Durchführung von Kinder- und Familiengerechtigkeitsprüfungen

Die verbindliche Durchführung von Kinder- und Familiengerechtigkeitsprüfungen in allen die Kinder, Jugendlichen und deren Familien betreffenden Planungen und Vorhaben des Senats und der Bezirke wird sicher gestellt.

Indikator Anzahl der Planungen und Verfahren zur Kinder- und Familienverträglichkeits-Prüfung Projekte

Aus den aufgeführten Handlungszielen resultieren die folgenden Projekte, die zum Teil bereits praktische Realität sind, zum anderen Teil noch der Konzeptionierung und Implementierung bedürfen:

· Drehscheibe Kinder- und Jugendpolitik Berlin der Stiftung SPI, im Auftrag des Landesjugendamtes:

Die Drehscheibe koordiniert und vernetzt u.a. Beteiligungsinitiativen in der Stadt, entwickelt Partizipationsmethoden und -formen, konzipiert Beteiligungsverfahren und führt sie durch.

· Einrichtung von Koordinierungsstellen sowie dezentralen Kinder- und Jugendbüros in den Bezirken.

· Entwicklung von Standards für Koordinierungsstellen sowie Kinder- und Jugendbüros, die die Partizipation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Stadtteilen nachhaltig sicherstellen und befördern. (LEITPROJEKT)

· Berliner Landesprogramm „Jugendnetz-Berlin.de": Im Rahmen der medienpädagogischen Jugendarbeit soll erreicht werden, dass Kinder und Jugendliche durch ihre aktive Mitarbeit einen kompetenten Umgang mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien erhalten.

· Landesarbeitsgemeinschaft „Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen" nach § 78 SGB VIII": Mitglieder sind diverse Jugendinitiativen und Verbände sowie Vertreter/innen der Bezirks- und Landesverwaltungen. Aufgaben sind u.a.:

· Erarbeitung von Standards z. B. für Koordinierungsstellen, Beteiligungsbüros, etc.

· Vernetzung und Ausbau der Kinder- und Jugendbeteiligungsprojekte,

· Förderung der Prozesse im Sinne der „Leitlinien für eine kinder- und jugendfreundliche

· Stadt sowie Entwicklung von entsprechenden Qualitätsstandards und -kriterien,

· Informations- und Austauschplattform.

· Aktionstag Interaktiv / Crossover mit geplanter jährlicher Durchführung

· Neuauflage der Broschüre „Wir mischen mit!" Auflistung aller Beteiligungsmöglichkeiten sowie Ansprechstellen für Kinder und Jugendliche in Berlin

· Erarbeitung von „Best practice" ­ Handreichungen für Partizipationsprojekte Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 65

Innovationen fördern, Beschäftigung sichern, Arbeitsplätze schaffen

Zukunft der Arbeit - Die Mischung machts Strukturelle Umbrüche und Entwicklungstendenzen Berlin ist im Umbruch: In den vergangenen Jahren sind Arbeits- und Ausbildungsplätze in erheblichem Umfang abgebaut worden ­ nicht nur im produzierenden Gewerbe und in der Bauwirtschaft. Die positive Entwicklung im privaten Dienstleistungssektor ­ vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien, bei den personenbezogenen und produktionsnahen Dienstleistungen, im Tourismus und bei einer Reihe zukunftsorientierter Technologien ­ konnte den Verlust an Arbeitsplätzen nicht kompensieren, so dass im Saldo die Beschäftigtenzahl in Berlin seit 1993 (mit Ausnahme des Jahres 2000) kontinuierlich abgenommen hat. Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen.

In Berlin sind derzeit (Sept. 2003) rund 300.000 Personen, davon ca. 42 % Frauen, arbeitslos gemeldet.

11,4% der Arbeitslosen sind unter 25 Jahren, 10,8% 55 Jahre und älter und 3,4% schwerbehindert. Ein großer Teil (mehr als 40 %) verfügt über keine abgeschlossene Ausbildung. Der Anteil derer, die schon ein Jahr und länger arbeitslos sind, beträgt fast 40 % aller Arbeitslosen. Auf eine den Arbeitsämtern gemeldete freie Stelle kommen in Berlin ca. 25 Arbeitslose.

Auch auf dem Ausbildungsstellenmarkt herrschen erhebliche Ungleichgewichte. Die Entwicklung des Ausbildungsplatz-Angebots konnte bisher nicht mit dem demografisch bedingten Nachfrageanstieg Schritt halten. Der Übergang in eine Berufsausbildung wurde für die Schulabgänger/innen immer schwieriger. Nur durch umfangreiche staatliche Interventionen konnte in den letzten Jahren zumindest ein rechnerischer Ausgleich zwischen Ausbildungsangebot und -nachfrage erreicht werden.

Zusammengefasst lassen sich die aktuellen Entwicklungstendenzen und Umbrüche der Arbeit wie folgt beschreiben:

· Dauer- und Massenarbeitslosigkeit grenzen große soziale Gruppen von produktiver Arbeit, Einkommen und Anerkennung aus.

· Steigende Flexibilität und Diskontinuität der Arbeiten (Berufs- und Arbeitsplatzwechsel, Unterbrechungen) erhöhen einerseits die Wahlmöglichkeiten, verringern aber auch die soziale Sicherheit und erzeugen neue Belastungen (Stress, private Koordination, lebenslanges Lernen). Neue Chancen und Risiken gibt es nicht nur an den Rändern der Erwerbsarbeit, sondern auch in ihrem Zentrum.

· Die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse (Befristung, Teilzeit, Scheinselbstständigkeit) gefährden den Lebensmindeststandard und kumulieren sich bei bestimmten Gruppen (niedrige Qualifikation und Fortbildungschancen, Gesundheitseinschränkungen, Sozialverhalten).

· Weil Erwerbsarbeit im sozialen und ökologischen Bereich einerseits für viele Nutzer zu teuer, andererseits für die dort Arbeitenden wenig attraktiv (weil zu anstrengend und zu wenig anerkannt) ist, entstehen gravierende Versorgungsdefizite.

Somit ist für viele Gruppen die Teilnahme an der Erwerbsarbeit (als befriedigende Tätigkeit) und darüber die Erlangung eines bestimmten Wohlstands (Einkommen) eingeschränkt bis unmöglich. Für die Gesellschaft ergeben sich daraus Ungleichheit und Ausgrenzung, Versorgungsdefizite und Gefährdungen des sozialen Zusammenhalts. (Diese Aspekte sind teilweise auch bei der Problembeschreibung unter „Soziale Stadtentwicklung" und der sozialen Seite der Informationsgesellschaft aufgeführt.) Konzepte, die dieser Entwicklung wirksam begegnen möchten, werden nicht umhin kommen, sich von der bislang vorherrschenden Verengung auf reine Erwerbsarbeitsstrategien loszusagen.

Das vom Fachforum eingeführte Leitbild „Nachhaltige Mischarbeit" ist noch wenig verbreitet und bedarf einer kurzen Erläuterung: Nachhaltigkeit konzentriert sich auf die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Dafür werden alle geeigneten Tätigkeiten und ihre Produkte in die Betrachtung einbezogen ­ nicht nur die bezahlte Erwerbsarbeit, sondern die „ganze Arbeit": Auch Versorgungsarbeiten, Gemeinschaftsarbeiten und Selbstversorgung sind sinnvolle und produktive Tätigkeiten, die zur persönlichen Befriedigung und zum gesellschaftlichen Wohlergehen beitragen. Obwohl jedoch nur ein Teil dieser Tätigkeiten als Erwerbsarbeit durchgeführt wird, erfährt gegenwärtig nur diese eine entsprechende Anerkennung (durch Einkommen, Status, Teilhabe).