Ausbildung

Partizipation junger Menschen

Mit Verantwortung wachsen und gestalten Leitbild/Vision Kinder und Jugendliche werden zunehmend als Experten in eigener Sache verstanden und akzeptiert. Gemäß dem Gebot der Partizipation werden sie an Planungen und Maßnahmen, die ihre Belange berühren, umfänglich, angemessen und möglichst frühzeitig beteiligt. Ausgehend von der Verabschiedung der UNKinderrechtskonvention (und den darin festgehaltenen Rechten) besteht der Auftrag an Politik und Verwaltung, an Institutionen und Erziehungsberechtigte, eine enge Beteiligung aller jungen Menschen an sie betreffenden gesellschaftlichen Fragestellungen zu ermöglichen.

In Berlin und seinen Bezirken gibt es beredte Beispiele erfolgreicher Beteiligungspolitik mit konstruktiven Ergebnissen. Für junge Menschen wird es zu einer Selbstverständlichkeit, ihre Ideen einzubringen und sich für deren Realisierung einzusetzen. Auf diese Weise lernen sie frühzeitig, Verantwortung zu übernehmen. Erfahrungen dieser Art führen dazu, dass sie auch als erwachsene Bürger gesellschaftlich und politisch verantwortungsvoll handeln.

Die nachstehenden Vorschläge sollen dazu beitragen, die für Berlin formulierten politischen Zielsetzungen zur verstärkten Partizipation junger Menschen aufzugreifen und ihnen einen Rahmen zu geben.

Qualitätsziele

Auf der Basis der im Teil „Umfassende Bürgerbeteiligung" genannten Qualitätsziele ergeben sich für den Bereich „Kinder- und Jugendlichenbeteiligung" folgende Spezifizierungen:

· Junge Menschen sollen frühzeitig Verantwortung für sich selbst, für andere und für die Gesellschaft übernehmen.

· Berlin schafft positive Lebensbedingungen für junge Menschen: In einem lebendigen Sozialraum wirken Kinder und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihres Lebensumfeldes mit.

· Alle Ressorts in Politik und Verwaltung auf Landes- und Bezirksebene machen sich die Belange von jungen Menschen und ihren Familien zu Eigen.

· Auf Bezirks- und Landesebene sind der Rahmen sowie angemessene Formen und Verfahren der Beteiligung junger Menschen an allen sie unmittelbar betreffenden Entscheidungen gegeben.

· In Berlin gibt es eine vernetzte und koordinierte Beteiligungspraxis.

· Partizipation insbesondere junger Menschen ist gesellschaftliche Selbstverständlichkeit und Bedingung. Sie bedarf dafür der öffentlichen Unterstützung, Information und Berichterstattung.

Handlungsziele, Maßnahmen und Indikatoren Kurzfristige Handlungsziele und Maßnahmen bis 2006

Handlungsziel 1: Voraussetzungen schaffen Anregung, Unterstützung und Begleitung der verschiedenen Formen und Maßnahmen einer Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie unmittelbar betreffenden Angelegenheiten und Planungen Maßnahmen

· In allen Bezirken und auf Landesebene werden Koordinierungsstellen zur Kinder- und Jugendbeteiligung geschaffen und mit den erforderlichen Personal- und Sachmitteln ausgestattet.

Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 61

· Die Koordinierungsstellen organisieren, begleiten und unterstützen die verschiedenen möglichen Formen von Beteiligung junger Menschen, wie Kinder- und Jugendforen, Kinder- und Jugendparlamente, Quartiersmanagement, Stadtteil-initiativen, etc. sowie die Anhörung in Ausschüssen.

· Entwicklung von Standards incl. Qualitätsstandards zur Kinder- und Jugendbeteiligung.

Schritte und Indikatoren

· Eine koordinierende Institution auf Landesebene wird eingerichtet.

· Je Bezirk wird mindestens eine Koordinierungsstelle eingerichtet.

· Die Koordinierungsstellen sowie Kinder- und Jugendbüros arbeiten ressortübergreifend auf der Basis von abgestimmten Standards.

Handlungsziel 2: Umsetzung der Gesetzeslage

Die vorhandenen und z.T. auch durch gesetzliche Vorschriften unterstützten Formen der aktiven Beteiligung junger Menschen werden realisiert und intensiviert.

Maßnahmen:

· Die ihrem Entwicklungsstand entsprechende Mitwirkung von Kindern in Kindertagesstätten bei der Gestaltung des Kita-Alltags wird vom Kitapersonal und den Eltern aktiv gefördert und unterstützt.

· Die Schülervertretungen und -aktivitäten an allen Berliner Schulen werden von Lehrpersonal und den Eltern aktiv informiert, gefördert und unterstützt.

· Die Vereine und Verbände sowie Freizeiteinrichtungen unterstützen aktiv die ehrenamtliche Mitwirkung junger Menschen am Vereinsleben und in den landesweiten Gremien.

Schritte und Indikatoren

· Prozentsatz der Kindertagesstätten und Schulen mit einer aktiven Mitwirkungsarbeit.

· Zahl der in den Sportvereinen und anderen Verbänden bzw. ihren landesweiten Gremien ehrenamtlich mitwirkenden jungen Menschen.

· Zahl der Kooperationen verschiedener Träger.

Handlungsziel 3: Regionale Kinder- und Jugendbüros Regionale Kinder- und Jugendbüros organisieren bzw. begleiten Projekte zur Beteiligung junger Menschen Maßnahme

In jedem Sozialraum wird ein Kinder- und Jugendbüro in öffentlicher oder freier Trägerschaft und angemessener Personal- und Sachmittelausstattung eingerichtet.

Schritte und Indikatoren Anzahl der Sozialräume mit Kinder- und Jugendbüros Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 62

Handlungsziel 4: Bereitstellung von Rahmenbedingungen und regelmäßiger Information

Zum Selbstverständnis einer Beteiligungspraxis gerade auch junger Menschen bedarf es der Bereitstellung organisatorischer Rahmenbedingungen, regelmäßiger Information durch die Koordinierungsstellen sowie der entsprechenden Wissens- und Handlungskompetenz aller gewählten politischen Vertreter/innen, der Eltern sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verwaltungen und Institutionen.

Maßnahmen:

· Vermittlung dieser Grundsätze in den politischen und übergreifend arbeitenden Gremien (z.B. Sozialraumkonferenzen).

· Ressortübergreifende Fortbildung von Bediensteten der Verwaltung und nachgeordneter Einrichtungen in allen beteiligten Ressorts.

· Regelmäßige Information von Politik, Verwaltung, Institutionen und Medien über die aktive Beteiligung junger Menschen in der Stadt.

· Fortbildungsangebote für Mitarbeiter/innen und Eltern in Kita, Schule und Sportverein zum Thema Partizipation junger Menschen.

Schritte und Indikatoren

· Regelmäßige und ressortübergreifende Fortbildungsveranstaltungen in der Verwaltungsakademie bzw. ähnlichen Institutionen ab 2004.

· Rahmenpläne und Curricula für die Ausbildung zum Lehramt, zu den Berufen im Bereich der Stadtund Landschaftsplanung sowie für die Bediensteten in Jugendeinrichtungen enthalten die Grundsätze zur frühzeitigen und umfassenden Beteiligung junger Menschen an allen sie direkt betreffenden Fragestellungen.

· Wegen des öffentlichen Interesses berichten die Medien regelmäßig über Beteiligungsaspekte und projekte.

· Zahl der Fortbildungsangebote für Beschäftigte und Eltern in den Einrichtungen.

Handlungsziel 5: Geregeltes Rede- und Antragsrecht

· Im Landesjugendhilfeausschuss haben die Vertretungen der landesweiten Koordinierungsstelle sowie in besonderen Fällen auch die mitwirkenden jungen Menschen ein Rede- und Antragsrecht.

· In allen Bezirken wird durch eine entsprechende Verankerung in den Geschäftsordnungen der BVV geregelt, dass benannte Vertreter/innen aus Projekten und Maßnahmen der Kinder- und Jugendbüros sowie Kinder- und Jugendforen, Kinder- und Jugendparlamenten, Stadtteilinitiativen in den bezirklichen Ausschüssen ein Rede- und Antragsrecht in den durch sie behandelten Angelegenheiten haben, ihre Stellungnahmen dokumentiert und Bestandteil der weiteren Entscheidungsverfahren werden.

Maßnahmen Aufnahme entsprechender Regelungen in die Geschäftsordnungen des LJHA sowie der BVVen.

Schritte und Indikatoren

· Bis zum Ende der Legislaturperiode gibt es eine entsprechende Grundlage in der Geschäftsordnung des LJHA.

· Bis zum Beginn der nächsten Legislaturperiode gibt es in allen Bezirken eine entsprechende Verankerung in den Geschäftsordnungen der BVVen.

Handlungsziel 6: Wahlrecht in Bezirken Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 63

Kinder und Jugendliche beteiligen sich aktiv an der politischen Willensbildung.