Auszubildenden

Voraussetzung ist für uns allerdings eine klare Vereinbarung von Zielzahlen, die über unverbindliche Angaben hinausgeht, fließen doch nicht unerhebliche Mittel in dieses Projekt. Darüber hinaus ist es notwendig, über die Europafähigkeit des Systems nachzudenken, leisten wir uns in Deutschland diesbezüglich doch eine ziemliche Ignoranz.

Diese Landesinitiative mit ihrer beabsichtigten Stärkung der Lernortkooperationen und das neue Berufsbildungsreformgesetz mit der gesetzlichen Verpflichtung zur Kooperation der verschiedenen Lernorte des dualen Systems werden im Zusammenspiel mit der Entwicklung der beruflichen Schulen zu regionalen Berufsbildungszentren beziehungsweise Kompetenzzentren die Zusammenarbeit zwischen den beruflichen Schulen und den Betrieben qualitativ weiter stärken und voranbringen. Dies wird aber nicht ohne entsprechendes Lehrpersonal gehen.

Meine Damen und Herren, bereits jetzt haben wir große Schwierigkeiten, bestimmte Fachbereiche für die Berufsschulen abzudecken, und perspektivisch zeichnet sich eine partielle Unterversorgung ab. Hier gilt es, durch ein Personalentwicklungskonzept der Behörde gegenzusteuern, aber auch dafür Sorge zu tragen, dass die jetzt Studierenden vorbereitet werden im Unterrichten nach Lernfeldern und dem damit verbundenen Ziel, betriebliche Aufträge im Rahmen einer Prüfung zu bearbeiten. Das können zurzeit so gut wie keine Studierenden. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Berufsschulen die Kompetenzzentren für die Ausbildung in der Wirtschaft unserer Städte bleiben oder werden. ­ Vielen Dank!

(Beifall bei der SPD und bei der CDU) Präsident Weber: Als nächste Rednerin hat das Wort die Abgeordnete Frau Schön.

Abg. Frau Schön (Bündnis 90/Die Grünen): Herr Präsident, meine Damen und Herren! Die Große Anfrage der CDU ist ja überschrieben mit Modernisierung der beruflichen Bildung, und Modernität, finde ich, bezieht sich einerseits auf das novellierte Bundesgesetz, aber auch auf die betriebliche Praxis, die ja letztendlich dazu gehört, weil so etwas auch im Betrieb und in der Berufsschule umgesetzt werden muss.

Es wurde schon gesagt ­ ich werde hier jetzt auch nicht alles wiederholen ­, dass das Berufsbildungsreformgesetz im letzten Jahr vorgelegt und im Januar und Februar 2005 verabschiedet worden ist. Es enthält einige Neuerungen. Wir hätten uns an einigen Stellen ein paar mehr vorgestellt, aber der zentrale Punkt und das Ziel dieser Reform war ja, den wandelnden Anforderungen in der Arbeitswelt gerecht zu werden und die Ausbildung zukunftsfest zu machen, so dass Jugendliche auch breitere berufliche

Handlungschancen für ihren Berufseinstieg bekommen.

(Vizepräsidentin Dr. Mathes übernimmt den Vorsitz.)

Die wesentlichen Neuerungen waren aus grüner Sicht, dass es zu einer Aufwertung der Stufenausbildung und zu dieser Modularisierung gekommen ist.

Man muss da ausdrücklich anerkennen, dass es heutzutage viele Patchworkbiographien gibt. Es gibt nicht mehr so sehr die Biographien wie vor 20, 30 Jahren

­ Schule, Ausbildung, Beruf, damit ist die Bildung abgeschlossen, und dann geht man in Pension ­, sondern das mischt sich sehr viel stärker, und darauf muss die Ausbildung natürlich auch Rücksicht nehmen.

Ich finde es ausgesprochen gut, dass jetzt auch Teile

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Das ist ja bereits in der Hochschulausbildung mit der Umstellung auf Bachelor und Master eingeführt worden, so dass es auch ein größeres Gewicht bekommt.

Das ist jetzt in der Berufsausbildung auch der Fall.

In einem zusammenwachsenden Europa und bei der Globalisierung ist das ein ganz wichtiger Punkt für die heutigen Jugendlichen, denn ein Arbeitsmarkt findet für sie in der Zukunft nicht nur in Deutschland statt, sondern auch in anderen Ländern. Im Übrigen können wir auch von der Ausbildung in anderen Ländern lernen, und das ist gut für unsere Jugendlichen.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Dann ist aus unserer Sicht positiv geregelt worden, dass die Anrechnungsmodalitäten von schulischer Vorbildung auf die Länder übertragen worden sind und dass es auch erleichtert wurde, diese berufliche Vorbildung anzuerkennen. Das ist insofern positiv, weil heute jede Menge Warteschleifen gedreht werden, bevor Jugendliche überhaupt in eine duale Berufsausbildung kommen, und das ist für Jugendliche einfach auch verlorene Zeit. Wenn es da bessere Anerkennungsmöglichkeiten gibt, begrüßen wir das sehr. Insbesondere sind das natürlich auch Chancen für schwächere Jugendliche.

Was wir auch richtig finden, es wird aber teilweise kritisch gesehen, ist, dass die vollzeitschulischen Ausbildungsgänge aufgewertet worden sind. Absolventen können jetzt zur Kammerprüfung zugelassen werden, sofern es Länderregelungen dazu gibt. Auch das ist positiv zu werten gerade vor dem Hintergrund, dass es gegenwärtig deutlich zu wenig Ausbildungsplätze im dualen System gibt. Die Kritik, die da teilweise von den Kammern angebracht wird, verstehe ich ehrlich gesagt nicht, wenn sie und die Betriebe zu wenig Ausbildungsplätze schaffen. Aufgewertet worden sind auch die Berufsschulen, was Vorteile bringt, denn jetzt können Berufsschullehrer auch bei der Abschlussprüfung mitwirken, was vorher nicht der Fall war. So haben die die dort festgeschrieben worden ist, ist schon Bezug genommen worden. Das wird in Bremen aber schon längst praktiziert, und dass die Teilzeitausbildung dort festgeschrieben worden ist, ist auch gut. Ich weiß jetzt nicht genau, wer es gesagt hat ­ ich glaube, es war Herr Ravens ­, gerade für allein erziehende Auszubildende ist es ein Meilenstein, dass das festgeschrieben worden ist. Allerdings müssen wir auch so ehrlich sein einzuräumen, dass die Umsetzung gegenwärtig noch sehr schwierig ist.

Da sind natürlich auch die Berufsschulen gefordert, die Ausbildung so zu strukturieren, dass die Teilzeitausbildung generell und von der betrieblichen Seite möglich ist. Auch die Modellprojekte, die wir dazu gegenwärtig in Bremen haben, sind ausgesprochen schwierig zu realisieren. Da muss man noch viel Gehirnschmalz einsetzen, dass das tatsächlich Realität wird.

Was nicht gelungen ist, im Bundesbildungsgesetz umzusetzen, und was wir Grünen ausgesprochen bedauern, ist, dass der Zugang zur Hochschulbildung nicht nennenswert erleichtert worden ist. Es gibt immer noch einen Deckel bei der dualen Berufsausbildung, wo es immer noch schwierig ist, in eine Hochschulbildung hineinzukommen. Das finden wir schade.

Die Ausbildungsberatung wurde nicht festgeschrieben, und das ist insofern ein Problem, weil gegenwärtig, auch wegen der großen Not der zu wenigen hineingehen, für die sie nicht unbedingt geeignet sind, und es deswegen auch hohe Quoten von Ausbildungsabbrüchen gibt. Es wäre besser, wenn es da eine richtig gute Beratung geben würde.

Wir hätten uns auch gewünscht, wenn es Bestimmungen gegen Diskriminierung in der Ausbildung gegeben hätte. Das ist auch nicht der Fall gewesen, und das finden wir schade.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Die CDU-Anfrage habe ich erst einmal so interpretiert ­ jedenfalls so, wie sie gestellt worden ist ­, dass da sehr stark die Sorgen der Betriebe und der Kammern in den Mittelpunkt gestellt worden sind, auch das, was die Betriebe immer bemängelt haben, nämlich dass Jugendliche gegenwärtig nicht ausbildungsfähig sind. Die Rede von Herrn Ravens war da deutlich moderater. Er hat auch sehr deutliche Kritik an den Betrieben geübt. Dafür bin ich sehr dankbar, denn wir müssen schon zur Kenntnis nehmen, dass es nicht einfach nur darum geht, dass es natürlich Jugendliche gibt, die nur bedingt ausbildungsfähig sind, sondern wir müssen auch darüber reden, dass es sehr viele Betriebe gibt, die selbst auch nicht ausbildungsfähig sind.

Ich will an dieser Stelle nur sagen, dass wir in Anbetracht von 40 Prozent an Ausbildungsabbrüchen im Handwerk auch darüber reden müssen, wie dort die Ausbildungsfähigkeit der Betriebe und die Qualitätssicherung in den Betrieben an dieser Stelle gegeben ist. Das gehört meines Erachtens zu der gesamten Debatte dazu.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen) Genauso gehört Herr Lemke natürlich dazu mit der Frage: Was leisten Schulen für einen Beitrag, dass sie den Übergang in den Betrieb schaffen? Von daher stellen wir an der Stelle auch die Startchancen von Jugendlichen in den Mittelpunkt.

Ich will noch ein paar Worte zum Vollzug des Gesetzes sagen. Ein Gesetz zu schreiben ist die eine Sache. Wie es dann in der Praxis tatsächlich aussieht und wie es sich für die Jugendlichen anfühlt, ist noch einmal eine ganz andere Sache. Da steht zentral im Mittelpunkt, und Frau Böschen hat schon darauf hingewiesen, dass es leider nicht genügend Ausbildungsplätze gibt. Das ist bei der Sache aus meiner Sicht der Dreh- und Angelpunkt, und wir sind meilenweit davon entfernt. Die Anzahl der eingetragenen Ausbildungsverträge ist nach wie vor rückläufig, da beißt die Maus auch keinen Faden ab, Ausbildungspakt hin oder her, das ist einfach so.

Die Anzahl der Jugendlichen, die auf den Arbeitsmarkt streben, wird einfach größer, und die Schere geht an dieser Stelle immer noch weiter auseinander, als dass sie an der Stelle zusammenläuft, und wir schleppen einen großen Bestand von Jugendlichen aus den Vorjahren vor uns her, die nach wie vor keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, die praktisch seit Jahren auf einen Ausbildungsplatz warten, und das ist eigentlich ein zentrales Problem an der Stelle. Volkswirtschaftlich brauchen wir pro Jahr 7,5 Prozent Ausbildungsplätze. Bremen kommt da gegenwärtig gerade einmal auf vier Prozent. Das ist eine große Lücke. Wir brauchen an der Stelle auch Wahlmöglichkeiten.

Fachleute sagen, in Deutschland fehlen gegenwärtig 300 000 Ausbildungsplätze, die man braucht, um die Funktionalität des dualen Systems überhaupt aufrechtzuerhalten. Gerade vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung, was hier ja auch gesagt worden ist, brauchen wir diese Anzahl an Ausbildungsplätzen. Das ist ein zentraler Punkt für uns.

Dann zur Berufsbildweiterentwicklung! Es wurde auch schon einiges dazu gesagt, mit welchen Langfristchancen das verbunden ist. Ich möchte aber trotzdem ein Beispiel dazu bringen, was Bremen an der Stelle selbst machen kann, zum Beispiel im Bereich Gesundheitswirtschaft. Gesundheitswirtschaft ist ja etwas, was in Bremen und der Zukunftsentwicklung von Bremen immer hoch aufgehängt wird. Das ist auch richtig. In Bremen sind die kommunalen Krankenhäuser zu umgewandelt worden, aber die Bremer Kliniken haben zirka 5000 Beschäftigte, wenn ich da richtig informiert werde. Meiner Kenntnis nach gibt es in Bremer Kliniken aber nur drei bis vier Ausbildungen zu Gesundheitskaufleuten, und da würde ich einfach einmal sagen: Wenn man daraus macht, ist der Bereich der Gesundheitskaufleute auch neue Ausbildungen schaffen könnte, aber das passiert aus meiner Sicht gegenwärtig ziemlich unzureichend.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Dann zur Qualität der betrieblichen Ausbildung!

Sie muss deutlich gesichert werden, ich hatte es vorhin schon gesagt. Im Moment ist es so, dass zu viele werden. Das Schwarzbuch Ausbildung des DGB hat das belegt. Die Initiative Bleib dran stellt das auch immer wieder in ihren Gesprächen fest. Das darf nicht sein! Jugendliche werden zu häufig als billige Arbeitskräfte eingesetzt, auch das darf nicht sein. Das sagen auch die einschlägigen Studien, und es darf, wie gesagt, auch keine Diskriminierung am Arbeitsplatz geben. Ich hoffe sehr, dass Probleme wie sexuelle Belästigung, die auch immer wieder beschrieben werden, in der Tat nur Ausnahmen sind und dass das nicht die Regel ist, aber das gehört dazu, und darüber müssen wir auch an dieser Stelle reden.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Die Ausbildungsabbrüche hatte ich vorhin schon kurz erwähnt. Die Abbruchquote im Handwerk liegt in Bremen bei 26 Prozent. Hinzu kommen noch einmal zirka 14 bis 15 Prozent von Jugendlichen, die nicht durch die Prüfung kommen. Das heißt, wir haben hier eine Erfolgsquote, die eindeutig katastrophal ist, so dass eine Modernität von Ausbildung auch daran arbeiten muss, dass es diese Ausbildungsabbrüche nicht gibt und die Jugendlichen auch durch die Prüfung kommen. Hier läuft offenbar einiges falsch und wirft auch ein schlechtes Licht auf die Qualität der gegenwärtigen Ausbildung.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Ein weiterer Punkt ist, dass wir Warteschleifen abbauen müssen. Die Anfrage der CDU hat gezeigt, dass zu viele Auszubildende über 23 Jahre alt sind.

Eine andere Studie zeigt, dass der durchschnittliche Einstieg in die Berufsausbildung gegenwärtig bei 19,5 Jahren liegt. Es gibt ein Niemandsland von drei Jahren zwischen Schulabschluss und Einstieg in die berufliche Ausbildung. Das heißt, dass dazwischen noch einmal eine Stufe der Berufsausbildung entstanden ist, die gegenwärtig völlig ungeregelt ist, wo Einstiegsqualifizierungen stattfinden, wo Qualifizierungen aller Art stattfinden, wo Berufsvorbereitung, Praktikum und so weiter stattfinden, und die Jugendlichen sind am Ende, wenn sie aus der Berufsausbildung kommen, deutlich zu alt. Das sind dann auch verpasste Lebenschancen.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Das hat auch viel damit zu tun, dass es schlicht zu wenig Ausbildungsplätze gibt. An der Stelle wollen wir auch, dass diese Phasen deutlich mehr anerkannt werden, ich hatte es eingangs gesagt, damit diese Zeiten nicht sinnlos für die Jugendlichen sind, sondern dass sie auch wissen, wofür sie das tun. Wie gesagt, das muss aus unserer Sicht deutlich abgebaut werden. Wenn man das abbaut, ist das für uns auch sehr viele Kosten im Bildungssystem sparen, denn diese Zeiten sind einfach auch sehr teuer.

(Beifall beim Bündnis 90/Die Grünen)

Ich will jetzt noch zu ein paar Punkten kommen, die ich ehrlich gesagt nicht so richtig verstehe. Einerseits fordern die Kammern und auch viele Betriebe, dass die Berufsschule auf einen Tag reduziert werden soll, damit die Jugendlichen mehr im Betrieb sind.

Andererseits wird bemängelt, dass die Jugendlichen nicht richtig rechnen und schreiben können, also elementare schulische Fähigkeiten nicht haben. Da frage ich mich ehrlich gesagt: Wo sonst sollen sie die denn nachholend lernen, wenn nicht in der Berufsschule? Der Betrieb wird das sicherlich nicht machen.

Die Betriebe sollten doch geradezu ein Interesse daran haben, dass die Auszubildenden vernünftig nachgebildet werden, wenn das in der Schule so nicht stattgefunden hat.

Was sicherlich nicht sein darf, ist, dass Jugendliche billige Arbeitskräfte sind und nur deswegen vier Tage im Betrieb bleiben sollen. Nein, ich finde es ziemlich richtig, dass diese Berufsschule auch auf zwei Tagen erhalten bleiben soll. Es ist auch im Übrigen im Berufsbildungsreformgesetz festgelegt, und ich bin sehr dankbar, dass sich Herr Ravens in eine ähnliche Richtung geäußert hat.

Was ich im Übrigen auch nicht verstehe, ist, dass sich Betriebe häufig sehr gegen diese vollzeitlichen Ausbildungsgänge richten, weil sie ein Anschlag auf die duale Ausbildung wären. Einerseits schaffen die Betriebe zu wenig Ausbildungsplätze im dualen System, aus welchen Gründen auch immer. Andererseits beschweren sie sich, wenn dann der Staat vollzeitliche Ausbildungsgänge schafft. Hier springt der Staat in der Not ein, um den Jugendlichen eine Perspektive zu geben, und dann wird es kritisiert.