Grundschule

Ddoc 07.07.5 Rhythmisierung

Jede Schule entscheidet über die Unterrichtsorganisation, die Organisation des außerunterrichtlichen Bereichs und die Zeitstrukturen, in welchen der Unterrichtstag verläuft. Die Abkehr von einer didaktisch unproduktiven Zeitorganisation, in der Fächer in 45-MinutenEinheiten abgehandelt werden, durch eine Neurhythmisierung des Vormittags in Form von Unterrichts- und Freizeitblöcken sowie Phasen individueller Lernzeiten birgt Impulse für eine Veränderung des Lehrens und Lernens.

Ein flexibler Umgang mit dem 45-Minuten-Takt und eine flexible Gestaltung der Wochenplanung unter Einhaltung der Jahresstundenzahl waren für Berliner Grundschulen stets möglich und wurden vielfach praktiziert.

Eine veränderte Rhythmisierung des Schultages wird in den neuen Rahmenlehrplänen nunmehr explizit eingefordert: „Ein Stundenplan mit der Einteilung nach der starren 45-Minuten-Einheit wird den beschriebenen Anforderungen an das Lernen und Unterrichten oft nicht gerecht. Für die unterschiedlichen Aufgaben im Unterricht sind jeweils spezifische organisatorische Lösungen zu entwickeln. Diese können zum Beispiel sein: das Lernen an Stationen, die Einbindung von Werkstatt-, Projekt- oder Freiarbeit, aber auch von Morgenkreis, Mahlzeiten, Bewegungs- und Entspannungsaktivitäten in die Tages- oder Wochenplanung. Auch die Gliederung des Schultages in größere Blöcke, die Aufgliederung des Unterrichts zwischen Klassenverband und Kleingruppen zur Differenzierung, die Organisation von Hilfs- und Unterstützungssystemen für das Lernen sowie mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam entwickelte Regeln, zum Beispiel für das Zusammen-Leben und Zusammen-Arbeiten in der Grundschule, können einen verlässlichen Orientierungsrahmen schaffen und eine Atmosphäre der Zufriedenheit und Lebensfreude in der Grundschule unterstützen. Zudem unterstützt Rhythmisierung die Ausbildung von Konzentrations- und Leistungsfähigkeit."

In der offenen Ganztagsgrundschule erhalten Unterricht und soziale, spielerische, kulturelle, sportliche Aktivitäten die jeweils erforderlichen Eigenzeiten. Auch am Nachmittag kann Unterricht in Form von Arbeitsgemeinschaften, Förderangeboten und Projekten platziert werden. Auch am Vormittag ist Raum für spielerische Aktivitäten, individuelle Ü46 „Ein flexibler Umgang mit dem 45-Minuten-Takt bietet sich insbesondere im vorfachlichen Unterricht an." Vgl. RdSchr.

SchulSport III 66/1990.

Rahmenlehrplan Grundschule, Teil 1, 1.4.

O:\III Plen\Drucksachen\d15-4125.doc 07.07.2005 11:24 von 58 bungszeiten, Bewegung und Freizeit (ausgeweitete Pausen), gemeinsame Mahlzeiten und Entspannung vorzusehen. Damit gewinnt die offene Ganztagsgrundschule am Vormittag - wenn alle Kinder anwesend sind - Zeitfenster für gemeinsame und individuelle Aktivitäten, für Beschäftigungen an freien Lernorten. Mithin wird der Unterrichtsvormittag angereichert durch Angebote, die in der bisherigen Halbtagsgrundschule den außerschulischen Angeboten am Nachmittag vorbehalten waren. Darin liegt eine Chance, Zeitfenster für die Bearbeitung komplexer Problemstellungen, für selbst gesteuertes und handlungsorientiertes Lernen, für Anwendung des Wissens in Handlungskontexten, um anschlussfähiges Wissen zu erwerben, mehr Raum für soziales Lernen und mehr Zeit für das Miteinander zu eröffnen.

Eine Parallelisierung gleichartiger Blöcke auf Jahrgangsebene (Freizeitphasen, Förderangebote, Fachunterricht) eröffnet Möglichkeiten für klassenübergreifendes Arbeiten. Eine jahrgangsübergreifende Parallelisierung einzelner Fachstunden-Blöcke ermöglicht einzelnen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme am Unterricht einer anderen Klassenstufe.

Die veränderte Rhythmisierung beschränkt sich nicht ausschließlich auf die VHG-Zeiten.

Unterricht kann über den Tag verteilt werden, wenn dies unter pädagogischen Gesichtspunkten geboten erscheint. Projektangebote können am Montagmorgen, Entspannungspausen und Spielangebote im Laufe des Vormittags erfolgen - in Kooperation mit außerschulischen Partnern oder durch Erzieher in der VHG betreut. Sport-, Kunst-, Musikunterricht kann durch Lehrkräfte am frühen Nachmittag erteilt werden. Unterrichtsergänzende Angebote können in den Vormittag eingebettet sein (zum von Musikschulen, Vereinen, Künstlern, ehrenamtlich tätigen Seniorinnen), sodass Kindern im Vormittagsband alternative Angebote zur Verfügung stehen (Musik, Sport, Kunst, Kochen, Internet-AG).

Es ist die Veränderung der Zeitfenster schulischer Angebote, die eine Veränderung der Lernkultur zum einen ermöglicht, zum anderen aber auch erfordert. Konsequent realisierbar ist eine veränderte Zeitstruktur, die eine Rhythmisierung des gesamten Schultages umfasst, in einer gebundenen Ganztagsgrundschule, in der alle Kinder auch am Nachmittag anwesend sind. Rhythmisierungselemente lassen sich jedoch bereits auch in den VHG-Zeiten realisieren: gleitender Unterrichtsbeginn, Blocken von Unterrichtsstunden zu 90-Minuten-Einheiten bzw. 80-Minuten-Einheiten, um längerfristige Lern- und Arbeitsprozesse zu realisieren, aktive Pausen mit Spiel- und Bewegungsangeboten sowie integrierter Frühstückszeit, Integration von Entspannungs-, Stille- und Bewegungsphasen in die Unterrichtsblöcke, Einspannen eines frühen Zeitbandes für Förderangebote (zum Beispiel DaZ).

Eine konsequente Neurhythmisierung ist zweifelsfrei eine Herausforderung. Hier und da werden erst einmal kleine Schritte der Veränderung der über Jahre vertrauten Zeitstrukturen erfolgen können. Für die Weiterentwicklung der offenen Ganztagsgrundschule mit dem Ziel einer Qualitätssteigerung von Grundschule ist es allerdings entscheidend, die Rhythmisierung des Schultages auf das Ziel einer konzeptionellen Verbindung von Vormittags- und Nachmittagsangeboten hin zu gestalten.

Vgl. das Beispiel für eine Tagesstruktur.

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