Gleichzeitig sind die Verkehrsteilnehmenden aufgerufen ihre persönliche Verantwortung im Verkehrsgeschehen wahrzunehmen

Bei der Vergabe von städtischen Aufträgen, beispielsweise an die Stadtreinigung und ÖPNV Anbieter, sollte die Verwendung von umweltfreundlichen Nutzfahrzeugen und Verkehrsmitteln Bestandteil der Ausschreibung sein.

Mobilitätskultur

· Eine neue Mobilitätsstrategie kann nur dann wirksam werden, wenn sowohl Politik und Planung als auch die Bürgerinnen und Bürger ein neues Bewusstsein für Mobilität entwickeln. Politik und Verwaltung müssen auf eine Mobilität nach den Grundsätzen einer nachhaltigen Entwicklung achten.

Gleichzeitig sind die Verkehrsteilnehmenden aufgerufen, ihre persönliche Verantwortung im Verkehrsgeschehen wahrzunehmen. Jede und jeder kann mobil sein und dennoch die möglichen Nachteile minimieren. Dieses Bewusstsein sollte in der Region Berlin Ausdruck einer neuen Mobilitätskultur sein.

· An Kitas und Schulen wird die Einführung von Mobilitätslernen bzw. eines Trainings für ein nachhaltiges Verkehrsverhalten angestrebt.

· Die Verkehrssicherheit ist Teil einer neuen Mobilitätskultur. Die Zahl der Unfalltoten und Schwerverletzten soll langfristig dem Wert Null angenähert werden („Vision Zero"). Ausgewählte Unfallschwerpunkte werden mit Beteiligung der Verkehrsverbände genau untersucht. Dabei wird über die übliche Art der Unfallaufnahme hinaus und unter Einbeziehung einer interdisziplinären wissenschaftlichen Auswertung (z.B. unter Beachtung verkehrspsychologischer Erkenntnisse) das Unfallgeschehen in einen breiten Erklärungskontext gestellt. Ein Analysekriterium ist die Mitverursachung durch Verkehrsregelungen und die Straßengestaltung. So könnte die Sicherheit oft erhöht werden, wenn die Geschwindigkeit reduziert wird. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen sollen schrittweise Maßnahmen zur Unfallvermeidung an den Unfallorten selbst und an vergleichbaren Stellen durchgeführt werden.

· An zentralen Punkten (Zoo, Gesundbrunnen, Ostkreuz, Papestraße, Alex) sollten Mobilitätsstationen eingerichtet werden. Diese Stationen sollten auch mit Fahrradstationen verbunden sein.

Flugverkehr

· Im Zuge der Zusammenlegung des Flugverkehrs auf einen Single-Airport sind die Flughäfen Tempelhof und Tegel zu schließen. Regionale Fluglinien sollten zugunsten des Schienenverkehrs (z.B. ICE) eingestellt werden.

· Zur langfristigen Reduzierung der Anzahl der Flugbewegungen sind in Übereinstimmung mit den anderen europäischen Flughafenstandorten Konzepte wie Kontingentierungen, höhere Fluggebühren, Abbau von Subventionen für die Flughäfen und Flugbetrieb, Substitutionen durch andere Verkehrsmittel etc. zu entwickeln.

Projekte Leitprojekte sind prioritäre verkehrspolitische Aktionsbereiche des Agendaforums zur Erreichung der genannten Handlungsziele. Die aufgeführten Maßnahmen versprechen hohe Effizienz (bei begrenztem Finanzaufwand) und sind geeignet, zur Meinungsbildung im Sinne der Agenda 21 beizutragen.

Die Initiative zu den Leitprojekten geht von den Agendagruppen aus. Die Umsetzung der Projekte ist auf Partner bei den Verkehrsunternehmen, in der Wirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung angewiesen.

1. Shopping per Rad in Berlin Weiterführung eines bis Juni 2002 durchgeführten Projektes. Shopping per Rad besteht aus drei Elementen: Fahren, Parken und Serviceleistungen. In diesem Leitprojekt soll dabei vorrangig das Thema Fahrradabstellanlagen aufgegriffen werden. Im Vordergrund steht zum einen eine Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der betreffenden Personen und zum anderen ein „sichtbares" Ergebnis: das Aufstellen von Abstellanlagen.

2. Das Fahrradtaxi ­ Etablierung als Logistiklösung und Berliner Verkehrsmittel

In Berlin legen Autokuriere und Taxis täglich zehntausende Kilometer zurück. Im Innenring Berlins führt das zu großen Problemen: Lärm, hoher Schadstoffausstoß und Mobilitätsengpässe mindern die Lebensqualität der Anwohner erheblich. An dieser Stelle soll die Idee des Fahrradtaxis ansetzen. In einem Fahrradtaxi können sowohl zwei erwachsene Personen, die hinter dem Fahrer sitzen, als auch Sendungen in einem verschließbaren Koffer unterhalb der Sitzbank befördert werden. Dadurch kann das Fahrradtaxi Taxi- und Kurierfahrten im innerstädtischen Berlin schnell und flexibel ausführen und ist dabei nicht stauabhängig, da Fahrradwege und Busspuren genutzt werden können. Auch können Fahrradtaxis problemlos Poller passieren und sind damit fast immer in der Lage, die kürzesten und direktesten Wege zu fahren. Ziel des Projektes ist es, wesentliche Arbeiten, die bisher mit einem Auto durchgeführt werden, auf Fahrradtaxis zu verlagern.

3.Europäisches Netzwerk für Mobilität und Lokale Agenda 21

Mit besonderer Ausrichtung auf die Berliner Städtepartnerschaften in Ostmitteleuropa (Prag, Warschau, Budapest) und die EU-Osterweiterung im Jahre 2004 werden die Fachforen Eine Welt und Verkehr/Mobilität in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und Kooperationspartnern aus Verwaltung und Zivilgesellschaft in Berlin und insbesondere den o.g. Partnerstädten den Informations- und Erfahrungsaustausch zu Verkehrs- und Mobilitätsthemen sowie zur Lokalen Agenda 21 weiterentwickeln. darüber hinaus werden konkrete Einzelprojekte wie z. B. Planungswerkstätten und Bürgerbeteiligungsverfahren zur Verbesserung der Lebensqualität initiiert und durchgeführt. Die Organisation von Veranstaltungen und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleiten die umfangreichen Aktivitäten und informieren Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Zukünftige Leitprojekte sollen sich mit folgenden Themen beschäftigen:

· Einrichtung einer Mobilitätszentrale am Bahnhof Hohenschönhausen (mit der Einrichtung einer Mobilitätszentrale am Standort Bahnhof Hohenschönhausen, der bereits über eine gute ÖPNVAnbindung verfügt, sollen ÖPNV-Serviceleistungen sowie weitere Serviceleistungen, wie Reisebüro, Fahrradausleihe, -reparatur, Car-Sharing, Taxi-Vermittlung und Mitfahrzentrale, akquiriert und angeboten werden. Der Vorschlag knüpft an eine seit 1998 bestehende lokale Agenda-Initiative an und baut auf umfangreichen Vorarbeiten auf). Kontakt: Elke Schuster, WiR e. V. (Ges. zur Förderung der Weiterbildung in der Region) BMBF-Projekt "Lernkultur Berlin, Stadtraum Ost", Warnitzer Str. 28, 13057 Berlin, Tel.: 030 / 96 06 187-6 (Fax:-5) email: schuster.elke@gmx.de Zukunftsstraßenplanung: Straßenumgestaltung mit Bewohnerbeteiligung, wobei die Kompetenzen für die Straße weitgehend in Bewohnerhand gegeben werden soll (die Umgestaltungskompetenz bleibt aber bei der Verwaltung):

· Jugendstraßen (Fahrbahnrückbau zugunsten der Aufenthaltsflächen wie z. B. die Rütlistraße). Kontakt: Fusion-Intercultural Projects Berlin e.V.; Projektbüro "Jugendstrasse" Pannierstrasse 58; 12045 Berlin; Telefon: 620 052 41/43, Telefax: 620 052 42; E-Mail: info@jugendstrasse-berlin.de, Internet: www.jugendstrasse-berlin.de Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 35

· Fahrradstraßen (priorisierende Verkehrsregelung für eine Verkehrsart des Umweltverbunds wie z.B. die Linienstraße in Mitte - ähnlich wie die Oderstraße in Neukölln). Kontakt: Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt, Koppenplatz 12, 10115 Berlin-Mitte

· Erschließungsstraßen im Plattenbaugebiet (Einschränkung der Verkehrsflächen für den fahrenden und ruhenden Kfz-Verkehr, Qualifizierung der öffentlichen Räume) Akteure vor Ort werden angesprochen (z.B. Wohnungsbaugesellschaft, Anwohner)

· Umweltbahnhof Dannenwalde (stillgelegte Bahnstation mit Übernachtungsmöglichkeit und Ausgangsort für umweltverträglichen Tourismus in Brandenburg zu Fuß, per Rad und per Schiff). Kontakt: Umweltbahnhof Dannenwalde e.V. c/o Christian Wend, Postfach 90 03 54; 14482 Potsdam Tel. Nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Entwurf eines umweltpolitischen Schwerpunktprogramms.