Kulturprojekte vor allem für Kinder und Jugendliche

In dem kieznahen Fixpunkt für den Stadtteil um den Boxhagener Platz sollen zahlreiche neue Arbeitsplätze und Kulturprojekte vor allem für Kinder und Jugendliche entstehen. Geplant ist u.a. die Gründung einer beschäftigungsorientierten (Stadtteil-)Genossenschaft.

Langfristiges Ziel der Akteure auf dem Gelände ist, das gesamte Revaler Viereck über einen kooperativen, partizipativen Entwicklungsprozess, in den alle Akteure - d.h. Eigentümerin, Bezirk und die BürgerInnen - eingebunden sind, zu erschließen.

2. Leitprojekt: Generationenübergreifendes Wohnen:

In Berlin gibt es einige Projekte und verschiedene Vereine, die das Zusammenwohnen zwischen den Generationen fördern wollen. Da der Anteil älterer Menschen zunimmt wird es wichtiger, sie möglichst frühzeitig für das Zusammenwohnen mit jüngeren Menschen zu interessieren und, als Alternative zur Heimunterbringung, das Zusammenwohnen mehrerer Generationen zu organisieren. Weil ältere Menschen nicht nur unter sich sein wollen und ihren letzten Lebensabschnitt nicht im Heim oder gar einsam verbringen wollen, streben das Forum für gemeinschaftliches Wohnen im Alter (FGWA) und andere Vereine (z.B. Brückenschlag e.V.) an, möglichst viele Menschen für Wohngruppen zu begeistern und entsprechende Wohnprojekte zu organisieren. Dabei wird beachtet, dass Menschen mit zunehmendem Alter auf altersgerechte Serviceleistungen und durch zunehmende Behinderungen auf entsprechende Um- und Einbauten angewiesen sind. Wegen der demografischen Entwicklung (Überalterung) sollte ein Informationsnetzwerk speziell für sog. „Junge Alte", d.h. Menschen ab etwa 50, aufgebaut werden, mit dessen Hilfe generationsübergreifende Projekte vorgestellt werden und Alternativen zur Heimunterbringung dargestellt werden können.

3. Leitprojekt: Autofreies Wohnen-Stadtviertel z. B. Autofreies Wohnen an der Panke

Nach den Vorstellungen der Arbeitsgemeinschaft Autofreies Stadtviertel an der Panke soll das über 13 ha große Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend an der Chausseestraße nutzungsgemischt mit Wohnungen, Büros, Kultureinrichtungen, Sport- und Grünflächen bebaut werden. Auf dem Gelände sollen bis auf die Versorgungsfahrzeuge keine Kraftfahrzeuge verkehren, lediglich entlang der Chausseestraße wird es einige Stellplätze für Car-Sharing-, Besucher- und Lieferfahrzeuge geben. Dadurch stehen große Teile des Geländes für Grünflächen und Mietergärten zur Verfügung, versiegelte Asphaltflächen sind damit minimiert. Die Erschließung der einzelnen Gebäude soll ausschließlich über Feuerwehrzufahrten erfolgen, die als gemeinsame Verkehrsfläche für Fußgänger und Radler nur die notwendigen Minimalmaße einer Fahrzeugbreite haben, Fußgänger gehen auf diesen Zufahrtflächen statt auf Gehsteigen.

Entlang dieser Wege und in den Wohnhöfen haben die Bewohner/innen damit viele Gelegenheiten, Grünflächen selbst zu gestalten und zu pflegen. Dadurch wird das Leben der Kinder weniger gefährdet in einer durchgrünten Wohnumgebung statt zwischen Autos stattfinden. Die Mieten sowie die Preise für die Eigentumswohnungen könnten durch die wegfallenden (Tief-)Garagenplätze ca. 10 % niedriger ausfallen.

Die bereits registrierten ca. 500 Interessenten haben schon heute Kontakt zu den späteren Nachbarn, so dass sie bereits im Planungsprozess die gemeinsamen Vorstellungen und Wünsche absprechen und einbringen können. Die ersten Investoren für Wohnungen, Büro- und Sportflächen stehen bereit.

Das Anliegen des Projektes autofreien Wohnen kann auch auf anderen innerstädtischen Standorten umgesetzt werden, falls der Standort Chausseestraße nicht für diese Projektidee zur Verfügung stehen sollte.

4. Leitprojekt: experiment city berlin fördert partizipative und nachhaltige Entwicklungen Berliner Brachflächen id22 institut für kreative nachhaltigkeit e.V. baut (in Kooperation mit ufaFabrik Berlin e.V, European Academy for the Urban Environment (EA.UE), der TU Berlin - ISR, Institute für Stadt- und Regionalplanung Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 52

Öko-Stadt & Partner / Prof. Dr. Ekhart Hahn, AG Gleisdreieck) ein Berliner Kompetenzzentrum „Nachhaltige Nutzung von Brachflächen" auf. Nach Aufruf und Einladung zur Mitarbeit für Berliner Best Practice Projekte wird eine interaktive Internet-Plattform mit Kriterien, Beispielen, Literatur & Links mit Fragen zu deren Zielstellungen und zu den kreativen und nachhaltigen Entwicklungskriterien für Berliner Brachflächen erstellt. Im Rahmen der „Woche der Zukunftsfähigkeit" mit Berliner Projektbörse wird im September 2004 im R.A.W. ein Workshop zu Nachhaltigkeitskriterien organisiert. Dabei werden Best Practice Projekte präsentiert und eine Besichtigungstour führt zu verschiedenen Brachflächen, um die sich Projektgruppen kümmern. Durch die Internet-Plattform, die Workshops mit Besichtigungstouren, Faltblätter und Mitteilungen werden alle relevanten Akteure vernetzt, informiert und motiviert. Im November wird ein zweiter Workshop in der ufaFabrik stattfinden, auf dem Berliner und internationale Akteure zusammenkommen.

Dort soll dann der Entwurf des Kriterienkatalogs vorgestellt, eine Besichtigungstour durchgeführt und eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit organisiert werden. Die Kontakte mit Berliner sowie internationalen Akteure werden ausgebaut, neue Akteure werden für Freiflächen wie Flughafen Tempelhof, eastside gallery usw. hinzugewonnen. Gleichzeitig beginnt eine Vermarktung der Erfahrungen mit Veranstaltungsmanagement und Forschung durch das Berliner Kompetenzzentrum und die Vorbereitung einer Präsentation der Ergebnisse von experiment city berlin auf dem Weltkongress Metropolis 2005 unter dem Motto „Tradition & Transformation ­ Zukunft der Stadt".

Es wird erwartet, dass die Veröffentlichung der Entwicklungskriterien für Berliner Brachflächen größeres Interesse und Verständnis für nachhaltige Entwicklungsmethoden und Nutzungen schaffen. Die Projektleitung übernimmt id institut für kreative nachhaltigkeit e.V.. Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 53

Partizipation Berlin braucht eine Beteiligungs-Innovation Engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich zum Teil mit großem Elan in die gesellschaftlichen Belange einbringen und ihre „staatsbürgerliche Verantwortung" wahrnehmen, machen ­ auch in Berlin ­ immer wieder die Erfahrung, dass sie an den realexistierenden Strukturen von Politik und Verwaltung abprallen.

Das kann und muss sich ändern.

Partizipation der Bürgerinnen und Bürger ­ im Sinne einer aktiven Mitgestaltung der sie betreffenden Angelegenheiten ­ umfasst nicht nur den Bereich der sozialen Selbsthilfe, sondern auch die Willensbildungs- und Entscheidungsbereiche des öffentlichen Lebens. Nur durch eine frühzeitige (d.h. noch vor der Befassung durch die Verwaltung einsetzende) und umsetzungsrelevante Beteiligung können die Bürger/innen das Vertrauen dafür entwickeln, dass sie an der Gestaltung ihrer Lebenszusammenhänge effektiv mitwirken können.

Attraktive Möglichkeiten für Bürger/innen bei der Verwirklichung von Bürgerbeteiligung im konkreten Alltag des Gemeinwesens sind in Berlin noch unzureichend eingeführt. Der in manchen Bereichen bereits begonnene Dialog zwischen den Interessengruppen bedarf der Ergänzung durch - auch formal legitimierte - Formen der bürgerschaftlichen Mitwirkung. Nur wenn es gelingt, über die "organisierten" Interessen hinaus Bürger/innen zur aktiven Mitwirkung und Mitgestaltung an einer nachhaltig orientierten Politik zu gewinnen, kann letztere auf Dauer wirksam und erfolgreich sein.

Für die Entfaltung des bürgerschaftlichen Engagements ist es zunächst erforderlich, Bürgerinnen und Bürger umfassend über ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Mitbestimmung insgesamt zu informieren und zur Teilhabe zu ermuntern. Die Ergebnisse aus entsprechenden Partizipationsverfahren müssen in verbindlicher Form in die offiziellen Zielfindungsverfahren und Planungen der jeweiligen Handlungsebene (z.B. Stadtplanung, Bildung, Arbeitsplatz, Bezirksgremien etc.) mit einfließen. Hierzu ist es erforderlich, die vorhandenen Strukturen zu stärken (z.B. Stadtteilbüros, Bezirkliche Beschäftigungsbündnisse, Bürgerforen etc.) bzw. entsprechende Strukturen zu schaffen ­ und darüber hinaus verbindliche Regelungen für die Beteiligung der Bürger/innen zu entwickeln und festzuschreiben.

Heute eingeleitete bzw. getroffene Entscheidungen wirken in hohem Maße in die Zukunft hinein und beeinflussen das künftige Leben unserer Stadt. Im Zuge einer bürgerorientierten Verwaltungsreform sind daher geeignete Formen einer frühzeitigen Beteiligung der Bürger/innen an den ihre Belange betreffenden Fragestellungen und Zielsetzungen in den Verwaltungsbestimmungen zu verankern. Bürgerinnen und Bürger sind dabei als Partner zu verstehen, die im Sinne einer zukunftsfähigen Entwicklung Berlins die Gestaltung ihrer Umwelt aktiv mit beeinflussen können und sollen. Erfahrungen dieser Art führen am ehesten dazu, dass sie als gesellschaftlich und politisch verantwortungsvolle Staatsbürger/innen handeln.

Partizipation aller betroffenen Personen, Gruppen und Institutionen ist die Grundvoraussetzung demokratischer Planungs- und Entwicklungsverfahren: Nur mit Beteiligung der Bürger lassen sich die notwendigen Änderungen in der Gesellschaft bewerkstelligen und legitimieren. Hier ergeben sich Querbezüge zum Handlungsfeld „Soziale Stadtentwicklung", in dem das praktische Bürgerengagement ebenfalls ein tragendes Element ist. Somit sind diese beiden Handlungsfelder zum Teil als einander ergänzend anzusehen.

Das Handlungsfeld gliedert sich im Folgenden in einen Teil zur „allgemeinen Bürgerbeteiligung" und einen Teil zur „Partizipation junger Menschen".