Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern

Nach dem Gesamtkonzept für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern (Drs. 15/2355 vom 08. Dezember 2003) erfolgt eine kostenneutrale Personalumsetzung der Erzieherinnen und Erzieher aus den städtischen Kindertagesstätten in die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport auf der Grundlage der belegten Hortplätze. Zugleich soll die Finanzierung der Hortplätze bei Freien Trägern auf den Schulbereich übertragen werden.

Die Kostenneutralität wird auf der Basis der Vergleichsjahre 2003 und 2005 errechnet, da 2004 ein strukturelles Übergangsjahr darstellt und deshalb für einen systematischen Vergleich ungeeignet ist. Der Vergleich der Jahre 2003 und 2005 ist allerdings durch zwei Faktoren behindert, die gleichzeitig wesentlich zum Verstehen der Berechnung beitragen.

Erstens sind die Strukturen der Betreuung in 2003 (Schule und Jugend) und 2005 (nur Schule) grundlegend verändert, zweitens wachsen die Schülerzahlen von 2003 zu 2005 um ca. 8,4% an.

Die Darstellung der Kostenneutralität basiert auf einem berlinweit errechneten Hortteilnahme-Anteil von zukünftig 51%, verteilt auf die Module zu den verschiedenen Betreuungszeiten. Dieser Zahl liegen zudem der Betreuungsschlüssel von 1:22 (Grundschule und Grundstufe der Gesamtschule; für den Bereich der sonderpädagogischen Förderung gelten spezifische Frequenzen) und die Anteile für die Leitung und die kindbezogenen Zuschläge zu Grunde.

Für die Kinder, die zurzeit von Trägern der freien Jugendhilfe betreut werden, erfolgt die Überleitung der Personalkostenerstattung für die Träger der freien Jugendhilfe entsprechend dem Leistungsumfang. Falls von den Trägern der freien Jugendhilfe zukünftig ein geringer Anteil der Kinder mit anerkanntem Bedarf betreut wird, müssen die dafür vorgesehenen Mittel zur Finanzierung von Stellen in schulischer Zuständigkeit genutzt werden.

Die Ausstattung für die allgemein bildenden Schulen mit Erzieherinnen und Erziehern im Ganztagsbetrieb wird in den zum Sommer 2005 neu vorzulegenden „Richtlinien für die Ausstattung der allgemein bildenden Schulen mit Erziehern und Sozialarbeitern" fortgeschrieben. Die Erzieherausstattung wird auf der Basis der so genannten Jahresarbeitsminuten (JAM) auf Ebene der einzelnen Betreuungs-Module errechnet. Für die Bemessung der Ausstattung sind die Teilnehmerzahlen maßgeblich, die der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport im Rahmen der Schülerstatistik wenige Wochen nach Unterrichtsbeginn gemeldet werden.

Organisation von Unterricht und Erziehung in der verlässlichen Halbtagsgrundschule, Einsatz der Erzieherinnen und Erzieher

Der Schulvormittag von 7.30 bis 13.30 Uhr wird im Rahmen der Stundentafel als verlässliche Halbtagsgrundschule organisiert. Unterricht im Klassenverband sowie Unterricht in differenzierten bzw. geteilten Lerngruppen und in offenen Arbeitsgruppen wechselt sich mit Spiel- und Betreuungszeiten ab. Der Unterricht wird entsprechend der Stundentafel erteilt und ist je nach Klassenstufe unterschiedlich umfangreich. Die Ausstattung erfolgt wie bisher nach Stundentafel und Faktor, wobei die Berechnungsgrundlage grundsätzlich bei 24 Schülern pro Klasse, für Schulen mit über 40% ndH bei 23 Schülern pro Klasse liegt (Stand 1.2.05).

Je nach Ausgangslage der Einzelschule wird den Schulen ein Ausstattungspool mit Lehrerstunden zur Verfügung gestellt, der zur sonderpädagogischen Förderung und zur Förderung der Kinder nicht deutscher Herkunftssprache (ndH) verwendet wird. Je nach Bedarf und Ausstattungsgrad ist es den Schulen möglich, aus den einzelnen Klassen Lernund Arbeitsgruppen zu bilden, die eine flexible Gestaltung der Unterrichts- und Betreuungszeiten und auch die Verzahnung beider Bereiche möglich machen. Es ist auch die Einrichtung von temporären Lerngruppen für spezielle Fördermaßnahmen (sonderpädagogische Stützung/Deutsch als Zweitsprache) vorgesehen.

Der Unterricht wird von Lehrerinnen und Lehrern verantwortet. Die Erzieherinnen und Erzieher unterstützen die selbständigen Lernschritte der Schülerinnen und Schüler. Im Rahmen der verbindlichen Betreuungszeiten unterstützen die Erzieherinnen und Erzieher die Kinder, in dem sie die vorbereitenden, übenden und nachbereitenden Arbeiten für die schulische Lernsituation mitgestalten. Die Kinder lernen nach einem Wochenplan und mit zur Verfügung gestellten Materialien selbständig und in Gruppen zu arbeiten. Die Erzieherinnen und Erzieher unterstützen die Schülerinnen und Schüler bei der Arbeitsplanung, bei der Zeiteinteilung und bei der selbständigen Anfertigung ihrer Arbeiten und bringen hierbei ihre sozialpädagogische Kompetenz ein. Im Rahmen der offenen Unterrichtsarbeit unterstützen sie die Lehrkräfte bei der Durchführung der Sprachförderung. Ihr Einsatz erfolgt darüber hinaus bei Fördermaßnahmen, insbesondere bei Kindern mit Lern- und Entwicklungsverzögerungen.

Die verbindlichen Betreuungszeiten dienen auch dazu, freie und angeleitete Spiele mit den Kindern durchzuführen sowie Schülergruppen bei außerunterrichtlichen Projekten anzuleiten und sie zu beaufsichtigen.

A 2. Raumstandards:

Die „Vorgaben Ganztags-Grundschulen" (Raumprogrammvergleich relevanter Räume/Faktoren, maximale Kostenansätze für die Ausstattung der Räume für den Ganztagsbetrieb, Qualitätsstandards und Kostenrichtwerte zur Umgestaltung von Freiflächen) aktueller Stand: Februar 2004 - liegen den Bezirken vor. Die Planung und Abstimmung der von den Bezirken vorgesehenen Baumaßnahmen mit der Senatsverwaltung erfolgt auf dieser Basis.

Die Vorgaben stellen neben dem für den Ganztagsbetrieb zur alleinigen Nutzung akzeptierten zusätzlichen Raumbedarf auch die zur Mitnutzung vorgesehenen Räume und deren kostenmäßige Erfassung der Ausstattung dar. Außerdem werden maximale Kostenansätze für die Ausstattung der Räume für den Ganztagsbetrieb sowie Qualitätsstandards und Kostenrichtwerte zur Umgestaltung von Freiflächen festgelegt.

Darüber hinaus werden für bestehende, für den offenen Ganztagsbetrieb mitgenutzte Räume maximal 100 je Ganztagsplatz als Ausstattungsergänzung anerkannt.

Schulfreiflächen an Ganztagsgrundschulen erfordern auf Grund der höheren Verweildauer der Schülerinnen und Schüler und der intensiveren und inhaltlich erweiterten Nutzung andere Qualitätsstandards als dies bei Schulstandorten ohne Ganztagsbetrieb der Fall ist.

Für die Umgestaltung der Freiflächen werden deshalb bis zu 60 /qm (maximal 5 qm je Ganztagsplatz) zur Verfügung gestellt.

Diese Vorgaben dienen der Ermittlung der als Höchstbeträge zu gewährenden Bundesmittel, durch die zugleich die Gleichbehandlung aller Bezirke gewährleistet wird.

Die dargestellten Kosten werden aus den einmalig zur Verfügung stehenden Fördermitteln des Bundes in Höhe von bis zu 147,186 Mio. und den dafür erforderlichen Komplementärmitteln in Höhe von bis zu 16,5 Mio. (Planungszeitraum 2003 bis 2007) finanziert.

Dazu wird auf das Schreiben SenBildJugSport - II B 2 - vom 06.12.2004 an den Hauptausschuss „Umbaukosten für Ganztagsbetreuung" - rote Nummer 2825 - verwiesen.