Eine der bundesweit bekanntesten Zeitungen ist Nation & Europa Nation & Europa greift aktuelle politische gesellschaftliche oder historische Themen auf und interpretiert diese im rechtsextremistischen Sinn

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kratische Mitspieler in der virtuellen Demokratie von „Democracy Online Today" zu präsentieren.94
Publikationen und Schulungseinrichtungen Zeitungen und Zeitschriften suchen eine breite Öffentlichkeit und daher die „Salonfähigkeit" im demokratischen Lager. Die Autoren nennen sich selbst meist „konservativ" und versuchen, sich einen „bürgerlichen" Anstrich zu geben, indem sie sich um eine Distanzierung von aktionsorientierten Rechtsextremisten bemühen. Nichtsdestotrotz richten sie sich jedoch mit ihren Positionen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.

Eine der bundesweit bekanntesten Zeitungen ist „Nation & Europa" (). „Nation & Europa" greift aktuelle politische, gesellschaftliche oder historische Themen auf und interpretiert diese im rechtsextremistischen Sinn. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten antiamerikanische Artikel zum Irak-Krieg,95
antisemitische Beiträge zur Möllemann-Friedman-Debatte und der Politik Israels sowie antidemokratische Kommentare zur angeblichen Unfähigkeit des bundesrepublikanischen politischen Systems zur Lösung der Probleme des Landes.

Eher nach innen gerichtet arbeiten Theorie- und Schulungseinrichtungen der rechtsextremistischen Szene. Diese Organisationen richten sich meist an eine rechtsextremistische Klientel, deren Weltbild durch eine intensivere Ideologisierung und Politisierung verfestigt und radikalisiert werden soll. Eine der bekanntesten Schulungsorganisationen ist zur Zeit das „Deutsche Kolleg" (DK). Aus dem DK heraus wurde 2003 der „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bezweifelns des Holocausts Verfolgten" (VRBHV) gegründet.

„Verein zur Rehabilitierung der wegen Bezweifelns des Holocausts Verfolgten" (VRBHV) gegründet
Der aus dem „Deutschen Kolleg" hervor gegangene Personenkreis um Horst MAHLER verfolgte umtriebige antisemitische und Holocaust-leugnende Aktivitäten. Ein „Feldzug gegen die
Vgl. Senatsverwaltung für Inneres: Verfassungsschutzbericht 2002.Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bezweifelns des Holocausts Verfolgten" (VRBHV). Zweck des in Berlin ansässigen Vereins ist es, „durch organisierte Anstrengungen die bisher vorherrschende Vereinzelung der Verfolgten auf(zu)heben, ihrem Kampf um Gerechtigkeit die notwendige Wahrnehmung in der Öffentlichkeit (zu) gewährleisten und die finanziellen Mittel für einen erfolgreichen Rechtskampf bereit(zu)stellen."
Ziel ist die „Wiederaufnahme aller Strafverfahren (...), die zur Verurteilung wegen Verstoßes gegen § 130 StGB mit der Begründung geführt haben, dass der Holocaust in dem beschriebenen Sinne eine offenkundige Tatsache sei, die keines Beweises mehr bedürfe."
Über die Rehabilitierung der wegen Volksverhetzung Verurteilten hinaus, strebt der Verein an, „endlich den Allgemeinen Volksaufstand zur Wiedererlangung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches durch einen organisierten und geordneten Angriff auf die Auschwitzlüge als dem Fundament der Fremdherrschaft über das Deutsche Volk zu beginnen."
Der Vereinsgründung waren über das gesamte Jahr hinweg aufeinander aufbauende Aktionen vorausgegangen, die alle den Zweck hatten, die historische Tatsache des Holocaust anzuzweifeln. In diesem Bemühen zog der Initiator der Bestrebung, Horst MAHLER, eine wissenschaftliche Untersuchung des „SPIEGEL"-Redakteurs Fritjof MEYER vom Mai 2002
heran, in der MEYER zu dem Schluss kommt, in Auschwitz seien weniger Juden umgekommen als bislang angenommen.

Am grundlegenden Urteil über den Holocaust als einzigartigem Menschheitsverbrechen zweifelt MEYER ­ im Gegensatz zu MAHLER - ausdrücklich nicht. „Dieses Ergebnis relativiert nicht die Barbarei, sondern verifiziert sie...", schreibt MEYER.99
Für
Pressemitteilung. Internetauftritt des VRBHV, Aufruf am 8.12.2003.
Gründungserklärung. Internetauftritt des VRBHV, Aufruf am 8.12.2003.
Internetauftritt des VRBHV, Aufruf am 8.12.2003. Vgl. zu dieser Argumentation den Artikel zum DK, S. 183 ff.
Fritjof Meyer: Die Zahl der Opfer von Auschwitz. Neue Erkenntnisse durch neue Archivfunde. In: „Osteuropa" Nr. 5/52. 2002, S. 631 - 641, hier: S. 641.
Revisionismus 68 Verfassungsschutzbericht Berlin 2003
MAHLER war die Untersuchung jedoch der Beweis, dass nicht nur die bislang angenommene Anzahl der ermordeten Juden, sondern die Tatsache des von den Nationalsozialisten verübten, systematischen Judenmordes an sich erfunden sei. Zur Klärung der strafrechtlichen Relevanz dieser Aussage erstattete MAHLER gegen MEYER sowie die verantwortliche Herausgeberin der Zeitschrift, in der MEYERs Artikel erschien, die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita SÜSSMUTH, Anzeige wegen Volksverhetzung nach § 130 StGB. Zudem zeigten sich MAHLER und weitere Mitglieder des DK in gleicher Sache selbst an. In keinem Fall führten die Selbstanzeigen zu den erhofften Verfahren.

MAHLER verfasste daraufhin eine Schrift zum Thema Judenvernichtung im Dritten Reich. Dieses so genannte „Verdener Manifest" bildete die ideologische Grundlage des Aktivistenkreises um MAHLER. Er bezeichnet hierin das Gedenken der Shoa als „Holocaust-Religion" und als ein von den Juden erfundenes Instrument des „Seelenmordes" am deutschen Volk: „Während das Palästinensische Volk den Tod durch israelische Bomben, israelische Panzer und israelische Mörderbanden erleidet, wird das Deutsche Volk Opfer eines von Jüdischen Institutionen organisierten Seelenmordes, wie es ihn in der Geschichte noch nie gegeben hat. (...) Der Aufstand gegen die Jüdische Weltherrschaft hat in Palästina mit der 2. Intifada begonnen. Der Befreiungskrieg setzt sich jetzt fort in Deutschland mit dem Angriff auf das Dogma von den 6 Millionen im Gas umgekommenen Juden."
Diese von MAHLER verfolgte Argumentation ist ein typisches Beispiel für einen „neuen Antisemitismus."
Im „neuen Antisemitismus" werden nach der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 auch die in Deutschland lebenden Juden kollektiv für die Politik des Staates Israel haftbar gemacht. Zum anderen thematisiert der so genannte „Antisemitismus nach Auschwitz" den Holocaust. Der von den Nationalsozialisten betriebene Völkermord wird entweder verharmlost, als Notwehr eines angegriffenen deutschen Volkes dargestellt oder gänzlich geleug100
Manifest. Von Bürgern des Deutschen Reiches verabschiedet in Verden an der Aller am 5.2.2003.
Vgl. zum folgenden Armin Pfahl-Traughber: Antisemitismus in der deutschen Geschichte. Opladen 2002, S. 12 f.

„Verdener Manifest" Neuer Antisemitismus