Einzelhandel

In einer moderierten Planwerkstatt sollen in einem basisdemokratischen Verfahren (analog den Sanierungsbeiräten) unter Einbeziehung der Investoren neue zukunftstaugliche Lösungswege für die städtebauliche Entwicklung erarbeitet werden. Ein Festhalten an dem zehn Jahre alten städtebaulichen Entwurf von Kollhoff, dessen Rahmenbedingungen sich erheblich verändert haben und dessen Leitideen erst halbiert (Anzahl der Hochhäuser) und jetzt eingeschrumpft (Sockelgeschosse) wurden, darf es dabei nicht geben, denn das wird weder dem Ort, noch dem Verfasser gerecht.

A. Entwicklungsziele eines neuen städtebaulichen Planungskonzeptes

Der Bebauungsplan für die städtebauliche Entwicklung des Alexanderplatzes ist grundlegend im Hinblick auf eine sozial verträgliche, wirtschaftliche tragfähige, kulturell bedeutsame und ökologisch zukunftsweisende Gestaltung zu überarbeiten. Er soll der Philosophie folgen, den Alexanderplatz aus dem Bestand heraus weiterzuentwickeln und zu verändern, ihn in das Konzept der Polyzentralen Stadt zu integrieren und die Verbindung zu den umgebenden Quartieren herzustellen. Dazu gehören insbesondere:

1. Die städtebauliche Gestaltung:

- Die Gestaltung einer attraktiven öffentlichen Platzanlage

- Eine zügige Sanierung und gestalterische Aufwertung der vorhandenen Bausubstanz, Maßnahmen zum Denkmalschutz, z. B. Haus des Lehrers, Kongresshalle

- Eine Anbindung an unmittelbar umliegende Stadtteile, aber auch an die Spandauer Vorstadt und den Hackeschen Markt,

- Eine sukzessive Bebauung ausgewählter Teilflächen des Platzes, z. B. Kaufhof und Baufeld 4 alternativ zur geplanten Sockelgeschossbauweise; dabei sind zukunftsweisende, energiesparende, ökologische Bauweisen anzuwenden

2. Die Verkehrssituation:

- Rückbau der Fahrbahnflächen

- Gestaltung der freiwerdenden Flächen

- Schaffung oberirdischer direkter Fußgänger- und Fahrradverbindungen

- Umwidmung der Fußgängertunnel und des Autotunnels

- Berücksichtigung der Straßenbahnschienenbettes

3. Die Nutzung:

- Kulturelle Belebung außerhalb der Ladenöffnungszeiten als Maßnahme zur Aufhebung der monostrukturierten Büroflächen- und Einzelhandelsnutzung

- Reduzierung der Einkaufsflächen auf 30­50 %

- Erhöhung des prozentualen Anteils an Wohnnutzung

- Verbesserung der Aufenthaltsqualität

- Berücksichtigung der Platznutzung und Platzqualität während der Erstellung von Ergänzungsbauten

B. Kurzfristige Verbesserung der Qualität des Platzes Begonnen werden sollen umgehend folgende Maßnahmen

- Zügige Umsetzung und Abschluss der Sanierung und Modernisierung der denkmalgeschützten Gebäude

- Verbesserung der Überquerungsmöglichkeiten zum Platz für Fußgänger/-innen und Fahradfahrer/-innen

- Verbesserung der Aufenthaltsqualität durch die Gestaltung des Platzes

- Ermöglichung von Zwischennutzungen für kulturelle und künstlerische Angebote auf den vorhandenen Flächen

Dem Abgeordnetenhaus ist sechs Monate nach Beschlussfassung Zwischenbericht zu erstatten und nach zwölf Monaten ein Endbericht vorzulegen.

Begründung:

Das bedeutendste Stadtzentrum im östlichen Teil Berlins, die City Ost muss kurzfristig aufgewertet und langfristig mit einer qualitativ hochwertigen Planung entwickelt werden.

Die Planung nach dem städtebaulichen Entwurf von Kollhoff ist unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht realisierbar. Statt zwölf Hochhäusern steht eine „Rumpfbebauung" mit sechs Sockelgeschossen bevor. Aber selbst diese stehen in den Sternen. Das Ziel der städtebaulichen Aufwertung des Alexanderplatzes ist damit verfehlt. Auch mit der in den städtebaulichen Verträgen vereinbarten Platzumgestaltung ist nicht zu rechnen, wenn die Gebäude nicht errichtet werden.

Damit droht dem Alexanderplatz das selbe Schicksal wie dem Zoofenster, das im Schwebezustand der nicht absehbaren Wirtschaftlichkeit jahrelang dahingammelte. Um das zu verhindern, ist es notwendig, in einem basisdemokratischen Verfahren einer durch den Senat moderierten Planwerkstatt unter Einschluss aller Akteure, d. h. auch der Investoren neue kreative Lösungswege zur Gestaltung des Alexanderplatzes zu schaffen. Ziel muss es sein unter Vermeidung von Regressansprüchen ein für alle tragfähiges zukunftorientiertes städtebauliches Konzept für den Alexanderplatz jenseits von Sockelgeschossen zu entwickeln.

Kurzfristig bedarf es einfacher aber wirkungsvoller Maßnahmen, die zu einer besseren Aufenthaltsqualität, Nutzungsmischung und räumlichen Anbindung an die Nachbarquartiere zur Belebung in den Abendstunden führen. Dazu gehören auch attraktive fußläufige Anbindungen an die umliegenden Quartiere, insbesondere in die Spandauer Vorstadt, um den Platz auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten zu beleben. Die denkmalgeschützten Gebäude müssen zügig saniert werden, damit die Beeinträchtigungen durch Dauerbaustellen vermieden werden.