. März 2000).

Selbst aus den berufsvorbereitenden Lehrgängen, die eher als „Warteschleifen" gelten, werden ausländische Jugendliche zunehmend verdrängt. Ihr Anteil dort liegt zwar deutlich über dem Anteil in den Kammerbereichen, sank aber auch von 36,2 % im Jahr 1992 auf 16,4 % im Jahr 1999 (gleiche Quelle).

Für ein gleichberechtigtes und tolerantes Zusammenleben in der Gesellschaft sind dringend Maßnahmen erforderlich, die die Benachteiligung jugendlicher Migrantinnen und Migranten in Bildung und Ausbildung beseitigen.

Um zu wirksamen Maßnahmen zu kommen, ist es auch notwendig, die Kriterien, mit denen die Ausgangssituation erfasst wird, zu erweitern und zu präzisieren. Die Kriterien wie Herkunftssprache (schulischer Bereich) bzw. Pass (Ausbildung) erfassen die Ausgangssituation nur unzureichend und sind auch für die zu entwickelnden Fördermaßnahmen zu einseitig.