Kiezportale

Das Internet hat für eine Förderung der nachhaltigen Entwicklung durch die IKT eine mehrdimensionale Bedeutung. Bei richtiger Handhabung kann mit Hilfe dieses Medium die Identifikation der Bevölkerung mit ihrem lokalen Kiez und der Entwicklung ihres Bezirkes gestärkt, können Anregungen und Unterstützung für einen bewussteren Konsum und die Entwicklung internetgestützter Dienstleistungen befördert werden. Eine Kampagne (beispielsweise in Anlehnung an die „Netdays Europe Berlin") könnte die Umsetzung unterstützen.

Erstens kommt dem Internet eine erhebliche Bedeutung zu, im Sinne einer „Befähigung" der Konsumenten. Damit ist gemeint, diese darin zu unterstützen, zukunftsfähige, also auf Nachhaltigkeit hin orientierte Produkte und Dienstleistungen nachzufragen. Im dem zentralen Wechselspiel zwischen Nachfrage und Angebot kann die Angebotssituation verbessert werden, wenn die Transparenz erhöht und die „Konsumentenmacht" durch entsprechende Maßnahmen mobilisiert wird. Hierfür bietet das Internet eine ideale Informationsplattform. Ziel ist es hierbei, eine Orientierung der Konsumenten durch stationäre und mobile Produktinformationen am Ort des Konsumprozesses zu bieten. In einem ersten Schritt sind hierfür Kiezportale für die lokale Konsumenteninformation (unter Berücksichtigung des „nachhaltigen Warenkorbs") und zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft auf- bzw. auszubauen. Parallel dazu sind die technologischen Voraussetzungen für eine mobile Produktinformationen am Ort des Konsumprozesses zu schaffen. So sollte beispielsweise der städtische Ausbau von Hot Spots zum mobilen Einstieg ins Internet (über W-LAN) unterstützt werden.

Zweitens können diese Maßnahmen wesentlich dazu beitragen, dass eine digitale Integration (als Gegenmaßnahme zur digitalen Spaltung) vorangebracht wird. Denn nur, wenn den Menschen sinnfällige und auf ihre Bedürfnisse genau zugeschnittene Angebote im Internet offeriert werden, steigt die Bereitschaft bzw. das Interesse, dieses Medium zu nutzen. Hierfür sind quartiersbezogen Internetstationen (vorzugsweise im Einkaufsbereich) anzubieten, und parallel dazu Informationen über günstige Beschaffungsmöglichkeiten von EDV-Technik in Kombination mit einem Service-Netzwerk (plug and surf). Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 82

Bildung für die Zukunft Bildung zukunftsorientiert gestalten Problemskizze Bildung ist die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung unserer Gesellschaft, einer Gesellschaft, die gekennzeichnet ist durch kulturelle Vielfalt, technologische Veränderungen aber auch durch zunehmende ökonomische und soziale Ungleichheiten und begrenzte Ressourcen. Das ist auch in Berlin spürbar. In den meisten Bildungseinrichtungen steht eine Form der Wissensvermittlung im Vordergrund, die nicht ausreichend ist, um Kinder und Jugendlichen auf die Aufgaben zur Lösung gesellschaftlicher und ökologischer Probleme in Gegenwart und Zukunft vorzubereiten.

Auch im Berliner Schulsystem werden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, für Menschen mit nichtdeutscher Herkunft und aus benachteiligten sozialen und ökonomischen Lebensverhältnissen sowie für Menschen mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen nicht aufgehoben, sondern verstärkt.

Besonders Jugendliche nichtdeutscher Herkunft haben geringere Chancen in Schule, Ausbildung und Beruf. Jeder vierte ausländische Jugendliche verlässt die Schule ohne Abschluss und nur jeder zwölfte macht Abitur. Immer noch kommen 10 % der Kinder ohne vorschulische Sprachförderung oder mit nur einjähriger vorschulischer Bildung in die Schule. Das sind einige Gründe, die ein Umdenken erforderlich machen.

Leitbild Bildung befähigt alle Berliner/innen, vor allem auch Menschen mit Behinderungen, aktiv gestaltend an der gesellschaftlichen zukunftsfähigen und umweltverträglichen Entwicklung einer multikulturellen europäischen Metropole teilzunehmen. Bildung ist ein lebenslanger handlungsorientierter Prozess, der u.a. das Ziel hat, aktiv an der Gestaltung des Wohn- und Lebensumfeldes mitzuwirken. Dabei sollen Konzepte der Nachhaltigkeit handlungsleitend sein.

Der Erwerb von Sprachkompetenz ist eine Grundlage und Voraussetzung gesellschaftlicher Integration.

Kommunikation befähigt insbesondere Menschen nichtdeutscher Herkunft zur aktiven Mitgestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung wird eine Selbstverständlichkeit im lebenslangen Bildungsprozess in allen Bildungsbereichen. Die Lern- und Innovationsbereitschaft von Menschen und Institutionen wird in ihren Entscheidungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen der Stadt im Sinne der Nachhaltigkeit sichtbar.

Ziele:

Dem Bereich Bildung lassen sich vier Qualitäts- und vielfältige Handlungsziele zuordnen: Qualitätsziel 1: Modernisierung des formalen Bildungssystems auch unter dem Leitbild „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung"

· Eine Grundlage für nachhaltige Entwicklung ist die Vermittlung von Wissen über ökologisches Gleichgewicht, über soziale Gerechtigkeit hier vor Ort und weltweit und über Strategien ökologischer und sozial verträglicher Wirtschaft.

· Stärkung der Lern- und Innovationsbereitschaft von Menschen und Institutionen und die Reflexion unserer kulturellen Werte durch lebenslanges Lernen, Qualifizierung und Kompetenzvermittlung.

Entwurf zur Berliner Lokalen Agenda 21 Stand 30.03.2004 S. 83

· Vermittlung von Gestaltungskompetenz (nach de Haan und Harenberg): Durch sie werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene befähigt interdisziplinär, vorausschauend und vernetzt zu denken, eigene Zukunftsentwürfe zu planen, sich und andere zu motivieren. Sie lernen sich ökologisch und sozial verträglich und verantwortungsvoll zu verhalten sowie ihren Lebensstil und Konsumverhalten selbst zu reflektieren. Um aktiv an der Gesellschaft partizipieren zu können, sind inner- und außerhalb der Bildungseinrichtungen vielfältige Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten zu erproben. Darüber hinaus erwerben sie die Fähigkeit zur Konfliktbewältigung, die den Respekt für unterschiedliche Menschen, Ideen, Werte und Leistungen beinhaltet.

Handlungsziele:

· Integration der Nachhaltigkeitsthemen in Rahmenpläne und Schulprogramme, auch als Querschnittsthemen

· Erarbeitung von Handreichungen zu konkreten Nachhaltigkeitsthemen, vor allem für die Sekundarstufen I und II und für den beruflichen Bildungsbereich

· Unterstützung bei dem Anstreben positiver inner- und außerschulischer Evaluationsergebnisse zu den Nachhaltigkeitsprojekten und neuen Bildungszielen

· Unterstützung von fachübergreifenden langfristigen Schulprojekten zur Nachhaltigkeit, z. B. zur sozialen Partizipation, zu globalem Lernen, zu vernetztem Denken, zur Mobilitätserziehung, zu interkultureller Arbeit oder zur Umweltbildung und/oder Gesundheitserziehung Qualitätsziel 2: Kitas, Schulen und Bildungseinrichtungen entwickeln sich als gesundheitsfördernde, ökologisch anregend gestaltete soziale Lebens- und Lernräume, die Kinder, Schüler/innen, Eltern, ErzieherInnen und Lehrer/innen eigenverantwortlich und phantasievoll mitgestalten und in denen sie sich wohlfühlen. Schulen erarbeiten ein eigenständiges Profil und beziehen ihre Umgebung und die dort tätigen sozialen und ökologischen Initiativen, aber auch Wirtschaftsunternehmen und Einrichtungen, die Nachhaltigkeit zum Leitbild haben, aktiv ein.

Handlungsziele:

· Erweiterung der Mitgestaltungsmöglichkeiten in Kitas, in Schulen bei der Schulraum- und Schulhofgestaltung durch Beteiligung von Kindern, Eltern und Kooperationspartner, z. B. durch Energiespareinrichtungen, durch Begrünung, durch ökologische Baustoffe, durch Bewegungsangebote, gesunde Ernährungsangebote.

Qualitätsziel 3: Alle Menschen, Mädchen und Jungen, Männer und Frauen, werden in ihren individuellen Fähigkeiten, ihren kulturellen Prägungen gefördert und erhalten unabhängig von ihren Beeinträchtigungen einen gerechten Zugang zu allen Bildungsangeboten. Die Sprachkompetenz von Lernanfängern und von jungen Menschen mit nicht deutschsprachigem Hintergrund wird verbessert.

Handlungsziele:

· Abnahme des Anteils der Schulabgänger ohne Abschluss (maximal 7 Prozent bis 2010, maximal 11 Prozent bis 2020)

· Integration von Kindern, Schüler/innen mit Beeinträchtigungen und besonderem Förderungsbedarf in allen Bildungseinrichtungen in einem lebenslangen Bildungsprozess im gemeinsamen Lernprozess mit allen Menschen

· Förderung der individuellen Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern durch Angebote von extracurricularen Kursen

· Gerechte Teilhabe von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern an allen Bildungsangeboten. Spezielle Mädchenförderungsangebote

· Verbesserter altersunabhängiger Zugang zu Sprachkursen und Sprachförderungsmöglichkeiten und Erweiterung des Angebots im vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bereich Qualitätsziel 4: Bildung erfährt generell eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung, vor allem durch die Bereitstellung von mehr Ressourcen. Alle in der Bildung Tätigen werden besser qualifiziert, die individuelle Bereitschaft zur Qualifizierung wird adäquat honoriert.

Handlungsziele:

· Verkleinerung der Gruppen und Klassenstärken in den Berliner Kitas, Horten und Schulen in Bezug auf die Praxis im Jahr 2004 (maximal 25 SchülerInnen pro Klasse und maximal 15 Kinder pro Erzieherin in Hortgruppen).