Ganztagsgrundschulen

Jede Grundschule entwickelt ihr Schulprofil und legt ein Schulprogramm37 vor, aus dem ihre pädagogischen und organisatorischen Grundsätze und die Entwicklungsziele, einschließlich der entsprechenden Planungsschritte hervorgehen. „Für die systematische Qualitätssicherung und -entwicklung von Bildung und Erziehung in der Einzelschule ist das Schulprogramm ein wichtiges Planungs- und Steuerungsinstrument. Das Schulprogramm dient der Dokumentation und Rechenschaftslegung der von der Schule geleisteten Arbeit in einem vereinbarten Zeitraum. Es zielt auf Qualitätsverbesserung der Schule, dient der Selbstvergewisserung und legt Entwicklungsziele fest.

Neben der Ausgangslage und einer pädagogischen Bestandsaufnahme muss ein Leitbild formuliert werden, das gemeinsam mit allen an Schule Beteiligten entwickelt wird. Die konkrete Festsetzung von Entwicklungszielen muss durch Maßnahmen und Zeitplanungen ergänzt werden. Die Ergebnisse der schulinternen Evaluation ermöglichen die Fortschreibung des Schulprogramms."

Im Rahmen der Aussagen zur Qualitätsentwicklung des Unterrichts, zur Erziehungsarbeit, zur Gestaltung des Schullebens, zur Organisations- und Personalentwicklung sowie zur Evaluation sind insbesondere auch die didaktisch-methodischen Konzepte des Unterrichts und der Nachmittagsangebote sowie Kooperationsformen in der offenen Ganztagsgrundschule darzulegen. Das Konzept der verlässlichen Halbtagsgrundschule und des offenen Ganztagsangebots sind Kern des Schulprogramms einer Schule.

§ 8 Schulgesetz.

Rahmenlehrplan Grundschule, Teil 1, 1.7.

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Jede offene Ganztagsgrundschule entwickelt ein schulspezifisches Konzept, dass die individuellen Lernrhythmen, die ganztägig nutzbare Lernumgebung sowie die Kooperation beschreibt und Gestaltungselemente des Schullebens ebenso ausweist wie die Gestaltung von Unterricht, Erziehung und Betreuung. Profile der Schule - zum Beispiel Medien-, Lesekompetenz, musisch-ästhetische Erziehung - können als Scharnierstelle eines pädagogischen Konzepts für die Vernetzung von Bildung, Erziehung und Betreuung in der offenen Ganztagsgrundsschule gesehen werden.

Die Entwicklung jedes schulspezifischen pädagogischen Konzepts sollte einhergehen mit der systematischen Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität und der Erarbeitung spezifischer Förderkonzepte im Bereich der Lern- und Sprachförderung. Systematische Unterrichtsentwicklung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Schulprogrammarbeit - auch in der offenen Ganztagsgrundschule.

Dafür ist eine Beteiligung aller pädagogischen Mitarbeiter/innen der Schule, der Eltern, insbesondere auch der Schüler/innen sowie der außerschulischen Partner erforderlich.

Eine Abstimmung der pädagogischen Ziele und Grundsätze des Schulprogramms mit den Einrichtungen der Jugendhilfe, mit denen eine Grundschule kooperiert, ist erforderlich.

Jede Grundschule entscheidet über die Organisation von Unterricht und Betreuung und in diesem Zusammenhang über die Zeitstrukturen, in welchen der rhythmisierte Schultag im offenen Ganztagsbetrieb verläuft.

Hinweise zum Vorgehen bei der schulinternen Arbeit am Schulprogramm erschließen sich aus den Ausführungsvorschriften zur Erstellung der Schulprogramme und zur internen Evaluation40 und den Erläuterungen zur AV Schulprogramm. Neben der grundsätzlichen Zielsetzung der Aufhebung der sozialen und kulturellen Benachteiligung wird das Bildungsziel Chancengleichheit der Geschlechter einen deutlichen Stellenwert einnehmen.

A 3.2 Unterstützungsangebote

Bisher ist die „Wirkung ganztägiger Schulorganisationen" nicht hinreichend erforscht. Es lässt sich nur belegen, dass ganztägig organisierte Schulen, „(...) positive Veränderungen im Bereich der sozialen Integration und des Schulklimas erreichen, z. B. eine stärkere Kooperation im Lehrerkollegium oder weniger aggressives Verhalten auf Seiten der Schüler (bewirken)."

Als weitgehend abgesichert gilt, dass vorzugsweise lernschwache Schüler/innen von verlängerter Lernzeiten profitieren. Für die Gestaltung einer effektiven Lernorganisation existieren noch folgende Entwicklungsschwerpunkte für die in den Ganztagsschulen tätigen Lehrer/innen und Erzieher/innen:

· Entwicklung von Konzepten für individuelle Lernrhythmen (Unterrichtsentwicklung) im Unterricht im Rahmen ganztägig nutzbarer Lernumgebungen (Organisationsentwicklung).

Schulgesetz § 8, Abs. 3.

AV Schulprogramm v. 21. September 2004.

Klieme, E. / Radisch, F.: Wirkung ganztägiger Schulorganisation. Bilanzierung der Forschungslage. Deutsches Institut für die internationale pädagogische Forschung, Frankfurt/Main 2003.

Holtappels; H.-G.: Ganze Tage in der Schule - Erfahrungen, Konzepte, Probleme. In: Interkulturelle Beiträge. Jugend & Schule Nr.6, Tagungsbericht vom 6.11.2003, Berlin 2003.

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· Schaffung von Kooperationsstrukturen (Teamentwicklung) mit Partnern aus der Jugendhilfe und dem Stadtteil für die Entwicklung von ganztägigen Bildungsangeboten.

Ab dem Herbst 2004 können die Grundschulen auf folgende Unterstützungsangebote zugreifen:

· Das LISUM Berlin und die Sozialpädagogische Fortbildungsstätte Jagdschloss Glienicke haben ein ganztagsschulspezifisches Fortbildungsangebot aufgelegt.

· Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport hat mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und der Regionalen Stelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule e.V. (RAA-Berlin) einen Vertrag unterzeichnet, der die Einrichtung der „Servicestelle GanzTag" in der RAA-Berlin sicherstellt. Diese Servicestelle dient der Bedarfsklärung von Angeboten zur Prozessbegleitung und schulnahen Fortbildung in den Einzelschulen. Sie soll zudem den Kontakt zu den beiden o.a. Instituten pflegen, um bedarfsgerechte Dienstleistungen für die Schulen zu ermöglichen. Die Arbeit dieser Servicestelle begann im Oktober 2004.

· Auf Bundesebene wurde im Rahmen des von der DKJS verantworteten Begleitprogramms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen" ein Beratungs- und Informationspool in Form einer Datenbank mit Informations- und Arbeitsmaterialien eingerichtet.

Zudem wurden Themen-Werkstätten etabliert, die die Vernetzung regionalen und überregionalen Wissens aus Praxis und Theorie zu Ganztagsschulkonzepten, Ganztagslernen, Diagnostik und Förderkonzepten, Kooperation mit außerschulischen Partnern und Jugendhilfe leisten sollen. Eine Datenbank von „best practice" rundet das Angebot der DKJS ab.

· Seit September 2004 nimmt das Land Berlin am BLK-Verbundprojekt „Lernen für den GanzTag" teil. Unter der Federführung von Nordrhein-Westfalen beteiligen sich des weiteren Brandenburg, Bremen und Rheinland-Pfalz. Ziel dieses Programms ist die Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren als „Fachberater/innen für den Ganztagsunterricht". Ab dem Schuljahr 2005/06 sollen erste Fortbildungsmodule erarbeitet sein und in die Erprobungsphase gehen.

· Das Land Berlin gehört zu den 14 Ländern, die an der Begleitforschung „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (STEG)" teilnehmen. Gefördert unter anderem durch den europäischen Sozialfonds, führen das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) eine auf mehrere Jahre angelegte Evaluation an 450 Ganztagsschulen durch. Die Untersuchung will Aufschluss über Auswirkungen ganztägiger Angebote auf das Lernverhalten von Schülerinnen und Schülern liefern und Erfolgsbedingungen von Ganztagsschulen ermitteln. Erste Ergebnisse werden Ende 2005 bzw. Anfang 2006 zur Verfügung stehen. Zu den in Berlin teilnehmenden Schulen gehören auch gebundene sowie offene Ganztagsgrundschulen.

http://www.ganztaegig-lernen.de/(nnajpo55rdh4xj45twlyysfb)/serviceagenturen/serviceagenturen_ansicht.aspx?ID=1.

http://www.ganztaegig-lernen.de.

http://www.blk-bonn.de/modellversuche/lernen_ganztag.htm.

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