Das Leitbild Als Gegengewicht zur Globalisierung hat sich Berlin auf seine regionalen Potenziale besonnen

2.1.2 Berlin in der märkischen Landschaft

Die Herausforderung

Die starke Abwanderung aus der Stadt hält an und führt zu einer fortschreitenden Zersiedelung diesseits und besonders jenseits der Stadtgrenze. Vor allem wirtschaftlich besser gestellte Familien mit Kindern ziehen aus der Innenstadt fort. Wegen dieser Randwanderung wächst die Besiedelung im Verflechtungsraum, ein Wachstum, das nur teilweise und nur unzureichend von den Instrumenten der gemeinsamen Landesplanung Brandenburg-Berlin begrenzt wurde und begrenzt werden kann.

Die Stadtflucht kostet dem hoch verschuldeten Berlin Steuereinnahmen und lässt sozial entmischte Innenstadtquartiere mit niedrigem Lebensstandard zurück. Die Zunahme an Bevölkerung am Stadtrand und im Verflechtungsraum verursacht wachsende Verkehrsströme in die Stadt und verschlechtert damit die innerstädtische Lebensqualität zusätzlich. Damit einher gehen auch Belastungen der natürlichen Umwelt, die gerade in Stadtrandlage einen hohen Stellenwert hat.

Das Leitbild:

Als Gegengewicht zur Globalisierung hat sich Berlin auf seine regionalen Potenziale besonnen. Die städtische und regionale Entwicklung geschieht im Einklang mit der Natur. Die regionalen Wirtschaftskreisläufe sind vernetzt.

Die Siedlungsschwerpunkte im Verflechtungsraum Berlin befinden sich im Einzugsbereich der Bahnlinien in der Region. Berlin ragt als Siedlungsstern in die märkische Landschaft. Ebenso hat der Verflechtungsraum in wie jenseits der Stadtgrenzen Berlins einen zusammenhängenden „GrünGürtel". Dieser Ring an Freiflächen hat wie die stadtnahen Landschaften insgesamt eine hohe Naturqualität und die kulturellen Traditionen der Landschaftsstruktur bewahrt. Alle Siedlungsgebiete und Landschaftsräume sind mit dem öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen. Die in der Nähe Berlins gelegenen Ortschaften haben besondere wirtschaftliche Entwicklungschancen, die sie landschafts- und umweltverträglich wahrnehmen.

Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 37

Zugleich ist der Prozess der Entvölkerung und wirtschaftlich-kulturellen Verödung der Berlin-fern gelegenen märkischen Gemeinden gestoppt worden.

Die „neue Landwirtschaft" gibt dem ländlichen Raum mit den Schwerpunkten regionale Vermarktung, ökologischer Landbau, Landschaftspflege, umweltfreundlicher Tourismus und weiterer Dienstleistungen ein wirtschaftliches Rückgrat und trägt so zur besseren Entwicklung der Region bei.

Die Parks, Freiflächen und vor allem die städtischen und stadtnahen Wälder Berlins wirken klimatisch ausgleichend, sie sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und dienen der Erholung und der Geselligkeit. Sie fördern das Wohlbefinden und die Bindung der Einwohner/innen an die Stadt. Die Stadtflucht hat aufgehört. "Grün und Landschaft" sind ein ökologischer, ökonomischer und sozialer Standortvorteil, den die Gemeinden und ihre Bewohner im Sinne einer zukunftsfähigen Regionalentwicklung nutzen. Sie sind ein wichtiger Beweggrund aus dem sich Betriebe in Berlin ansiedeln, zur wirtschaftlichen Belebung von Stadt und Region sowie zur Linderung der Massenarbeitslosigkeit beitragen.

Teilbereich 1: GrünGürtel Berlin - Regionalparks

Die Idee eines Grüngürtels wurde und wird in vielen europäischen Städten verfolgt. Für Berlin wurde erstmals 1909 der Plan eines "Wald- und Wiesengürtels für Groß-Berlin" vorgestellt und diskutiert. Mit ihrer Freiflächenpolitik - wie den Ankauf der Rieselfelder, der Stadtgüter und der Waldflächen um Berlin sowie die Entwicklung von Volksparks und Grünflächen im Stadtgebiet - hat Berlin diese Idee bewusst voran getrieben.

Heute kann sich die Konzeption eines GrünGürtels auf die Entwicklung der acht Regionalparks am Rande Berlins und in angrenzenden Gemeinden beziehen: Krämer Forst, Naturpark Barnim, Barnimer Feldmark„Müggel-Spree, Flutgrabenaue, Teltow Park, Potsdamer Havelseen, Döberitzer Heide. Diese stadtnahen Landschaften enthalten Naherholungsgebiete von hohem ökologischen Wert und sind durch den öffentlichen Nahverkehr erreichbar. Wegen ihrer Nähe zu Berlin haben sie zugleich besondere wirtschaftliche Entwicklungschancen. Diese gilt es in den Ländern Berlin und Brandenburg wahrzunehmen und ressortübergreifend zu unterstützen. Verflechtung und Zusammenarbeit der acht Regionalparks untereinander. Ihre Entwicklung wird als interkommunale Aufgabe über die noch bestehende Ländergrenze hinweg betrieben. Die im Grüngürtel lebenden Menschen identifizieren sich mit den Regionalparks, da Politik und Wirtschaft, Vereine und Verbände für den Entwicklungsprozess gewonnen werden.

Handlungsziele

· Naturschutz und Landschaftsgestaltung der Flächen in den Regionalparks, die zu Berlin gehören (z.B. Wiedervernässung von Rieselfeldern).

· Aktive Mitarbeit Berlins und der Berliner Bezirke in den Regionalparks und im Dachverband

· Engagement der Privatwirtschaft in den Regionalparks.

· Die ökonomische Aktivitäten in den Regionalparks werden landschafts- und naturverträglich gestaltet; sie sind in regionale Wirtschaftskreisläufe eingebettet.

· Der öffentliche Nah- und Regionalverkehr in die Regionalparks wird verbessert. Bis zum Jahr 2010 sind alle Gemeinden in den Regionalparks an allen Tagen mit öffentlichen Verkehrmitteln erreichbar.

Indikatoren: Erreichbarkeit aller Gemeinden in den Regionalparks mit öffentlichen Verkehrsmitteln an allen Wochentagen.

Neue Arbeitsplätze im Kontext zukunftsfähiger Regionalentwicklung Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 38

Maßnahmen Finanzielle und organisatorische Unterstützung des Dachverbands der Regionalparks und der Regionalparkvereine zur Schaffung von Arbeit und wirtschaftlicher Aktivität im Kontext zukunftsfähiger Regionalentwicklung

Die Taktzeiten von Bussen werden verdichtet, Busverkehr an den Wochenenden angeboten bzw. verstärkt.

Die Fahrradmitnahme wird erweitert.

Geschlossene Bahnstationen, wie Schönwalde im Krämer Forst, werden wieder eröffnet.

Im Bahnhof Hohenschönhausen wird eine Mobilitätszentrale eingerichtet.

Werbekampagnen für umweltverträglichen Tourismus in die Regionalparks Teilbereich 2: Stadtgüter

Die acht Berliner Stadtgüter, rund 24.000 ha Land, sind Teile des Naherholungsraums der Regionalparks und bedürfen insofern der landschaftlichen Entwicklung. Sie sollen verpachtet, die Betriebsrechte an den Gütern verkauft werden.

Qualitätsziel 2.1: Berlin nutzt seine Verantwortung als Grundeigentümerin zur Entwicklung von ökologischer Bewirtschaftung und artgerechter Tierhaltung auf den Flächen der Stadtgüter und fördert ihre Attraktivität als Ausflugsgebiet.

Handlungsziele

· Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen auf den Stadtgütern wird insgesamt unterbunden.

· Umstellung auf ökologischen Landbau und artgerechte Tierhaltung für mindestens 50% der Fläche und die Viehwirtschaft.

· Werbung für die Vermarktung der Agrarprodukte der Stadtgüter in Berlin

· Erhalt der ländlichen Architektur und der zum Teil denkmalswürdigen Bausubstanz der Stadtgüter

· Landschaftliche Gestaltung.

Maßnahmen:

Die Handlungsziele werden in allen Verkaufs- und Pachtverträgen der Stadtgüter festgeschrieben.

Die Verträge enthalten auch die Verpflichtungen für alle verpachteten Güter, Fördermittel zur Landschaftsgestaltung in Anspruch zu nehmen.

Landschaftliche Gestaltung durch Hecken, Feldsäume, Feldalleen oder die Renaturierung von Bachläufen.

Lieferverträge und Bildungspartnerschaften zwischen den Stadtgütern und Einrichtungen in Berlin, insbesondere Kitas und Schulen.

Teilbereich 3: Regionale Agrarwende und Berliner Ernährungsmarkt

Der ökologische Landbau ist eine wichtige Stütze der begonnenen Agrarwende, schafft mehr Arbeit in den Dörfern und wertet die Landwirtschaft gesellschaftlich auf.