Kompetenzen für eigenverantwortliche Mediennutzung gezielt stärken ­ integriertes Konzept „Medienführerschein" vorlegen

Das Abgeordnetenhaus fordert den Senat auf, ein integriertes Konzept zur Stärkung der Kompetenzen für die eigenverantwortliche Mediennutzung der Berliner Schulkinder bzgl. Umgang und Nutzung der neuen Medien vorzulegen.

Dabei gilt es, die kompetente eigenverantwortliche Mediennutzung in ihrer Bedeutsamkeit als vierte Schlüsselkompetenz neben Lesen, Schreiben und Rechnen zu stellen. Der Begriff der Medien ist umfassend zu begreifen, so dass neben den von Allen bereits genutzten Medien wie Fernsehen und Hörfunk auch Computer, Internet, Handy und Spielkonsolen sowie Printmedien zu berücksichtigen sind.

Die Zielgruppen sind umfassend zu wählen, um Kinder im Vorschul- und Grundschulalter, Jugendliche und junge Erwachsene bis hin zu Pädagogen und Eltern bei der Angebotsentwicklung anzusprechen.

Es soll zusammen mit Experten und Kooperationspartnern aus öffentlichen und privaten Medienunternehmen, Volkshochschulen und Organisationen des Jugend- und Verbraucherschutzes gemeinsam ein medienpädagogisch integriertes Modulsystem entwickelt und durchgeführt werden.

Die einzelnen Module können in den rhythmisierten Ganztagsschulbetrieb integriert werden, um bereits frühzeitig jedem Schulkind die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln. Der Kompetenzzuwachs kann in einem „Medienführerschein" dokumentiert werden.

Begründung: Angesichts der rasanten Entwicklung der Medien, ihrer Omnipräsenz und der damit verbundenen technischen Möglichkeiten ihrer Nutzung, stellt die eigenverantwortliche Mediennutzung die zentrale Schlüsselkompetenz neben Lesen, Schreiben und Rechnen dar.

SMS, Chats, Tweets, Ego-Shooter-LAN-Parties, Phishing, Nicknapping, CyberBullying, Happy-Slapping ­ diese Aufzählung macht exemplarisch deutlich, wie unübersichtlich die Rasanz der Entwicklung der neuen Medien ist. Obwohl

Kinder und Jugendliche zuallererst mit neuen Entwicklungen in Kontakt kommen und sie ganz selbstverständlich nutzen, können sie die Chancen und Risiken oftmals nicht richtig einschätzen. Ebenso deutlich wird das systemische Problem, dass Eltern und Pädagogen oft nicht nur technische Informationsnachteile haben, sie werden auch zu spät über Entwicklungen informiert.

Dennoch oder gerade deswegen darf es nicht sein, dass die Vermittlung von Medienkompetenz an Berliner Schulen verengt als Vermittlung von „ITKompetenz" bzw. dem „Einsatz digitaler Medien in der Berliner Bildung" (eEducation Berlin Masterplan, 2005) adressiert wird. Es reicht nicht aus, wenn der Senat in Allgemeinplätzen die Vermittlung von Medienkompetenz als „allgemeines Unterrichtsziel" begreift, das sich „in allen Fächern in jedem Jahrgang in jeder Schulart" finden soll (Drs. 16/13364), ohne konkrete und dokumentierbare Kompetenzprofile für die eigenverantwortliche Mediennutzung zu erstellen.

Wenn der Senat bei Fragen zu Risiken des Internets und des Datenschutzes auf die „Aufgabe der gesamten Gesellschaft, einschließlich der Familien" (ebd.) verweist und auf „Angebote von entsprechenden Unterrichtsmaterialien, deren Nutzung in der Verantwortung der einzelnen Schule liegt" (ebd.), dann wird offensichtlich, wie nötig die Zusammenführung einzelner Angebote verschiedener Experten in das integrierte Konzept „Medienführerschein" zur dokumentierbaren Stärkung der Kompetenzen für eigenverantwortliche Mediennutzung ist.

Vorteil eines Modulsystems ist neben der Flexibilität, beispielsweise gemeinsame Eltern-Kind-Module außerhalb der Schule, vor allem die Zusammenführung aller Einzelaktivitäten und -maßnahmen in einem integrierten Konzept, das die Kompetenzzuwächse dokumentiert.